Review

Mafia Definitive Edition – Lost Heaven in neuem Gewand

Von Daniel Walter am 30. September 2020
Publisher: 2K Games
Release: 25. September 2020
Genre: Action
Entwickler: Hangar 13
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 18

Die Mafia Definitive Edition komplettiert die für die aktuelle Konsolengeneration neu aufgelegte Mafia Trilogie und präsentiert den Klassiker in völlig neuem Gewand. Wie uns das Remake des ersten Teils der erfolgreichen Action-Reihe gefallen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Mafia Announce Screenshot Car Chase

Ein Spielerlebnis nach euren Vorstellungen

In der Neuauflage des Gangster-Epos von 2K Games verschlägt es uns ein weiteres Mal in die fiktive Stadt Lost Heaven, in der die organisierte Kriminalität allgegenwärtig ist. Bevor es losgeht, wählen wir aus einem von vier Schwierigkeitsgraden aus, wobei neben dem klassischen, sehr knackigen Modus auch die Stufen “leicht”, “normal” und “schwer” zur Verfügung stehen. Separat hierzu lassen sich auch das Polizeiverhalten sowie der Fahrmodus regulieren, jeweils zwischen dem realistischeren Simulations- sowie dem normalen Modus. Entscheiden wir uns bei den Cops beispielsweise für die Simulation, haben wir auch schon bei zu schnellem Fahren oder beim Ignorieren roter Ampeln ein Problem. Andernfalls interessieren sie sich nur für uns, wenn Menschen in Gefahr sind. Weitere optionale Einstellungsmöglichkeiten betreffen die Zielhilfe oder die Schaltung der Fahrzeuge, außerdem haben wir die Chance, die Option “Fahrt überspringen” zu aktivieren und uns unwichtige Wege zu sparen. Weiterhin beeinflusst die Schwierigkeitsstufe auch das Gegnerverhalten oder die Hilfestellungen auf dem Bildschirm.

Eine Eröffnung aus dem Bilderbuch

Direkt mit der Eröffnungssequenz, bei der wir uns vom Meer aus langsam der Metropole am Horizont nähern, wird klar, dass der neu gestaltete Klassiker in Sachen Optik und Atmosphäre in der obersten Liga spielt. Lichteinfall, Schattenwürfe und Reflektionen auf der Wasseroberfläche sehen ebenso großartig aus wie die sich spiegelnden Metallteile der Fahrzeuge oder die Pflanzen am Wegesrand. Die Sequenz führt uns durch die Straßen der Stadt, an imposanten Wolkenkratzern vorbei und präsentiert uns eine lebendige und glaubhafte Kulisse, die in uns sofort das Verlangen weckt, alte Swing- und Jazzklassiker aus dem CD-Regal zu kramen und die besondere Stimmung der Hollywood-Ära zu zelebrieren. Die Soundkulisse des Spiels kann sich ebenfalls sehen und hören lassen. Hier erwarten uns kräftige orchestrale Klänge auf höchstem Filmmusik-Niveau, die sich nicht hinter Produktionen für aktuelle Kinofilme verstecken müssen. Auch die jazzigen Sounds aus dem Autoradio, die uns später die Fahrten versüßen, unterstreichen den Zeitgeist perfekt und lassen uns das eine oder andere Mal mitgrooven und lässig mit den Fingern schnippen.

Mafia Announce Screenshot Little Italy

Bekannte Gesichter

Von Oldtimern dicht befahrene Straßen, ein reges Treiben auf den Bürgersteigen oder in den Parks sowie kleine Details wie Zeitungs- und Essensstände oder auch Müll und weggeworfene Zeitschriften machen die Stadt schon in den ersten Spielminuten zu dem Ort, den wir uns im klassischen Mafia-Spiel immer gewünscht haben. Das Gespräch von Detective Norman mit Hauptfigur Tommy, das quasi die gesamte Handlung in Form eines Rückblicks umrahmt, leitet die Geschichte auch im Remake stimmungsvoll ein. Man muss an dieser Stelle sagen, dass der Dialog in dem düsteren Café dank detaillierter Gesichtsanimationen sowie kleinster optischer Merkmale wie Bartstoppeln, Falten in Mundwinkeln und Stirn oder auch großartig umgesetzter Augenpartien auf einem unglaublich hohen Niveau ist – was übrigens für alle Sequenzen gilt. So wirkt das in die Jahre gekommene Original schnell nur noch wie ein blasser Schatten, denn das, was im Remake in Sachen optischer Präsentation geboten wird, ist schlichtweg atemberaubend. Auch die Arbeit der Synchronsprecher, die aus den Figuren ab dem ersten Wort einen echten Charakter machen, ist rundum gelungen.

