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Hades 2Hades 2
Review

Hades 2 im Test: Übertrifft das Roguelike-Meisterwerk seinen Vorgänger?

Von Marvin Kolb am 29. April 2026. Getestet auf PS5. 5 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Hades Teil 1 hat Maßstäbe gesetzt und ist bis heute einer der gefeiertsten Titel im Roguelike-Genre. Solche Voraussetzungen sind wie gemacht für eine Fortsetzungskatastrophe: Fans, die den ersten Teil vergöttern und verdammt hohe Erwartungen an eine Fortsetzung haben. Zerbricht Hades 2 an der durch den Vorgänger gesetzten Messlatte oder nimmt es sie vielleicht sogar mit Leichtigkeit?

Seit September 2025 ist das Spiel im Early Access und mittlerweile auch für PS5 erschienen. Die Version vor dem Full Release konnte unglaublich positive Rückmeldung generieren. Zeit also, sich die Vollversion anzusehen und zu prüfen, ob sie den Ansprüchen gerecht wird und ob das Spiel nur etwas für alte Hasen oder auch für Neueinsteiger ist.

Alte Götter, neue Heldin

Wie schon im ersten Teil geht es für die Story in die griechische Mythologie. Dieses Mal spielt man allerdings Melinoe, die Schwester von Zagreus aus Teil 1 – eine junge Hexe, deren Hintergrundgeschichte man nach und nach im Spielverlauf erfährt. Zu Beginn ist erstmal nur eines klar: Chronos, Herrscher über die Zeit und Melinoes Großvater, hat die Unterwelt übernommen. Ziel des Spiels ist es also, ihn zu bezwingen. Die Hintergründe hierzu werden Schicht für Schicht im Verlauf der Handlung freigelegt.

Zur Story lässt sich sagen: Sie ist nicht einfach nur Beiwerk. Sie motiviert, wenn auch nach dem Gameplay als zweitwichtigster Faktor.

Vorangetrieben wird die Geschichte durch Dialoge mit zahlreichen Charakteren aus der griechischen Mythologie. Wir treffen beispielsweise auf Nemesis oder Hekate. Die Figuren sind allesamt mit viel Liebe zum Detail gestaltet und das sowohl visuell als auch in ihrer Ausdrucksweise. Die Dialoge sind großartig umgesetzt und sorgen nicht nur für einige Lacher, sondern auch für den einen oder anderen nachdenklichen Moment.

Liebe zum Detail zeigt sich auch darin, wie die mythologischen Figuren interpretiert wurden. Von offensichtlichen Anspielungen bis hin zu kleinen Details, die wohl nur Kenner des Ursprungsmaterials erkennen findet sich hier alles.

Die Gespräche und Charaktere bleiben dabei stets abwechslungsreich und einprägsam. Zudem gibt es so viele Dialogzeilen, dass man selbst nach zahlreichen Läufen längst nicht alles gesehen oder gehört hat. Hier haben sich die Entwickler also nicht auf die faule Haut gelegt.

Abgerundet wird das Ganze durch atmosphärische Rückblenden, in denen der Spieler in die Rolle der jungen Melinoe schlüpft und beispielsweise Szenen aus ihrer Kindheit hautnah miterlebt.

Scheitern als Fortschritt

Hades 2 ist (wie schon der Vorgänger) ein Roguelike. Das bedeutet: Sterben gehört hier zur Tagesordnung. Man bereitet sich auf den Kampf vor, betritt die Dungeons und versucht, möglichst weit zu kommen, während man wichtige Ressourcen für zukünftige Durchläufe sammelt. So lange, bis man eine Kombination aus Fähigkeiten, Waffen und Spielstil gefunden hat, die es erlaubt, Chronos zu besiegen.

Wie Kenner des Genres wissen, kann das extrem motivierend sein und Hades 2 macht daraus beinahe eine Sucht. Das Spiel schafft eine sehr gute Balance zwischen Einsteigerfreundlichkeit und spielerischer Tiefe.

Die Lernkurve ist motivierend, auch für Genre-Neulinge. Anfangs wird man zwar ins kalte Wasser geworfen und versteht wenig, doch mit jedem Durchlauf wächst das Verständnis für Gegnermuster, Fähigkeiten und Waffen sowie deren Vorzüge. Auch den magischen Bannkreis, der Gegner verlangsamt, lernt man geschickter einzusetzen und zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Gleichzeitig sammelt man Ressourcen, die in temporäre oder permanente Upgrades investiert werden können. So wird aus „Versagen“ schnell ein „Ich bin schon wieder ein Stück besser geworden“-Gefühl.

