Review

Tour de France 2021 – der diesjährige Ableger im Test

Von Daniel Walter am 11. Juni 2021
Publisher: Nacon
Release: 3. Juni 2021
Genre: Sportsimulation
Entwickler: Cyanide Studios
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 0

Mit dem Rennspiel Tour de France 2021 (TDF21) wartet auch in diesem Jahr ein Highlight auf alle Radsportfans. Ob der neuste Ableger an die gelungenen Neuerungen des Vorgängers anknüpfen kann, verraten wir euch hier.

Same procedure as…

Zugegebenermaßen sind jährlich erscheinende Sportspiele, im speziellen auch die Tour-de-France-Reihe, jetzt nicht unbedingt für bahnbrechende Innovationen bekannt, da sich die Neuerungen von Ausgabe zu Ausgabe in der Regel in Grenzen halten. In den vergangenen beiden Jahren zeigte uns TDF allerdings, dass es auch anders geht und führte einige signifikante Verbesserungen ein. Hierzu zählt neben der großartigen optionalen Ego-Perspektive aus TDF20, die die Immersion deutlich erhöhte und damit ein völlig anderes Spielerlebnis schuf, auch der umfassend überarbeitete Pro-Kapitän-Modus, der mit zahlreichen Herausforderungen und damit verbundenen Spezialisierungsmöglichkeiten im Jahr 2019 neue Wege ging. Dementsprechend neugierig waren wir darauf, was die 21er-Ausgabe denn an Innovationen für uns bereithält.

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Ein Hauch von Next-Gen

An dieser Stelle sei gesagt, dass die vorhergehenden Ausgaben im Hauptmenü immer über einen Menüpunkt verfügten, der uns auf einen Blick zeigte, welche neuen Funktionen zum Spiel hinzugefügt wurden. Dass dieser Reiter in diesem Jahr nicht im Spiel zu finden ist, spricht im Hinblick auf die Neuheiten leider Bände, denn diese halten sich wirklich in Grenzen. Eines fällt beim Starten des Rennens auf, und das ist die optimierte optische Darstellung. Die Bewegungen des Fahrers, die sich abzeichnenden Muskeln und Sehnen an den Beinen und auch die Animationen bei der Kurvenlage sehen wirklich hervorragend aus. Und auch dann, wenn TDF21 nicht als Next-Gen-Titel erschienen ist, profitiert es beim Test sowohl im Hinblick auf die Ladezeiten als auch auf die teils wirklich gestochen scharfe Grafik von der Power der neuen Xbox.

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Mit allen Profiteams, aber nur einem Gesichtsmodell

Die gelungene Grafik kaschiert aber leider auch nicht, dass, wie bereits seit Jahren, alle Fahrer im Feld mit dem gleichen Gesichtsmodell ausgestattet sind. Da es das Pendant für PC, der Radsportmanager, seit Langem schafft, verschiedene Gesichter im Fahrerfeld unterzubringen, fragt man sich wirklich, warum es das Rennspiel einfach nicht auf die Reihe bekommt, wenigstens ein paar unterschiedliche Köpfe, Bartformen oder wenigstens Haarfarben zu gestalten. Eine originalgetreue Optik der Fahrer, wie man sie mittlerweile aus Fußballsimulationen wie FIFA kennt, ist ja nicht mal erforderlich, aber ein bisschen mehr Liebe zum Detail wäre bei diesem Punkt wirklich wünschenswert. Gerade die Tatsache, dass beim Publikum am Straßenrand immerhin unterschiedliche Bärte und Frisuren zu erkennen sind, sorgt dann doch für völliges Unverständnis. Positiv fällt dieses Jahr allerdings auf, dass es eine Vielzahl an originalen Spielerportraits ins Menü geschafft haben, sodass hier nur wenige Platzhalter zu finden sind. Auch die Profimannschaften mitsamt offizieller Trikots sind dieses Jahr ausnahmslos mit dabei – das war nicht immer so.

Im Rennen nichts Neues

Die Überschrift trifft so nicht ganz zu, immerhin haben es mit den 3 Jours de Provence sowie dem Giro di Como zwei neue kleine Rundfahrten in den Rennkalender geschafft. Hinzu kommen mit dem achttägigen Paris-Nizza, dem Critérium du Dauphine und natürlich der namensgebenden Tour de France drei offiziell lizenzierte Strecken mit echten Namen und detailliert nachgebauten Etappen. Außerdem warten mit dem Vlaanderen Classic, Lüttich-Bastogne-Lüttich und Paris-Roubaix drei klassische Eintagesrennen des Frühjahrs auf uns. Die Straßenweltmeisterschaft im September sowie die bereits aus den Vorgängern bekannten fiktiven Rennen Breizh Cup, Euro Tour und Open Tour komplettieren die Saison. Eine weitere große Rundfahrt fehlt leider wie sonst auch, sodass weder Giro d’Italia noch Vuelta oder ein vergleichbares dreiwöchiges Fantasie-Rennen auf uns warten.

