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#Drive Rally#Drive Rally
Review

#Drive Rally im Test: Zwischen Drift-Spaß und Beifahrer-Wahnsinn

Von Alex Jung am 25. Juni 2026. Getestet auf PS5. 8 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Bereits 2024 startete mit #Drive Rally das nächste Indie-Rallye-Spiel auf Steam durch. In direkter Konkurrenz zu Titeln wie art of rally, Rally Arcade Classics, Old School Rally oder Super Woden GP II möchte #Drive Rally dabei mit einem durchaus beachtlichen Umfang glänzen, der die direkte Konkurrenz in den Schatten stellen soll. Nun endlich kommen Konsolenspieler in den Genuss des arcadigen Racers aus dem Hause des polnischen Indie-Entwicklers Pixel Perfect Dude. Für uns als Rallye-Experten natürlich der perfekte Aufhänger, um auch in #Drive Rally unsere Stages zu absolvieren und zu klären, ob der Titel am Ende bei dieser enormen Konkurrenz die Nase vorne hat oder einfach nur Staub schluckt. 

Eine Tour um die Welt

#Drive Rally hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Im aufgeräumten Hauptmenü werden uns direkt die Kern-Menüpunkte erklärt, bevor wir uns direkt ins Renngeschehen stürzen. Als erster Punkt steht uns dabei der Modus Meisterschaft zur Verfügung. Hinter diesem verbirgt sich ein rudimentärer Karriere-Modus, der sicherlich den Hauptaspekt des Spiels darstellt und uns am meisten beschäftigen wird. Anstelle einer traditionellen Meisterschaft, in der wir nach und nach verschiedene Saisonstationen abklappern, gestaltet sich #Drive Rally etwas variabler.

Das Spiel bietet in Summe sechs unterschiedliche Locations, die einmal um den Globus verteilt sind. Während Holzberg unzweifelhaft in Deutschland angesiedelt ist, verschlägt uns die Rallye Tofuyama wiederum nach Japan. Weitere Gebiete, die wir unter die Räder nehmen, sind Mexiko, die USA, Indonesien sowie ein skandinavisch angehauchtes Land voller Schnee und Eis. Somit wird jeder Rallye-Untergrund abgedeckt. Die Länder sind abwechslungsreich gestaltet und bieten einiges an stimmungsvollen Schauwerten abseits der Strecke, etwa alte Burgen, Western-Städtchen oder eine riesige Buddha-Statue.

Zu jedem Gebiet gehört dann wiederum ein Hersteller/Team, dessen Fahrzeuge wir in der Meisterschaft bewegen. Der Aufbau gestaltet sich dabei sehr linear. Wir starten mit dem ersten Auto in die Rallye und absolvieren nacheinander drei Etappen. Neben Teilen wie neuen Stoßstangen schalten wir nach Abschluss den nächsten Boliden des Teams frei, bis wir alle drei Gefährte unser Eigen nennen. Dank der unterschiedlichen Locations ist zwar Abwechslung gegeben, jedoch fühlt sich der Meisterschaft-Modus recht schnell nach abarbeiten an. Ein wenig mehr Varianz wäre hier schön gewesen.

Das Upgrade vom Upgrade

Da Stillstand bekanntlich Rückschritt bedeutet, legen die Hersteller direkt noch einmal nach. Denn von jedem Gefährt im Spiel gibt es drei Varianten. Neben der schwachbrüstigen Basis-Version finden wir so zwei Evolutionsstufen. Diese zeichnen sich neben erheblich mehr Leistung durch ein deutlich gesteigertes Flügelwerk und enorme Anbauten aus, was nicht umsonst an die legendären Boliden der Gruppe B oder sogar der nie eingeführten Gruppe S erinnert.

#Drive Rally bietet dabei zwar keine offizielle Lizenz, macht die insgesamt 28 Boliden im Spiel aber auch nicht wirklich unkenntlich. So lassen sich zweifelsfrei Entsprechungen von Mitsubishi Lancer, Subaru Impreza, Audi Sport Quattro oder Rallye-Exoten wie Lamborghini Countach oder Dodge Charger erkennen, die dank des comicartigen Looks teilweise wie ein feuchter Fiebertraum eines Spielzeugfans anmuten und so aus der Hot-Wheels-Ideenfabrik stammen könnten.

Im Kern ist #Drive Rally ein reinrassiger Arcade-Racer. Somit lassen sich alle Autos sehr einfach und gut kontrollieren. Die unterschiedlichen Antriebsarten werden dennoch anständig rübergebracht, sodass eine potente Heckschleuder wie der Quasi-Ferrari 365 GTB/4 aus engen Ecken heraus einen sanfteren Gasfuß erfordert als die Allrad-Boliden vom Schlage einer Toyota Celica. Schlagen wir doch einmal in der Streckenbegrenzung ein, hat dies abseits des Zeitverlusts keine Konsequenzen. Ein Schadensmodell suchen wir in #Drive Rally also leider vergeblich. Dafür werden wir bestraft, wenn wir den eigentlichen Weg einmal verlassen, da unser Auto für kurze Zeit erheblich abgebremst wird.