Hat man das Spielprinzip, die Bewegungsmuster der Gegner und die eigenen Fähigkeiten erst einmal verinnerlicht, entfaltet das Spiel einen enormen Sog. Verschiedene Kombinationen aus Upgrades (etwa temporäre Göttersegnungen) und Waffen eröffnen spannende Synergien, die den Spieler dem Ziel, Chronos zu besiegen, Schritt für Schritt näherbringen. Das lädt ein, zu experimentieren, einen eigenen Spielstil zu finden und dann die möglichen Verbesserungen zu wählen, die diesem Stil entsprechen. Hat man erstmal den Dreh raus, ergeben sich Kombinationen, die sich richtig mächtig anfühlen und das kann ungemein motivierend sein.

Wer allerdings keine Lust hat, Builds zu basteln oder unterschiedliche Herangehensweisen auszuprobieren, könnte hier schnell frustriert werden.

Detailverliebte Unterwelt

Hades 2 strotzt vor Detailreichtum. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet, und auch die Animationen der Waffen und Angriffe sind beeindruckend.

Die Dungeons wirken optisch teilweise etwas eintönig, was jedoch kaum ins Gewicht fällt, da der Fokus ohnehin auf dem Geschehen liegt. Dieses läuft jederzeit flüssig und stabil und zeigt sich auf der PS5 in Topform: keine Bugs, keine Ruckler, keine Framerate-Einbrüche, selbst wenn der Bildschirm voller Effekte und Gegner ist.

Die Zwischenwelt, von der aus jeder Lauf startet, sprüht hingegen vor Leben und ist wunderschön gestaltet.

Selbst die statischen 2D-Modelle der Charaktere wirken durch kleine Details lebendig – etwa durch visuelle Effekte beim ersten Kennenlernen.

Klar: Seit dem ersten Teil ist einige Zeit vergangen und das sieht man. Hades 2 legt optisch noch einmal eine ganze Schippe drauf.

Lo-Fi-Epos

Nicht nur optisch hat Hades 2 einiges zu bieten. Auch akustisch spielt es in der obersten Liga. Das Voice Acting erweckt die teils schrillen Charaktere zum Leben, und das Sounddesign ist jederzeit klar und stimmig abgemischt.

Das wahre Highlight ist jedoch die musikalische Untermalung. Ein eigenständiger Mix aus Lo-Fi-Hip-Hop und atmosphärischen Klängen schafft einen einzigartigen Soundteppich, auf dem die Action perfekt zur Geltung kommt.

Bosskämpfe verfügen jeweils über eigene Tracks. Wer Gefallen daran findet, sollte sich die Musik unbedingt auch abseits des Spiels anhören. Komponist Darren Korb hat (wie schon im ersten Teil) ganze Arbeit geleistet. Wirklich beeindruckend.

Balance aus alt und neu geschafft?

Hades 2 motiviert sowohl Veteranen als auch Neueinsteiger. Nicht nur optisch ist der zweite Teil ein Upgrade. Auch spielerisch wurde sinnvoll erweitert. Die Lernkurve ist dabei stets motivierend. Trotz allem wird man nicht immer an der Hand genommen. Wenn man dann aber auf eine mächtige Kombination aus Waffe, Upgrades und eigener Herangehensweise findet, ist das umso motivierender. Hades 2 strotzt vor solchen kleinen Erfolgsmomenten.

Die Geschichte funktioniert zudem eigenständig, sodass Vorkenntnisse aus dem ersten Teil keine Voraussetzung sind. Auch hier haben sich die Entwickler die richtigen Gedanken gemacht, um sowohl Neulinge, als auch Kenner des ersten Teils abzuholen.

Fazit

Das Spielprinzip macht süchtig, die Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger sind durchdacht, und insgesamt gelingt es Hades 2 mühelos, die selbst gesetzte Messlatte zu übertreffen. Dabei setzt das Spiel auf eine ganz eigene Präsentation. Alle Stärken des ersten Teils wurden ausgebaut oder beibehalten und alles, was Hades so ikonisch machte wird in Hades 2 noch stärker betont und weiter gedacht.

Hades 2 ist also wie schon sein Vorgänger ein Meisterwerk, bei dem nahezu alles stimmt: Liebe zum Detail, ein packendes Gameplay, eine starke audiovisuelle Präsentation und eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Solche Spiele findet man selten.

Pro:
  • Süchtig machendes Spielprinzip
  • Einsteigerfreundlich und trotzdem mit viel Tiefgang
  • Beeindruckende musikalische Untermalung
  • Liebe zum Detail in allen Aspekten des Spiels: Gameplay, Story, Charaktere, Musik
Contra:
  • Einige Dungeons hätten abwechslungsreicher gestaltet werden können
Story:
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Gameplay:
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Grafik:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
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Atmosphäre:
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Unsere Wertung: 9.5 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: PS5

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Marvin Kolb

Marvin Kolb

Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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