



Wahrscheinlich erzähle ich keinem etwas Neues, wenn ich sage, dass uns auf der Arbeit oder im Alltag immer wieder Momente begegnen, die bleischwer und zäh bleiben, egal wie sehr man sich auch um gegensätzliches bemüht. Obwohl man die Dinge vielleicht sogar schon millionenfach gemacht hat, geht nichts von der Hand, kein Wort gelingt, man schafft es nicht in eine riesige Parklücke… Kurz: Es hakt an jeder Ecke und man lässt am besten die Finger davon, sofern es möglich ist. Dann gibt es Situationen, die das genaue Gegenteil sind. Plötzlich ist man so hervorragend gut drauf, dass man möglicherweise von sich selbst überrascht ist, wie man es in diesen wahnsinnigen Flow geschafft hat, bei dem klar ist: Genau jetzt, in diesem Moment, läuft es einfach gerade richtig.
Natürlich macht dieses Phänomen auch vor dem Gaming nicht Halt. Manchmal klappt es beim Zocken überhaupt nicht. Wir beißen uns an wirklich jeder Kleinigkeit die Zähne aus, während wir ein anderes Mal spielend leicht hindurchgehen wie ein warmes Messer durch die Butter. So hat beispielsweise ein Bossgegner eines RPGs, der zuvor den Boden mit uns aufgewischt hat, plötzlich selbst keinerlei Erfolg mehr gegen uns. Ferner können wir bei einem Beat’em Up dem nervigen Gegner zusätzlich zur körperlichen Anstrengung schlagartig Schweißperlen auf die Stirn treiben, weil nun wir jeden seiner Angriff blocken und seiner statt ordentlich austeilen. Oder uns gelingt nach einigen Fehlschlägen bei einem Rennspiel aus dem Nichts auf einmal die perfekte Runde.
Zu letzterem Beispiel kann ich euch eine Geschichte erzählen, die in der Tat im letzten Urlaub mit meinem Mann passiert ist. In einer Spielhalle in Großbritannien gab es unter anderem einen Automaten, in dem man Project Cars zocken konnte. Natürlich hat sich mein Mann, der virtuelle Rennfahrmeister, direkt in den beweglichen Rennsitz geschwungen. Während ich teilweise mitleidige Blicke anderer Besucher geerntet habe, weil ich daneben gewartet und zugesehen habe, hat mein Mann wie erwartet in seinem Rennen souverän brilliert. Seine anschließend begeisterte Frage, ob ich es nicht auch einmal probieren wollte, habe ich allerdings nur zögernd beantwortet. Von außen sahen die Fahrbewegungen des Geräts schon irgendwie brutal aus. Mit meinem einprägsamen VR-Rennspiel-Ausflug im Hinterkopf, bei dem mir speiübel geworden war, war ich absolut skeptisch. Aber interessant war es ja schon. Zudem handelte es sich nicht um eine VR-Variante, sodass ich schließlich doch einen Versuch gewagt habe.
Zu Beginn war es durchaus gewöhnungsbedürftig. Prompt habe ich ob der unbekannten Bedienung erst einmal einen großen Bock geschossen, der zu einem Dreher führte und mich ans Ende des Feldes gespült hat. Tja, das sollte es dann wohl schon in Bezug auf eine gute Platzierung für das Rennen gewesen sein, dachte ich. Dennoch bin ich auf die Strecke zurückgekehrt. Weit gekommen war ich ja noch nicht sowie aufgeben keine Option. Und dann ist beim Weiterfahren auf einmal etwas Unerwartetes passiert. Plötzlich war ich, wie wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte, so im Geschehen drin, dass sich ein unglaublicher Flow eingestellt hat. Die Bedienung des Gumpert Apollo sowie jede Fahrzeugreaktion darauf war auf einmal völlig selbstverständlich. Meter um Meter des Hockenheimrings ist nur so dahin geflogen, obwohl ich, trotz eines Besuchs in der Realität, die Streckenführung keineswegs auswendig kenne. Die Bremspunkte waren aber so klar, dass ich sie zum spätestmöglichen Zeitpunkt unbeirrt getroffen habe, um darüber spielend leicht an diversen Konkurrenten vorbei zupflügen, gerade so, als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. Ich war absolut fokussiert auf das Rennen, habe aber trotzdem noch meine Umgebung in der Spielhalle wahrgenommen. So habe ich auch den Mann daneben bemerkt, der offenbar verwirrt bis überaus erstaunt darüber zugesehen hat, dass nun die Frau im Rennsitz saß, während der Mann daneben wartete, und es zudem erstaunlich gut lief (Nimm das, Klischee!). Schließlich war überraschend schnell das Rennen auch schon zu Ende, denn ich bin bereits jubelnd auf P1 über den Zielstrich gerollt.
