

Yoshi and the Mysterious Book im Test: Zwischen Bilderbuch-Charme und Déjà-vu
Ein neuer Yoshi, eine neue Konsole, und natürlich wieder dieser Look, bei dem man am liebsten reinbeißen würde. Wenn Nintendo eine Sache beherrscht, dann ist es, uns mit knuffigen Dinos und Wollknäuel-Ästhetik weichzukochen, bevor wir auch nur den ersten Sprung gemacht haben. Die Erwartung war entsprechend: viel Charme, viel Farbe, und ein Schwierigkeitsgrad, der niemanden ins Schwitzen bringt. Spoiler: An dieser Front gibt es keine Überraschungen.
Diesmal verschlägt es unseren grünen Helden allerdings nicht in eine gebastelte Pappwelt, sondern direkt zwischen zwei Buchdeckel. Mr. E, ein lebendes und sprechendes Buch, hat sein Gedächtnis verloren und kann sich an keine der Kreaturen erinnern, die auf seinen Seiten hausen. Klingt nach der Sorte Prämisse, die man entweder zauberhaft oder beliebig finden kann. Wir sind also reingesprungen, im wahrsten Sinne, und haben etliche Stunden in Mr. Es vergesslichem Innenleben verbracht, um herauszufinden, ob hier mehr steckt als eine hübsche Verpackung.

Ein Buch, das sich nicht mehr erinnern kann
Die Geschichte ist schnell erzählt, und das ist hier kein Vorwurf. Mr. E hat seine Erinnerungen verloren, und Yoshi macht das, was Yoshi eben tut: helfen, ohne groß Fragen zu stellen. Jede Seite des Buchs ist ein eigener Lebensraum voller kurioser Kreaturen, und unsere Aufgabe ist es, das Buch nach und nach wieder mit Leben und Wissen zu füllen. Ihr sammelt also nicht einfach Münzen ins Nirwana, sondern bringt einem amnesischen Wälzer bei, wer eigentlich bei ihm wohnt.
Erzählerisch wird das Ganze bewusst leicht gehalten. Wer hier eine emotionale Achterbahn oder doppelten Boden erwartet, sitzt im falschen Kino, beziehungsweise im falschen Buch. Mr. E plaudert nett vor sich hin, die Kreaturen liefern den Charme, und das war's auch schon mit der dramaturgischen Tiefe. Für ein Yoshi-Spiel ist das völlig in Ordnung, weil die Prämisse clever als Rahmen für das eigentliche Herzstück dient: das Erkunden und Ausprobieren. Das Buch ist weniger Story und mehr Spielwiese, und genau so sollte man es auch betrachten.

Rein in die Seiten, raus mit dem Spaß
Hier schlägt das Herz von Yoshi and the Mysterious Book, und hier wird auch entschieden, ob euch der Titel packt oder kalt lässt. Das Grundprinzip ist klassischer Yoshi: Ihr hüpft durch liebevoll gestaltete 2.5D-Level, schluckt Gegner, formt Eier und werft sie auf alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist. So weit, so vertraut. Der eigentliche Clou steckt aber in den Kreaturen, die auf jeder Buchseite leben.
Jede neue Seite bringt eine neue Kreatur mit, und jede dieser Kreaturen hat ihre eigene Mechanik. Mal nutzt ihr ein Wesen, um euch durch die Luft tragen zu lassen, mal verändert eines die Umgebung, mal eröffnet eines komplett neue Wege durch ein Level. Und genau das ist der Moment, in dem das Spiel richtig gut wird. Wenn ihr eine Kreatur findet, deren Mechanik wirklich Laune macht, will man sie sofort ausreizen, herumexperimentieren und schauen, was alles geht. Diese kleinen Aha-Momente, in denen eine simple Idee plötzlich richtig clever umgesetzt ist, sind das, was im Kopf hängen bleibt.
Das Spiel lebt also weniger vom Anspruch als vom Entdecken. Ihr werdet hier selten an einer Stelle scheitern, dafür ist der Schwierigkeitsgrad viel zu kuschelig. Stattdessen ist die Motivation, herauszufinden, was die nächste Seite und die nächste Kreatur draufhat. Das funktioniert immer dann hervorragend, wenn die Ideen frisch und verspielt sind, und genau dieses spielerische Ausprobieren ist die größte Stärke des Titels. Es ist Gameplay zum Entspannen, zum Schmunzeln und zum gemütlichen Tüfteln, nicht zum Zähnezusammenbeißen.

Neues Kapitel, gleiche Leier?
So charmant das Entdecken auch ist, irgendwann stellt sich ein vertrautes Gefühl ein, und zwar nicht im positiven Sinne. Der Ablauf ist nämlich erstaunlich vorhersehbar: neues Kapitel, neue Seite, neue Kreatur, gleicher Loop. Man findet das Wesen, probiert seine Mechanik aus, nutzt sie für ein paar Rätsel und Hüpfeinlagen, und dann geht das Spiel zum nächsten Eintrag über. Wieder und wieder. Die Verpackung wechselt, die Struktur darunter bleibt gleich.
Ich will das gar nicht größer machen, als es ist. Das ist kein Spielspaß-Killer und kein Grund, das Buch frustriert zuzuklappen. Aber wer länger am Stück spielt, merkt schon, dass der Titel sich kaum weiterentwickelt. Es gibt keinen echten Spannungsbogen, keine Mechanik, die plötzlich alles auf den Kopf stellt, und auch kein steigendes Anforderungsniveau, das einen bei der Stange hält. Was anfangs nach frischer Idee aussieht, wird in der Wiederholung eben zur Routine.
Gerettet wird das Ganze ausgerechnet von dem, was das Spiel ohnehin am besten kann: den richtig guten Kreaturen-Mechaniken. Immer wenn die Routine droht, einzuschläfern, kommt eine Seite mit einer Idee daher, die so spaßig ist, dass man die Wiederholung kurz vergisst. Diese Highlights machen einiges wett und sorgen dafür, dass die Lust am Weiterspielen nicht komplett verpufft. Man wünscht sich nur, das Spiel hätte sich häufiger getraut, aus seinem eigenen Schema auszubrechen.