Mafia Announce Screenshot Morello

Zurück in Lost Heaven

Die eigentliche Story findet in der Vergangenheit statt, im Lost Heaven des Jahres 1930. Hier gerät der junge Taxifahrer Tommy Angelo unfreiwillig ins Zentrum eines Verbrechens, als sein Taxi als Fluchtfahrzeug herhalten muss. Ehe er es sich versieht, findet er sich nach einer temporeichen Verfolgungsjagd im Gebiet der Salieris wieder, einer der berüchtigten Mafia-Familien der Stadt, die ihm als Dank für seine Hilfe bei der Flucht nicht nur eine Entschädigung zahlen, sondern ihm auch einen lukrativen Job anbieten. Nach anfänglichen Zweifeln bringt ihn das unverschämte Verhalten seiner Kundschaft im Taxi dazu, noch einmal über seine Bedenken bezüglich der Arbeit in Gangsterkreisen nachzudenken. Spätestens jedoch nach dem Aufeinandertreffen mit einem Schlägertrupp der Morellos, der zweiten Mafiafamilie der Stadt, gibt es für Tommy keine andere Lösung mehr, als Schutz im Kreise der Salieris zu suchen. Dort wird er direkt vom mächtigen Don empfangen, der scheinbar Großes mit ihm vor hat. Alles beginnt mit dem Demolieren mehrerer Fahrzeuge des feindlichen Clans und schon bald erledigt Tommy größere Aufgaben für die “Familie”, die ihn immer weiter in einen Sumpf aus Gewalt und Korruption hinein zieht. So kümmern wir uns schon bald um das Eintreiben von Schutzgeldern und auch der erste Mord für den Salieri-Clan lässt nicht lange auf sich warten. Die Hemmschwelle scheint bei Tommy dabei immer weiter zu sinken, sodass er alle Aufträge ohne große Widerworte erledigt. Hier und da überschreiten die Mafiosi im Laufe der Story aber dennoch einige Grenzen, die den Protagonisten ins Nachdenken bringen, sodass die ruhmvolle Welt aus Geld und Macht nach und nach nicht mehr ganz so hell glänzt wie zu Beginn. Die Gangster-Story des ersten Mafia-Teils war schon immer ein Meilenstein des Genres und daran hat sich auch im Remake wahrlich nichts geändert.

Mafia Announce Screenshot Pepes Restaurant

Abwechslungsreiche Familienangelegenheiten

Im Laufe der Missionen erhalten wir einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Mafiosi. Mal sind wir mit dem Baseballschläger unterwegs und weisen die Schlägertrupps des Morello-Clans in die Schranken, während wir uns beim nächsten Mal durch eine imposante Kirche ballern, um die Ehre von Tommys Freundin sowie der gesamten Salieri-Familie zu verteidigen. Auch das Untersuchen von Tatorten, das Stehlen von Fahrzeugen oder das Sprengen von Gebäuden unloyaler Verbündeter gehören zu unseren Aufgaben. Wenn es hart auf hart kommt, bestreitet Tommy auch mal ein Autorennen für die Familie oder springt über die Dächer der Stadt, um Scharen von Polizisten zu entkommen. Man sieht deutlich, dass der Mafioso-Alltag alles andere als langweilig ist. In den Sequenzen muss sich der Protagonist zudem regelmäßig als guter Zuhörer beweisen und sich mit den Problemen und Ängsten anderer “Familienmitglieder” auseinandersetzen. Da die Kämpfe des Originals aus heutiger Sicht nur noch schwierig zu meistern sind, hat die Neuauflage hier deutlich an den Stellschrauben gedreht. Beim Nahkampfssystem bleibt das Remake zwar bescheiden und beschränkt die Möglichkeiten auf zwei Tasten, sodass wir selbst austeilen sowie den Schlägen unseres Gegenübers mit gutem Timing ausweichen können. Insgesamt präsentieren sich die Prügeleien dennoch als solide, aber eben auch nicht als sonderlich abwechslungsreich. Die Schießereien setzen hingegen auf bewährte Deckungsshootermechaniken und überzeugen mit gutem Waffenhandling und einer modernen Präsentation – kein Vergleich zu den hakeligen Herausforderungen des Ur-Spiels, die regelmäßig unseren Geduldsfaden auf die Probe gestellt haben.

