Bayonetta Origins: Cereza and the Lost DemonBayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon
Review

Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon im Test: Zauberhafte Anfänge

Von Tjark am 5. April 2023. Getestet auf Switch. Zum Spiel hier klicken.

Obwohl sich im Titel von Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon der Name Bayonetta verbirgt, muss man erstmal die Verbindung zur bekannten Spielereihe suchen, denn sowohl optisch als auch was das Genre und Gameplay betrifft, bekommen wir hier etwas vollkommen anderes als man erwarten würde. Anders als man es von Platinum Games kennt, handelt es sich hier nicht um ein schnelles Hack and Slay, sondern um ein gefühlvolles Adventure.

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Ab ins Feenreich

Wie der Titel ebenfalls vermuten lässt, geht es um die Geschichte vor den bekannten Bayonetta Spielen. Genauer gesagt um die Kindheit der Umbrahexe Bayonetta, die damals noch Cereza genannt wird. Leider wird die Mutter unserer jungen Protagonistin eingesperrt, da sie sich mit einem Mann des verfeindeten Lumen-Clans eingelassen hat, was für eine Umbrahexe ein Kadinalsverbrechen darstellt. Cereza wird trotz ihrer Abstammung als junge Hexenschülerin bei einer Hexe ausgebildet. Das junge Mädchen leidet sehr darunter, von ihrer Mutter getrennt zu sein, und will alles unternehmen, diese aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Als sie eines Tages eine Vision von einem mysteriösen Jungen hat, der ihr sagt, dass sie eine große Macht erlangt, wenn sie in den Wald von Avalon geht, fackelt sie nicht lange. Der Wald ist aber aus gutem Grund für sie verboten, denn es handelt sich um das Königreich der Feen. Und einmal hineingestolpert, kann Cereza ungünstiger Weise nicht mehr einfach wieder hinausgehen, sondern ist in einem magischen Labyrinth gefangen. Als die ersten Feen von ihr Notiz nehmen und sie angreifen, schafft sie es zum ersten Mal erfolgreich, einen Dämon zu beschwören, der sie im Kampf beschützen soll. Aufgrund ihrer geringen Erfahrung und leichten Tollpatschigkeit wird dieser allerdings an ihr Stoffkuscheltier gebunden. Der Dämon, den Cereza kurzerhand wie ihr Kuscheltier Cheshire tauft, ist davon verständlicherweise wenig begeistert. Aber weil sie ihn beschworen hat, kann er sie auch nicht angreifen. Da die junge Hexe aber auch nicht weiß, wie sie den Dämon wieder entlassen kann, müssen die beiden also zunächst kooperieren. Da sie den Wald nicht verlassen können, folgen sie den Anweisungen des mysteriösen Jungen und gehen immer weiter in den Wald hinein. Was sie aber alles auf dieser zauberhaften Reise erwartet und ob Cereza es schafft, ihre gefangene Mutter zu befreien, wollen wir hier nicht vorwegnehmen.

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Einfach märchenhaft

Das Erste, das an Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon auffällt, ist zweifelsohne der Artstyle. Denn wir bekommen die Geschichte nicht wie gewohnt in Cutscenes erzählt, sondern über Seiten eines Bilderbuchs. Das heißt, es werden uns „Seiten“ mit großen Bildern und wenig Text gezeigt, die dann in einer Blätter-Animation weitergeschaltet werden. Die Bilder sind dabei aber nicht komplett statisch, sondern haben leichte Bewegungen und auch auf eine Vertonung des Textes müssen wir nicht verzichten, wenn auch nur in Englisch oder Japanisch. Das gibt der ganzen Story den Anstrich eines Märchens und bremst den Spielfluss auf ein würdiges Maß. Auch der Stil außerhalb der „Cutscenes“ mutet an, als wäre er mit Wasserfarben gemalt. Es ist durch und durch eine zauberhafte Welt. Und da wir es diesmal mit Feen und nicht mit Engeln, wie in den Hauptspielen, zu tun haben, ist das Gegnerdesign ebenfalls weniger futuristisch und mehr fantastisch. Die Spielwelt fühlt sich mit ihren ganzen Farben und kunterbunten Animationen manchmal etwas zu sehr nach Trip an.

