Review

Asterix & Obelix: Slap Them All! im Test: Die spinnen, die Römer

Von Alex Krause am 23. Dezember 2021
Publisher: Microïds
Release: 02. Dezember 2021
Genre: Beat'em Up
Entwickler: Mr Nutz Studio
Verfügbar für: Switch | PS4 | PS5
USK Altersfreigabe: 6

Wer kennt sie nicht, die tapferen gallischen Krieger Asterix und Obelix. Seit über 60 Jahren begeistern sie Groß und Klein in Comics, Filmen und mittlerweile natürlich auch in Videospielen. Der neuste Streich hört auf den Namen Asterix & Obelix: Slap Them All! und präsentiert sich als waschechter 2D-Brawler im Stile eines Streets of Rage oder des Tekken-Force-Modus aus Tekken 3. Ob das ganze Paket unterhält oder uns vielleicht sogar der Himmel auf den Kopf fällt, erfahrt ihr in unserem Test, beim Teutates!

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Ein kleines gallisches Dorf

Wir schreiben das Jahr 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein, ein kleines gallisches Dorf leistet erfolgreich Widerstand gegen das römische Imperium. Die resistenten Dorfbewohner bedienen sich dabei eines magischen Zaubertranks, den ihr Druide Miraculix zusammenmixt und der den gallischen Kriegern nahezu unmenschliche Kräfte verleiht. Ein großes Pech für die Römer oder sonstigen Unholde, die regelmäßig die Kauleiste poliert bekommen.

So weit, so bekannt. Asterix & Obelix: Slap Them All! präsentiert uns keine komplett neue Geschichte, sondern lässt uns einige der zahlreichen Abenteuer unserer Helden nacherleben. So helfen wir beispielsweise den Briten gegen die römischen Invasoren, befreien korsische Rebellen aus ihrer Knechtschaft oder machen einen Ausflug nach Spanien.

Prinzipiell lässt sich sagen, dass Asterix und Obelix keine ruhigen fünf Minuten haben. Kaum sind sie von einem Abenteuer zurück, wartet schon das nächste große Problem auf sie. Und natürlich können nur die Beiden es lösen.

Das Spiel bedient sich dabei bei den Comic-Vorlagen, ohne allerdings deren erzählerischen Umfang zu erreichen. Das beginnt bereits bei der Präsentation des Abenteuers. Vor jedem Kapitel stimmt uns ein kurzer Einspieler, der leider nur aus einem Standbild und einem kurzen, gesprochenen Text besteht, auf unsere Mission ein.

Die Story selbst wird dann von Charakterporträts in Spielegrafik vorangetrieben, wobei die Dialoge hier leider nicht vertont sind. Das kostet dann doch einiges an Atmosphäre. Auch werden die einzelnen Geschichten der Vorlage und die unterhaltsamen Dialoge nur kurz angerissen. Viele Inhalte, wie beispielsweise das amüsante Rugby-Spiel in Britannien, fehlen leider völlig.

Natürlich muss in einem 2D-Brawler zunächst einmal das Gameplay überzeugen, doch etwas mehr Story wäre bei dieser Vorlage sicherlich ein netter Service gewesen.

Insgesamt sind wir gut und gerne fünf bis sechs Stunden mit dem Abenteuer-Modus beschäftigt. Aufgelockert werden die verschiedenen Story-Kapitel mit Abschnitten, in denen wir auch mal anderen Tätigkeiten nachgehen, als Leute zu verdreschen. So nehmen wir an einer rasanten Wildschweinjagd teil oder wir bestreiten ein Wettrennen. Eine nette Abwechslung zu den Standard-Missionen, in denen wir uns eigentlich immer nur durch ein fix vorgegebenes Gebiet prügeln. Zwar laden gelegentliche Abzweigungen zum Erkunden ein, alternative Routen oder Weggabelungen suchen wir allerdings genauso vergeblich wie den Passierschein A38.

