winter games 2023
Review

Winter Games 2023 im Test: Dabei sein ist alles

Von Alex Krause am 31. Oktober 2022
Publisher: Wild River Games
Release: 13. Oktober 2022
Genre: Sport
Entwickler: Independent Arts Software GmbH
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: ausstehend

Dieses Jahr ist ja bekanntlich alles ein wenig anders. So erwartet uns mit der Fußball-WM in Katar eine eigentlich sommerliche Großveranstaltung nun Mitten im Winter. Damit wir aber trotz des voraussichtlichen Fokus auf Fußball nicht völlig auf Wintersport verzichten müssen, veröffentlicht der deutsche Entwickler Independent Arts zusammen mit Publisher Wild River Games pünktlich zur Saison sein neues Sportspiel Winter Games 2023, welches mit einigen sehr unterschiedlichen Disziplinen punkten möchte.

Wir haben uns die Schlittschuhe umgeschnallt, uns in die Loipe und den Eiskanal gestürzt und natürlich auch die Aussicht von der Skisprungschanze genossen und zeigen euch im Test, ob sich der winterliche Ausflug lohnt oder, ob man doch lieber gemütlich in der Skihütte bei einem Glühwein versacken sollte.

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Die Stunde des Siegers

Starten wir Winter Games 2023, so empfängt uns im sehr aufgeräumten Menü inklusive leicht nerviger Dudel-Musik eine erste Übersicht über die im Spiel enthaltenen Möglichkeiten.

So haben wir genretypisch die Option, einzelne Disziplinen anzugehen, diese ohne Leistungsdruck zu trainieren oder uns in verschiedene Cups zu stürzen, bei denen wir mehrere unterschiedliche Wettkämpfe hintereinander absolvieren müssen.

Insgesamt haben wir die Auswahl aus zehn abwechslungsreichen Disziplinen des alpinen Wintersports, auf die wir natürlich kurz näher eingehen.

Im Biathlon erwartet uns eine interessante Kombination aus Skilanglauf und Schießen. Während wir im Langlauf-Part durch rhythmisches Drücken von Tasten Fahrt aufnehmen, müssen wir beim Schießen im richtigen Moment die Luft anhalten, um möglichst effektiv die Ziele zu treffen. Bei verfehlten Zielscheiben drohen uns nämlich zeitraubende Strafrunden.

Ebenfalls spannend präsentiert sich Curling. Hier gilt es, gegen ein anderes Team abwechselnd Spielsteine über ein Eisfeld in ein Zielgebiet zu befördern. Wer am Ende einer Runde näher an der Mitte dran ist, erhält Punkte. Die Möglichkeit, die Steine des gegnerischen Teams abzuschießen, kann durchaus für ordentliche Schadenfreuden sorgen. Curling ist tatsächlich spaßig und dank einiger eingeblendeter Hilfsmittel wie Richtungspfeilen auch sehr zugänglich.

Cool Runnings

Relativ ähnlich zueinander präsentieren sich die Herausforderungen Skeleton und Zweierbob. Hier gilt es, einen engen Eiskanal hinunter zu düsen und dabei möglichst Kontakt mit der Wand zu vermeiden. Im schlimmsten Fall droht nämlich ein Überschlag und damit verbunden natürlich keine Chance mehr auf eine Spitzenplatzierung.

Ebenfalls auf Eis unterwegs sind wir beim Shorttrack, wo wir ein Rennen gegen direkte Kontrahenten auf Schlittschuhen absolvieren. Auch hier gilt rhythmisches Tastendrücken und genaues Navigieren in den Kurven als Schlüssel zum Erfolg.

Bei Super-G und Abfahrt wechseln wir auf Skier und brettern mit Mordsgeschwindigkeit einen Berg hinunter, immer darauf bedacht, die aufgestellten Tore auf der Piste zu passieren, um keine Strafzeiten zu kassieren.

Skicross und Snowboard Cross lassen uns wieder gegen drei direkte Gegner in einem Rennen zum Ziel antreten, wobei wir hier bei Sprüngen auf einen korrekten Absprung und natürlich auch die Landung Wert legen müssen, um nicht unsanft auf dem Hosenboden zu landen.

