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RIDE 6RIDE 6
Review

Ride 6 im Test: Wenn Forza Horizon und Gran Turismo auf zwei Räder umsteigen

Von Alex Jung am 23. Februar 2026. Getestet auf Xbox Series S/X. Zum Spiel hier klicken.

Mit Ride 6 hat die italienische Rennspielschmiede Milestone den nächsten Teil Ihres „Gran Turismo für Motorräder“ an den Start gebracht. Neben der offensichtlichen Inspirationsquelle GT orientiert man sich jetzt aber auch an der Forza-Horizon-Reihe sowie The Crew Motorfest. Denn nun dient das Ride Fest als Aufhänger für das Spiel, was eine deutlich aufgelockerte Festival-Atmosphäre generieren soll. Wir haben uns umgehend auf den virtuellen Sattel geschwungen und klären für euch im Test, ob die Kombination aus Forza und Gran Turismo auf zwei Rädern gut funktioniert. Und natürlich, ob Ride 6 seinen Vorgänger aus dem Windschatten heraus überholen kann.

Willkommen beim Ride Fest

Nachdem der Vorgänger Ride 5 einen eher trockenen Ansatz verfolgte, gestaltet sich das Grundthema in Ride 6 erheblich bunter und zwangloser. Als Ausgangspunkt für unser Spielerlebnis dient das Ride Fest, welches mit seiner Festival-Atmosphäre, dem DJ sowie den zahllosen Besuchern direkt an Forza Horizon oder The Crew Motorfest erinnert. Eine Open-World, wie sie die beiden Inspirationsquellen bieten, spart man sich jedoch völlig. Vielmehr liefert das Ride Fest den Startpunkt für Rennevents, die auf der ganzen Welt angesiedelt sind und auf vielen unterschiedlichen realen oder fiktiven Rennstrecken stattfinden.

Das Festival-Thema finden wir also hauptsächlich im sehr ansprechend gestalteten Hauptmenü sowie an den blauen Zelten mit Ride-Fest-Aufschrift, die die Streckenränder säumen. Nach einem kurzen Tutorial-Einstieg öffnet sich uns die Kampagne. Dort sammeln wir Sterne für absolvierte Rennveranstaltungen und schalten auf die Art wiederum neue Kategorien frei. Diese sind meist einem bestimmten Thema zugeordnet und lassen uns etwa mit hochgezüchteten Rennmotorrädern, Naked-Bikes oder Rollern um die Wette fahren. Neben simplen Einzelrennen sowie ganzen Meisterschaften können wir zudem einzelne Runden im Zeitangriff absolvieren oder Kopf-an-Kopf gegen spezielle Gegner antreten. In jeder Veranstaltung gilt es dabei, sowohl ein Haupt- als auch ein Bonusziel zu erfüllen. Während das Hauptziel beispielsweise ein Platz auf dem Treppchen ist, sollen wir als Bonus die schnellste Rennrunde fahren oder sogar den ersten Platz mit nachhause nehmen.

Das Who-is-Who des Motorradsports

Die besonderen Gegner aus den Kopf-an-Kopf-Veranstaltungen sind, im Gegensatz zum Vorgänger, alles andere als Unbekannte. Denn in Ride 6 sind nun einige reale Fahrer abgebildet, die auf dem Ride Fest vorbeischauen. Neben Offroad-Spezialist Skyler Howes oder Superbiker James Toseland finden sich beispielsweise die Road-Racing-Legenden Peter Hickman sowie die von der Isle-of-Man-Doku Hart am Limit bekannten Guy Martin und lan Hutchinson im Kader wieder. Und der zweimalige MotoGP-Weltmeister Casey Stoner gibt sich ebenfalls die Ehre. Dank der prominenten Unterstützung versteht sich Ride 6 mehr denn je als Hommage an den Motorradrennsport, auch wenn die Starfahrer letztlich nur mit stummen, virtuellen Abbildern integriert wurden. Hier wäre präsentationstechnisch vielleicht noch etwas mehr gegangen, zum Beispiel mit kurzen Einspielern, bei denen die Stars zu Wort kommen. Trotzdem ist die grundsätzliche Präsentation von Ride 6 sehr gelungen. Ein klares Plus ist zudem der elektronische Soundtrack aus der Feder von Star-DJ und Motorsport-Enthusiast Carl Cox, der sehr gut zur Festival-Stimmung passt.

