Review

Matchpoint Tennis Championships im Test – ein neuer (Hilfs-)Sherrif ist in der Stadt

Von Daniel Walter am 11. Juli 2022
Publisher: Kalypso Media
Release: 7. Juli 2022
Genre: Sportsimulation
Entwickler: Torus Games
Verfügbar für: PC | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 0

Gerade lief mit Wimbledon eines der prestigeträchtigsten Tennisturniere überhaupt – also ein perfekter Zeitpunkt, um eine neue Tennis-Simulation am Markt zu etablieren. Mit Matchpoint Tennis Championships will es der deutsche Publisher Kalypso mit beliebten Sportserien wie Tennis World Tour, AO Tennis oder Topspin aufnehmen. Ob dies gelingt, zeigen wir euch in unserem Test.

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Spielmodi für jeden Geschmack

Über ein reduziertes und aufgeräumtes Startmenü ohne viel Schnickschnack erhalten wir Zugriff auf eine überschaubare Auswahl an Spielmodi, die für jeden Spielertyp passende Herausforderungen bereithält. So dürfen sich Singleplayer-Fans nicht nur auf die obligatorische Karriere freuen, auf die wir später noch näher eingehen werden, sondern können sich auch in einem schnellen Match mit KI-gesteuerten Tennisprofis messen oder an der Ballmaschine die eigenen Fähigkeiten verbessern. Hinzu kommt ein gut strukturiertes Tutorial, das uns die unterschiedlichen Schlagarten erklärt und uns die Möglichkeit bietet, uns mit der Steuerung, der Zielmechanik und dem allgemeinen Spielgefühl der Simulation vertraut zu machen. Untermalt wird das Tutorial von akustischen Anweisungen mit deutscher Tonspur, die uns die Vorgehensweise genauer erklärt und auch einige motivierende Sprüche parat hält. Hier hätte dem Spiel allerdings ein etwas professionellerer Tonfall gut getan, denn beim Sprecher schwingt immer ein gewisser Sarkasmus in der Stimme mit, mit dem er uns das Gefühl gibt, selbst nicht so ganz von seiner Arbeit überzeugt zu sein. Wer gerne mit Highscores arbeitet, um die eigenen Fortschritte zu verfolgen und sich auch abseits der Karriere zu motivieren, kann sich darüber hinaus auch im Training austoben, wo Spielelemente wie Aufschläge, Volleys oder das Serve-and-Volley-Spiel geübt und anhand der erzielten Punkte von uns bewertet werden können. Hier geht es zum Beispiel darum, in einem festgelegten Zeitfenster bestimmte Schlagarten einzusetzen, angegebene Ziele zu treffen oder Spielzüge wie Cross & Drive korrekt auszuführen. Schön ist auch, dass wir im Training sowohl mit der Ballmaschine als auch mit echten Gegnern auf dem Platz stehen, sodass wir hier auf unterschiedliche Art und Weise gefordert werden. Insgesamt kann die Auswahl an Offline-Herausforderungen wirklich überzeugen, da für ausreichend Abwechslung und Motivation gesorgt ist. Online-Spieler kommen bei Matchpoint übrigens ebenfalls nicht zu kurz und dürfen zwischen gewerteten Matches mit Ranglistenpunkten und schnellen Partien gegen Freunde oder andere reale Kontrahenten wählen, um die eigenen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen.

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Wir starten unsere Tenniskarriere

