Review

Football Manager 2022 im Test – wie schlägt sich die neue Ausgabe auf der Switch?

Von Daniel Walter am 16. November 2021
Publisher: SEGA
Release: 8. November 2021
Genre: Sportmanager
Entwickler: Sports Interactive
Verfügbar für: PC | Switch | Xbox One | Xbox Series S/X | iOS | Android
USK Altersfreigabe: 0

Auch in diesem Jahr dürfen sich Fußballfans auf eine neue Saison im Football Manager freuen. Wir haben uns die Touch-Version für Nintendo Switch genauer angeschaut und verraten euch im Test, was wir von der Managersimulation halten.

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Die Qual der Wahl

Insgesamt stehen im Football Manager drei lokale Spielmodi zur Auswahl, die uns ein individuelles Spielerlebnis bieten. Während wir in der klassischen Karriere ein Team unserer Wahl aus zahlreichen lizenzierten Ligen auswählen, darunter auch die 1. und 2.  Bundesliga sowie die dritte deutsche Liga, erstellen wir in “Create a Club” einen eigenen Verein nach unseren Vorstellungen. Als dritte Spielmöglichkeit bietet uns der FM 2022 einen Herausforderung-Modus, bei dem wir aus unterschiedlichen Szenarien wählen können, die unsere Fähigkeiten als Trainer auf die Probe stellen. So übernehmen wir zum Beispiel die Leitung eines Teams, das sich gerade im Abstiegskampf befindet oder, das mit einer Vielzahl an verletzten Spielern zu kämpfen hat. Aber auch Aufgaben wie die Titeljagd mit einem Team aus Nachwuchsspielern oder das Management einer Mannschaft mit großen finanziellen Schwierigkeiten stehen hier zur Auswahl und können in mehreren Schwierigkeitsstufen angegangen werden. Diese Szenarien bilden mit ihren vorgegebenen Stolpersteinen eine spannende Abwechslung zu den beiden deutlich freieren Karrieremodi und verleihen der Simulation dadurch eine zusätzliche Facette.

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Wir starten in die Karriere

Da der klassische Karrieremodus natürlich das Herzstück des Managers ist, widmen wir diesem auch unsere meiste Aufmerksamkeit. Hier entscheiden wir uns zunächst für unser favorisiertes Team und dürfen dabei aus einer umfangreichen Auswahl an Originalligen wählen. Während zahlreiche große europäische Wettbewerbe wie die deutsche Bundesliga, die französische Ligue 1 oder die dänische Superliga mit den offiziellen Namen, Logos und Vereinsbezeichnungen vorhanden sind, müssen wir bei anderen prominenten Ligen Abstriche machen. So spielen wir in England beispielsweise in der Premier Division und in Spanien in der First Division und suchen hier auch die realen Vereinsnamen vergeblich. Dank an das Original angelehnter Platzhalter lässt sich in der Regel aber dennoch erkennen, welcher Verein sich hinter dem Kunstnamen verbirgt. Außerhalb Europas stehen übrigens ebenfalls mehrere offizielle Ligen bereit, wie die K League in Südkorea oder die Major League Soccer in den USA. Zu Beginn entscheiden wir außerdem, ob wir als Vereinstrainer, als Nationaltrainer oder gleich in beiden Jobs aktiv sein möchten. Insgesamt kann man bei der Auswahl an Originalclubs eigentlich wirklich zufrieden sein, gewisse Abstriche bei den Lizenzen müssen bei Sportspielen ja in der Regel immer gemacht werden. Löblich ist natürlich, dass gerade wir als deutsche Fußballfans umfassend bedient werden, was die Tatsache, dass gerade die deutsche Nationalmannschaft nicht mit von der Partie ist, noch merkwürdiger wirken lässt.