Das Rennen war keineswegs ein Selbstläufer wie der Dreher gezeigt hat. Umso mehr hat es mich natürlich gefreut, dass ich es wider Erwarten doch noch so gut abgeschlossen hatte. Fairerweise muss ich aber noch hinzufügen, dass bei meinem Durchgang schon manche Fahrhilfe aktiviert und die Schwierigkeit nicht auf dem allerhöchsten Grad eingestellt gewesen war. Ebenfalls bin ich natürlich nicht unversehens zum absolut unschlagbaren, virtuellen Rennfahrer-Profi erwacht. Zwar bin ich vielleicht nicht unbedingt grottenschlecht bei Rennspielen, aber eben definitiv auch kein Meister. Beispielsweise gegen meinen Mann habe ich weiterhin nur selten eine Chance. Dennoch bin ich, wie Sonny Hayes im F1-Film, in dem Moment in der Spielhalle einfach geflogen.
Nun denn, so viel erst einmal zu einer Geschichte von mir. Jetzt seid ihr dran. Wie sieht es bei euch so aus? Was waren eure epischen Zockmomente? Teilt doch gerne welche mit uns in den Kommentaren 😊


Konsolenzockerin seit der Kindheit, bevorzugt auf der PlayStation. Zu den Lieblingsspielreihen gehören Grandia, Project Zero, Tomb Raider, Uncharted und Tekken, aber es finden auch gerne mal Indie-Titel den Weg auf den Bildschirm.
Alex Jung(Team) am 13. Januar 2026 um 11:43
Na bei dem Thema mache ich doch gerne mit :-). Ich würde hier mal Killzone 2 auf der PS3 nennen. In Ermangelung eines vernünftigen Internetzugangs (der bestand noch aus miteinander verflochtenem Bambusrohr) war ich damals auf Botkämpfe im Skirmish-Modus beschränkt. Dabei musste man in einem Best-of-Seven-Modus unterschiedliche Ziele erreichen, beispielsweise Sprengung oder Verteidigung einer Maschine, der Kill eines bestimmten Gegners oder schlicht ein Team-Deathmatch. Natürlich kämpfte ich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad der Computergegner, was mir oft ordentliche Niederlagen einbrachte. Nicht so an jenem späten Abend. Dreimal lag ich auf einer Map, die ich eigentlich immer haushoch verlor, gnadenlos zurück, dreimal glich ich aus, oftmals Spitz auf Knopf. Das Finale war dann Team-Deathmatch, bei dem ich zur Halbzeit wieder meilenweit zurücklag. Doch so einfach gab ich nicht auf! Wie im Rausch kämpfte ich mich zurück, landete Frag um Frag, bis ich schließlich pünktlich zu den finalen Sekunden wieder gleichauf lag. Der letzte Kill sollte die Entscheidung bringen, und vollgepumpt mit Adrenalin machte ich den entscheidenden Abschuss, Auge in Auge mit dem letzten verbliebenen Gegner. Meine über eine Minute lang geballte Siegesfaust hat zwar leider nie jemand live gesehen, aber die Erinnerung an dieses epische Gefecht bleibt auf jeden Fall bestehen. ... Vielleicht sollte ich mal wieder Killzone 2 ausgraben...
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