

Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok im Test: Die Himmelsfahrer im endlosen Endgame
Mit Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok erscheint im Sommer 2026 der erste, große DLC zum Erfolgs-JRPG von Entwickler Cygames. Das Ursprungsspiel Granblue Fantasy: Relink ist dabei tatsächlich bereits zweieinhalb Jahre alt, wobei es damals auch in unserem Testlabor seine Kreise zog und eine durchaus beachtliche Wertung einfahren konnte. Genügend Zeit ist also vergangen, in denen die Spieler das Endgame des Spiels fleißig beackern durften. Der perfekte Zeitpunkt somit, um umfangreichen Nachschub zu liefern. Wir haben uns daher nochmals in die Himmelswelt Zegagrande gestürzt und klären im Test, ob sich der erneute Ausflug nach Folca, Saatholm und Co. lohnt.

Achtung Spoiler: Der Einstiegspunkt von Endless Ragnarok
Der Endless-Ragnarok-DLC zu Granblue Fantasy: Relink spielt direkt nach den Ereignissen des Hauptspiels und setzt dementsprechend voraus, dass wir alle Hauptmissionen soweit absolviert haben. Es reicht also nicht, die Sekte von Avia und deren Anführerin Lilith aufzuhalten. Wir müssen zudem Mr. Fix-it Höchstselbst, Rolan, aus der mysteriösen Dimension befreien, in der er im Rahmen des finalen Kampfes verschollen war. Um den DLC vollumfänglich spielen zu können, sind diverse Voraussetzungen also Pflicht. Das ist prinzipiell gut so, denn der DLC wirft uns deutlich stärkere Gegner entgegen, die wir mit Charakteren einer niedrigeren Stufe gar nicht erst zu bekämpfen brauchen.
Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok ist somit ein ganz klassischer Endgame-DLC, der die Spielzeit weiter ausbaut und fleißigen Spielern, die von den Kämpfen nicht genug bekommen können, einiges an weiterem Content bietet. Wer aber eine genauso episch inszenierte Story wie im Hauptspiel erwartet, der wird leider leer ausgehen. Die Story-Elemente in der Erweiterung orientieren sich in Punkto Präsentation an den Schicksalsepisoden, also den Charakter-Storys der einzelnen Figuren. Uns begegnet also hauptsächlich Text, der die Geschichte voranbringt. Episch inszenierte Zwischensequenzen suchen wir somit leider vergeblich. Der DLC richtet seinen Fokus komplett auf knackige Kämpfe, die hochgelevelte Charaktere deutlicher fordern sollen.
So treffen wir im Rahmen der Endgame-Kampagne auf zahllose Bosskämpfe bereits bekannter Gegner, die jedoch ebenfalls nicht untätig waren, mitgelevelt haben und nun deutlich mehr ein- und austeilen können. Den einen oder anderen Trick haben die Monster wiederum dazugelernt, was die Kämpfe aufwertet und frischer wirken lässt. Dankenswerterweise wird der Loot, den wir im Rahmen der Schlachten erhalten, ebenfalls verbessert, sodass sich das weitere Grinden auch lohnt und wir nicht irgendwann auf komplett verlorenem Posten stehen.

Neue Mitstreiter braucht das Team
Glücklicherweise müssen unsere altgedienten Recken nicht alleine in die Schlacht ziehen. Denn im Endless-Ragnarok-DLC stoßen sechs neue Charaktere zum ohnehin schon umfangreichen Roster hinzu. Zwei davon sind dabei alte Bekannte, es handelt sich nämlich um Gallanza und Maglielle. Kennern des Hauptspiels sind der klobige Hühne und die Frau mit den zahllosen Bullet-Hell-Schwertattacken sicherlich noch ein Begriff. Denn in der Kampagne begegneten einem die beiden als Generäle der feindlichen Avia-Armee und damit als durchaus zähe Bossgegner, die einiges austeilen und einstecken konnten.
Doch in bester JRPG-Tradition sind die Feinde von gestern die Freunde von morgen. Sämtliche Differenzen sind schnell geklärt, und bevor die beiden sich überhaupt für ihre Missetaten rechtfertigen können, werden sie schon augenzwinkernd ins Team aufgenommen. Mitarbeit als ultimative Strafe sozusagen. Die anderen vier Charaktere können wir in der Agentur für Alles freischalten, genügend Crewmitgliedskarten wiederum vorausgesetzt. Denn um diese Figuren zu erhalten, benötigen wir tatsächlich zwei statt einer dieser Karten. Die Kämpfer sind dementsprechend nicht an einen bestimmten Spielfortschritt gekoppelt und kommen sogar mit eigenen Schicksalsepisoden daher.
Unter den Neuzugängen befindet sich unter anderem die wehrhafte Fraux, die mit ihren coolen Kicks und mächtiger Magie eine nicht zu unterschätzende Hilfe darstellt. Oder Beatrix, die einige beeindruckende Skills im Bereich Schwertkampf beisteuert. Alle nachträglich ergänzten Figuren fügen sich gut ins Spielgefühl ein und liefern teils komplett frische Impulse. Es lohnt sich also, den gewohnten Veteranen einmal eine Pause zu gönnen und die neuen Figuren ausgiebig auszuprobieren, um sein Team vielleicht sogar noch besser zu machen.

