Review

Redout 2 im Test: Wipeouts legitimer Erbe?

Von Alex Krause am 14. Juli 2022
Publisher: Saber Interactive
Release: 16. Juni 2022
Genre: Rennspiel
Entwickler: 34BigThings
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 6

In den letzten Jahren wurde es leider etwas ruhig im Subgenre der futuristischen Rennspiele, welche auf spektakuläre Zukunftsszenarien und pfeilschnelle Rennen setzen. Während der wohl prominenteste Vertreter Wipeout seinen letzten Ableger bereits 2017 hatte, sind andere Klassiker des Genres wie Rollcage und Killer Loop nur noch eine Randnotiz der Videospielgeschichte. Und auch auf einen Nachfolger zu F-Zero warten Fans seit Jahren vergeblich.

Doch immerhin bereichert der italienische Entwickler 34Big Things dieses sträflich vernachlässigte Genre nun mit dem Nachfolger des 2016 erschienen Vorgängers Redout und schickt sich an, das Erbe von Wipeout anzutreten. Da bleibt uns nur zu sagen: Fertigmachen zum Abheben!

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Schneller als der Schall

Redout 2 ist wie sein Vorgänger auch in einer Zukunft angesiedelt, die rund 500 Jahre nach unserer  Zeit spielt. Die Menschheit hat, wieder einmal wenig überraschend, diverse Kriege ausgefochten und Planetenoberflächen zerstört, aber mittlerweile auch große Teile unseres Sonnensystems besiedelt.

Wir sind Teil der SRRL, der Solar Redout Racing League, und tragen mit Schwebegleitern halsbrecherische Rennen auf Kursen aus, die auf diversen Himmelskörpern unseres Sonnensystems angesiedelt sind.

Soweit die Rahmenbedingungen für die Rennen. Informationen zu der Welt, in der wir uns befinden, werden in Form von simplen Texten bei den Ladebildschirmen präsentiert. Damit sieht man auch, dass der Fokus nicht auf dem Drumherum liegt, sondern einzig und allein auf der Rennaction.

Und die hat es wirklich in sich. Unsere Gleiter sind meist aus dem Stand um die 1000 km/h schnell und werden dank fest installierter Beschleunigungsfelder sowie zweier einsetzbarer Booster sogar noch deutlich weiter beschleunigt. Während wir den ersten Schub dabei beliebig jederzeit manuell einsetzen können, verschafft uns der Hyperboost einen kontinuierlich anhaltenden Geschwindigkeitsschub über einen längeren Zeitraum.

Boostern wir, so überhitzt allerdings recht schnell unsere Maschine, was dann auch zu Lasten der Lebensenergie unseres Gleiters geht. Im schlimmsten Fall explodieren wir dann einfach, natürlich nicht ohne eindringliches Alarmpiepsen, das uns auf das nahe Ende hinweist.

Doch ohne den exzessiven Einsatz der Booster haben wir in den rasanten Rennen nicht wirklich eine Chance. Insgesamt gilt hier wieder einmal das gute alte Sprichwort: „Übung macht den Meister“. Mit fortschreitender Spieldauer lernen wir die Kurse besser kennen und merken uns, wo wir am effektivsten Boostern können. Dieser permanente Flow aus Schubaktivierung bis der Alarm ertönt, abkühlen lassen und nebenbei sauberem Steuern ist durchaus eine der Stärken des Spiels.

Unterstützt wird dies durch die superflüssige Darstellung von Redout 2, die auch bei bis zu elf Kontrahenten auf der Piste nicht ins Stocken gerät. So ergibt sich jederzeit ein packender Geschwindigkeitsrausch, der nur von unseren eigenen Fahrfehlern unterbrochen wird. Auf den Einsatz von Waffen, wie ihn die Genre-Konkurrenz gerne zelebriert, verzichtet Redout 2 aber komplett. Im Fokus steht somit definitiv der pure Speed.

Life is a Rollercoaster

Ein weiteres, ganz klares Highlight im Spiel sind die Kurse selbst, welche zu Beginn des Rennens mit einer schönen Kamerafahrt eingeführt werden. Insgesamt neun verschiedene Szenarien bieten jeweils drei Kurse, welche sogar rückwärts in Angriff genommen werden können. Das ergibt 54 unterschiedliche Strecken, eine überragende Auswahl. Und die Tutorial-Kurse sind da noch gar nicht eingerechnet.