Absprung und Landung sind dann auch bei der letzten Disziplin ein enorm wichtiger Faktor, denn beim Skispringen stürzen wir uns halsbrecherisch eine große Schanze herunter und müssen zusätzlich auch noch mit Gegen-, Seiten- und Rückenwind klarkommen.

Das waren dann auch schon alle im Spiel enthaltenen Wettkämpfe, in denen wir um Ruhm und Medaillen kämpfen. Bei allen zehn Disziplinen stehen uns jeweils drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, wobei hier nur beim Shorttrack auch die zu absolvierende Distanz vergrößert wird. Alle anderen Wettstreite konfrontieren uns lediglich mit schwierigeren Gegnern.

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Eddie The Eagle

Sämtliche Disziplinen sind arcadig ausgelegt, damit sehr zugänglich gestaltet und taugen somit gut für ein schnelles Spiel zwischendurch. Das wird dann auch begünstigt durch den lokalen Multiplayer- Modus, der Durchgänge mit bis zu vier Spielern im Splitscreen erlaubt. So lassen sich einige spannende Wettkämpfe bestreiten.

In vielen Kategorien sind wir dabei auch nacheinander unterwegs, beispielsweise beim Skispringen oder der Abfahrt. Je Spieler wird hier aber dennoch ein eigener Controller benötigt. Das Gamepad einfach weitergeben ist also leider nicht möglich. Dies ist heutzutage ja aber Standard.

Einen besonderen Multiplayer-Kniff gibt es beim Curling. Treffen wir dort auf unseren menschlichen Gegner, dann ist natürlich jeder nacheinander dran. Müssen wir jedoch gegen einen KI-Gegner antreten, so spielen die Spieler im geteilten Bildschirm gegen unterschiedliche Kontrahenten. Hier werden beim geselligen Zocken Wartezeiten vermieden, eine sehr elegante Lösung.

Im geteilten Bildschirm fällt dann auch nicht ganz so auf, dass Winter Games 2023 ein recht großes Problem hat. Denn grafisch und technisch ist das Spiel leider hoffnungslos veraltet. Dies beginnt bereits bei den Umgebungstexturen, bei der wohl sogar eine Nintendo Wii nur müde lächeln würde. Weiter geht es mit dem Untergrund, denn wirkliche Spuren im Schnee sind nicht erkennbar. Das Ganze gipfelt dann in den hölzernen Bewegungsanimationen unserer Sportler. So hatten wir beispielsweise während des Biathlon-Wettbewerbs das dringende Bedürfnis, unserem armen Athleten einen Termin beim nächsten Orthopäden zu besorgen.

Als i-Tüpfelchen fallen dann noch die Charaktermodelle unserer Wettkämpfer auf. Leider lässt sich hier sagen, dass sogar die Zuschauer am Rande der Strecke aus einem Gran Turismo 7 oder einem Forza Horizon 5 optisch fast besser aussehen als unsere Sportler. Das ist dann schon wirklich bitter.

Doch wie bereits Konfuzius sagte: Die Optik ist bekanntlich nicht alles, wenn dafür der Inhalt stimmt. Oder so ähnlich. Winter Games 2023 bietet uns nämlich neben den zehn zu absolvierenden Disziplinen genau … nichts? Richtig, leider haben wir dann auch schon alles gesehen, wenn wir jede Kategorie einmal gespielt haben.

Natürlich können wir unser Glück auf höheren Schwierigkeitsgraden versuchen, einen Mehrwert abseits der Herausforderung haben wir dadurch jedoch nicht. Denn es gibt weder freischaltbare Extras noch irgendwelches Equipment, mit dem wir unsere Ausrüstung irgendwie verbessern oder unseren Athleten anders ausrüsten könnten.

Der Wille zählt

Der generell sehr geringe Umfang schlägt sich leider auch in den verschiedenen Disziplinen nieder. Bei den Wettkämpfen mit abgesteckten Strecken steht uns immer nur jeweils eine einzige Piste zur Verfügung. Und die wird teilweise auch noch geteilt, wenn etwa Zweierbob und Skeleton-Teilnehmer den identischen Eiskanal hinunter sausen.