Die Karriere ist klar abwechslungsreicher als noch im Vorgänger, da erheblich weniger linear. An der Stelle gab sich Ride 5 noch ganz klar gradliniger und fühlte sich dementsprechend bereits sehr früh im Spiel nach reiner Arbeit an. In Ride 6 erreichen wir diesen Punkt dank ständig wechselnder Motorradklassen und der Wahl aus mehreren unterschiedlichen Themengebieten erst später im Spiel. Grundsätzlich ist die Karriere von Ride 6 ebenso ein Abarbeiten von Rennen. Da wir nun aber zusätzlich zu dringend benötigten Credits und den bereits genannten Sternen noch Ausrüstungsgegenstände, Sticker und sogar Motorräder gewinnen können, macht der Karrieremodus erheblich mehr Spaß und bietet ausreichend Abwechslung sowie Langzeitmotivation.

Ich geb Gas, ich will Spaß

Auf der Strecke macht Ride 6 grundsätzlich einen Sprung nach vorne. In Summe wäre zunächst der Umstieg auf die Unreal Engine 5 zu nennen, durch den das Spiel besser aussieht. Während die Motorradmodelle bereits im Vorgänger überzeugen konnten, legt die Umgebung ebenso ordentlich nach. Deutlich dichtere Vegetation, tolle Lichtspiele sowie viel mehr Leben am Streckenrand in Form von winkenden Zuschauern sorgen für ein klares Plus bei der grafischen Präsentation. In dem Bereich hat Milestone definitiv abgeliefert. Dies gilt auch für die Akustik. Die Motorräder klingen etwas kerniger als im Vorgänger und sind stets klar voneinander zu unterscheiden.

Die Steuerung der Motorräder gestaltet sich dank der üblichen, elektronischen Helferlein wie Anti-Wheelie-Control und Traktionskontrolle sehr eingängig. Zusätzlich können wir in Ride 6 zwischen Arcade- und Pro-Fahrgefühl wählen, wobei wir bei Pro mehrere Parameter anpassen sowie Einfluss auf das Setup unseres Bikes nehmen dürfen. Grundsätzlich sind die Bikes etwas einfacher zu handhaben als in Ride 5, was vor allem daran auffällt, dass weniger Bewegung im Fahrwerk ist. Der generellen Zugänglichkeit des Spiels kommt dies natürlich zugute. Und auf Wunsch lässt sich auch Ride 6 wie eine Simulation fahren, bei der gerade die hochmotorisierten Superbikes einen sensiblen Umgang mit Gas und Bremse erfordern.

Des Kaisers neue Motorräder

In Sachen Umfang hat sich ebenfalls einiges getan. Wieder sind viele namhafte Hersteller wie Ducati, Kawasaki, Honda, Yamaha oder Exoten wie die italienischen Vyrus-Maschinen vertreten und bieten eine gute Auswahl, die von simplen Rollern über Tourer bis hin zu hochgezüchteten Rennmotorrädern kaum einen Wunsch offenlassen. Toll ist, dass viele Bikes aktueller Baureihen den Weg ins Spiel gefunden haben und man somit mit den modernsten Geräten seine Runden drehen kann. Frisch hinzugekommen sind zudem die Kategorien Enduros für Offroad-Events, Flat-Track auf Sandpisten sowie die amerikanischen Baggers. Bei Letzteren handelt es sich um eine gerade stark boomende Klasse, welche unter anderem in dieser Saison im Rahmenprogramm der MotoGP an den Start gehen wird. Konkret wird hierbei mit mächtigen Sporttourern gefahren, die sich neben ordentlicher Leistung durch ein enormes Gewicht sowie an den Seiten montierte Koffer auszeichnen.