Doch Redout 2 punktet in diesem Bereich nicht nur mit Masse, sondern auch mit Klasse. Denn die einzelnen Kurse sind wirklich atemberaubend designt. Wir rasen durch wunderschöne, stimmungsvolle japanische Landschaften am Mount Fuji, über die Mond- und Marsoberfläche, durch futuristische Städte und Minen und tatsächlich auch noch am Ereignishorizont eines schwarzen Lochs vorbei.

Abseits der Piste gibt es so einiges zu sehen, was wir glücklicherweise trotz der enormen Geschwindigkeiten auch gut wahrnehmen können. Bei näherer Betrachtung fallen zwar die gröberen Texturen der einzelnen Oberflächen etwas auf, dies können wir jedoch dank des flüssigen Spielgeschehens absolut verschmerzen.

Die einzelnen Kurse punkten aber nicht nur mit ihren Umgebungen, sondern auch mit ihrer Streckenführung. Innen-und Außenloopings, Rollen, Sprünge und Überkopfpassagen reihen sich fast pausenlos aneinander. Atemberaubende Szenarien wie Steilkurven an brodelnden Lavaseen vorbei oder Sprünge über einen Kilometer Entfernung sind hier nicht nur sporadische Highlights der Kurse, sondern werden fast schon inflationär eingesetzt. An manchen Stellen gabelt sich die Piste in teils mehrere Streckenführungen, sodass wir stets auf der Suche nach der perfekten Route sind.

Dank der enormen Weitsicht im Spiel können wir einzelne Streckenabschnitte bereits weit im Voraus sehen, sofern wir natürlich gerade im richtigen Winkel unterwegs sind. Die Zufahrt auf einen mächtigen Doppellooping gerät damit noch spektakulärer.

Glücklicherweise hat auch ein praktischer Fotomodus den Weg in das Spiel gefunden, mit dem man richtig eindrucksvolle Szenarien festhalten kann. Hier wird noch ersichtlicher, wie sehr die Gleiter jeglicher Gravitation und Naturgesetzen trotzen.

Insgesamt sind die einzelnen Strecken fantastische Achterbahnen, bei denen wir meist schon nach wenigen Metern nicht mehr wissen, wo eigentlich oben und unten ist. Hier würde wohl sogar „Top Gun“ Pete „Maverick“ Mitchell an seine Grenzen stoßen.

Dabei ergeben sich aber fast immer flüssige Passagen, die den Rausch der Geschwindigkeit gut unterstützen. Einzig und allein bei den Sprüngen gibt es bei späteren Kursen Abstriche zu vermelden.

Natürlich gilt es zunächst einmal, die Kurse kennenzulernen, damit man weiß, wann man für einen kommenden Sprung etwas Booster bereithalten muss. Einige Sprünge sind jedoch ziemlich unübersichtlich, sodass wir manchmal gar nicht sehen oder überhaupt verstehen, wo unser Landungspunkt ist. Diese Punkte fühlen sich dann im Gegensatz zum flüssigen Streckenverlauf einfach nicht ganz natürlich, sondern etwas unrund an. Fahren wir mit aktivierten Steuerungshilfen, so scheint sogar das Spiel selbst nicht ganz zu kapieren, wo es jetzt als nächstes weitergeht.

Gerade zu Beginn passiert es leider auch öfter, dass man Sprünge um wenige Zentimeter verpasst. Da gilt es dann, sich durchzubeißen.

Ein Faktor für die Landung und die Loopings ist dann auch noch der korrekte Neigungswinkel. Ohne angehobene Nase bohrt sich unser Gleiter beim Innenlooping mit der Spitze in die Fahrbahn, was einen ordentlichen Geschwindigkeitsverlust bedeutet. Bei Erhebungen wiederum müssen wir die Nase für optimalen Anpressdruck nach unten drücken. Tun wir dies nicht, so steigt uns langsam aber sicher das Blut in den Kopf, der titelgebende Redout. Dies wird mit einem sich dramatisch rot verfärbenden Bildschirm angekündigt und kostet uns ebenfalls Zeit.

Glücklicherweise können wir die Steuerung in vielen einzelnen Stufen an unsere Fähigkeiten anpassen. Während Anfänger zunächst alle Fahrhilfen aktivieren und das Schiff somit sowohl die Neigung als auch Rollmanöver automatisch regelt, greifen geübte Spieler selbst in die Kontrollen ein. Dann gilt es, nach einem Sprung mit anschließender Landung im 160 Grad-Winkel diese auch perfekt zu treffen, was dann schon zusätzlich zum Grundspeed eine ordentliche Herausforderung darstellt.