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Wir schlüpfen in die Rolle des Teammanagers

Ist der Vertrag unterschrieben, geht es an das Gestalten unseres Managers. Dabei wählen wir neben Geschlecht, Hautfarbe und Statur auch die Frisur, die Augenfarbe und das Outfit aus und können damit auf einen rudimentären Charakterdesigner zurückgreifen, der für einen Sportmanager aber auch absolut ausreichend ist. Nach dem Erstellen unserer Spielfigur starten wir ohne weitere Umwege ins Spiel. Hier fällt sofort auf, dass die eigentlich recht trockene Managerthematik von Beginn an mit Zeitungsmeldungen, einem Social Feed sowie kleineren Sequenzen umrahmt wird, was für eine lockere und sehr zugängliche Präsentation sorgt. Die Steuerung durch die umfangreichen Menüs ist gerade über den Touchscreen der Switch äußerst komfortabel möglich. Nutzt man hingegen das Steuerkreuz und die Sticks zum Navigieren, wirkt das Ganze schon deutlich hakeliger.

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Ein abwechslungsreicher Alltag erwartet uns

Als kleinen Einstieg in unsere Arbeit als Manager erhalten wir detaillierte Infos über die Vereinsgeschichte, den Kader und die vom Vorstand gesteckten Ziele, denen wir während der Saison unsere Aufmerksamkeit widmen sollen. Dabei haben wir im Rahmen tiefer gehender Verhandlungen die Chance, diverse Anpassungen vorzunehmen und damit zum Beispiel unser Budget aufzustocken, indem wir anspruchsvollere Saisonziele ins Auge fassen. Unser Aufgabenspektrum im Football Manager ist breit gefächert, die einzelnen Kategorien erreichen wir hierbei bequem über das Navigationsmenü unseres Dashboards. Hier behalten wir zum Beispiel die Form unserer Spieler im Blick, legen Formation, Taktik und Mannschaftsrollen fest oder sorgen mit einem ausgewogenen Trainingsplan dafür, dass sich das Team stetig verbessert. Beim Training unterscheidet das Spiel zwischen Mannschaftstraining, Individualtraining und Mentoring. Letzteres bietet uns die Möglichkeit, Trainingsgruppen zu erstellen, in denen die entsprechenden Spieler von ihren Kollegen lernen und sich dadurch gegenseitig beeinflussen, abhängig von ihrer Persönlichkeit. So könnten wir allein bei der Gestaltung des Trainings unzählige Stunden in die Optimierung stecken, was übrigens für fast alle Bereiche des Managers gilt. Da sich die verschiedenen Aufgaben aber auch an den Mitgliederstab abtreten lassen, kümmern wir uns wirklich nur um die Dinge, die uns interessieren und können den FM 2022 dadurch ganz nach unseren Vorstellungen spielen. Weitere wichtige Felder sind das Scouting neuer Talente, der Bereich Transfers mitsamt Vertragsverhandlungen oder auch die Finanzen, wo wir unsere Geldsituation einsehen, zusätzliches Budget beantragen oder das vorhandene nach unserem Bedarf aufteilen können. Wie detailliert der Football Manager bei seinen Funktionen vorgeht, zeigt sich beispielsweise auch daran, dass wir sogar die Strafen festlegen dürfen, die unsere Spieler beim Versäumen des Trainings, bei einer Gelbsperre oder bei einem Platzverweis erwarten. Weiterhin kommt es auch im medizinischen Bereich immer wieder zu Situationen, in denen wir aktiv das weitere Vorgehen bestimmen und uns im Einzelfall zum Beispiel zwischen einer Spritze und einer Behandlung durch einen Physiotherapeuten entscheiden. Wie schon in den Vorgängern gibt es auch 2022 leider keine Möglichkeit, mit Sponsoren zu verhandeln, das Stadion anzupassen oder Merchandise zu verwalten. Dies fällt natürlich nicht in das klassische Arbeitsfeld eines Teammanagers, wäre als zusätzliches Feature aber durchaus eine nette Ergänzung.

