

Replaced im Test: Cyberpunk trifft auf Pixeloptik
Der 2,5D Plattformer Replaced verspricht eine schicke Cyberpunkoptik gepaart mit flotten Gameplay und fetzigem Sound. Ob Sad Cat Studios dieses Versprechen halten kann oder wir vor lauter Dystopie den Controller wegwerfen, klären wir im Test.

Halb Mensch halb Maschine
Die Hauptfigur von Replaced ist keine gewöhnliche Person, sondern eine künstliche Intelligenz namens R.E.A.C.H., die aufgrund eines Laborunfalls in den menschlichen Körper ihres Operators Warren transferiert wurde. Sie erwacht in einer düsteren, heruntergekommenen Version Amerikas der 1980er-Jahre. In einer Welt, in der die Phoenix Corporation das Sagen hat und nur die Privilegierten und Gehorsamen in ihrer Enklave einen Platz finden, abgeschirmt von den Verstoßenen und durch dicke Mauern vor dem Grauen vor den Toren geschützt. Aber das hat seinen Preis und Gewalt, Misstrauen und Korruption gehören zum Alltag in der angeblich so sicheren Stadt.
Von ihrer eigenen Vergangenheit weiß R.E.A.C.H. kaum etwas, und auch ihr neuer Körper fühlt sich fremd an. Ein denkbar schlechter Start in einem Umfeld, aus dem unser Protagonist direkt mit Kugeln verjagt wird und er gezwungen ist, in die überlebensfeindliche Ödnis vor den sicheren Stadtmauern zu flüchten.
Anfangs wirkt alles wie ein reiner Überlebenskampf und wir schlagen uns durch die Straßen, begegnen zwielichtigen Gestalten, werden in brutale Auseinandersetzungen verwickelt und versuchen gleichzeitig zu begreifen, was eigentlich mit uns geschehen ist. Schon nach kurzer Zeit dämmert es uns, dass es hier nicht nur um das nackte Überleben geht. Vielmehr steht die Frage im Raum, was es überhaupt bedeutet, ein Mensch zu sein. R.E.A.C.H. beginnt Emotionen zu erleben, Entscheidungen zu treffen und moralische Grenzen auszuloten. Dinge, die für eine Maschine alles andere als selbstverständlich sind. Gleichzeitig wird klar, dass die Welt um sie herum von Kräften gelenkt wird, die weit über das hinausgehen, was auf den ersten Blick sichtbar ist.
Mithilfe von den „Disposals“, eine Gruppe Verstoßener, die im Bahnhof vor der Metropole eine rudimentäre Basis errichtet hat, versuchen wir das Geheimnis unserer eigenen Identität zu lüften und die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verbessern.
Replaced greift klassische Cyberpunk-Themen auf und stellt eine von Korruption durchzogene Welt dar, in der mächtige Konzerne das Geschehen dominieren und der Konflikt „gegen die da oben“ allgegenwärtig ist. Die Story funktioniert dabei gut, bewegt sich jedoch größtenteils auf vertrautem Terrain und bietet eher bekannte Motive als völlig neue Ansätze. Trotzdem punktet das Spiel mit seinen gut ausgearbeiteten Figuren, die durch glaubwürdige Motive und interessant geschriebene Dialoge überzeugen und der Geschichte eine spürbare emotionale Note verleihen.

So schön bedrohlich
Die Atmosphäre von Replaced ist spürbar dicht und von einer konstanten Anspannung geprägt. Besonders stark ist dabei die Inszenierung. Jede Szene wirkt bewusst gestaltet, jede Umgebung erzählt ihre eigene kleine Geschichte, ob in heruntergekommenen Gebäuden, in denen noch letzte Fotos liegen oder ein Schlafplatz tief in der Kanalisation, in dem noch ein letzter Brief hinterlassen wurde. Die Welt wirkt gleichermaßen verlassen und lebendig. Der Soundtrack fügt sich nahtlos ein und unterstreicht die bedrückende, oft melancholische Stimmung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gleichzeitig sorgt die detaillierte Pixelart-Grafik mit ihrer stimmungsvollen Beleuchtung für eine visuelle Tiefe, die die düstere Welt eindrucksvoll zum Leben erweckt.