Verpassen wir mal wieder einen Sprung oder leisten uns sonst einen Fehler, dann dürfen wir auf Wunsch auf eine praktische Rückspulfunktion zurückgreifen, die im Genre eigentlich gar nicht üblich ist. Gerade zu Beginn des Spiels hat sie jedoch durchaus ihre Daseinsberechtigung, wenn wir die Kurse noch nicht verinnerlicht haben.

Ein langer Atem

Neben dem Arcade-Modus, in dem wir nach Herzenslust mit komplett ausgebauten Gleitern auf allen Kursen rasen dürfen, bietet der Karriere-Modus den Kernumfang von Redout 2. Wir starten hier mit einem kleinen Tutorial, welches uns die Grundzüge der Steuerung näherbringt.

Danach öffnet sich uns eine sehr geradlinige Karriere, die vor allem mit ihrem Umfang überzeugt und auf das Sammeln von Sternen ausgelegt ist. Pro Rennen können wir neben drei Sternen für die ersten drei Positionen noch einen Zusatzstern für besondere Errungenschaften verdienen. So müssen wir beispielsweise einen Vorsprung von 500 Metern herausfahren oder über einen Kilometer weit springen.

Insgesamt lassen sich in der Karriere über 1.200 Sterne verdienen, für Umfang ist somit also gesorgt. Abwechslung erreicht Redout 2 durch die verschiedenen Rennmodi. Neben normalen oder K.O.-Rennen müssen wir im Zeitfahren bestimmte Zielvorgaben unterbieten oder erhalten im Modus Tempo Punkte für eine konstant über einen längeren Zeitraum gehaltene Geschwindigkeit. Der Boss-Modus wiederum lässt uns alle drei Streckenvarianten eines Szenarios am Stück erleben, wodurch wir gerne mal sechs oder sieben Minuten für eine Runde benötigen, ein echtes Highlight.

Leider schwankt in der Karriere aber der Schwierigkeitsgrad etwas. Während wir manche Läufe mühelos mit einem Kilometer Vorsprung gewinnen, haben wir bei anderen Durchgängen bereits nach einer halben Runde trotz sauberem Fahrstil und gutem Boost ordentlich Rückstand auf den Führenden. Die Kl-Fahrer machen jedoch auch selbst Fehler, was wiederum für Glaubwürdigkeit und manchmal auch Schadenfreude sorgt, wenn man kurz vor dem Ziel doch noch den souverän Führenden einholt, der sich in einer Steilkurve unglücklich verabschiedet hat.

Zwar können wir aus mehreren unterschiedlichen KI-Schwierigkeitsgraden wählen, ein Zuckerschlecken ist Redout 2 jedoch auch im leichtesten Modus nicht. Dies gilt besonders für die Zeitfahr- und Tempo-Herausforderungen, bei denen wir die Bestmarken nur dann erreichen, wenn alles absolut perfekt klappt. Jeder noch so kleine Hänger am Streckenrand ist dann schon einer zu viel.

Für die Karriere gilt in Summe trotz der unterschiedlichen Modi leider eher Masse statt Klasse, bei der wir einfach Event nach Event abhaken. Da wir für spätere Challenges eine gewisse Sternenzahl benötigen, kann es durchaus dazu kommen, dass wir ältere Rennen nochmal wiederholen müssen, um fehlende Sterne noch zu komplettieren.

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Wahl der Waffe

Zur Verfügung stehen uns zwölf unterschiedliche Gleiter, welche sich in mehreren Kategorien voneinander unterscheiden. Während manches Modell eher auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt ist, punkten andere Fahrzeuge mit ihrem Fokus auf Wendigkeit oder Haltbarkeit. Somit ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Sämtliche Gleiter lassen sich mit unterschiedlich starken Teilen tunen, welche wir im Laufe des Spiels mit unseren Erfolgen freischalten. Zudem bietet sich uns die Möglichkeit, unser Gefährt mit verschiedenen, vorgefertigten Lackierungen auszustatten. Auch weitere optische Anpassungen in Form von anderen Front- und Heckflügeln oder Haupt- und Zusatztriebwerken sind möglich, bringen jedoch keine Veränderung in der Performance.

Die Zubehörteile sind in verschiedene Leistungsklassen unterteilt, welche das Potential unseres Flitzers nach und nach verbessern. Dabei müssen wir jedoch auch die Anforderungen des jeweiligen Rennens im Auge behalten. Möchten wir beispielsweise Events einer früheren Rennklasse nochmal in Angriff nehmen, um dort fehlende Sterne zu erhalten, dann müssen wir meist unseren Gleiter etwas zurückbauen, um überhaupt zugelassen zu werden.