Ebenfalls vermisst werden wechselnde Witterungsbedingungen oder Lichtverhältnisse, wie sie eigentlich zum A und O eines jeden Rallye-Spiels gehören. Denn in #Drive Rally sind wir letztlich immer bei Tag und schönstem Sonnenschein unterwegs. Regen oder Schnee und die damit einhergehenden Veränderungen auf den Pisten sind leider kein Bestandteil des Spiels. Ebenso fehlt ein Tag-/Nachtwechsel beziehungsweise die Option, einzelne Stages auch im Dunkeln zu bestreiten, was die Herausforderung sicherlich noch einmal gesteigert sowie gerade mit der richtigen Beleuchtung in den kleinen Städtchen für schöne und atmosphärische Passagen gesorgt hätte.

Eine Prise Humor

Schon bei der Auswahl der Fahrzeuge nimmt sich #Drive Rally nicht so ernst. Die Boliden aus Holzberg, die zweifelsfrei als VW Golf, BMW und Audi erkennbar sind, werden schlicht Holzwagen genannt und kommen zum Beispiel in der Variante „Bretzel“ aus der Garage. Und Rallyes wie Rio Guacamole oder Tofuyama sind ebenfalls lustige Entsprechungen ihrer realen Vorbilder. Im Übersichtsmenü der Meisterschaft finden wir zu jedem Durchgang kleine Anmerkungen unseres Beifahrers, die zumindest zum Schmunzeln einladen.

Gerade die Copiloten nehmen eine Sonderstellung ein. Ziemlich klischeebehaftet werden uns in jedem Land passende und etwas skurrile Teamkollegen zur Seite gestellt, die uns die Ansagen aus dem Gebetbuch vorlesen und dabei über einen klar hörbaren Akzent verfügen. Während der Mexikaner also fleißig „Vamos Amigo!“ verteilt, erinnert der deutsche Kopilot in Sachen Aussprache und Optik an eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und He-Man, natürlich inklusive einer blonden Löwenmähne und einer Terminator-artigen Lederjacke. Prinzipiell erledigen die Kollegen ihren Job zufriedenstellend. Mit der entsprechenden Einstellung kommentieren die Jungs und Mädels unsere Fahrweise zusätzlich mit kernigen One-Linern und Sprüchen, was zunächst ein lustiges Alleinstellungsmerkmal ist, mit zunehmender Spieldauer aber nervig werden kann.

Nur Bares ist Wahres

Neben der Meisterschaft gibt es den Modus Schnelles Spiel. Dort brettern wir nach Lust und Laune in einer Etappe unserer Wahl durch die Gegend. Während ein Großteil der Autos im Karriere-Modus zunächst freigeschaltet werden muss, können wir andere Boliden wie den Renault-Megane-Verschnitt oder alternative Lackierungsdesigns mit Ingame-Währung kaufen. Glücklicherweise erhalten wir für jeden Sieg im Spiel einen vernünftigen Geldbetrag, sodass die Fahrt belohnt wird und wir recht schnell ein stattliches Sparguthaben unser Eigen nennen.

Als weiteren Spielmodus steht uns Freie Fahrt zur Verfügung. Dahinter verbirgt sich tatsächlich eine Besonderheit, nämlich insgesamt sechs Open-World-Bereiche, auf denen auch die Etappen stattfinden. Nun dürfen wir die Umgebung ohne Zwang und künstliche Absperrungen erkunden. Komplett unnütz ist der Modus nicht, finden wir dort doch unter anderem Dinge wie einen ikonischen Wackeldackel oder einen Duftbaum, die den Innenraum unseres Autos natürlich erheblich aufwerten. Zudem lassen sich, ganz Old School, einige Buchstaben in der Spielwelt sammeln, die zusammen ein Wort ergeben und uns wiederum den nächsten Abschnitt freischalten. Ein klares Plus für erkundungsfreudige Spieler also.

Die Open-World-Abschnitte jedes Landes hätten sich eigentlich prima für einen Streckeneditor angeboten, wie ihn beispielsweise die Forza-Horizon-Reihe bietet. Die angebotenen Pisten gehen aber auch so vollkommen in Ordnung. Denn pro Land stehen uns ganze 24 Stages zur Verfügung, die sich zwar teilweise in ihrer Route überschneiden, aber dennoch genug Varianz mitbringen. Durch eine Reverse-Funktion, bei der wir die Strecken rückwärts befahren, erhöht sich zudem die Anzahl an Stages auf insgesamt 288. Eine wirklich beachtliche Zahl, die mit Blick auf die Mit-Kontrahenten absolut konkurrenzlos ist.