Am Beispiel der Baggers wird klar, wie gut das Fahrverhalten umgesetzt ist, denn ein 280-Kilo-Koloss lenkt und bremst einfach schwerfälliger als eine wendige und leichte 600er Rennmaschine. Weniger gut wiederum ist das grundlegende Fahrgefühl auf Sand und Schotter, denn dieses gestaltet sich sehr ähnlich zur Asphalt-Oberfläche. Die Motorräder rutschen also kaum, selbst wenn wir uns bei Regen auf eigentlich schlammiger Piste bewegen. Immerhin, es gibt nun Rennevents, bei denen die Klassen gemixt werden und etwa Enduros zusammen mit Sportbikes auf die Piste gehen. Bei der Auswahl hatte Ride 5 noch eine deutlich striktere Trennung vorgegeben.

Gemäß der Inspirationsquelle Gran Turismo bietet der aktuellste Ride-Ableger einen getrennten Markt für neue und gebrauchte Motorräder, wobei Letztere alle paar Tage ausgetauscht werden. Leider lässt sich hier nur je ein Bike jedes Modells kaufen, doch trotzdem ist diese Aufteilung ein nettes Gimmick, um in diesem Bereich regelmäßig vorbeizuschauen. Im Bereich der Pisten lässt sich Milestone ebenfalls nicht lumpen und führt uns einmal rund um den Globus. Die Auswahl reicht dabei von klassischen Rennstrecken wie Brands Hatch, Mugello oder dem Neuzugang Red Bull Ring über Serien-Eigenkreationen wie French Rivera und der Blue-Wave-Circuit, Road-Racing-Kurse wie UlsterGP und das Northwest 200 bis hin zu brandneuen Offroad-Pisten in Italien und der Türkei. Dank zahlreicher, unterschiedlicher Kursvarianten kommt also so schnell keine Langeweile auf.

Der Milestone-Baukasten

Kommen wir nun zu den Punkten, die nicht so ganz gelungen sind. Zunächst wären die Bereiche Charaktermodelle und Editoren zu nennen. Wer schon einmal einen Milestone-Titel gespielt hat, der fühlt sich sofort heimisch. Oder reibt sich verwundert die Augen, ob er denn gerade aus Versehen den Vorgänger gestartet hat. Denn sowohl bei der eigenen Spielfigur als auch bei den zahlreichen Editoren für Lackierungen, Helmdesigns oder Anzüge hat sich quasi gar nichts getan. Die Gesichter sind bekannt aus vielen anderen Milestone-Spielen, und die Editor-Optionen sind ebenfalls nahezu identisch. Lediglich im Bereich der Sponsoren hat sich zahlenmäßig noch etwas getan. Ansonsten gilt: Hier wäre eine Frischzellenkur definitiv angebracht und eigentlich schon längst überfällig.

Wer bereits den Vorgänger gespielt hat, der weiß natürlich, dass der Season-Pass wieder Thema ist. Dieses Mal sogar zwei davon. Milestone möchte dabei Ride 6 bis ins späte Jahr 2027 mit Inhalten in Form von sechs Strecken sowie diversen Motorrädern und neuen Kampagnenabschnitten versorgen. An sich ist nachgelieferter Content ja nichts Verwerfliches, billig wird das Ganze jedoch nicht. Neben dem Hauptspiel schlagen beide Season-Pässe mit je 29,99 Euro zu Buche, was den grundsätzlichen Preis letztlich nach oben treibt. Schade ist zudem, dass weitere Inhalte wie etwa der in Ride 5 eingeführte, überaus mächtige Race Creator sowie der lokale Splitscreen-Modus ebenfalls erst nach Release nachgereicht werden.