In der Regel erhalten wir pro abgeschlossenem Event ein Zubehörteil. Jedoch haben wir hier keinerlei Wahlmöglichkeiten, was wir genau erhalten. Es passiert also sehr oft, dass wir optische Zubehörteile für einen Gleiter freischalten, den wir noch gar nicht besitzen, was uns in der Performance aber natürlich nicht nach vorne bringt. Zwar ist somit Langzeitmotivation gegeben, dadurch wird der Karrieremodus aber leider auch etwas langatmig.

Zukunftsmusik

Soundtechnisch ist Redout 2 leider ein zweischneidiges Schwert. Positiv fallen dabei die Spielgeräusche an sich auf. Das Surren unserer Gleiter erzeugt vom Start weg ein schönes Wipeout-Gefühl, während die Booster direkt einen kraftvollen Eindruck hinterlassen. Fahren wir Unterwasser, so ändert sich auch die Soundkulisse, ein nettes Detail.

Unterstützt wird das Renngeschehen durch einen elektronischen Soundtrack, der gut zum Setting passt. Dieser bleibt jedoch etwas austauschbar. Weitaus schlimmer wirken jedoch kleinere Bugs, bei denen die Musik kurz aussetzt oder die Gleitergeräusche plötzlich nur noch im Hintergrund zu hören sind. Gerade, was die Musik angeht, stören diese Aussetzer leider durchaus den Spielfluss und die Konzentration. Hier sollte also noch einmal nachgebessert werden.

So blitzschnell die Rennen sind, so lange sind leider wiederum die Ladezeiten. Auf der Xbox Series X waren hier zehn oder fünfzehn Sekunden stets die Regel. Das sollte mittlerweile eigentlich etwas schneller möglich sein.

Zudem hat das Spiel öfters einmal ein Darstellungsproblem beim Laden der Gleiter im Menü. Wenn diese bei der Auswahl des fahrbaren Untersatzes vor einem Rennen längere Zeit einfach nicht aufgebaut werden, nervt dies schon etwas.

Fazit

Redout 2 macht vieles richtig und bietet einen grundsoliden, pfeilschnellen, aber auch ziemlich anspruchsvollen Zukunfts-Racer mit extrem großem Umfang. Ein absolutes Highlight sind dabei die einzelnen Szenarien und deren Kurse, welche jede Achterbahn vor Neid erblassen lassen und mich ein ums andere Mal mit schönen Panoramen und spektakulären Streckenführungen überrascht haben.

Dank des integrierten Fotomodus lassen sich dann auch mal richtig tolle Einstellungen festhalten. Die Karriere selbst überzeugt zwar mit ihrem großen Umfang, artet aber recht schnell in Fleißarbeit aus, da man einfach Event nach Event abarbeitet und ansonsten bemüht ist, seine eigenen Fähigkeiten zu verbessern, um die anspruchsvollen Rennen irgendwann auch schaffen zu können. Insgesamt ist die Präsentation des Spiels abseits der Strecken leider etwas farblos geblieben.

Kleinere Makel wie die doch recht langen Ladezeiten vor den Rennen und ein paar Bugs, speziell bei der Soundwiedergabe, sollten auch erwähnt werden.

Alles in allem ist Redout 2 aber schon ein sehr spaßiger, wenn auch recht anspruchsvoller Vertreter seines Genres, der durchaus aus dem Schatten Wipeouts tritt.

Pro:
  • Tolles Geschwindigkeitsgefühl
  • Großer Umfang
  • Fantastische Streckendesigns
  • Hohe Weitsicht erlaubt spektakuläre Panoramen
  • Umfangreiche, frei konfigurierbare Eingabehilfen
  • Rückspulfunktion für Anfänger
  • Fotomodus für spektakuläre Screenshots
  • Gleiter lassen sich umfangreich anpassen
  • Anspruchsvolles Gameplay
Contra:
  • Lange Ladezeiten
  • Soundbugs
  • Probleme bei der Darstellung der Gleiter im Menü
  • Abseits der Strecken eher nüchterne Präsentation
  • Langatmiger Karrieremodus
  • Freischaltmechanik für Zubehörteile langatmig
  • Teils schwankender Schwierigkeitsgrad
  • Austauschbarer Soundtrack
  • Für Anfänger Frustgefahr aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrads
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies
Umfang
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox Series X

Unsere Wertung:

7.5 / 10
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und Ego-Shootern sind auch eher unbekanntere Spiele aus Nippon und Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen.

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