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Review

Saints Row - das Reboot der Open-World-Reihe im Test

Von Daniel Walter am 28. August 2022. Getestet auf PS5. Zum Spiel hier klicken.

Mit dem neusten Ableger erhält die beliebte Saints-Row-Reihe ein Reboot. Wie sich das temporeiche Actionspektakel mit offener Welt und außergewöhnlichem Humor im Test geschlagen hat, verraten wir euch hier.

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Ein Boss nach unseren Wünschen

Bevor wir mit der Kampagne loslegen, haben wir die Möglichkeit, zwischen fünf vorgefertigten Schwierigkeitsgraden zu wählen, vom Storymodus “Tourist” bis hin zum “Boss”-Level. Darüber hinaus besteht die Chance, einzelne Gameplay-Komponenten individuell zu regeln, wie das Gefahrenlevel oder auch die Widerstandskraft oder Häufigkeit der Gegner. Ergänzend hierzu ist es außerdem möglich, die Herausforderung beim Fahrzeugkampf oder auch bei Aufgaben mit Zeitlimit separat einzustellen, um ein Spielerlebnis nach unserem Geschmack zu schaffen. Ist dies erledigt, starten wir mit einer kurzen Introsequenz ins Spiel. Wir besuchen eine wilde Party in einem luxuriösen Anwesen, in dessen Hinterzimmer ein Treffen der berüchtigten Saints stattfindet. Bevor wir mehr erfahren, haben wir die Möglichkeit, im Charakterdesigner unseren eigenen “Boss” zu erstellen. Hierbei sind der Fantasie so gut wie keine Grenzen gesetzt, sodass wir aus zahlreichen Optionen auswählen und viele Details des Körpers unserer Figur bestimmen können. Dabei dürfen wir auch, ähnlich wie in Cyberpunk, das Aussehen und die Stimmfarbe separat regeln und uns daher auch abseits der klassischen Geschlechtervorgaben austoben. Besonders hervorheben möchten wir hier die Option, die es uns erlaubt, der Spielfigur Prothesen an Armen und Beiden zu verpassen, bei denen wir dann auch Farbe und Material anpassen dürfen. Aber auch gängige Individualisierungsoptionen wie unzählige Attribute beim Körperbau sowie Tattoos, Narben oder Make-up sind Teil der umfangreichen Charaktererstellung, ebenso wie verschiedene Piercings, Frisuren oder Bartstyles. Nach Abschluss des Intros können wir außerdem noch das Outfit individualisieren und hierbei aus einer anfangs noch recht überschaubaren Auswahl an Optionen wählen. Weitere Kleidungsstücke und Materialien zur optischen Anpassung lassen sich im Laufe des Spiels freischalten, sodass wir unseren Boss von Kopf bis Fuß einkleiden dürfen. Dies ist dann auch von überall bequem über unser virtuelles Smartphone möglich.