Natürlich ist dies beispielsweise bei olympischen Veranstaltungen durchaus Standard, schließlich stehen ja nicht dutzende Eiskanäle am jeweiligen Austragungsort herum. Doch Winter Games 2023 ist ja kein offizielles Olympia- oder Lizenzprodukt und hätte damit gerade hier mit ein paar Streckenvarianten für etwas mehr Abwechslung sorgen können.

Auch im Rahmen der Wettkämpfe fällt der mangelnde Umfang auf. So starten wir immer direkt in die Finalrunde und damit den direkten Kampf um die Medaillen. Dies führt etwa dazu, dass wir im Einzelwettbewerb Curling stets um Gold oder Silber kämpfen und Bronze praktisch nicht existiert.

Natürlich passt dies zur arcadigen Ausrichtung. Da man sich aber die Mühe gemacht und eine große Auswahl an Nationen ins Spiel implementiert hat, wäre gerade bei den Cups ein echter Turnierbaum zumindest eine Option gewesen, um für etwas mehr Beschäftigung zu sorgen.

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Fazit

Im Zuge eines Sales habe ich mir im Sommer 2022 (ja, im heißen Sommer 2022 an Wintersport zu denken entbehrt nicht einer gewissen Ironie) das durchaus unterhaltsame Winter Stars gegönnt, welches bereits im Jahr 2011 für die PlayStation 3 erschien und neben vielen verschiedenen Wintersportdisziplinen auch eine umfangreiche Kampagne enthielt. Was das mit Winter Games 2023 zu tun hat? Nun, wären beide Spiele zur gleichen Zeit erschienen, Winter Stars hätte im direkten Vergleich dank des klar größeren Umfangs und der leicht besseren Grafik tatsächlich das Rennen gemacht.

Doch wir leben nun einmal nicht mehr im Jahr 2011, sondern ganze elf Jahre später. Und das sagt uns, dass Winter Games 2023 technisch leider hoffnungslos veraltet ist. Das sieht man an den extrem steifen Animationen der Sportler, den matschigen Umgebungstexturen, den spartanisch dargestellten Gebäuden, Bäumen und Zuschauern und den leider sehr sporadisch eingesetzten Effekten rund um den Schnee-Untergrund. In Summe wäre wohl sogar die betagte PlayStation 3 mit dem Spiel dezent unterfordert.

Auch beim Thema Umfang kann Winter Games 2023 nicht überzeugen, denn letztlich erwarten uns außer den zehn enthaltenen Disziplinen keinerlei weitere Möglichkeiten im Spiel. Ein paar zusätzliche Extras, ein Charaktereditor mit freischaltbaren Ausrüstungsgegenständen oder vielleicht sogar eine kleine Kampagne hätten hier definitiv nicht geschadet. Denn abseits der Jagd nach den Medaillen fehlt die Langzeitmotivation leider vollkommen.

Prinzipiell mag ich solche kleinen Spiele durchaus, welche man abseits der brutal umfangreichen AAA-Produktionen auch mal für eine schnelle Runde zwischendurch nutzen kann. Und Grafik ist mir persönlich tatsächlich nicht so enorm wichtig. Daher hatte ich mit Winter Games 2023 durchaus (kurz) Spaß. Jedoch muss einem klar sein, dass man hier ein Produkt erhält, welches bereits vor zehn Jahren eher im Mittelfeld unterwegs gewesen wäre. Eine Chance auf einen Medaillenplatz hat Winter Games 2023 damit leider nicht.

Pro:
  • Ordentliche Auswahl an unterschiedlichen Disziplinen
  • Lokaler Multiplayer für bis zu vier Spieler im Splitscreen
  • Arcadiges, zugängliches Spielgefühl
Contra:
  • Grafisch und technisch hoffnungslos veraltet
  • Steife Animationen der Sportler
  • Generell geringer Umfang
  • Eigentlich nur eine lose Sammlung von Minispielen
  • Keine echte Kampagne oder gar ein Karrieremodus
  • Keine wirkliche Langzeitmotivation
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
2 von 5 Buddies
Sound
2 von 5 Buddies
Atmosphäre
2 von 5 Buddies
Umfang
2 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS5

Unsere Wertung:

5.5 / 10
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und Ego-Shootern sind auch eher unbekanntere Spiele aus Nippon und Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen.

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