Zum Hauptinhalt springen
PRAGMATAPRAGMATA
Review

PRAGMATA im Test: Als Dad auf dem Mond

Von Tjark am 5. Mai 2026. Getestet auf PC. 6 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Mit PRAGMATA liefert Capcom ein ungewöhnliches Science-Fiction-Abenteuer, das sich stilistisch und spielerisch bewusst von klassischen Genrevertretern absetzt und dabei eine klare kreative Vision verfolgt. Statt auf schnelle Effekte oder übertriebene Action zu setzen, nimmt sich das Spiel Zeit für Atmosphäre, Figurenentwicklung und mechanische Eigenständigkeit. Das Ergebnis ist ein Titel, der nicht immer perfekt funktioniert, aber gerade durch seine Andersartigkeit im Gedächtnis bleibt.

pragmata-ss-tga-19-gl.webp

Allein durch die Raumstation

Die Story von PRAGMATA entfaltet sich auf einer isolierten Mondbasis, die gleichzeitig als Forschungsstation und als Sinnbild für die thematische Ausrichtung des Spiels dient. Diese abgeschottete Umgebung ist geprägt von Leere, Stille und einem latenten Gefühl von Kontrollverlust. Wir spielen Hugh, der recht schnell der einzige (uns bekannte) Mensch auf der Station ist. Allerdings treffen wir auf eine PRAGMATA, einen KI-Roboter in der Optik eines kleinen Mädchens. Ohne ins Detail zu gehen, entwickelt sich ihre Beziehung im Laufe der Handlung zu einem emotionalen Ankerpunkt, der die Geschichte trägt. Die Mondbasis selbst wird dabei zum erzählerischen Werkzeug, denn ihre verlassenen Korridore, beschädigten Systeme und fragmentierten Daten geben Stück für Stück Hinweise darauf, was hier geschehen ist.

pragmata-ss-tga-01-gl.webp

Vergleiche mit Dead Space liegen nahe, vor allem aufgrund des ähnlichen Settings. Beide Spiele setzen auf eine isolierte Hightech-Umgebung, in der der Spieler mit den Überresten einer Katastrophe konfrontiert wird. Doch während Dead Space gezielt auf Horror, Schockmomente und körperliche Bedrohung setzt, schlägt PRAGMATA einen deutlich ruhigeren Ton an. Die Spannung entsteht weniger durch unmittelbare Gefahr, sondern vielmehr durch das Unbekannte, durch die Fragen, die das Spiel aufwirft, und durch die emotionale Entwicklung seiner Figuren. Wo Dead Space den Spieler unter Druck setzt, lässt PRAGMATA ihm Raum zum Nachdenken. Dieser Ansatz funktioniert über weite Strecken sehr gut, auch wenn die Handlung insgesamt etwas vorhersehbar bleibt. Gerade erfahrene Science-Fiction-Fans werden viele erzählerische Wendungen früh erahnen, was den Überraschungseffekt mindert, ohne die grundsätzliche Qualität der Inszenierung zu schmälern.

pragmata-ss-tga-16-gl.webp

Spielerisch kombiniert PRAGMATA mehrere Elemente, die ineinandergreifen und ein eigenständiges Gesamtbild ergeben. Exploration spielt eine zentrale Rolle, da die Mondbasis in zahlreiche miteinander verbundene Areale unterteilt ist, die es zu entdecken gilt. Dabei wird der Spieler immer wieder vor kleinere und größere Rätsel gestellt, die oft direkt mit der Umgebung interagieren. Türen müssen umgangen, Systeme reaktiviert und Wege neu erschlossen werden. Diese Mechaniken sind grundsätzlich gut umgesetzt, leiden jedoch gelegentlich unter dem teils komplizierten Levelaufbau. Die Areale sind nicht immer klar strukturiert, was dazu führen kann, dass man sich häufiger orientieren muss, als es dem Spielfluss guttut.