Alte Stärken – Copy/Paste

Bei der Auswahl an Spielmodi hat sich im Jahr 2021 ebenfalls nichts getan. Mit dem Einzelrennen-Modus, in dem wir ohne Umwege eines der erwähnten Rennen starten oder aus den vorhandenen Etappen eine eigene Rundfahrt bauen können, gelangen wir am schnellsten ins Spielgeschehen. Der umfangreichste Modus, bei dem wir uns zusätzlich zum Renngeschehen auch um Transfers von Fahrern kümmern und ein neu gestaltetes Team an die Weltspitze führen können, ist der bekannte Profiteam-Modus. Beim Pro-Kapitän-Modus fokussieren wir uns dagegen auf einen einzelnen Fahrer und erfüllen bestimmte Herausforderungen wie vorgegebene Platzierungen oder Siege bei verschiedenen Rennen, um ihn nach und nach zu verbessern. Auch hier läuft alles genauso ab, wie wir es aus dem Vorgänger kennen. Beim Ablauf der Rennen übernimmt TDF21 die Stärken der vorherigen Ausgabe eins zu eins und sorgt mit einem übersichtlichen HUD, einer griffigen Steuerung sowie praktischen Teamfunktionen über den Teamfunk für ein abwechslungsreiches Spielerlebnis. Auch die Egoperspektive wurde glücklicherweise übernommen und kann als Alternative ausgewählt werden.

Onlinefunktionen restlos gestrichen

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass wenig Neues zu vermelden ist, schmerzt der Wegfall alter Features umso mehr. Den Herausforderungsmodus, der in der Vergangenheit die Chance bot, Abfahrt- oder Sprint-Challenges offline oder mittels Highscore auch indirekt online zu bestreiten, ist gänzlich weggefallen. Dies gilt auch für den Cycling-Series-Modus des Vorgängers, der es möglich machte, mit dem eigenen Team online gegen andere Spieler anzutreten. Damit fehlen der 2021er Ausgabe jegliche Onlinefunktionen, was das Gefühl, dass dieses Jahr an einigen Stellen gespart wurde, leider nicht besser macht. Koop- und Versus-Fahrten sind aber an einer Konsole wenigstens nach wie vor möglich, sodass nicht alle Mehrspieleroptionen verloren gegangen sind.

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Fazit:

Ich bin großer Radsport-Fan und habe nahezu jedes Rennspiel von Cyanide gespielt. Daher bin ich mir auch durchaus im Klaren darüber, dass bei Sportsimulationen dieser Art keine Quantensprünge erwartet werden können. Die vergangenen beiden Jahre haben mich dann wirklich positiv überrascht und lassen die diesjährige, äußerst lieblose Ausgabe nur noch umso drastischer wirken. Das Spiel besitzt alle Stärken des Vorgängers und ist insgesamt eine wirklich gute Radsportsimulation, die auch endlich einmal ausnahmslos alle Profiteams der Tour mit im Gepäck hat. Wer allerdings Tour de France 2020 besitzt, kann sich den Nachfolger eigentlich schenken, denn bis auf zwei neue Mini-Rundfahrten und jede Menge originale Spielerportraits im Menü sucht man die Neuerungen wirklich mit der Lupe. Dass bei den fehlenden Neuheiten dann auch noch der Herausforderungsmodus und damit jegliche Onlinefunktion gestrichen wurde, ist äußerst schade. Einen kleinen, echten Kaufgrund gibt es dann aber doch, der ist allerdings eher den Organisatoren der Tour de France 2021 als den Entwicklern des Spiels zuzuschreiben. Am 11. Etappentag der Rundfahrt wird in diesem Jahr nämlich der legendäre Mont Ventoux in Angriff genommen, und zwar auf einer Etappe gleich zweimal. Wer dieses Routenhighlight nicht verpassen möchte, kommt auch um die 2021er Version des Videospiels nicht herum.

Pro:
  • Grafisch sehr ordentlich, gerade auch auf Xbox Series X/S
  • Zwei neue Mini-Rundfahrten
  • Original Tour-Route, u.a. mit doppelter Ventoux-Etappe
  • Alle Profimannschaften der Tour
  • Sehr wenige Platzhalter bei Fahrerporträts
  • Überzeugende Simulation, eins zu eins wie beim Vorgänger
Contra:
  • So gut wie keine nennenswerten Neuerungen
  • Nach wie vor nur ein Gesichtsmodell
  • Nur eine große Rundfahrt
  • Bei den großen Spielmodi alles beim Alten
  • Wegfall des Herausforderungsmodus und jeglicher Onlinefunktionen
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies
Neuerungen
1 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox Series X

Unsere Wertung:

7.0 / 10
Ein leidenschaftlicher Konsolenspieler, der zur Not aber auch mal den PC anschaltet. Vor allem Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty werden gerne gezockt, aber auch Action-Adventures wie Assassin's Creed, Batman Arkham oder The Last of Us liegen regelmäßig im Laufwerk. Sporttitel wie Fifa oder Tour de France erweitern das Interessengebiet, ebenso wie MMOs oder sämtliche Titel aus dem Star Wars Universum.

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