Hübsch wie ein aufgeklapptes Pop-up-Buch
Optisch ist das hier wieder eine Schau, und das überrascht bei Good-Feel ungefähr so sehr wie Regen in Hamburg. Das Buch-Setting wird visuell wunderbar ausgereizt: Jede Seite fühlt sich an wie ein aufgeklapptes Bilderbuch, mit liebevoll gezeichneten Habitaten, kräftigen Farben und diesem typischen handgemachten Charme, für den die Reihe bekannt ist. Mal stapft Yoshi durch papierne Wälder, mal über bunt illustrierte Wiesen, und immer wieder gibt es kleine gestalterische Details, die einen kurz innehalten lassen.
Auf der Switch 2 sieht das alles entsprechend sauber und knackig aus. Die zusätzliche Power tut der Bilderbuch-Ästhetik sichtbar gut, auch wenn man ehrlich sagen muss, dass ein Yoshi nie ein Grafikbrett zum Angeben ist. Hier geht es nicht um Polygon-Schlachten oder Raytracing-Spielereien, sondern um Stil, und den hat das Spiel im Überfluss. Es ist die Sorte Optik, die nicht beeindrucken will, sondern einfach nur sympathisch ist. Und das gelingt von der ersten bis zur letzten Seite.

Sound zum Wohlfühlen
Beim Sound gilt im Grunde dasselbe wie bei der Optik: kein Spektakel, aber rundum stimmig. Die Musik plätschert angenehm verspielt vor sich hin, untermalt die einzelnen Seiten passend und drängt sich dabei nie in den Vordergrund. Es ist genau die Sorte Soundtrack, die man im Hintergrund kaum bewusst wahrnimmt, die aber sofort fehlen würde, wäre sie weg. Dazu kommen die typisch knuffigen Yoshi-Laute, die nach wie vor zwischen niedlich und leicht albern pendeln, und das ist auch gut so.
Große akustische Höhepunkte oder Ohrwürmer, die man tagelang mitsummt, sind hier eher die Ausnahme. Aber das muss ein Spiel wie dieses auch gar nicht leisten. Der Sound erfüllt seinen Job, schafft eine gemütliche Atmosphäre und passt sich der entspannten Grundstimmung perfekt an. Mehr braucht es an dieser Stelle nicht.

Läuft, lädt, passt
Auf der technischen Seite gibt es wenig zu berichten, und das ist im besten Sinne gemeint. Auf der Switch 2 lief bei mir alles rund: keine störenden Ruckler, keine nervigen Ladezeiten, keine Bugs, die mir den Spaß vermiest hätten. Das Spiel macht genau das, was es soll, und überlässt die Aufmerksamkeit komplett dem Geschehen auf den Buchseiten.
Das klingt unspektakulär, ist aber am Ende genau das, was man sich wünscht: ein Spiel, das einfach läuft, ohne dass man über die Technik auch nur eine Sekunde nachdenken muss. Keine Patches abwarten, kein Performance-Modus-Gefummel, einfach aufklappen und losspielen. Hier gibt es schlicht nichts zu meckern.

Fazit
Ich hatte mit Yoshi and the Mysterious Book eine richtig entspannte Zeit, und genau dafür ist das Spiel auch gemacht. Es ist kein Titel, der mich herausfordern oder an den Bildschirm fesseln wollte, sondern einer, bei dem ich nach einem langen Tag einfach abschalten und durch hübsche Buchseiten hüpfen konnte. Die Kreaturen und ihre teils richtig cleveren Mechaniken waren für mich klar das Highlight, weil sie immer wieder diese kleinen Momente geliefert haben, in denen ich neugierig herumprobiert und einfach Spaß gehabt habe.
Dass der Loop sich mit der Zeit wiederholt, ist der größte Wermutstropfen, und ich wünschte, das Spiel hätte sich öfter getraut, seine eigenen Ideen weiterzudrehen. Aber ehrlich gesagt habe ich es nie als so schlimm empfunden, dass es mir den Spaß verdorben hätte, dafür waren die guten Momente einfach zu charmant. Wer ein anspruchsvolles Plattformer-Brett sucht, ist hier falsch. Wer dagegen ein gemütliches Spiel für entspannte Stunden möchte, gerne auch zum gemeinsamen Zuschauen und Mitfiebern auf der Couch, bekommt einen liebenswerten kleinen Wälzer, den man immer wieder gern aufschlägt.
- Kreaturen mit cleveren, spaßigen Mechaniken zum Ausreizen
- Wunderschöne Bilderbuch-Optik mit viel Liebe zum Detail
- Perfekt zum Entspannen und gemütlichen Tüfteln
- Läuft technisch absolut sauber auf der Switch 2
- Spielablauf wiederholt sich spürbar (neues Kapitel, gleicher Loop)
- Kaum echte Herausforderung oder Weiterentwicklung
- Erzählerisch sehr dünn
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Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.