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Die Saints sind los

Entspricht unser Charakter unseren Vorstellungen, warten weitere Sequenzen auf uns, in denen wir einen Social-Media-Clip unseres Bosses während der Party zu sehen bekommen. Im Laufe der Übertragung bricht plötzlich das Bild ab und wir beobachten, wie unsere Figur niedergeschlagen und anschließend in einem Loch im Boden verscharrt wird. Es folgt ein Zeitsprung mehrere Monate zurück, wo unser Held als Teil einer Söldnereinheit einen ersten Einsatz miterlebt. Hier kämpfen wir uns Schritt für Schritt durch eine Wild-West-Stadt und können uns dabei auch mit dem recht traditionell gehaltenen Waffenhandling vertraut machen, das mit ausreichend präziser Steuerung, sehr ordentlichem Feedback und übersichtlicher Schulterperspektive überzeugen kann – das automatische Zielen fühlt sich hier und da hingegen etwas zu unnatürlich an, da nicht nur ein wenig nachjustiert, sondern im Prinzip aus jedem Winkel immer ein Gegner anvisiert wird. Der sehr linear gehaltene Levelaufbau mit Schießbudencharakter, der sich durch den größten Teil der Storymissionen zieht, wird aufgelockert durch Fahrzeugelemente und wechselnde Settings innerhalb eines Auftrags – diese sind aber grundsätzlich von der offenen Welt getrennt und finden in einem eigenen alleinstehenden Level statt. Dabei vertrauen wir nicht nur auf unser Waffenarsenal, das unter anderem mit Pistolen und Sturmgewehren, aber auch mal mit abgedrehteren Schießeisen bestückt ist, sondern können auch auf explosive Gegenstände in der Umgebung zurückgreifen, Nahkampfangriffe nutzen sowie hinter (fahrenen) Fahrzeugen und anderen Umgebungselementen Schutz suchen. Später verfügen wir außerdem über verschiedene Fähigkeiten, die wir abseits der Schusswaffe über die vier klassischen Controllertasten einsetzen können. Im Gegensatz zu den Standardangriffen müssen sich diese Moves allerdings nach dem Einsatz wieder aufladen. Im Laufe der Auftragsmissionen gilt es unter anderem, bestimmte Areale einzunehmen und zu säubern, indem einfache gegnerische Soldaten, robustere Mini-Bossgegner und Scharfschützen oder auch Geschütze, Fahr- und Flugzeuge ausgeschaltet werden – dies geschieht mal alleine, mal mit Unterstützung eines KI-Teams.  Außerdem gehören temporeiche Autofahrten, bei denen wir in Uncharted-Manier von Wagen zu Wagen springen, oder auch zahlreiche Variationen von Autokämpfen und Verfolgungsjagden, gerne auch mal mit per Schleppseil angehängtem Container, zum umfangreichen Repertoire. Dass der Shooter nicht immer ganz konventionelle Wege geht und hier und da vielleicht etwas über der Uhr ist, zeigt sich nicht nur am überdrehten Humor und den schrägen Charakteren, sondern auch an einzelnen Levelabschnitten, zum Beispiel, wenn wir von der Tragfläche eines fliegenden Jets aus umstehende Feinde eliminieren oder, wenn unser Begleiter mit einem Fahrzeug an ein Straßenschild springt, um eine Gruppe von Polizisten darunter zu begraben.

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Eine stimmungsvolle und staubige Welt erwartet uns

Ist die Einführungsmission geschafft, finden wir uns in der offenen Welt des Spiels wieder, die mit einem authentischen amerikanischen Freiheitsgefühl und Western-Charme punkten kann. Die Wüstenumgebung erinnert dabei optisch an eine Mischung aus Rage und Mad Max und hält weitläufige Sandflächen mit unzähligen Kakteen sowie kleinere Dörfer und Befestigungen mit Cowboy-Atmosphäre für uns bereit. Anders als in den erwähnten postapokalytischen Vertretern ist die Menschheit in Saints Row aber noch quicklebendig, sodass wir auf den belebten Straßen auch auf den Verkehr oder die Polizei achten müssen und uns im staubigen Wüstensand außerdem auf qualmende Industrieareale und eine belebte und bunte Großstadt freuen dürfen, die gerade abseits der Straßen aber gerne noch etwas voller hätte ausfallen dürfen. Dennoch sorgen bunte Neonlichter, verschiedene Stadtbezirke mit individueller Stimmung sowie authentische Dekorationen auf, über und neben der Straße für eine stimmige Atmosphäre mit südamerikanischem Flair, die gerade bei Nacht noch einmal besser zur Geltung kommt. Die anfängliche Angst, dass unsere Hauptfigur sehr austauschbar und unpersönlich bleiben würde, hat sich dann in dem Moment, als wir unsere eigene Wohnung das erste Mal betreten, erst einmal erledigt. Hier treffen wir auf eine bunt zusammengewürfelte WG, die versucht, in der rauen Welt zu bestehen und uns mit ihren alltäglichen Sorgen rund um Studiengebühren und Miete schnell ans Herz wächst. Dass die Lösung für die sehr weltlichen Probleme ein gut bezahlter Söldnerjob zu sein scheint, unterstreicht erneut den skurrilen Ansatz der Open-World-Reihe, der im neusten Teil aber merklich gemäßigter ausfällt. Tiefer gehende emotionale Bindungen zu den Charakteren sollten wir zwar nicht unbedingt erwarten, es ist aber dennoch lobend zu erwähnen, dass die Figuren zumindest grundlegend individuelle Charakterzüge aufweisen und uns im Verlauf der Geschichte auch immer sympathischer werden, zum Beispiel beim frustrierten Teleshopping tief in der Nacht oder auch bei einem kleinen Wutanfall rund um einen nicht funktionierenden Toaster. In der Spielwelt ist darüber hinaus in jedem Fall für Abwechslung gesorgt. Neben den oben beschriebenen Storymissionen dürfen wir uns in der offenen Stadt nämlich auch anderweitig austoben, um unsere Miete bezahlen zu können. Von Auftragsmorden, über Fotoaufträge, bis hin zu Schmuggelfahrten, Fahrzeugdiebstählen und Verfolgungsjagden ist hier für jeden Geschmack etwas dabei. Letztere bieten dabei zwar gelungene Action und temporeiche Fahrzeugkämpfe, stehen sich mit der etwas schwerfälligen Steuerung der Autos und Motorräder aber etwas selbst im Weg, wodurch die eine oder andere Kurve dann doch einmal verfehlt wird, was in hektischen Momenten ein wenig am Nervenkostüm nagt. Die Story selbst bringt übrigens ebenfalls Einiges an Abwechslung sowie an wechselnden Arbeitsbedingungen und Auftraggebern mit sich. Während wir anfänglich noch als Teil der Marshall Söldnertruppe unterwegs sind, werden wir aufgrund unserer Leistungen kurz darauf befördert, nur um dann wenig später entlassen zu werden. Auf diese Weise bringt das Schicksal unsere Helden dazu, komplett auf eigenen Beinen zu stehen, was dann im Prinzip auch die Geburtsstunde der Saints ist, deren Entstehungsgeschichte zum zentralen Thema des Reboots wird.

