

Die 20 verrücktesten Simulatoren, die es wirklich gibt
Teile diesen Beitrag


Teile diesen Beitrag
Kaum ein Genre nimmt sich selbst so wenig ernst wie der Simulator. Für fast jede erdenkliche Tätigkeit gibt es mittlerweile ein eigenes Spiel, vom Autowaschen bis zur offenen Herz-OP mit bloßen Händen. Wir haben zwanzig Simulatoren zusammengesucht, die zeigen, wie breit das Spektrum zwischen Unfug, Kunst und echtem Millionengeschäft in diesem Genre liegt.
Coffee Stain Studios wollte eigentlich nur einen kleinen Prototyp für einen internen Game Jam bauen. Aus dem Jokeprojekt wurde am Ende ein eigenständiges Release, das im April 2014 erschien und bewusst mit kaputter Ragdoll-Physik ausgeliefert wurde. Statt Missionen gibt es nur eine Ziege, eine offene Stadt und die Aufgabe, möglichst viel Chaos anzurichten. Explodierende Tankstellen, Trampolinsprünge und ein Highscore fürs Anlecken von Gegenständen gehören zum Alltag. Der Erfolg über YouTube-Let's-Plays und Streams war so groß, dass das Spiel bis August 2014 mehr Umsatz brachte als alle bisherigen Titel des Studios zusammen.
Fast ein Jahrzehnt später legte das Studio nach, allerdings ohne Teil 2, ein bewusster Insider-Witz der Entwickler. Statt einer kleinen Stadt gibt es in Goat Simulator 3 die komplette Insel San-Angora, vierköpfigen Koop-Modus und noch mehr Wege, physikbasierten Unsinn anzurichten. Entwickelt wurde der Titel vom Studio-Ableger Coffee Stain North, veröffentlicht im November 2022. Die Reihe zeigt damit gut, wie aus einem Wochenend-Gag über die Jahre eine ganze Marke werden kann, ohne dass sie dabei ihren Kern verliert.
Ursprünglich ein 48-Stunden-Prototyp beim Global Game Jam 2013, entwickelte Bossa Studios daraus in weiteren 48 Tagen die Vollversion. Als Dr. Nigel Burke reißt man dem Patienten mit wackeligen Steuerungsbefehlen die Rippen auf, wirft Lungen achtlos beiseite und setzt ein neues Herz ein, während die eigene Armbanduhr gerne mal in der offenen Wunde landet. Die absichtlich unpräzise Steuerung ist das eigentliche Spielziel: Jede Operation wird zur Slapstick-Nummer. Später kamen sogar prominente Patienten wie ein Heavy aus Team Fortress 2 dazu.
Auch von Bossa Studios stammt dieses Spiel, in dem man eine Scheibe Toast durch eine Küche steuert, mit dem einzigen Ziel, sich selbst zu toasten, ohne dabei schmutzig zu werden. Jede Berührung mit Boden, Möbeln oder Staub zieht Punktabzüge nach sich, während sich die Physik-Steuerung wie ein eigenständiger Gegner anfühlt. Was nach einer einzigen Minute Gag klingt, ist tatsächlich ein komplettes Spiel mit mehreren Leveln, darunter ein fahrendes Auto und ein Wohnzimmer voller Fallen für die Krumen unter uns.
Nach jedem Sci-Fi-Shooter bleibt ein Trümmerfeld zurück. Genau da setzt RuneStorm mit seiner Weltraum-Putzsimulation an: Statt Plasmagewehr gibt es Mopp und Eimer, statt Alien-Invasion das Aufwischen von Blutlachen, das Einsammeln von Patronenhülsen und das Entsorgen von Alien-Überresten. Wer unter 75 Prozent Sauberkeit bleibt, fliegt raus. Das Spiel bekam sogar eigenständige Ableger, in denen man die Verwüstung aus anderen Spielen wegputzt, darunter ein Level, in dem der Weihnachtsmann seine Werkstatt verwüstet hat.