Es glänzt vieles, aber nicht alles

Außerhalb der großartigen Sequenzen sieht das Remake von Mafia 1 immer noch sehr gut aus. Gerade bei Nacht präsentiert sich Lost Heaven mit den zahlreichen Leuchtreklamen und stimmungsvollen Straßenbeleuchtungen von seiner besten Seite. Bei genauerem Hinsehen werden hier aber schon kleinere Schwächen sichtbar, bei denen Konkurrenzspiele wie GTA V die Nase vorne haben. So wirken viele der Fassaden und Gebäude gerade aus einiger Distanz wenig plastisch. Auch die beleuchteten Fenster sehen beispielsweise oftmals einfach unecht und wie aufgemalt aus, was gerade im Vergleich zu Details wie den komplett überzeugenden Pfützen auf der Straße umso mehr auffällt. Bei den Innenräumen gibt sich das Spiel hingegen wenig Blöße und hält detailliert eingerichtete Häuser im Stil der 30er Jahre bereit. Hier sorgen zahlreiche Bilder an den Wänden sowie Elemente wie Flaschen, Geschirr oder Bücher in den Schränken und Regalen für die nötige Atmosphäre. Auch in Lagerräumen und Werkstätten kommen zahlreiche Objekte zum Einsatz, um eine glaubhafte Umgebung zu schaffen, von Werkzeugen, über Kisten bis hin zu gelagerten Autoreifen. Das Schadensmodell der Fahrzeuge ist hingegen einer der Schwachpunkte. Während zwar Einschusslöcher erkennbar sind, verursachen Unfälle und direkte Kollisionen mit Häusern oder anderen Autos kaum sichtbare Schäden. Wo bei GTA V ganze Fahrzeugteile abbrechen, bleiben bei Mafia Bauteile wie die Scheinwerfer oder die Kühlergrills der Autos fast gänzlich unbeeindruckt von den wirkenden Kräften. Oberflächliche Kratzer und Sprünge im Glas sind zwar vorhanden, die Karosserie verformt sich aber auch bei hohem Tempo in den allermeisten Fällen nicht oder im Verhältnis zur Heftigkeit des Aufpralls zu wenig.

Mafia Announce Screenshot Salieri Yard

Sichere Straßen

Das Verhalten der Autos, das sich immer ein wenig schwerfällig und träge anfühlt, fängt das Fahrgefühl der Oldtimer sehr gut ein. Alles scheint auf den Straßen etwas ruhiger und gemäßigter zuzugehen, anders beispielsweise, als im hektischen Los Santos der Konkurrenz. Das Umhercruisen mit den edlem alten Fahrzeugen macht eine Menge Spaß und lässt uns die verwinkelte Großstadt komfortabel und mit Stil erkunden. Dabei fällt auf, dass die Polizei bei entsprechender Simulations-Auswahl im Menü wirklich sehr empfindlich auf rüpelhaftes Fahren reagiert. Kaum ist man mal auf einer breiteren Straße unterwegs und lässt das Auto rollen, wird man unter Umständen auch schon aufgefordert, anzuhalten und eine Strafe zu zahlen. Um dies zu vermeiden, lässt sich bei Bedarf ein Tempomat aktivieren, der uns daran hindert, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Aber mal ehrlich – was wäre ein Open-World-Titel dieser Art ohne die eine oder andere Verfolgungsjagd mit der Polizei. Über den Freifahrt-Modus im Hauptmenü kann Lost Heaven übrigens nach Herzenslust und vollkommen stressfrei erkundet werden.