Asterix & Obelix: Slap Them All! bleibt somit durchgehend linear. Wissen wir dennoch mal nicht genau, wo wir weitergehen sollen, so zeigt uns das Spiel mit einem nicht gerade subtilen Pfeil am Bildschirmrand den rechten Weg an.

Von da oben muss man eine herrliche Aussicht haben

Wenn Asterix & Obelix: Slap Them All! in einem Punkt besonders überzeugt, dann ist das definitiv die grafische Gestaltung. Sämtliche Figuren und Umgebungen wurden handgezeichnet und könnten so direkt aus den Comics oder den Zeichentrickfilmen stammen. Egal ob als Standbild oder in Bewegung, das Spiel sieht absolut fantastisch aus und erzeugt in uns mehr als einmal ein nostalgisches Gefühl und das Bedürfnis, doch mal wieder die alten Filme anzusehen oder die Comics durchzublättern.

Auch die Animationen und Effekte wissen zu überzeugen. Im Kampf wird jede einschlagende Faust mit einem geschriebenen Klatsch oder Knuff kommentiert, was für zusätzliche Comic-Atmosphäre sorgt. Richtig viel Liebe zum Detail ist auch in die Gesichtsausdrücke, speziell die der Gegner, geflossen. Diese sehen nach einigen Einschlägen herrlich ramponiert aus und reißen auch mal die Augen auf oder verlieren ein paar Zähne, wenn die Faust trifft.

Da das Spiel sehr flüssig läuft und bei größeren Gegnerhorden auch schnell mal etwas unübersichtlich werden kann, empfehlen wir die Screenshot-Funktion eurer Konsolen. Belohnt werdet ihr mit durchaus witzigen Momentaufnahmen, versprochen.

Nicht komplett überzeugen kann hingegen die Soundkulisse. So kommentieren Asterix und Obelix zwar in schöner Regelmäßigkeit ihre Aktionen, die Sprüche wiederholen sich allerdings recht schnell. Unsere Gegner wiederum haben ohnehin nicht viel zu sagen, da sie schneller die Zähne verlieren als sie „Beim Jupiter!“ sagen können.

Geht einer der Angreifer k.o., so stößt er einen letzten Seufzer aus, der mit einem Echo unterlegt wird. Das hört sich mehr als einmal so an, als stünde man auf dem Jahrmarkt neben einem Fahrgeschäft.

Für die musikalische Untermalung ist zum Glück nicht Troubadix verantwortlich, denn diese ist durchaus gelungen und stimmig. Die Stücke passen gut zur jeweiligen Umgebung und sorgen für zusätzliche Stimmung.

Die Ga… die Ga… die Gagaga… DIE GALLIER!

Unsere Hauptwidersacher sind natürlich die garstigen Römer unter Führung des großen Gaius Julius Cäsar, die uns immer wieder über den Weg laufen und eine Tracht Prügel provozieren. Doch auch Banditen lungern regelmäßig auf unserer Route herum. Und natürlich dürfen auch die berüchtigten Piraten rund um ihren Kapitän Rotbart nicht fehlen.

Sämtliche Fraktionen kommen dabei mit unterschiedlichen Gegnertypen daher. Während die Standardeinheiten noch relativ einfach umzuhauen sind, halten die etwas kräftigeren Zeitgenossen schon mehr aus und verfügen teils sogar über eine eigene Spezialattacke. Richtig fies sind die Speerwerfer der Römer, die sich gerne außerhalb unserer Reichweite aufhalten und uns ordentlich einheizen.

Ab und an treffen wir dann noch auf einen besonderen Bossgegner. Diese Zeitgenossen halten zwar mehr aus als die normalen Gegner, verlangen uns sonst aber kein taktisches Umdenken ab. In den meisten Fällen hilft einfaches draufhauen.

Das Kampfsystem von Asterix & Obelix: Slap Them All! ist dabei sehr eingängig, wenn auch simpel gehalten. Neben unseren Standardattacken können wir auch Spezialmanöver ausführen, bei denen Obelix beispielsweise einen Römer am Kragen packt und ordentlich Ohrfeigen verteilt. Asterix wiederum dreht sich wie ein Wirbelwind im Kreis und verteilt rundum Schläge, was sehr praktisch bei größeren Ansammlungen von Feinden ist. Drücken wir schnell zweimal in eine Richtung, rennen wir die Gegner einfach über den Haufen, ein äußerst effektiver Angriff.