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Sinnvolle Neuerungen optimieren das Gameplay

Im Vergleich zum Vorjahr hält der FM 2022 einige kleine, aber doch signifikante Änderungen bereit. Eine betrifft die Präsentation auf dem Spielfeld. Diese wurde sichtbar verbessert und muss sich von der Optik her definitiv nicht vor den Switch-Umsetzungen bekannter Fußballsimulationen verstecken. Diese stagnieren nämlich im Gegensatz zum Football Manager seit Jahren und lassen Nintendo-Fans bei den Verbesserungen außen vor. Sie sind beim FM auf den ersten Blick erkennbar, denn noch nie sahen die simulierten Spiele so realistisch aus wie dieses Jahr. Sowohl die Stadionatmosphäre, als auch die Bewegung der Spieler, das Verhalten auf dem Platz oder auch die Spielzüge an sich sehen glaubhaft, nachvollziehbar und realistisch aus. Dies gilt auch für den grundlegenden Rahmen des Geschehens auf dem Platz, das mit Spielstandanzeige, dynamischer Bandenwerbung und der Kameraführung modernen TV-Übertragungen nachempfunden wurde und hier einen wirklich guten Eindruck macht. Am Rande runden die Positionswechsel der Trainer und Linienrichter, die recht variablen Jubelposen der Zuschauer oder auch Details wie Kameraleute, Ordner und Verkaufsstände die gelungene Gesamtpräsentation ab. Wie und ob wir uns die Partien anschauen, liegt übrigens in unserer Hand, sodass wir zwischen dem gesamten Spiel, wichtigen Highlights oder einer schlichten Kommentarspur wählen dürfen. Während der Matches können wir auf verschiedene Arten ins Spielgeschehen eingreifen, indem wir die grundlegende Taktik ändern, Details des Spielaufbaus anpassen oder unser Team mit Zurufen motivieren und zurechtweisen. Wie gut wir uns geschlagen haben, verrät uns am Ende nicht nur das Ergebnis, sondern auch ein praktisches Feedback unserer Mitarbeiter und des Vorstands direkt nach der Partie. Außerdem können wir anhand von ausführlichen Medienreaktionen sowie einer unmittelbaren Nachanalyse durch den Co-Trainer weitere Informationen sammeln, die uns bei der Bewertung des Matches helfen. Hier kommt auch ein weiteres neues Feature zum Tragen, nämlich das neue Datencenter. Dort finden wir einerseits übersichtlich aufgelistet sämtliche Berichte zu den einzelnen Spielen. Andererseits erkennen wir auch auf einen Blick Stärken und Schwächen der Mannschaft sowie einzelner Spieler und können dadurch künftig das Training, den Kader oder die Taktik variieren, um unsere Probleme zu beseitigen. An dieser Stelle finden wir des Weiteren auch Analysen zu unserem nächsten Gegner, die uns tiefergehende Infos zu dessen Spielstil geben. Zusammenfassend ist das Datencenter ein sinnvolles Hilfsmittel, das vor allem Übersicht in die zahlreichen verfügbaren Daten bringt und als schnelle Hilfe bei der Trainings- und Taktikplanung genutzt werden kann. Als weitere Ergänzung setzt das Spiel in der Saison 2022 vermehrt auf Moral, die von unseren Entscheidungen in unterschiedlichen Situationen beeinflusst wird. Dabei sind es zahlreiche Dinge, die sich auf die Moral des Teams auswirken, wie die Nominierung des Kapitäns, die Festsetzung des Strafenkatalogs oder auch der Umgang mit Bonuszahlungen.