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Auf Erkundung: Cereza

Die meiste Zeit erkunden wir die Welt und lösen verschiedene Rätsel, unterbrochen von einem gelegentlichen Kampf. Beim Erkunden ist eine Besonderheit, dass wir Cereza und Cheshire unabhängig voneinander mit jeweils einem Controlerstick, beziehungsweise einem eigenen Joycon, steuern. Dabei können sich die beiden Hauptcharaktere aber nicht zu weit voneinander entfernen. Allerdings können nicht beide dieselben Pfade beschreiten und wir müssen uns immer wieder gegenseitig den Weg ebnen. Cheshire kann zum Beispiel Barrikaden zerstören, aber nicht durch Feenstaub-Pflanzen laufen. Cereza kann mit ihrem magischen Tanz Pflanzen wachsen lassen, aber dafür keine Vorsprünge erklimmen. Wir sind also immer darauf angewiesen, die verschiedenen Stärken und Fähigkeiten zu nutzen. Wir können den Dämon aber auch in seiner Plüschtiergestalt herumtragen. Das erleichtert die Navigation um einiges, da nur auf die Bewegung einer Figur geachtet werden muss. Nebenbei eröffnet es sogar neue Wege, da wir das Plüschtier teilverwandeln und wie einen verlängerten Arm ausstrecken können. Zwischen den Modi kann mit nur einem Tastendruck schnell und dynamisch hin und her geschaltet werden. Damit lassen sich Ranken angeln und Abgründe überspringen. Diese Art des Gameplays und die Rätselmechaniken erinnern an das Spiel Brothers: A Tale of Two Sons. Mit fortschreitendem Spielverlauf erlernen wir mehr Fähigkeiten und Formen, um neuartige Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

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Im Kampf: Cheshire

Während bei der Erkundung Cereza meist im Vordergrund steht, wechselt sie im Kampf in eine unterstützende Rolle, denn für das Zuschlagen ist Cheshire zuständig. Er beherrscht einfache Kombos aus leichten oder aufgeladenen Angriffen. Die junge Hexe kann mit ihrem Tanz Gegner lediglich für einige Zeit bewegungsunfähig machen. Trotzdem ist die Lebensanzeige der Hexe die relevante, denn sie ist für ein Game Over verantwortlich. Wenn der Dämon zu viel Schaden einsteckt, dann wird er lediglich in Plüschgestalt verwandelt und muss sich in den Armen seiner Partnerin einige Zeit erholen, bevor seine große Form wieder einsetzbar ist. Wir müssen im Kampf deswegen ständig beide Charaktere im Blick haben.

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Bäume nicht nur im Wald

Ähnlich zu den Hauptspielen können wir in der Welt viele Collectibles oder optionale Wege finden, was uns mehr Ressourcen und Erfahrungspunkte beziehungsweise Währung bringt. Größere losgelöste Gebiete stellen die „Tír Na Nóg“ dar, das sind quasi Knotenpunkte der Feenmagie, die große Bereiche der Welt beeinflussen. Diese öffnen neuen Areale und bringen zusätzliche Ressourcen und Erfahrung. Einmal abgeschlossen, können sie an den Speicherpunkten auf Zeit gespielt werden. Die Ressourcen können dann in Tränke gebraut werden. Die Erfahrung oder Währung wird verwendet, um neue Fähigkeiten in einem Skilltree freizuschalten oder zu verbessern. Da wir aber an die Trennung der Charaktere eh schon gewöhnt sind, gibt es natürlich auch zwei Skilltrees und auch unabhängige Währungen. Zusätzlich zu diesem natürlichen Wachstum können wir aus einer Vielzahl von Spielhilfen wählen, um das Spiel an beliebigen Stellen zu vereinfachen. Dadurch sollte das Game für jeden spielbar sein und genau zu dem Märchen werden, das es erzählen soll.

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Fazit

Das Gameplay und die Darstellung könnten zu den Hauptspielen der Bayonetta nicht unterschiedlicher sein, und trotzdem erzählt es die Ursprungsgeschichte der Hexe Cereza aka Bayonetta auf eine perfekte Art und Weise. Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon fügt sich dadurch gut in die Spielereihe ein und schließt noch ein paar Lücken in der Geschichte dieses Universums. Das Spiel stellt seine Handlung eher fantastisch und zauberhaft dar, anstatt auf knallharte Action zu setzen. Leider ziehen sich durch die Kapitelerzählweise manche Interaktionen arg in die Länge. Und der Kampf gestaltet sich durch die wenigen Kombos auf Dauer eher stumpf. Wer sich aber erst ein Bild vom Spiel machen will, der kann die kostenlose Demo ausprobieren, die die ersten beiden Kapitel umfasst. Sollte diese überzeugen, können die Speicherstände in der Vollversion sogar weiterverwendet werden. Fans der Hexe Bayonetta, die auch ein neues Gameplay akzeptieren können, ist das Spiel wärmstens empfohlen. Ich persönlich wurde von den Bayonetta-Hauptspielen nicht so abgeholt, aber die Darstellung dieses Spiels hat mich trotzdem neugierig gemacht und einen leichten Einstieg geschaffen. Durch die kostenlose Demo gibt es eigentlich auch keinen Grund, das Märchen nicht zumindest mal auszuprobieren.

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Pro:
  • Neues Gameplay
  • Märchenhafte Darstellung
  • Interessante Rätsel
Contra:
  • Eindimensionaler Kampf
  • Story-Abschnitte ziehen sich gelegentlich
Story:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 9.0 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: Switch
Tjark

Tjark

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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