Owlchemy Labs erschuf mit diesem VR-Launchtitel eine Zukunft, in der Roboter alle menschlichen Jobs übernommen haben und Museen zeigen, wie das Arbeiten früher aussah. Als Besucher schlüpft man in die Rolle eines Büroangestellten, einer Tankstellenkassiererin oder eines Automechanikers und erledigt völlig überzeichnete Aufgaben wie Kaffee kochen oder Donuts stapeln. Das Spiel gilt als einer der ersten echten kommerziellen Erfolge der VR-Ära und hat sich seit dem Release über eine Million Mal verkauft.
FuturLab bewies mit diesem Spiel, dass Simulatoren nicht zwingend absurd sein müssen, um erfolgreich zu sein. Die Aufgabe ist simpel: Mit dem Hochdruckreiniger verdreckte Häuser, Autos und ganze Straßenzüge wieder zum Glänzen bringen. Kein Zeitlimit, kein Punktedruck, nur das befriedigende Gefühl, wie Schmutzstreifen unter dem Wasserstrahl verschwinden. Square Enix übernahm den Vertrieb, das Spiel wurde zum Überraschungshit, unter anderem dank kostenloser Lizenz-Crossover mit bekannten Serien und Filmen.
David OReilly, bekannt für seine Animationsarbeiten unter anderem für den Film "Her", veröffentlichte 2014 ein Spiel, in dem man buchstäblich ein Berg ist. Nach ein paar sehr persönlichen Eingangsfragen generiert das Spiel einen individuellen Berg, der im Weltraum schwebt und im Hintergrund weiterläuft, während man am Rechner etwas ganz anderes macht. Man kann ihn drehen und zoomen, mehr nicht. Gelegentlich äußert der Berg eigene Gedanken oder es fällt ihm zufällig ein Gegenstand wie ein Zylinder oder eine Kaffeetasse entgegen. Kritiker bezeichneten es als radikalstes Gegenteil klassischer Spielmechanik, das trotzdem funktioniert. Auf Steam ist der Titel weiterhin ganz regulär für unter einem Euro erhältlich.
Kein klassisches Release, aber die wohl bekannteste Legende des Genres. Für die eigentlich unveröffentlichte Sammlung "Penn & Teller's Smoke and Mirrors" entwarf Fernsehproduzent Eddie Gorodetsky ein Minispiel als Satire auf die Debatte um Gewalt in Videospielen: eine Busfahrt von Tucson nach Las Vegas, in Echtzeit, ohne Pause, ohne Gegner, ohne Passagiere. Bei konstanten 72 km/h und leichtem Rechtszug dauert eine einzige Fahrt acht Stunden und bringt genau einen Punkt. Das eigentliche Spiel erschien wegen der Pleite des Publishers nie offiziell, wurde aber über durchgesickerte Kopien so bekannt, dass es bis heute Grundlage jährlicher Charity-Marathons ist, bei denen Streamer die Fahrt tagelang am Stück absolvieren.
Was auf den ersten Blick nach einer entspannten Deko-App klingt, entwickelte sich zu einem der größten Überraschungserfolge des Genres. Als Ein-Personen-Renovierungsteam kauft man heruntergekommene Häuser, reißt Wände ein, verlegt Fliesen und verkauft am Ende mit Gewinn weiter. Empyrean und Frozen District trafen damit einen Nerv, allein die PC-Version verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Später kamen Erweiterungen wie ein Zombie-Apokalypse-Modus oder ein Cyberpunk-Setting dazu, was zeigt, wie flexibel selbst ein Hausrenovierungsspiel werden kann.