Im Neonlicht immer geradeaus
Das Gameplay von Replaced kombiniert klassische 2,5D-Platforming-Passagen mit separaten Kampfsequenzen, die klar voneinander abgegrenzt sind.
In den Springabschnitten hangeln wir uns entweder klassisch von Plattform zu Plattform, können aber auch im weiteren Verlauf mit einem Greifhaken zu fest vorgegebenen Punkten springen, die sich von der Umgebung abheben. Später müssen wir Kisten verschieben, um höher gelegene Areale zur erreichen, uns in einer Menschengruppe an lästigen Drohnen vorbeischleichen oder Terminals hacken. Die Steuerung ist dabei präzise und lässt uns absturzsicher vorankommen, auch die verschiedenen Interaktionen mit der Umgebung wurden sehr sauber in das Spiel integriert. Dennoch sind teilweise die nächsten Haltepunkte schwer zu erkennen und das Timing war in einem Level mehr als knapp bemessen.
Bei Kämpfen steht der Nahkampf im Mittelpunkt, bei dem wir parieren, ausweichen oder starke Angriffe ausführen können, um Panzerungen zu zerlegen. Die Gegnervielfalt ist dabei zwar übersichtlich, macht es dafür aber leichter uns die einzelnen Fähigkeiten der fiesen Schergen einzuprägen. Dazu gesellt sich noch eine Schusswaffe, die allerdings vor jedem Nutzen mit Nahkampftreffern aufgeladen werden muss und daher ein kostbares Gut ist, das nur gelegentlich zum Einsatz kommt. Die Kämpfe laufen flüssig aber ohne viel Abwechslung ab, sorgen dennoch durch immer neue Fähigkeiten von R.E.A.C.H. trotzdem für Kurzweiligkeit. Durch die seitliche Perspektive und die dichte Darstellung der Umgebung kann es passieren, dass der Spieler in größeren Gegnergruppen visuell untergeht oder wichtige Elemente des Kampfgeschehens schwer erkennbar sind. Das 2,5D-Design ist dabei nicht immer klar lesbar, was in hektischen Situationen schnell zu Unübersichtlichkeit führt.
Um der stetig wachsenden Soldatenflut Herr zu werden, findet man in den verschiedenen Abschnitten permanente Items, die das Leben deutlich erleichtern. Diese Verbesserungen konzentrieren sich vor allem darauf, die Feuerrate zu erhöhen oder die Effektivität im Kampf zu steigern. Darüber hinaus lassen sich auch grundlegende Werte der Spielfigur verbessern, etwa durch mehr Lebenspunkte oder eine größere Anzahl an Heilitems, was das Überleben in den zunehmend härteren Auseinandersetzungen erleichtert. Zusätzlich sind in den einzelnen Missionen kleine Notizen und Musikstücke versteckt, während in der Hub-Welt sogar kleinere Sidequests warten, die mehr über das Leben und die Welt des Spiels erzählen.

Zukunft trifft auf Retrocharme
Besonders auffällig ist der Grafikstil von Replaced. Die Mischung aus Cyberpunk-Ästhetik und Pixeloptik, kombiniert mit stimmungsvollen Beleuchtungseffekten, verleiht dem Spiel ein klares Alleinstellungsmerkmal und trägt maßgeblich zu seinem Reiz bei. Trotz der stellenweisen eher eintönigen Level gelingt es Sad Cat Studios immer wieder, mit kleinen visuellen Akzenten für Abwechslung zu sorgen und den einzelnen Abschnitten einen eigenen Charakter zu verleihen. Zudem ist das Spiel auch überaus ressourcenfreundlich und lief ohne Ruckler oder Abstürze auf dem PC.

Dystopie mit feinstem Synthiesound
Auch soundtechnisch hinterlässt Replaced einen starken Eindruck. Der atmosphärische Synthwave-Soundtrack passt hervorragend zur düsteren Cyberpunk-Welt und unterstreicht die melancholische Stimmung des Spiels. Besonders die ruhigeren Stücke verleihen den Erkundungsabschnitten eine fast schon bedrückende Atmosphäre, während die Musik in den Kämpfen deutlich treibender und intensiver ausfällt. Abgerundet wird das Ganze von gelungenen Soundeffekten, die Schusswechsel und Explosionen angenehm wuchtig wirken lassen. Der einzige Wermutstropfen ist die fehlende Vertonung, was sich bei einem Indie-Spiel jedoch gut verschmerzen lässt. Immerhin bietet Replaced eine deutsche Lokalisierung und der Soundtrack steht kostenlos auf Spotify zur Verfügung.

Fazit
Mit Replaced liefert Sad Cat Studios einen atmosphärisch starken 2,5D-Plattformer ab, der vor allem durch seine beeindruckende Pixeloptik, die dichte Cyberpunk-Stimmung und den hervorragenden Synthwave-Soundtrack überzeugt. Die Geschichte rund um R.E.A.C.H. greift zwar bekannte Genre-Themen auf, schafft es aber dennoch, durch interessante Figuren und emotionale Momente zu fesseln. Spielerisch bietet das Abenteuer solide Plattform- und Kampfeinlagen, auch wenn sich die Gefechte mit der Zeit etwas repetitiv anfühlen und die Übersicht in hektischen Situationen gelegentlich leidet. Kleine Schwächen im Leveldesign und bei der Lesbarkeit können den insgesamt starken Eindruck jedoch kaum trüben. Wer atmosphärische Cyberpunk-Welten liebt und ein Faible für stilvolle Pixelgrafik hat, bekommt mit Replaced ein stimmungsvolles Abenteuer, das vor allem audiovisuell lange im Gedächtnis bleibt.
- Schicker Pixelart Grafikstil
- Toller Soundtrack
- Gut geschriebene Charaktere und Dialoge
- Präzise Steuerung in den Platforming-Passagen
- Flüssiges Kampfsystem mit motivierenden Upgrades
- Story bedient überwiegend bekannte Cyberpunk-Klischees
- Teilweise unübersichtliche Gefechte durch die 2,5D-Perspektive
- Haltepunkte und Interaktionsmöglichkeiten nicht immer gut erkennbar
- Keine vollständige Vertonung der Dialoge
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Passionierter PC und Konsolenspieler. Fokus liegt auf Einzelspielererlebnissen
