

Pokémon-Mythen und Fakten: Was hinter den bekanntesten Schulhof-Gerüchten steckt
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Kaum ein Spiel hat auf dem Schulhof so viele Gerüchte ausgelöst wie Pokémon. In Zeiten ohne Wikis und YouTube verbreiteten sich Geschichten über geheime Pokémon, versteckte Fundorte und unheimliche Flüche von Pausenhof zu Pausenhof. Manche davon waren völliger Unsinn, andere stellten sich später als wahr heraus. Wir haben die bekanntesten Pokémon-Mythen und Fakten gesammelt und klären, was wirklich dahintersteckt.
Der vielleicht berühmteste Pokémon-Mythos überhaupt. Im Hafen von Orania City steht neben der M.S. Anne ein Lastwagen, den du normalerweise gar nicht erreichen kannst. Wer allerdings vor der Abfahrt des Schiffs bestimmte Trainer meidet und anschließend Surfer einsetzt, kommt an ihn heran. Und weil dieser Lastwagen so auffällig sinnlos herumsteht, war für viele klar: Darunter muss sich Mew verstecken, man muss ihn nur mit Stärke verschieben.
Die Wahrheit: Unter dem Lastwagen ist nichts. Er lässt sich nicht bewegen und Mew war dort nie zu finden. In den Remakes Feuerrot und Blattgrün haben die Entwickler den Mythos immerhin aufgegriffen: Neben dem Lastwagen liegt dort ein Item versteckt. Wer damals stundenlang Stärke ausprobiert hat, darf sich also zumindest ein bisschen bestätigt fühlen.
Ganz so abwegig war die Suche nach Mew aber nicht. Mew existiert tatsächlich im Code von Pokémon Rot und Grün, wurde aber erst ganz am Ende der Entwicklung hinzugefügt. Programmierer Shigeki Morimoto baute das Pokémon heimlich in die letzten freien Bytes des Spiels ein, nachdem die Debug-Funktionen entfernt worden waren. Selbst viele Kollegen wussten nichts davon. In Japan verloste das Magazin CoroCoro Comic später Mew an Gewinner eines Wettbewerbs und genau diese Geheimniskrämerei befeuerte unzählige Gerüchte.
Wer nach einem bestimmten Ablauf mit Surfer an die Küste der Zinnoberinsel reiste, konnte auf ein seltsames, verpixeltes Pokémon treffen. MissingNo. ist kein geheimes Pokémon, sondern ein Programmfehler, der leere Einträge im Pokédex als Kampfgegner lädt. Berühmt wurde der Glitch vor allem, weil er das sechste Item im Beutel auf über 100 Stück erhöht. Unzählige Spieler haben sich auf diese Weise Sonderbonbons und Meisterbälle verschafft. Ganz ungefährlich war das allerdings nicht: Der Glitch konnte die Grafik der Ruhmeshalle beschädigen und im schlimmsten Fall den Spielstand durcheinanderbringen.
Vor dem Release der zweiten Generation tauchten im Anime und auf ersten Bildern ein rundes, blaues Pokémon auf, das Fans sofort Pikablu tauften. Angeblich sollte es eine blaue Wasser-Version von Pikachu sein. Als Gold und Silber schließlich erschienen, stellte sich heraus: Das Pokémon heißt Marill, ist ein Wasser-Pokémon und hat mit Pikachu rein gar nichts zu tun.
Frag mal in deinem Freundeskreis, wie Pikachus Schwanz aussieht. Viele werden dir erzählen, dass er eine schwarze Spitze hat. Das stimmt aber nicht und hat auch nie gestimmt. Pikachus Schwanz ist gelb mit einem braunen Ansatz. Dieser Irrglaube ist eines der bekanntesten Beispiele für den sogenannten Mandela-Effekt, bei dem sich viele Menschen gemeinsam falsch an etwas erinnern. Vermutlich vermischen wir dabei die schwarzen Ohrspitzen mit dem Schwanz.