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Grafisch hochwertige Präsentation auf Last-Gen-Niveau

Grafisch muss sich Saints Row definitiv nicht vertecken. Die Welt überzeugt mit zahlreichen Details sowie mit stimmungsvollen Orten und authentischer Natur, die die Wüstenregion und auch die Stadtgebiete gelungen in Szene setzen – etwas mehr Belebtheit hätte aber insgesamt sicherlich nicht geschadet. Sehr gut gefallen haben uns dagegen zum Beispiel die sichtbaren Partikel, die beim Durchfahren der staubigen Steppe aufgewirbelt werden, ebenso wie die umherfliegenden Pflanzenteile oder das detaillierte Schadensmodell der Fahrzeuge. Diese weisen sehr schnell glaubhafte Dellen, Kratzer und Verformungen auf, sodass Unfälle, Schüsse und Kollisionen auch wirklich Wirkung zeigen. Auch die Sonneneinstrahlung sowie die Spiegelung auf Wasser oder auf metallischen Oberflächen kann sich sehen lassen, ebenso wie die Schattenwürfe oder die Darstellung von Feuer und Rauch. Die Sequenzen können in Sachen Atmosphäre und Inszenierung ebenfalls punkten, allerdings merkt man hier an den Gesichtszügen oder den Bewegungen der Haare und Bekleidungselemente, dass wir nicht auf allerhöchstem grafischen Niveau unterwegs sind. So wirkt Saints Row eher wie ein Titel der vergangenen Konsolengeneration und lässt insgesamt nicht wirklich Next-Gen-Feeling aufkommen, was der ansonsten gelungenen optischen Ausstrahlung des Spiels aber nicht wirklich schadet. Dafür gibt es mit den Videosequenzen im Spielverlauf ein ganz anderes Problem, und zwar deren Häufigkeit. Wo es bei der Darstellung von Dialogen und Handlungsteilen sehr löblich ist, wenn diese als Video umgesetzt werden, wirkt es bei vielen Actionszenen leider etwas fehl am Platz. So denkt man sich in vielen Situationen, dass man diese Szene eigentlich sehr viel lieber selbst gespielt hätte, als sie nur im kurzen Clip zu betrachten. Da innerhalb der Szenen auch keine QuickTime-Events stattfinden, sitzen wir hier nur als stumme Betrachter vor dem Bildschirm und müssen uns eigentlich spannende Situationen wie einen Banküberfall, eine Schießerei vom Motorrad aus oder auch Teile einer Verfolgungsjagd vom Kinosessel aus ansehen, ohne dabei selbst aktiv zu werden.