Besuch des Bug-Fests

So manches Update würde Ride 6 freilich guttun. Denn im Spielbetrieb begegneten uns doch einige durchaus vermeidbare Bugs. So wurde etwa in der Karriere im KTM-Bereich statt des entsprechenden, österreichischen Motorrads einfach unser aktuelles Bike geladen. An anderer Stelle drehte sich die Präsentationsplattform des gebrauchten Bikes, das Motorrad selbst jedoch nicht. Die Videoeinspieler zu Beginn jedes Kampagnenabschnittes ruckelten teils erbärmlich. Im Offroad-Bereich stürzten wir mehrfach ohne erkennbaren Grund, weil wohl die Traktionskontrolle schlagartig ihren Dienst quittierte. Und tatsächlich erlebten wir einen Absturz sowie einen Freeze, welche jedoch nach einem Neustart keine weiteren Auswirkungen hatten. Dennoch bleibt zu sagen, dass ein klein wenig mehr Feintuning Ride 6 nicht geschadet hätte.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Anzahl der Computergegner, gerade mit Fokus auf den noch nachgelieferten Race Creator. Während Ride 5 noch zwanzig Motorräder gleichzeitig auf der Piste darstellte, reduziert Ride 6 die Anzahl auf zwölf. Milestone geht getreu dem Motto „Qualität statt Quantität“ einen neuen Weg. Und tatsächlich macht die KI in Ride 6 einen etwas besseren Job und erlaubt spannende Positionskämpfe, auch wenn sie bisweilen noch sehr aggressiv zu Werke geht. Auf den meisten Kursen fällt die geringere Anzahl an Kontrahenten tatsächlich nicht auf, da wir stets alle Hände voll zu tun haben. Bei den Grand-Prix-Kursen merken wir den Unterschied jedoch speziell in den Wiederholungen, denn dann sieht das Feld doch etwas armselig aus und erinnert an jene MotoGP-Zeit, als nur noch wenige Prototypen im Grid standen und man schließlich das Starterfeld mit getunten Superbikes auffüllen musste. Hier darf man gespannt sein, ob Milestone mit Einführung des Race Creators die Anzahl an Computergegnern erhöht.

Fazit

Stellt Ride 6 eine Verbesserung zum Vorgänger dar? Diese Frage beantworte ich auf jeden Fall mit ja. Gerade die überarbeitete Präsentation sowie der geänderte Karrieremodus haben mir sehr gut gefallen. Während mir in Ride 5 schon nach der Hälfte der ersten Rubrik die Motivation ausgegangen ist, bin ich bei Ride 6 deutlich länger drangeblieben, was hauptsächlich daran liegt, dass man genügend Abwechslung hat und ständig etwas freischaltet. Auch finde ich die neuen Klassen, speziell die Enduros, richtig cool. Das Fahrgefühl könnte aber gerne noch etwas „offroadiger“ sein. Im Bereich der grafischen Präsentation hat man ordentlich nachgelegt, da verzeihe ich den einen oder anderen Bug, der mir begegnet ist. Nicht hinwegsehen kann ich über die Bereiche Editoren und Charaktermodelle. Diese könnten definitiv eine längst überfällige Frischzellenkur vertragen.

Im Vorfeld hatte ich tatsächlich Bedenken ob der reduzierten Teilnehmerzahl, denn acht Motorräder weniger sorgen natürlich für geringere Rennatmosphäre. Im Karrieremodus habe ich die fehlenden Gegner jedoch kaum vermisst, denn mit den verbliebenen Kontrahenten hat man genug zu tun. Wie sich das Ganze dann bei dem zu einem späteren Zeitpunkt nachgelieferten Race Creator niederschlägt, werden wir noch sehen. Zumindest fragwürdig ist die preisliche Gestaltung für den nachgelieferten Inhalt. Dies löst beispielsweise die Vierrad-Konkurrenz Gran Turismo 7 eleganter. Dennoch würde ich Ride 6 tatsächlich mit ganz knappem Vorsprung als bisher besten Serienteil einordnen.

Pro:
  • Überarbeiteter Karrieremodus
  • Grafischer Sprung dank neuer Unreal Engine
  • Deutlich größerer Umfang als im Vorgänger
  • Sehr eingängiges Fahrgefühl, sowohl in Arcade als auch in Pro
  • Neue Spielmodi (Enduro, Baggers und Flat-Track)
  • Verschiedene Klassen können nun gemixt werden
  • Generell ansprechende Präsentation
  • Sehr guter, elektronischer Soundtrack
Contra:
  • Nur zwölf Motorräder gleichzeitig auf der Strecke
  • Kleinere Bugs und Fehler
  • Charaktermodelle und Editoren 1:1 aus dem Vorgänger übernommen
  • Ruckler bei den Präsentationsvideos
  • Fragwürdige Preispolitik
  • Viele Inhalte werden erst nachgereicht
  • Fahrgefühl im Offroad-Bereich sehr ähnlich zu Asphalt-Abschnitten
Gameplay:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
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Umfang:
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Unsere Wertung: 8.5 / 10
Spiel getestet auf: Xbox Series S/X
Alex Jung

Alex Jung

Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.

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