Von Kurlik Kurkil Studios entwickelt und von Kavkaz Sila Games veröffentlicht, ist dieser Titel vermutlich das, was die meisten Leute meinen, wenn sie "so ein richtig absurder Steam-Simulator" sagen. Das Spiel dreht die komplette Toiletten-Nutzung zum Kernmechanismus um, inklusive eigens beworbener Flüssigkeitsphysik. Kritisch betrachtet ist wenig Substanz dahinter, aber genau diese Ein-Witz-Natur hat dem Spiel über die Jahre einen festen Platz in Meme-Listen und YouTube-Reaction-Videos gesichert. Bei Steam-Nutzern kommt es bis heute nur auf gemischte Bewertungen.
Owlchemy Labs schickte nach dem Erfolg von Job Simulator die Roboter der Zukunft auf Erkundungstour, um herauszufinden, was Menschen früher außerhalb der Arbeit gemacht haben. Das Ergebnis ist eine VR-Insel mit Strand-, Wald- und Bergbereich, auf der man s'mores grillt, Sandburgen baut und sich einen Sonnenbrand simulieren lässt, alles mit dem typischen Owlchemy-Humor. Ursprünglich für Vive, Oculus und PlayStation VR gestartet, ist der Titel mittlerweile auf praktisch jeder relevanten VR-Plattform verfügbar.
Der inoffizielle Nachfolger von I Am Bread, ebenfalls von Bossa Studios. Statt einer Toastscheibe steuert man dieses Mal einen von vier Fischen, die aus ihrem Zoohandlungs-Aquarium fliehen und sich bis zum offenen Meer durchschlagen müssen. Unterwegs geht es über Straßen, durch Nachtclubs und Abwasserkanäle, immer mit der gleichen absichtlich unhandlichen Physiksteuerung, die schon I Am Bread zum Kult gemacht hat. Curve Digital übernahm den Vertrieb, veröffentlicht wurde der Titel im September 2021 für PC und Xbox.
Varsav Game Studios' Debütspiel schickt Spielerinnen und Spieler als Honigbiene durch einen an den Central Park angelehnten Park, um Pollen zu sammeln, Wespen auszuweichen und am Ende den eigenen Bienenstock vor der Abholzung des Baums zu retten. Ursprünglich stärker als Kinderspiel geplant, baute das Studio nach Feedback von Messebesuchern zusätzlich einen anspruchsvolleren Modus für erwachsene Spieler samt Kampfsystem ein. Erschienen ist der Titel im November 2019 für PC, PlayStation 4, Xbox One und Switch.
Deutlich ernster im Ton, aber mit einem ebenso ungewöhnlichen Konzept: Das tschechische Studio Perun Creative lässt einen in der fiktiven Stadt Praslav als obdachlose Person überleben, betteln, Essen sammeln und sich auf den bevorstehenden Winter vorbereiten. Seit 2017 in Entwicklung, kam die Vollversion im April 2021 heraus. Das Spiel bewegt sich damit spürbar zwischen Sozialkommentar und Survival-Rollenspiel und zeigt, wie ernst das Genre "Simulator" mittlerweile auch außerhalb der reinen Gag-Ecke genommen wird.
Wer im Februar 2024 auf Steam unterwegs war, kam an diesem Titel kaum vorbei. Man führt einen eigenen Supermarkt, sortiert Ware ein, kassiert und legt Preise fest, mehr nicht. Klingt nach dem Gegenteil von verrückt, wurde aber selbst zum verrückten Phänomen: Der Early-Access-Titel schoss innerhalb weniger Tage in die weltweiten Bestsellercharts und wird inzwischen von mehreren Millionen Steam-Konten besessen, direkt neben Titeln wie Helldivers 2 oder Baldur's Gate 3.
Ein Sonderfall der Liste: Das polnische Studio SimulaM lässt einen hier tatsächlich Jesus Christus spielen, von der Taufe bis zur Auferstehung, samt Wunderwirken und einer Wüstenszene gegen Satan. Bereits die Ankündigung 2019 sorgte für hitzige Debatten darüber, ob religiöse Inhalte in dieser Form ins Videospielformat gehören. Nach einem kostenlosen Prolog 2022 erschien die Vollversion im April 2026 über Publisher PlayWay, bekannt für Dutzende ähnlich schräg zugespitzter Berufs- und Themen-Simulatoren.