Das funktioniert alles sehr gut und sorgt für ein befriedigendes Spielgefühl, wenn man die Römer mal so richtig schön verkloppt, aber sonderlich viel Tiefgang weist das Kampfsystem nicht auf. Ähnliches gilt für die Gegnertypen. Die Angreifer treten zwar stets in unterschiedlichen Zusammenstellungen auf, aber die einzelnen Feinde wiederholen sich dann doch zu oft. Auch ist, außer für die Speerwerfer, nie wirklich taktische Varianz gefragt. Zumindest auf den unteren Schwierigkeitsgraden führt bloßes Button-Mashing immer zum Ziel.

Doch auch die Lebensenergie von Asterix und Obelix ist nicht unbegrenzt. Geht einer der beiden doch mal k.o., so ist der Level gescheitert. Um das zu verhindern, finden wir in regelmäßigen Abständen Proviant, den wir zu uns nehmen können.

Löblich ist, dass Asterix & Obelix: Slap Them All! einen lokalen Koop-Modus bietet, der für einiges mehr an Spielspaß sorgt. Ein Online-Koop-Modus fehlt hingegen leider völlig. Sind wir alleine unterwegs, so können wir jederzeit zwischen den beiden Helden wechseln. Im Koop-Modus übernimmt dann natürlich jeder Spieler einen Charakter. Gerade dann entstehen unterhaltsame Massenschlachten, in denen der Überblick vor lauter fliegenden Römer und ausgeschlagener Zähne gerne mal verloren geht.

Immer an unserer Seite ist natürlich der Hund Idefix, der zwar keinen spielerischen Nutzen hat, aber mit seiner Anwesenheit in den Levels natürlich für zusätzliche Atmosphäre sorgt.

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Ist dein Fisch nicht frisch?

Am Ende jedes Levels werden unsere erreichten Punkte in eine Highscore-Liste aufgenommen, wobei wir die Punkte selbstverständlich für das Besiegen der Gegner und aufgesammelte Items erhalten. Nach Abschluss des Abenteuers schalten wir zudem einen Modus frei, in dem wir einzelne Abschnitte separat auswählen können, um unseren Highscore zu verbessern.

Das stellt leider auch den einzigen Wiederspielwert dar. Dabei hätte sich das Spiel doch förmlich dazu angeboten, dass man verschiedene Charaktere freischaltet und auch einmal mit anderen Leuten die Level bestreiten kann. Für ein mögliches Sequel wäre das jedenfalls einer unserer Wünsche.

Fazit

Asterix & Obelix: Slap Them All! ist ganz schön unterhaltsam, gerade im Koop-Modus. Der große Pluspunkt des Spiels ist die wunderschöne, handgezeichnete Grafik, durch die eine Menge Asterix-Atmosphäre aufkommt. Auch machen die Prügeleien mit den Römern, Banditen und natürlich den Piraten eine Menge Spaß. Einzig bei der Abwechslung und der Langzeitmotivation hat das Spiel ein paar Defizite. Das sollte Fans der Vorlage allerdings nicht davon abhalten, fleißig ein paar Schellen zu verteilen.

Pro:
  • Wunderschöne, handgezeichnete Grafik
  • Unterhaltsames, eingängiges Spielgefühl
  • Tolle Asterix-Atmosphäre
  • Große Auswahl aus Asterix-Geschichten zum Nachspielen
  • Lokaler Koop-Modus
Contra:
  • Geschichten werden nur oberflächlich behandelt
  • Etwas abwechslungsarm
  • Sprüche der Helden wiederholen sich
  • Wenige unterschiedliche Gegnertypen
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies
Umfang
3 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

7.5 / 10
Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und Ego-Shootern sind auch eher unbekanntere Spiele aus Nippon und Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen.

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