Eine stimmungsvolle Kulisse

Wer die Winkel der Stadt genauer unter die Lupe nimmt, der sieht, dass hier deutlich mehr los ist als im Original. Überall sind Fußgänger unterwegs, es finden Interaktionen zwischen NPCs statt und man hört Verkäufer ihre Waren anpreisen oder schnappt Fetzen von Dialogen auf. Auch auf der Straße ist eine Menge Verkehr, sodass wir dort neben anderen Autos auch Motorrollern und Straßenbahnen begegnen können. So entsteht eine deutlich lebendigere Kulisse als im klassischen Mafia, viel mehr als eine Kulisse ist Lost Heaven aber dennoch leider nicht, denn wirklich etwas zu tun gibt es abseits der Missionen nicht. Für ein wenig Abwechslung von den Storymissionen sorgen immerhin einige Sammelobjekte wie Comics, Zigarettenbilder oder Postkarten, die von uns entdeckt werden wollen. Durch die geradlinigen Missionen, die direkt ineinander übergehen und die zudem immer durch Sequenzen aus der Gegenwart miteinander verbunden werden, wirkt Mafia oft eher wie ein linearer Actiontitel. Die Tatsache, dass unnötige Wege mit dem Auto übersprungen werden können und dass die offene Welt ohnehin eher mit Optik als mit Inhalt glänzt, unterstreicht dieses Gefühl noch zusätzlich.

Mafia Announce Screenshot Harbor

Fazit:

Wer sich schon immer gewünscht hat, den berühmten ersten Teil der Mafia-Reihe in zeitgemäßer Optik zu erleben, hat mit der Definitive Edition endlich die Chance dazu. Das Remake schafft es, den Geist des Originals einzufangen und in die Neuzeit zu befördern. In Sachen Atmosphäre überzeugt die Neuauflage an allen Ecken und Enden. Von der wirklich sehr lebendigen und stimmungsvoll umgesetzten Spielwelt, bei der wir trotz aller Neuerungen sofort alle bekannten Orte wiederfinden, bis hin zu den atemberaubenden Sequenzen, bei denen die Mimik der Charaktere hervorragend zu Geltung kommt, wurde an alles gedacht. Das Fahrverhalten der Fahrzeuge und viele sinnvolle Neuerungen wie der Tempomat oder die Möglichkeit, unnötige Wege zu überspringen, müssen ebenso lobend herausgestellt werden. Darüber hinaus gliedern sich auch die soliden, wenn auch wenig innovativen Nahkämpfe sowie die modern inszenierten Shooterpassagen sehr gut in das Gesamtbild ein. Ein paar Abstriche gibt es aber dennoch. Hierzu gehört auf der einen Seite das ausbaufähige Schadensmodell der Fahrzeuge, die vor allem bei harten Kollisionen doch etwas zu stabil sind. Außerdem wirken die Fassaden hier und da etwas zu künstlich und zu wenig plastisch, gerade aus einiger Entfernung. In meinen Augen besonders schade ist es, dass es in der wirklich großartig umgesetzten Neuauflage von Lost Heaven so wenig zu tun gibt. Auch hier hält man sich natürlich an das Original, dennoch wäre es schön gewesen, wenn die Welt noch mehr Anreiz bieten würde, wirklich jeden Winkel abzusuchen. Alles in allem hinterlässt das Remake des ersten Mafia-Teils aber einen sehr guten Eindruck, sodass es sowohl Neueinsteigern als auch Liebhabern der alten Teile empfohlen werden kann.

Pro:
  • stimmungsvolle Neuinszenierung von Lost Heaven
  • sehr viel belebtere Straßen und Bürgersteige
  • Geist des Originals zu jeder Zeit greifbar
  • anpassbarer Schwierigkeitsgrad
  • unnötige Fahrten lassen sich überspringen
  • Tempomat verhindert andauernde Strafen
Contra:
  • Schadensmodell der Fahrzeuge ausbaufähig
  • Fassaden gerade aus der Distanz zu wenig plastisch
  • mehr Aufgaben in der Spielwelt wären wünschenswert
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox One

Unsere Wertung:

8.5 / 10
Ein leidenschaftlicher Konsolenspieler, der zur Not aber auch mal den PC anschaltet. Vor allem Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty werden gerne gezockt, aber auch Action-Adventures wie Assassin's Creed, Batman Arkham oder The Last of Us liegen regelmäßig im Laufwerk. Sporttitel wie Fifa oder Tour de France erweitern das Interessengebiet, ebenso wie MMOs oder sämtliche Titel aus dem Star Wars Universum.

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