Der Name verspricht eine gemütliche Melk-Simulation, tatsächlich bekommt man ein hektisches Twin-Stick-Actionspiel: Man steuert eine Kuh, die sich selbst melken muss, während Rasenmäher, Fleischermesser und Haie durchs Bild fliegen. Entwickelt und veröffentlicht wurde der Titel vom kleinen Studio Space Boat Studios im Dezember 2021, mit Levels, die von simplen Wiesen bis in den Magen eines Wals reichen.
Vom kleinen Entwicklerstudio vinoo veröffentlicht, das gleichzeitig als Publisher auftritt, dreht sich dieser Titel um die denkbar simpelste Prämisse der ganzen Liste: Man ist ein Stein. Keine Steuerung im klassischen Sinn, keine Gegner, keine Story, nur das Dasein selbst. Trotzdem steckt mehr Spielsystem dahinter, als der Name vermuten lässt: Wer lange genug in verschiedenen Landschaften wie den Plains verweilt, sammelt Erfahrungspunkte und schaltet neue Karten sowie kosmetische Stein-Skins frei, darunter den begehrten goldenen Stein. Es gibt sogar einen Online-Koop-Modus, in dem man gemeinsam mit anderen als Stein in der Landschaft steht, sowie 55 Steam-Erfolge für alle, die das Steinsein wirklich auskosten wollen. Der Titel kam am 27. November 2019 auf Steam heraus, bekam mit "Rock Pass" eigenes DLC und mittlerweile mit "Rock Simulator 2" sogar einen waschechten Nachfolger. Bei den Nutzerbewertungen steht das Spiel bis heute sehr gut da, mit rund 94 Prozent positiven Stimmen bei über 1.600 Reviews.
Vom deutschen Studio Three River Games (3RG) kommt dieser Titel, der einen ausgerechnet zum Gepäckabfertiger am Flughafen macht, mit Chef Günther Gewinn, der einen als Nachfolger des ausgeschiedenen Kollegen Rolf einstellt. Anfangs prüft man jeden Koffer per Hand: Etikett scannen, auf das richtige Förderband legen, zum Gate bringen. Mit der Zeit kauft man sich Fördertechnik, Scanner und einen "Substance Sniffer" zusammen und baut sich ein komplett automatisiertes Terminal, während man gleichzeitig Beförderungen sammelt und sich vom Probejahr zum Flughafen-Manager hocharbeitet. Erschienen ist der Titel im Mai 2026 auf Steam und kam dort direkt sehr gut an, mit rund 91 Prozent positiven Nutzerbewertungen.
Wir schließen die Liste bewusst mit der Landwirtschafts-Simulator-Reihe, weil sie den Bogen am besten spannt. Über 40 Millionen verkaufte Exemplare seit 2008 stehen einer Handvoll Toiletten-, Kuh- und Jesus-Simulatoren mit wenigen Tausend Verkäufen gegenüber, und trotzdem tummeln sich alle unter demselben Genre-Dach. Genau dieser Spagat zwischen bitterernstem Millionengeschäft und komplettem Klamauk macht "Simulator" zu einem der interessantesten Etiketten im gesamten Gaming.
Von der acht Stunden dauernden Busfahrt bis zum Millionengeschäft mit virtuellen Traktoren, und jetzt auch noch bis zur biblischen Wüstenszene mit Satan, zeigt diese Liste, wie breit das Simulator-Genre inzwischen aufgestellt ist. Manche dieser Spiele funktionieren als reiner Gag, andere als Meditation, wieder andere als waschechtes Big-Business. Genau diese Bandbreite macht das Genre für uns so spannend zu beobachten.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.