Hacken (moderat) leicht gemacht

Ein echtes Highlight ist die Hackmechanik, die sich deutlich von gängigen Genrestandards abhebt. Anstatt einfache Quicktime-Events oder triviale Minispiele einzubauen, integriert PRAGMATA ein kleines taktisches System, das sowohl in Kämpfen als auch bei der Interaktion mit der Umgebung eine Rolle spielt. Spieler müssen aktiv entscheiden, wann und wie sie Systeme hacken, um Gegner zu schwächen oder Hindernisse zu überwinden. Dabei entsteht eine interessante Mehrschichtigkeit, da man gleichzeitig die eigene Position im Auge behalten, Angriffe vermeiden, Schaden verursachen und die Hackprozesse koordinieren muss. Diese Mechanik verleiht dem Spiel eine eigene Identität und sorgt für frische Impulse im ansonsten vertrauten Genre-Mix. Allerdings benötigt sie eine gewisse Eingewöhnungszeit und kann gerade in den ersten Stunden etwas überfordernd wirken.

pragmata-ss-tga-09-gl.webp

Ergänzt wird dieses System durch den zentralen Hub-Bereich, der als organisatorisches Herzstück des Spiels fungiert. Hier kehrt der Spieler regelmäßig zurück, um Fortschritte zu verwalten, neue Ausrüstung vorzubereiten und die nächsten Schritte zu planen. Der Hub ist mehr als nur ein Menü in räumlicher Form, denn er vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und Struktur innerhalb der ansonsten feindlichen Umgebung. Gleichzeitig dient er als Ausgangspunkt für neue Expeditionen in die verschiedenen Bereiche der Mondbasis.

pragmata-ss-nsw2-04-gl.webp

Eng mit diesem Hub und der gesamten Spielmechanik verbunden ist das sogenannte Lunafilament, eine der interessantesten Ideen von PRAGMATA. Dabei handelt es sich um ein futuristisches Material, das es ermöglicht, nahezu alles direkt vor Ort zu „drucken“. Waffen und Werkzeuge können mithilfe dieses Systems erzeugt werden. Diese Mechanik hat direkte Auswirkungen auf das Leveldesign, da viele Abschnitte darauf ausgelegt sind, dass sich die Umgebung verändern kann. Brücken können erschaffen, Abgründe überwunden oder alternative Wege freigelegt werden. Das sorgt für ein stärkeres Gefühl von Freiheit und Individualität im Lösungsansatz. Gleichzeitig bringt es aber auch eine gewisse Komplexität mit sich, da nicht immer sofort klar ist, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen. In Kombination mit dem ohnehin verschachtelten Leveldesign kann das zu Momenten führen, in denen Spieler kurzzeitig den Überblick verlieren.

pragmata-ss-nsw2-01-gl.webp

Die Kämpfe selbst sind funktional und profitieren vor allem von der Verbindung zur Hackmechanik. Gegner sind meist technologischer Natur und verfügen über unterschiedliche Verteidigungsmechanismen, die erst durch gezieltes Hacken durchbrochen werden können. Dadurch entsteht eine interessante Dynamik, die über reines Zielen und Schießen hinausgeht. Die Auswahl an Gegnertypen ist zwar nicht übermäßig groß, aber ausreichend differenziert, um über längere Zeit hinweg abwechslungsreich zu bleiben. Dennoch wäre gerade im späteren Spielverlauf etwas mehr Vielfalt wünschenswert gewesen, um die Spannung konstant hochzuhalten.

Sammelwut in Maßen

Neben der Hauptstory bietet PRAGMATA auch kleinere Nebenaktivitäten, die sich organisch in die Spielwelt einfügen. Dabei handelt es sich meist um optionale Erkundungsbereiche, zusätzliche Rätsel oder versteckte Herausforderungen, die abseits des Hauptpfades liegen. Diese Inhalte erweitern die Spielzeit und belohnen neugierige Spieler, bleiben aber insgesamt eher Ergänzung als tragende Säule des Spiels. Wer sich ausschließlich auf die Hauptgeschichte konzentriert, verpasst zwar einige interessante Details, aber keine essenziellen Inhalte. Collectibles liefern zusätzliche Hintergrundinformationen zur Welt, zur Mondbasis und zu den Ereignissen, die sich dort abgespielt haben. In manchen Fällen sind auch kleinere Upgrades oder Boni damit verbunden. Die Sammelobjekte sind sinnvoll in die Umgebung integriert und fördern die Erkundung, ohne sich zu aufdringlich in den Vordergrund zu drängen. Allerdings fehlt ihnen ein wenig die Besonderheit, die sie zu einem echten Highlight machen würde.