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Fazit

Wer nach einem abwechslungsreichen Open-World-Spiel mit speziellem Humor, außergewöhnlichem Setting und jeder Menge Action sucht, macht mit dem Reboot von Saints Row garantiert nichts verkehrt. Egal, ob Shootereinlagen, Verfolgungsjagden oder die zahlreichen Aktivitäten in der offenen Welt, der Titel bietet sehr viele Beschäftigungsmöglichkeiten und macht dabei eigentlich in jeder Situation richtig Spaß. Auch, wenn die Entwickler bestrebt sind, einen gewissen Rahmen um das Effektfeuerwerk auf dem Bildschirm zu legen, sollte man definitiv keine vielschichtige GTA-Story erwarten. Dennoch gelingt es über weite Teile, die Figuren sympathisch und glaubhaft darzustellen, auch, wenn es bei der Charakterisierung nie wirklich tief geht. Grafisch spielt Saints Row auf einem guten Niveau, ist aber keinesfalls auf Next-Gen-Level anzusiedeln, was gerade bei der Mimik und den Bewegungen innerhalb der Sequenzen deutlich wird. Dies stört die Atmosphäre des Titels aber nie übermäßig, schließlich haben wir auch mit der letzten Konsolengeneration unzählige unterhaltsame Stunden verbracht. Etwas, das mich beim Testen hingegen wirklich gestört hat, war die enorme Dichte an Sequenzen, die nicht nur Dialoge und Handlungsrahmen, sondern oft auch spektakuläre Actionszenen zum Inhalt haben, die ich eigentlich viel lieber selbst gespielt hätte. Da man hierbei auch auf QuickTime-Events verzichtet hat, war ich für meinen Geschmack etwas zu häufig in der Beobachterrolle. Bei den Fahrzeugpassagen gibt es hingegen Licht und Schatten zu vermelden, sodass mir das Schadensmodell einerseits wirklich sehr gut gefallen hat, die schwerfällige Steuerung aber nicht immer überzeugen konnte. Dennoch ist Saints Row alles in allem ein gut inszeniertes und empfehlenswertes Actionspektakel, das über den Koop-Modus auch online mit anderen Spielern genossen werden kann.

Pro:
  • Detaillierter Charakterdesigner, u.a. mit geschlechterneutraler Umsetzung und dem Einsatz von Prothesen
  • Stimmungsvolle offene Welt mit moderner Wild-West-Atmosphäre
  • Abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten (Story, Verfolgungsjagden, Auftragsmorde, Fotojobs, ...)
  • Gelungene Shooterpassagen mit ordentlichem Waffenhandling und Feedback
  • Realistisches Schadensmodell der Fahrzeuge
  • Insgesamt gutes grafisches Niveau
  • Sympathische Figuren mit rudimentärer Charakterisierung
Contra:
  • Hohe Dichte an Sequenzen
  • Viele Actionsvideos ohne Möglichkeit der Einflussnahme
  • Etwas schwerfällige Fahrzeugsteuerung
  • Keine wirklich tiefgehende Story
  • Mimik und Bewegung innerhalb der Sequenzen etwas steif
Story:
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Gameplay:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 8.0 / 10
Spiel getestet auf: PS5
Daniel Walter

Daniel Walter

Ein begeisterter Konsolenspieler mit einem breit gefächerten Interessengebiet. Neben Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty gehören auch Action-Adventures wie klassische Assassin's Creeds, die Batman-Arkham-Reihe oder The Last of Us Part 1/2 zu den bevorzugten Titeln. Hinzu kommen Survival-Games wie ARK, Horror-Klassiker a la Resident Evil sowie Open-World-Abenteuer im Stile von Far Cry oder Red Dead Redemption. Sport-Franchises wie FIFA oder Tour de France erweitern das Interessenfeld, ebenso wie sämtliche Titel aus dem Star-Wars-Universum.

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