Im Folgenden widmen wir uns dem Herzstück der Simulation, also dem Karrieremodus, in dem wir einen von uns erstellten Spieler durch die Saison begleiten. Zunächst wählen wir Geschlecht, Name und Nationalität sowie die bevorzugte Hand und Griffweise bei der Rückhand aus, um unserem zukünftigen Star eine persönliche Note zu geben. Im Anschluss stehen uns mehrere vorgefertigte Kopfformen, Hauttypen und Frisuren zur Wahl, die wir um eine individuelle Haut- und Augenfarbe ergänzen können. Auch beim Outfit stehen uns mehrere Optionen zur Verfügung, vom klassischen Tennisshirt, über das Polohemd, bis hin zum Muscle-Shirt, die wir auch nach unseren Vorstellungen einfärben dürfen. Im letzten Schritt entscheiden wir uns außerdem für Accessoires wie Schweißbänder und Socken, bevor wir den insgesamt wirklich gelungenen Charakterdesigner verlassen. Im Folgenden beginnt unsere Karriere nicht auf klassische Art und Weise mit einem Wechsel ins Karrieremenü. Stattdessen finden wir uns mitten im Tie-Break eines Turniers wieder und dürfen direkt einige Ballwechsel spielen, wodurch der Einstieg sehr viel realistischer und harmonischer wirkt, als in vielen anderen Sportspielen. Nachdem wir das Match beendet haben, werfen wir auch endlich einen Blick auf den übersichtlichen Karrierebildschirm. Dieser gibt uns nicht nur einen genauen Überblick über die anstehenden Events im Kalender, sondern bietet uns im Spielermenü außerdem die Chance, das Aussehen unseres Spielers anzupassen, die Fortschritte bei den Fähigkeiten zu verfolgen oder unseren Coach oder das Equipment zu wechseln, sobald wir durch Erfolge auf der Tour weitere Optionen freigeschaltet haben. Die MTP-Tour, also das Pendant zur ATP-Tour der echten Profis, hält eine Vielzahl an Events für uns bereit, deren Wertigkeit wir anhand einer Bälle-Bewertung ablesen können. Für die großen Events, wie die vier Grad Slams in Australien, England, Frankreich und den USA, benötigen wir einen bestimmten Rang, um daran teilzunehmen. Kleinere Veranstaltungen und diverse Showmatches können wir von Anfang an bestreiten und uns dadurch nach und nach im Ranking verbessern. Zwar bringt das Spiel bei den Turnieren keine offiziellen Lizenzen mit, dafür dürfen wir uns auf einen dicht bepackten Turnierkalender mit einer Fülle an Turnieren freuen, die uns einen realistischen Turnieralltag mit Herausforderungen auf der ganzen Welt vermitteln. Dabei decken wir natürlich auch alle möglichen Beläge ab und messen uns auf Sand, Rasen und Hartplatz mit unbekannten und auch mit bekannten Tennisspielern. Denn auch, wenn wir offizielle Turnierbezeichnungen im Spiel vergeblich suchen, wurden einige Spieler der Tour sehr wohl lizenziert und auch optisch so umgesetzt, dass sie auf dem Platz direkt erkannt werden können. Der aktuelle Weltranglistenerste Daniil Medvedev ist beispielsweise ebenso Teil des Spiels wie Nick Kyrgios aus Ausstralien, Pablo Carreno Busta aus Spanien oder Taylor Fritz aus den USA. Bei den Frauen stehen dagegen Spielerinnen wie Madison Keys, Victoria Azarenka oder Amanda Anisimova auf dem Platz. Als zusätzliches Highlight bietet uns Matchpoint die Chance, uns mit Tennislegenden wie Tommy Haas oder Tim Henman zu messen. Insgesamt stehen von Beginn an 16 männliche und weibliche Tennisprofis als potenzielle Gegner bereit, die von einer Vielzahl an Fantasie-Gegnern umrahmt werden.

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Überzeugendes Spielgefühl auf dem Platz

Das Wichtigste an einer Tennissimulation ist aber natürlich die Performance auf dem Tennisplatz. Hier macht Matchpoint ebenfalls eine hervorragend Figur und sorgt zu jeder Zeit für ein authentisches Spielgefühl, das sich nicht hinter Platzhirschen wie Tennis World Tour oder AO Tennis verstecken muss. Die Steuerung ist hierbei leicht zu erlernen und bietet dennoch genug Finesse, um auch langfristig zu motivieren. Insgesamt stehen uns, ähnlich wie in den bereits erwähnten Konkurrenzprodukten, alle vier wichtige Schlagtypen zur Auswahl, die jeweils einer Controllertaste zugewiesen sind. So führen wir über die X-Taste einen flachen harten Schlag aus, wohingegen wir über den Kreis einen Topspin-Ball spielen, der mit geringerem Tempo und höherer Flugkurve versehen ist. Mit dem Slice, den wir über die Quadrat-Taste ausführen, verlangsamen wir aprubt das Spieltempo, drücken wir gleichzeitig die R2-Taste fordern wir unseren Gegner dagegen mit einem kurzen Stopball heraus. Steht unser Kontrahent einmal nah am Netz, steht uns auf der Dreieck-Taste außerdem der Lob zur Verfügung, der es uns ermöglicht, einen hohen Ball in die Nähe der Grundlinie zu schlagen. Die Härte unserer Schläge regeln wir über die Drückdauer der jeweiligen Taste, die Richtung bestimmten wir wiederum über den rechten Controller-Stick. Dadurch stehen im Spiel verschiedene Werkzeuge für uns bereit, mit denen wir die Schwächen und Fehler unserer Widersacher ausnutzen und wichtige Punkte erzielen können. Hier bietet Matchpoint ein weiteres interessantes Feature, denn im Laufe einer Partie decken wir Schwachpunkte im Spiel unserer Gegner auf und können diese im Anschluss mit einer entsprechenden Spielweise gezielt ausnutzen. Auch beim Aufschlag bestimmen wir durch die Wahl der Schlagart, wie der Ball im gegnerischen Feld aufkommt und auch, wie viel Risiko wir eingehen möchten. Dadurch sind wir beispielsweise auch in der Lage, unterschiedliche Schläge beim ersten und zweiten Aufschlag auszuführen und dadurch Druck aufzubauen. Schön ist auch, dass das Spiel, im Gegensatz zu anderen Genrevertretern, den etwas verpönten Aufschlag von unten mit eingebaut hat, der als taktisches Mittel eingesetzt werden kann, um unser Gegenüber zu überraschen.