Zwölf Freunde sollt ihr sein

Auf einen Online-Multiplayer verzichtet #Drive Rally leider, wenn man von den Online-Bestenlisten einmal absieht, die unsere Zeit immer in Relation zur Konkurrenz setzt. Dafür feiert getreu des Retro-Ansatzes des Spiels ein anderer Modus seine Rückkehr, nämlich der lokale Hot-Seat-Modus in Form des Party-Modus. Hierbei können bis zu zwölf Spieler nacheinander mit dem gleichen Controller an derselben Konsole antreten. Die Wahl des Autos orientiert sich dabei am Freischaltfortschritt des Hauptspielers, dafür dürfen die Performance-Klassen wild gemixt werden, um Skillunterschiede auszugleichen. Zudem fließen sämtliche Credits, die man in diesem Modus verdient, in die Kasse desjenigen, der das Spiel besitzt. Man kann also getrost die Freunde für einen arbeiten lassen.

Komplett fehlerfrei ist #Drive Rally allerdings nicht. So sind uns im Testbetrieb immer wieder kleinere Nachladeruckler aufgefallen, die ab und zu die Rallye-Action stören. Speziell Bäume und Schatten ploppen gerne mal im Hintergrund auf, auch wenn die Weitsicht an sich absolut gelungen ist und ein gutes Gefühl für Weite vermittelt. Zudem ist das Fahrgefühl ein wenig schwammig, lässt sich aber stets gut kontrollieren. Wenn wir am Start im Leerlauf Gas geben, wackelt unser Bolide, als hätten wir Snoop Doggs' Lowrider aus der Garage gefahren, was bisweilen etwas befremdlich aussieht.

Und apropos befremdlich: Während die musikalische Untermalung zwar nicht unbedingt heraussticht, jedoch soweit überzeugen kann, gilt dies leider nicht so ganz für die Motorensounds. Viele der Boliden, speziell in den höheren Ausbaustufen, klingen doch zu sehr nach herkömmlichem Staubsauger und nicht nach kraftstrotzender Rennmaschine. Gerade, da die grundsätzliche Ausrichtung arcadig und comichaft überzeichnet ist, hätten ein paar fauchende Motoren dem Spiel an der Stelle definitiv gutgetan.

Fazit

#Drive Rally erschien in dem Zeitraum, in dem ich schon fleißig meine Runden in Forza Horizon 6 drehte, meinem persönlichen Hype-Titel des Jahres (Korrektur meiner Frau: Wieso nur des Jahres? Des Jahrzehnts!). Und doch hatte ich nach den ersten Anspielsessions richtig Lust, an #Drive Rally dranzubleiben. Das zeigt auf jeden Fall schon einmal auf, dass der Titel einiges richtig macht.

Dies beginnt beim tollen Umfang mit 24 Stages in jedem der sechs thematisch sehr unterschiedlichen und stimmungsvoll gestalteten Länder, die wir zudem in einem Open-World-Modus befahren dürfen. Die insgesamt 28 im Spiel enthaltenen Boliden bieten eine ordentliche Auswahl und motivieren dank dreier unterschiedlicher Ausbaustufen, die wir nach und nach erst freischalten müssen. Langzeitmotivation ist also ebenfalls gegeben. Der im Vorfeld viel beworbene Humor, speziell was die Ansagen der Beifahrer angeht, wird mit zunehmender Spieldauer allerdings etwas anstrengend. Dafür sammeln Foto- und Hot-Seat-Modus weitere Pluspunkte für das Spiel, auch wenn ein Online-Multiplayer leider (noch) fehlt.

Kleinere technische Fehler wie Pop-ups und Nachladeruckler trüben ein wenig das Gesamtbild. Dennoch ist die comicartige Grafik sehr stimmungsvoll und bietet für ein Spiel dieser Art einen schönen Rahmen. Auf der akustischen Seite könnten die Autos zudem erheblich mehr Druck vertragen, da sie leider zu sehr nach Staubsauger klingen. Trotz der Kritikpunkte macht #Drive Rally sehr viel richtig und ist ein würdiger Genre-Vertreter, der sich hinter Old School Rally, Rally Arcade Classics und art of rally definitiv nicht zu verstecken braucht.

Pro:
  • Großer Fuhrpark mit 28 Autos, die zudem in drei Stufen aufrüstbar sind
  • Sechs unterschiedliche Länder mit je 24 Stages
  • Reverse-Modus erhöht die Stage-Anzahl weiter
  • Freie-Fahrt-Modus in den jeweiligen Open-Worlds der Länder
  • Hot-Seat-Modus für bis zu zwölf Spieler
  • Motivierende Freischaltmechanik mit Teilen, Lackierungen und Upgrades
  • Augenzwinker-Humor
  • Fotomodus
Contra:
  • Repetitiver Meisterschaftsmodus
  • Fahrgefühl etwas schwammig
  • Weder Wettereffekte noch andere Lichtverhältnisse
  • Kein Schadensmodell
  • Beifahrer nerven nach einiger Zeit etwas
  • Kein Online-Multiplayer abseits von Bestenlisten
  • Pop-ups, wenige Ruckler und kleine Grafikfehler
  • Dudelmusik während der Rennen
  • Motorensounds etwas dürftig
Gameplay:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
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Sound:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Umfang:
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Unsere Wertung: 8.5 / 10
Spiel getestet auf: PS5

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Alex Jung

Alex Jung

Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.

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