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Erstellt euren Club von Grund auf

Zum Abschluss möchten wir noch kurz auf den Modus “Create a Club” eingehen, der als alternative Karriere betrachtet werden kann, sodass die grundlegenden Funktionen identisch sind. Zu Beginn legen wir zunächst das Land und die Liga fest, in der unser eigenes Team künftig unterwegs sein soll. Im Anschluss wählen wir einen Verein der entsprechenden Liga aus, der im Hinblick auf die Finanzen, das Ansehen oder auch den Status bei internationalen Wettbewerben als Vorlage dienen soll. Im nächsten Schritt gilt es, aus einer Auswahl an Vorschlägen ein geeignetes Logo zu bestimmen sowie der Mannschaft und dem Stadion einen individuellen Namen zu geben. Im Trikotdesigner haben wir zudem die Chance, Farbgebung, Muster und Beschriftung der Teamtrikots an unsere Vorlieben anzupassen. Sind die Grunddaten im Kasten, stellen wir uns mit dem verfügbaren Budget im Folgenden ein Team nach unseren Wünschen zusammen, indem wir Spieler aus sämtlichen verfügbaren Ligen zum Kader hinzufügen. Dabei kommt es am Ende nur auf unser Budget an, bestehende Verträge oder Ähnliches Spielen an dieser Stelle keine Rolle. Der Spielmodus “Create a Club” ist also perfekt für alle diejenigen, die schon immer einmal Superstars wie Christiano Ronaldo oder Messi in der Bundesliga erleben wollten, ohne, dass sie hierfür aussichtslose Vertragsverhandlungen über sich ergehen lassen müssen. Aber auch sonst ist diese Spielvariante eine sehenswerte Ergänzung zur klassischen Karriere, da wir hier einen persönlichen Club aufbauen dürfen, zu dem wir eine viel stärkere Bindung besitzen.

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Fazit:

Auch in der 2022er-Saison überzeugt der Football Manager mit einer riesigen Auswahl an Möglichkeiten, die eine detaillierte Einflussnahme auf die Entwicklung des Vereins ermöglichen. Dabei ist es aber ebenso löblich, dass wir die Gebiete, mit denen wir uns befassen, auch auf ein Minimum reduzieren und einfach nur die wirklich sehr ordentlich umgesetzte, verbesserte Simulation auf dem Rasen genießen können. Weitere gelungene Neuerungen wie das detaillierte Moralsystem oder auch das übersichtliche Datencenter zeigen, dass man Switch-Versionen von Sportspielen nicht zwingend stiefmütterlich behandeln muss, sondern sich auch hier Mühe geben und sinnvolle Verbesserungen einführen kann. Wenn man Kritik anführen möchte, kann man diese zum einen auf die doch recht vielen Platzhalter-Namen bei den Ligen oder auch auf die etwas unrunde Steuerung mit Steuerkreuz und Sticks beziehen, die aber mithilfe des Touchscreens problemlos umgangen werden kann. Die Ladezeiten fallen hier und da auch etwas länger aus, aber für Switch-Verhältnisse hält sich dies noch im Rahmen. Wer eine rundum durchdachte Managersimulation sucht, die auf zahlreichen Ebenen punkten und jede Menge Spieltiefe liefern kann, wird mit der Touch-Ausgabe des Football Managers 2022 sicherlich viel Freude haben.

Pro:
  • Unzählige Managerfunktionen mit jeder Menge Einstellungsmöglichkeiten...
  • ... die bei Bedarf aber auch ausgelagert werden können
  • Sichtbar verbesserte Präsentation auf dem Rasen
  • Viele Originallizenzen, darunter alle deutschen Ligen
  • Individuelle Karriere mit "Create a Club"
  • Datencenter und Moralsystem als sinnvolle Ergänzungen
Contra:
  • Immer noch viele Platzhalter bei den Ligen
  • Steuerung mit Steuerkreuz und Sticks nicht wirklich präzise
  • Ladezeiten hier und da an der Grenze
  • Keine Möglichkeit für Sponsorenverhandlungen oder Stadionanpassungen
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies
Managerfunktionen
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Switch

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Ein leidenschaftlicher Konsolenspieler, der zur Not aber auch mal den PC anschaltet. Vor allem Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty werden gerne gezockt, aber auch Action-Adventures wie Assassin's Creed, Batman Arkham oder The Last of Us liegen regelmäßig im Laufwerk. Sporttitel wie Fifa oder Tour de France erweitern das Interessengebiet, ebenso wie MMOs oder sämtliche Titel aus dem Star Wars Universum.

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