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Stimmungsvolle Präsentation mit kleineren Schwächen

Wo Matchpoint beim Gameplay und auch beim Aufbau der Karriere wirklich auf ganzer Linie punkten kann, merkt man dem Spiel bei der grafischen Präsentation dann doch an, dass es keine AAA-Produktion ist. So müssen wir uns hier beispielsweise mit einheitlichen Gesichtern auf den Rängen oder auch mit unecht wirkenden Haaren und Outfits der Spieler begnügen, die bei der Bewegung leider fast vollständig am Körper kleben. Auch bei der Schärfe der Texturen oder der Bewegung der Körper und Gesichter in den Zwischensequenzen müssen definitiv Abstriche gemacht werden. Die Spielerbewegung auf dem Platz wirkt dank Motion Capuring hingegen rundum  realistisch und sorgt dadurch für ein authentisches Spielgefühl. Auch bei der Gestaltung der Stadien, Hallen und Trainigsplätze zeigt die Simulation viel Liebe zum Detail und lässt uns beispielsweise bekannte Tennismarken wie Head, Uniqlo oder Asics auf den Banden entdecken. Weiterhin können auch die Kopf- und Armbewegungen der Schieds- und Linienrichter überzeugen, ebenso wie die deutsche Kommentarspur, die die Matches auf gelungene Art und Weise umrahmt. Die akustische Untermalung fällt insgesamt sehr gut aus, von den Geräuschen der Bälle und Schuhe auf dem Boden, über das obligatorische Stöhnen der Spieler und die Ausrufe der Offiziellen, bis hin zum Applaus zwischen den Ballwechseln ist hier für ein realitätsnahes Klangbild gesorgt.

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Fazit:

Wer gerne Sportspiele zockt, hat hier in der Regel seine alteingesessenen Favoriten und weicht dabei auch nur selten von der Norm ab. So geht es mir auch bei Tennis-Simulationen, sodass ich eigentlich seit Jahren bei Tennis World Tour und Topspin anzutreffen bin. Umso überraschter war ich von der Qualität von Matchpoint Tennis Championships, das mich mit einer guten Auswahl an On- und Offlinespielmodi sowie mit einer übersichtlichen und motivierenden Karriere schon auf den ersten Blick überzeugen konnte. Aber auch beim Spielgefühl muss sich die Simulation in keiner Weise vor der großen Konkurrenz verstecken und liefert mir realistische und rundum unterhaltsame Tennismatches, bei denen die Steuerung leicht zu erlernen, bei Bedarf aber auch vielfältig zu verfeinern ist. Bei der grafischen Präsentation und auch bei der Auswahl an lizenzierten Spielern müssen hingegen klare Abstriche gemacht werden, aber mal ehrlich, am Ende kommt es sowohl im realen Leben als auch bei der Sportsimulation auf die Performance auf dem Platz an und hier gibt es wenig zu meckern. Wer also nach einer Alternative zu den alteingesessenen Tennis-Simulationen sucht oder einfach mal wieder frischen Input in Sachen virtuelles Tennis haben möchte, kann mit Matchpoint rein gar nichts falsch machen.

Pro:
  • Gute Auswahl an On- und Offlinemodi
  • Übersichtlich strukturierte und motivierende Karriere mit zahlreichen Events und Showmatches
  • Realistisches Spielgefühl mit zugänglicher Steuerung, die aber auch Raum für Tüftler bietet
  • Gelungene Präsentation mit authentischer Soundkulisse und verschiedenen großen Tennismarken
  • Einige große Spielerinnen und Spieler offiziell lizenziert
Contra:
  • Keine echten Turnierbezeichnungen
  • Seltsamer sarkastischer Unterton bei der Vertonung der Tutorials
  • Einige grafische Schwächen (z.B. einheitliche Gesichter auf den Rängen, unbewegliche Haare und Kleider, unscharfe Texturen)
  • Nur wenige Profis mit echtem Namen
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
2 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies
Steuerung
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS5

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Ein begeisterter Konsolenspieler mit einem breit gefächerten Interessengebiet. Neben Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty gehören auch Action-Adventures wie klassische Assassin's Creeds, die Batman-Arkham-Reihe oder The Last of Us Part 1/2 zu den bevorzugten Titeln. Hinzu kommen Survival-Games wie ARK, Horror-Klassiker a la Resident Evil sowie Open-World-Abenteuer im Stile von Far Cry oder Red Dead Redemption. Sport-Franchises wie FIFA oder Tour de France erweitern das Interessenfeld, ebenso wie sämtliche Titel aus dem Star-Wars-Universum.

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