pragmata-ss-tga-04-gl.webp

Audiovisuell bewegt sich PRAGMATA auf einem hohen Niveau. Die Grafik überzeugt durch detaillierte Umgebungen, realistische Lichteffekte und einen klaren künstlerischen Stil, der die sterile, fast schon lebensfeindliche Atmosphäre der Mondbasis perfekt einfängt. Besonders die Darstellung von Weite und Leere, kombiniert mit engen Innenräumen, erzeugt ein starkes Gefühl von Isolation. Die Animationen sind flüssig und die Inszenierung der Zwischensequenzen unterstreicht den cineastischen Anspruch des Spiels.

Außerirdische Atmosphäre

Der Soundtrack hält sich häufig im Hintergrund, setzt aber gezielt emotionale Akzente, wenn es darauf ankommt. Statt permanent präsent zu sein, unterstützt die Musik vor allem ruhige oder bedeutungsvolle Momente und verstärkt deren Wirkung. Die Soundeffekte sind präzise und tragen maßgeblich zur Glaubwürdigkeit der Spielwelt bei. Schritte, mechanische Geräusche und Umgebungsgeräusche fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, das die Atmosphäre zusätzlich verdichtet.

pragmata-ss-tga-13-gl.webp

Diese Atmosphäre ist letztlich die größte Stärke von PRAGMATA. Das Spiel schafft es, eine dichte, beinahe meditative Stimmung aufzubauen, die sich konsequent durch das gesamte Erlebnis zieht. Die Kombination aus visueller Gestaltung, Sounddesign und erzählerischem Fokus sorgt dafür, dass sich die Welt glaubwürdig und greifbar anfühlt. Es ist ein Spiel, das nicht durch permanente Reize überzeugt, sondern durch seine ruhigen Momente und die Art, wie es den Spieler in seine Welt eintauchen lässt.

pragmata-ss-nsw2-06-gl.webp

Trotz aller Stärken bleibt PRAGMATA nicht frei von Schwächen. Der bereits erwähnte Levelaufbau kann den Spielfluss spürbar bremsen, und die teilweise vorhersehbare Story nimmt der ansonsten gelungenen Inszenierung etwas von ihrer Wirkung. Auch die begrenzte Gegnervielfalt und die nicht immer intuitive Nutzung des Lunafilaments sind Punkte, die das Gesamtbild leicht trüben. Dennoch überwiegen die positiven Aspekte deutlich.

Fazit

PRAGMATA ist ein mutiger und eigenständiger Titel, der sich bewusst vom Mainstream abhebt. Er richtet sich an Spieler, die bereit sind, sich auf ein langsameres Tempo, ungewöhnliche Mechaniken und eine eher introspektive Erzählweise einzulassen. Wer genau das sucht, wird mit einem intensiven und atmosphärisch dichten Erlebnis belohnt, das noch lange nach dem Abspann nachhallt. Ich fand besonders angenehm, dass das Spiel nicht unnötig in die Länge gezogen wurde. Die Story entfaltet sich in angenehmer Geschwindigkeit, aber auf unnötiges Backtracking, Grinding oder Ähnliches wurde verzichtet. So kann man den Space-Epos einfach entspannt genießen.

Pro:
  • Cineastisch ansprechende Darstellung
  • Herzerwärmende Geschichte
  • Echtzeit-Hacking-Mechanik
  • Nicht unnötig gestreckt
Contra:
  • Aufgrund geringer Gegnertypen mit der Zeit eintönige Kämpfe
  • Vorhersehbare Plot Twists
  • Schnell Orientierungslosigkeit in den Levels
Story:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 8.5 / 10
Spiel getestet auf: PC

Teile diesen Beitrag

XFacebook
Tjark

Tjark

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

Schreibe einen Kommentar