



Die Geschichte der V-Rally-Reihe ist zu einem nicht unerheblichen Teil auch die Geschichte von Eden Games, einem kleinen Entwicklerteam aus Frankreich, welches es sich während der Hochzeit der ersten PlayStation-Generation zur Aufgabe gemacht hatte, ein unterhaltsames Rally-Game auf den Markt zu bringen. Auf insgesamt vier Ableger brachte es die Reihe dabei, und die haben wir hier für euch noch einmal genauer unter die Lupe genommen.
Im Jahr 1997, und damit sogar ein gutes Stück vor Codemasters Colin McRae Rally, erschien V-Rally. Mit starker Lizenz von zehn unterschiedlichen Vehikeln, die in insgesamt drei Klassen eingeteilt waren, punktete das Spiel vom Start weg. Die Fahrzeugliste liest sich dabei wie das Who-is-who der damaligen Zeit, mit heute zeitlosen Klassikern wie dem Subaru Impreza, dem Citroën Saxo Kitcar oder dem Peugeot 306 Maxi. Mit insgesamt acht unterschiedlichen Austragungsorten wie Indonesien, den französischen Alpen oder Schweden war Abwechslung gegeben. Bei den Kritikern konnte das Spiel zwar nicht uneingeschränkt überzeugen, die Verkäufe waren letztlich aber dennoch zumindest ausreichend, um einen Nachfolger zu produzieren.
Zu V-Rally gibt es aber tatsächlich noch ein Kuriosum. Denn Electronic Arts fungierte als Publisher im US-Raum und vermarktete das Spiel dort als Need for Speed: V-Rally. Und wenn wir schon einmal bei Fun-Facts sind: Dieses Spiel war das erste PlayStation-Spiel dieses Autors und markiert damit letztlich den persönlichen Urknall zum Konsolenspieler.
Wie bei vielen damaligen Reihen folgte auch bei V-Rally der Nachfolger auf dem Fuß. Wieder von Eden Games entwickelt und erneut von Electronic Arts in Amerika als Need-for-Speed-Ableger vermarktet, erwarteten uns nun einige Fahrzeuge mehr und insgesamt zwölf unterschiedliche Länder. Besonderes Augenmerk erhielten zudem der Streckeneditor sowie die Tatsache, dass die Crew an Bord des Fahrzeugs animiert daherkam. Gerade letzteres stellte damals ein Novum dar, konnte man doch meist nicht ins Fahrzeuginnere blicken, sondern sah stets nur verspiegelte Scheiben. V-Rally 2 war ein deutlich größerer, finanzieller Erfolg als der Erstling und hob die Reihe damit auf ein höheres Niveau, obwohl zahlreiche Bugs wie komplette Abstürze das Spielerlebnis bisweilen zu trüben wussten.
Der dritte Teil vollzog 2002 den logischen Schritt auf die nächste Konsolengeneration und erschien nun beispielsweise für Sonys neues Flaggschiff PlayStation 2. Mit einem leicht gesteigerten Umfang an Fahrzeugen, jedoch einer deutlich reduzierten Anzahl an Ländern und Strecken, konnte das Spiel nicht ganz überzeugen. Dies lag vor allem an der schwierigen Fahrphysik, durch die das Kurvenschneiden mit den Rallye-Boliden zum reinsten Glücksspiel verkam. Denn entgegen ihrer realen Pendants neigten die virtuellen Flitzer dazu, bei jedem Überfahren eines erhöhten Straßenrands wie ein unkontrollierbarer Flummi abzuheben. Grundsätzlich schlecht war das Spiel natürlich nicht, da es zum ersten Mal in der Reihe auch einen echten Karrieremodus bot, durch den wir uns vom frontangetriebenen Kitcar bis zur Allrad-Topklasse vorarbeiten konnten. Mit etwas mehr Fokus auf einer guten Fahrphysik hätte ein möglicher Nachfolger also alle Rezepturen gehabt, um ein richtig gutes Rennspiel in einer Liga mit der Colin-McRae-Reihe zu werden. Doch dann kam alles anders.
Um V-Rally wurde es in der Folgezeit ruhig, denn Eden Games wendete sich neuen Projekten zu. Allen voran sind hierbei die beiden Teile von Test Drive Unlimited zu nennen, welche letztlich zu Wegbereitern des erfolgreichen Konzepts der Forza-Horizon-Reihe werden sollten. Mit dem Reboot zu Alone in the Dark wiederum legte Eden Games jedoch eine veritable Bruchlandung hin. In all der Zeit gehörte Eden Games zu Infogrames, welche später zu Atari SA umfirmieren sollten. Eine durchaus fruchtbare Partnerschaft, die aber in den Jahren 2011 bis 2013 durch die überraschende und letztlich finale Entscheidung von Atari, Eden Games zu schließen, ein unschönes Ende fand. Während Eden Games sich 2014 von Atari löste und in der Folge neuen Rennspielen zuwandte, verschwand die Marke V-Rally zunächst über ein Jahrzehnt in der Versenkung.
Im Jahr 2018 kehrte die altehrwürdige Lizenz doch wieder auf die heimischen Gamingsysteme zurück. V-Rally 4 wurde nun von den französischen Rennspiel-Entwicklern Kylotonn verantwortet, die bereits mit einigen WRC-Teilen ihr Glück versucht hatten. Die zur damaligen Zeit eher durchwachsene Qualität ihrer WRC-Ableger ließen jedoch auch für V-Rally 4 grundsätzlich nichts Gutes vermuten. Dabei sah das Spiel auf dem Papier vielversprechend aus und wäre mit seinen unterschiedlichen Spielmodi wie Bergrennen und Rallycross fast schon als designierter Nachfolger von RalliSport Challenge zu betrachten. Doch vor allem die gewöhnungsbedürftige Fahrphysik und das nicht gelungene Balancing ersticken oftmals den Spielspaß im Keim. Dabei wäre V-Rally 4 an sich kein schlechtes Spiel, käme die Konkurrenz nicht einfach so verdammt stark daher. Und so markierte der vierte Teil das bisherige Ende der renommierten Rennspielreihe.
Seit 2018 hat sich mit der Marke V-Rally leider nichts mehr getan. Kylotonn verlor später zunächst die WRC-Lizenz und stemmte mit Test Drive Unlimited Solar Crown ein Mammutprojekt, an dem man sich aber ein Stück weit verhob. Eden Games wiederum etablierte die neue Marke Gear.Club im Mobile-Sektor sowie auf der Nintendo Switch und ließ seine Vergangenheit hinter sich. Da Publisher Nacon für 2027 die WRC-Lizenz zurückerhalten hat und damit wahrscheinlich wieder Kylotonn für die Entwicklung neuer Teile verantwortlich zeichnen wird, ist eher nicht von einem neuen V-Rally auszugehen. Schließlich möchte man hier wahrscheinlich nicht im eigenen Revier wildern und sich selbst Konkurrenz machen. Ohne Wechsel zu einem neuen Entwicklerstudio sieht es also erst einmal düster aus mit einem frischen Teil von V-Rally.
Alex Jung
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.