Die Musik von Lavandia, der Stadt mit dem Pokémon-Turm, ist zugegeben unheimlich. Im Internet kursiert seit 2010 eine Gruselgeschichte, nach der diese Musik in Japan bei Kindern schwere Beschwerden ausgelöst haben soll und deshalb nachträglich verändert wurde. Diese Geschichte ist eine sogenannte Creepypasta, also eine erfundene Horrorstory aus dem Netz. Es gibt keinerlei Belege für ein solches Ereignis. Der unheimliche Ruf von Lavandia ist trotzdem bis heute geblieben.
Eine besonders düstere Fan-Theorie besagt, dass Ash in der ersten Folge des Anime bei dem Angriff der Habitak-Schar ums Leben kam oder ins Koma fiel und alles danach nur ein Traum ist. Als Beleg wird gerne angeführt, dass Ash jahrzehntelang zehn Jahre alt bleibt. Offizielle Hinweise darauf gibt es nicht und spätestens mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Pokémon Reisen und dem Abschied von Ash im Jahr 2023 hat sich die Theorie weitgehend erledigt.
Was wie eine weitere Creepypasta klingt, ist tatsächlich passiert. Am 16. Dezember 1997 lief in Japan die Folge „Dennō Senshi Porygon“. In einer Szene blitzen rote und blaue Farben in schneller Folge auf. Rund 685 Kinder mussten danach mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder epileptischen Anfällen ins Krankenhaus. Der Anime pausierte daraufhin mehrere Monate und die Folge wurde außerhalb Japans nie ausgestrahlt. Ironischerweise war Porygon an dem Blitzeffekt gar nicht schuld, ist danach aber trotzdem nie wieder in einer größeren Rolle im Anime aufgetaucht.
Viele glauben, Pikachu oder Bisasam seien die ersten Pokémon gewesen. Tatsächlich gilt Rizeros als das allererste Pokémon, das jemals entworfen wurde. Deshalb trägt es intern im Code von Rot und Grün auch die Nummer 1. Die Reihenfolge im Pokédex wurde erst später festgelegt. Und auch Pikachu war ursprünglich nicht als Maskottchen geplant: Lange Zeit galt Piepi als Favorit, ehe der Anime Pikachu an Ashs Seite stellte.
Ein netter Fakt für den nächsten Quizabend: Im Englischen heißen Rettan und Arbok „Ekans“ und „Arbok“. Rückwärts gelesen ergibt das „snake“ und „kobra“. Die deutschen Namen sind übrigens eigene Schöpfungen, die oft ganz andere Wortspiele nutzen. Hinter vielen von ihnen stecken Tiere, Pflanzen oder Eigenschaften, die man erst beim zweiten Hinsehen erkennt.
Eine beliebte Theorie besagt, dass Gengar der Schatten eines Piepi oder Pixi ist. Tatsächlich sehen sich die Silhouetten verblüffend ähnlich und beide wiegen in der ersten Generation fast das Gleiche. Offiziell bestätigt wurde diese Verbindung allerdings nie. Der Pokédex beschreibt Gengar zwar als Pokémon, das sich in Schatten versteckt, über Piepi verliert er aber kein Wort. Also: hübsche Theorie, aber eben nur eine Theorie.
Pokémon-Erfinder Satoshi Tajiri sammelte als Kind in den Vororten von Tokio leidenschaftlich Insekten. Als die Felder und Wälder nach und nach verschwanden, wollte er dieses Gefühl des Sammelns und Entdeckens an andere Kinder weitergeben. Gemeinsam mit seinem Studio Game Freak entwickelte er daraus das Konzept, das ursprünglich „Capsule Monsters“ heißen sollte. Das Linkkabel des Game Boy brachte ihn zudem auf die Idee, dass Kinder Monster untereinander tauschen könnten.
Pokémon hat seit jeher zum Rätseln, Spekulieren und Fabulieren eingeladen. Viele Mythen sind längst widerlegt, doch gerade sie haben die erste Generation zu einem echten Schulhof-Phänomen gemacht. Und manche Fakten, etwa das heimlich eingebaute Mew oder die berüchtigte Porygon-Folge, klingen fast unglaublicher als jedes Gerücht. Welchen Pokémon-Mythos hast du damals geglaubt?
Wenn du dich für die Anfänge der Reihe interessierst, lies auch unsere Kolumne Warum Pokémon Gen 2 für mich die beste Generation bleibt.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.