Mysteriöse Portale in Hinterhöfen
Ein beliebtes Stilmittel in RPGs sind sich plötzlich öffnende Portale in Hinterhöfen. Hier stellt Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok keine Ausnahme dar, denn im Konflux-Modus bildet sich, völlig überraschend, tatsächlich ein entsprechendes, mysteriöses Portal in einem Hinterhof, durch das wir todesmutig hindurchgehen sollen. Natürlich sind die anwesenden NPCs alle heillos überfordert mit dieser veränderten Situation, und nur wir können den Tag retten. Hinter Konflux verbirgt sich ein Rougelite-Modus, ein durchaus beliebter Gameplay-Move für eine solche Art von Spiel. Wir starten also mit unserem Team in einige aneinanderhängende Gefechte und müssen diverse Gegner besiegen, bevor wir in der Regel einem mächtigeren Zwischenboss gegenüberstehen.
Haben wir einen Abschnitt gesäubert, dürfen wir für die nächste Runde aus einer von drei temporären Verbesserungen wählen. Diese verschaffen uns beispielsweise mehr kritischen Schaden, erhöhen unsere Lebensenergie oder fügen dem Gegner permanenten Giftschaden zu. Da sich die Perks abwechseln, wir mit neu zusammengestellten Gegnerkonstellationen konfrontiert werden und richtig lohnenden Loot abgreifen können, ist der Konflux-Modus ein durchaus unterhaltsames Beiwerk, das sehr gut zum Aufleveln unserer Kämpfer geeignet ist.
Sowohl im Rahmen des Konflux-Modus als auch bei den zahlreichen Wiederholungen bekannter Kämpfe verschlägt es uns aber stets in bereits bekannte Regionen. Ein paar neue Umgebungen oder vielleicht sogar ein frisches Stadtgebiet als Level-Hub hätten dem DLC sicherlich nicht geschadet. So bleiben Folca und Saatholm sowie das Deck der Grandcypher leider nach wie vor die einzigen Hub-Gebiete.

Meister und Monster
Haben unsere Charaktere einen recht hohen Level erreicht (was nicht unbedingt schnell erledigt ist, soviel sei gesagt), dann schalten wir Meisterschaften frei, welche ebenfalls ihr Debüt im DLC feiern. Dahinter verbirgt sich ein Punktesystem, über das wir unsere Charaktere weiter aufwerten und verbessen können, um sie entsprechend stärker zu machen. Die Meisterschaften sind ein belohnendes Feature für Enthusiasten, die auch noch das letzte Quäntchen Performance aus ihren Character-Builds herauspressen wollen.
Ebenfalls neu ist die Beschwörungs-Möglichkeit. Mit diesen Zaubern können wir im Kampf dank spezieller Steine mächtige Monster herbeirufen, die dann auf unserer Seite kämpfen. Das System erinnert dabei etwas an die Esper in Final Fantasy XVI. Leider schalten wir die Beschwörungen erst ganz spät im Endgame frei, womit sich diese Option ebenfalls an Spieler richtet, die tief in das Gameplay eintauchen möchten. Gelegenheitsspieler, die nur mal in das Endgame reinschnuppern wollen, müssen durchaus grindaffin sein, wenn sie die entsprechenden Modi ausprobieren möchten.

Fazit
Granblue Fantasy: Relink war 2024 eines meiner absoluten Highlights, sogar als reiner Singleplayer. Erst im grindlastig angelegten Finale und dem Endgame ging mir damals die Luft aus. Hier waren mir die Kämpfe irgendwann einfach zu repetitiv und der Grind zu stumpfsinnig. Der DLC Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok stellt nun eine wunderbare Gelegenheit dar, um nochmal in das Spiel reinzuschnuppern und wieder einige Abenteuer in Zegagrande zu erleben. Allerdings hatte ich, das muss ich zugeben, etwas mehr Story-Content erwartet, der das Grinden auflockert. Stattdessen richtet sich der DLC explizit an grindaffine Spieler, denen die Story ohnehin ziemlich egal ist, die aber gerne viel Zeit in den perfekten Build ihres Charakters beziehungsweise Teams stecken.
Highlight der Erweiterung waren für mich die neuen Charaktere, die sich durchaus als gute Verstärkung erwiesen und zum erneuten Ausprobieren einluden, um das liebgewonnene Team des Ursprungsspiels weiter zu verstärken. Die Kämpfe machen nach wie vor sehr viel Spaß und bieten durch die frischen Mechaniken wie Beschwörungen, Meisterschaften sowie die veränderten Movesets der Gegner für Veteranen einiges zum ausprobieren. Spieler, die bereits hunderte Stunden im Ursprungsspiel verbracht haben, können bedenkenlos zugreifen und erhalten eine Menge herausfordernden Endgame-Content. Eine starke Affinität für Grind ist jedoch Pflicht, um den DLC auch im Sinne des Erfinders genießen zu können.
- Sechs weitere, spielbare Charaktere
- Neue Gameplay Mechaniken wie Beschwörungen und Meisterschaften
- Rougelite-Modus Konflux
- Weitere, deutlich schwerere Schwierigkeitsgrade
- Veränderte Bossfights und neue Attacken der zahlreichen Gegner
- Wenig Story-Inhalt im Rahmen des DLC, dazu sehr trocken präsentiert
- Extrem grindlastig
- Insgesamt nach wie vor zäher Spielfortschritt
- Durchaus knackiger Sprung im Schwierigkeitsgrad
Teile diesen Beitrag

Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.




