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Review

Pokémon Feuerrote Edition im Test: Zwischen Nostalgie und altbacken

Von Tjark am 4. März 2026. Getestet auf Switch 2. Zum Spiel hier klicken.

Mit der Veröffentlichung von Pokémon Feuerrot für die Nintendo Switch bringt Nintendo einen Game Boy Advance Klassiker zurück auf den großen Bildschirm. Die Neuauflage eines der beliebtesten Ableger der Reihe weckt nostalgische Gefühle, wirft aber auch Fragen auf. Denn während sich viele Fans über die Rückkehr nach Kanto freuen, stellt sich die Frage, ob eine nahezu unveränderte Portierung im Jahr 2026 noch zeitgemäß ist und warum dieser Titel nicht im Rahmen des GBA Nintendo Classics Abonnements erschienen ist.

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Back to Basics

Pokémon Feuerrot erschien ursprünglich 2004 auf dem Game Boy Advance und war ein Remake der allerersten Pokémon Editionen. Es handelt sich hier also um eine Portierung des Remakes der allerersten Pokémon-Spiele. Die Geschichte, die nach 30 Jahren und zahlreichen weiteren Teilen wahrscheinlich bekannt ist, führt uns in die Kanto-Region, wo wir als junger Trainer (oder Trainerin) unsere Reise beginnen, um Pokémon-Meister zu werden. Dabei stellen wir uns acht Arenaleitern, zerschlagen die Machenschaften von Team Rocket und treten schließlich gegen die Top Vier an. Klassischer wird Pokémon nicht. Nebenbei können wir noch den Pokédex füllen und das für uns perfekte Team entwickeln. Das doch sehr lineare Spiel stellt uns selten vor die Frage, welchen Weg wir als Nächstes nehmen müssen, sondern gibt uns immer klar einen Weg vor.

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Spielerisch zeigt sich schnell, warum dieser Titel so beliebt ist. Das rundenbasierte Kampfsystem funktioniert noch immer hervorragend. Typenvorteile, Statusveränderungen und strategische Teamzusammenstellungen sorgen für taktische Tiefe. Dabei werden wir nicht durch die schiere Masse an Typen, Attacken und Pokémons überfordert, wie es in späteren Teilen der Fall sein kann. Die Steuerung auf der Switch wurde sauber umgesetzt, orientiert sich jedoch komplett am Original. Komfortfunktionen aus neueren Teilen wie automatische EP‑Verteilung, Nutzung der zusätzlichen Tasten der Switch oder moderne Menüführung fehlen. Das sorgt für authentisches Retro Feeling, kann aber auch als unnötig altbacken empfunden werden. Wer mit aktuellen Pokémon Spielen wie Pokémon Karmesin oder Pokémon Purpur eingestiegen ist, wird die Komfortelemente vermissen – für Puristen und Hardcore-Nostalgiker, allerdings ein Traum.

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Große Pixel auf dem großen Screen

Grafisch bleibt Pokémon Feuerrot dem GBA Look vollständig treu. Die Sprite Optik, die Pixelanimationen und das Interface wurden lediglich hochskaliert, produzieren aber aufgrund des Seitenverhältnisses schwarze Balken links und rechts. Auf einem großen Fernseher wirkt das Bild scharf, aber natürlich sichtbar aus einer anderen Ära. Für Nostalgiker ist genau das ein Pluspunkt. Die liebevoll gestalteten Städte, die klar strukturierten Routen und die ikonischen Pokémon Designs entfalten weiterhin ihren Charme. Dennoch hätte man sich optionale Filter, eine überarbeitete UI oder zumindest kleinere visuelle Modernisierungen gewünscht. Die Musik mit ihren ikonischen Sounds ist weiterhin unverändert, aber hier war auch keinerlei Modernisierung notwendig.

Kein Abo, obwohl alles beim alten

Genau hier setzt auch die größte Kritik an. Inhaltlich wurde quasi nichts verändert. Es gibt keine zusätzlichen Events, keine Quality-of-Life Updates, keine neuen Inhalte. Die einzige Änderung ist, dass die beiden in der Vergangenheit bei Events verteilten Spezialtickets (Geheim- und Auroraticket) jetzt einfach so erhältlich sind und es dadurch erstmals möglich ist, den Pokédex in diesen Editionen nach 2005 zu vervollständigen. Im Grunde handelt es sich um eine direkte Portierung der GBA Version. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, warum dieser Titel nicht einfach im Rahmen des Nintendo Switch-Online-Abonnements exklusiv, als GBA Nintendo Classics veröffentlicht wurde. Andere Game Boy Advance Titel sind dort bereits verfügbar. Eine Einbindung in das Abomodell hätte vielen Spielern den Zugang erleichtert und wäre im Kontext einer unveränderten Version nachvollziehbarer gewesen. Stattdessen wird Pokémon Feuerrot als eigenständiger Release mit einem eigenen Preisschild vermarktet.

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Trotz dieser Kritik bleibt Pokémon Feuerrot ein zeitloser Klassiker. Die Kanto Region funktioniert auch heute noch als perfekter Einstieg in die Welt der Pokémon. Das Balancing ist angenehm fordernd, die Pokémon Auswahl ikonisch und das Fortschrittsgefühl motivierend. Wer sich nach einer authentischen Retro Erfahrung sehnt oder die Ursprünge der Reihe erneut erleben möchte, bekommt hier genau das. Wer jedoch auf eine moderne Neuinterpretation gehofft hat, wird enttäuscht sein.

Fazit

Unterm Strich ist Pokémon Feuerrot für die Switch ein Stück Videospielgeschichte in unveränderter Form. Es ist eine Liebeserklärung an die Anfänge der Serie, aber auch ein Beispiel dafür, wie schwierig der Spagat zwischen Nostalgie und zeitgemäßer Weiterentwicklung sein kann. Die entscheidende Frage bleibt, ob eine bloße Portierung diesem Klassiker wirklich gerecht wird oder ob hier eine größere Chance vertan wurde. Ich habe den Trip „durch meine Kindheit“ genossen und war ein weiteres Mal „der allerbeste“.

Pro:
  • Nostalgie pur
  • Flüssiges Gameplay
  • Exklusive Event-Tickets enthalten
Contra:
  • Keinerlei Weiterentwicklungen
  • Bildformat mit schwarzen Balken
  • Keine Quality-Of-Life-Features
Story:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Sound:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 7.5 / 10
Spiel getestet auf: Switch 2
Tjark

Tjark

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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