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Castlevania: Belmont’s CurseCastlevania: Belmont’s Curse
Review

Castlevania: Belmont's Curse im Test: Die Peitsche knallt wieder

Von Dominik Probst am 26. Oktober 2026. Getestet auf Xbox Series S/X. 8 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Vierzig Jahre hat Castlevania inzwischen auf dem Buckel, und neue Abenteuer hat Konami dem Jubilar zuletzt eher selten spendiert. Liebevolle Collections hier, Gastauftritte in fremden Spielen da, ansonsten stand die Reihe wie ein teures Familienerbstück in der Vitrine, das man stolz herzeigt, aber bloß nicht anfasst. Ein neues klassisches 2D-Metroidvania? Fehlanzeige seit Order of Ecclesia aus dem Jahr 2008.

Entsprechend groß war das Raunen, als Castlevania: Belmont's Curse im Februar angekündigt wurde. Und dann auch noch von Evil Empire, also dem Studio, das Dead Cells über Jahre gepflegt und mit dem DLC Return to Castlevania bereits einen ziemlich gelungenen Ausflug in Draculas Welt abgeliefert hat. Motion Twin schaut als Berater über die Schulter. Auf dem Papier klingt das nach einer Kombination, bei der Fans eigentlich nur gewinnen können.

Statt Trevor Belmont schwingt diesmal seine Tochter Rose den Vampire Killer. Ihre Mutter ist niemand Geringeres als Sypha Belnades, und wer Castlevania III oder die Netflix-Serie kennt, ahnt, wie viel Erbe da auf ihren Schultern lastet. Für rund 30 Euro verspricht Konami ein Metroidvania alter Schule mit modernem Tempo. Wir haben uns auf der Xbox Series X durch das brennende Paris gepeitscht.

Paris brennt und Papa hat Termine

Wir schreiben das Jahr 1499, und in Paris läuten die Glocken nicht zur Messe. Die Straßen stehen in Flammen, aus jedem Schatten kriecht etwas mit zu vielen Zähnen, und mitten in der Stadt ragt plötzlich Draculas Schloss in den Himmel. Für die Pariser ist das der Weltuntergang, für Familie Belmont eher ein gewöhnlicher Arbeitstag.

Rose zieht also los, und schnell wird klar, dass es diesmal um mehr geht als nur um die Stadt. Ihr Arm trägt einen Fluch, und wenn sie Dracula nicht rechtzeitig aufhält, holt der sich am Ende auch sie. Das gibt der Geschichte einen persönlichen Antrieb, ohne dass uns das Spiel mit endlosen Zwischensequenzen zuschüttet. Castlevania war noch nie ein Story-Schwergewicht, und Castlevania: Belmont's Curse versucht auch gar nicht erst, eins zu werden. Die Erzählung bleibt schlank, liefert genug Kontext und lässt uns dann wieder die Peitsche schwingen.

Rose selbst funktioniert als Hauptfigur richtig gut. Sie wirkt eigenständig, hat Charme, eine gesunde Portion Trotz und genug Selbstbewusstsein, um auch einer Medusa ohne Zögern gegenüberzutreten. Dass sie nicht wie eine Kopie ihres Vaters daherkommt, tut der Reihe gut.

Wer sich allerdings darauf gefreut hat, mit dem alten Haudegen Trevor Seite an Seite durch Paris zu ziehen, wird enttäuscht. Er macht sich nach dem Auftakt ziemlich rar und taucht gefühlt erst sehr spät wieder auf. Dramaturgisch ist das nachvollziehbar, schließlich soll Rose aus seinem Schatten treten. Ein paar mehr Vater-Tochter-Momente hätten trotzdem gutgetan, zumal die Familiengeschichte rund um Trevor und Sypha genug Stoff hergeben würde.

Schwingen wie ein Trapezkünstler, springen mit Bedenkzeit

Die Peitsche war in Castlevania schon immer mehr als nur eine Waffe, sie war das Markenzeichen der ganzen Familie. In Castlevania: Belmont's Curse bekommt der Vampire Killer aber endlich die Bühne, die er verdient. Rose knallt damit Gegner aus der Luft, hält sich Fledermäuse auf Abstand und hakt sich an Haltepunkten fest, um sich über Abgründe zu schwingen. Wer Super Castlevania IV gespielt hat, fühlt sich sofort zu Hause, nur dass das Ganze heute deutlich schneller und eleganter von der Hand geht.

Genau hier merkt man die Dead-Cells-Erfahrung von Evil Empire. Die Kämpfe sind flott, Treffer haben ordentlich Wucht und der Wechsel zwischen Angriff, Ausweichen und Schwingen geht flüssig ineinander über. Hat man den Dreh erst raus, peitscht man sich in einem Rutsch durch ganze Räume, schwingt über das nächste Hindernis und landet direkt im Gesicht des nächsten Skeletts. Das macht verdammt viel Spaß und sieht nebenbei auch noch ziemlich cool aus.

Neben der Peitsche haben wir vor allem zum Großschwert gegriffen. Das ist langsamer, dafür räumt es mit einem Hieb auf, wofür die Peitsche drei Anläufe braucht. Gerade gegen dicke Brocken ist das eine willkommene Abwechslung, während die Peitsche dank ihrer Reichweite der Allrounder bleibt.

Einen Haken hat die sonst so geschmeidige Steuerung allerdings, und der betrifft ausgerechnet das Springen. Zwischen Tastendruck und Absprung vergeht ein spürbarer Moment, Rose springt also mit einer kleinen Bedenksekunde ab. In einem Genre, in dem präzise Sprünge über Leben und Tod entscheiden, ist das erst einmal irritierend. Die ersten Stunden landen wir deshalb öfter in Stacheln oder im Rachen eines Gegners, als uns lieb ist. Nach einer Weile gewöhnt man sich daran und drückt einfach einen Tick früher, wirklich elegant ist das aber nicht.

Abseits der Kämpfe lädt die Welt zum Erkunden ein. Paris und das Schloss sind eng miteinander verwoben, überall locken versteckte Kammern, geheime Wände und Ecken, die wir erst mit neuen Fähigkeiten erreichen. Ganz klassisch eben, und genau so soll es sein.

Arcana, Relikte und die Qual der Wahl

Wer gern an seinem Charakter herumschraubt, kommt in Castlevania: Belmont's Curse voll auf seine Kosten. Neben den Waffen sammeln wir Arcana, also an Tarotkarten angelehnte Spezialfähigkeiten, die sich jederzeit austauschen lassen. Einige davon sind richtig cool, und wir haben uns schnell angewöhnt, je nach Gebiet und Gegnertyp zu wechseln, statt stur bei einer Lieblingskarte zu bleiben.

Dazu kommen Relikte, und davon gibt es wirklich jede Menge. Sie verändern Werte, verstärken bestimmte Angriffe oder belohnen einen bestimmten Spielstil. Eine Musterlösung drückt uns das Spiel dabei nicht aufs Auge. Am besten bastelt man sich seinen eigenen Build zusammen und probiert einfach aus, was zur eigenen Spielweise passt. Hier zeigt sich wieder die Roguelite-Vergangenheit der Entwickler, nur eben ohne den ständigen Neustart.

Wenige Speicherpunkte, dafür jede Menge Schleichwege

Speicherpunkte sind in Castlevania: Belmont's Curse ein rares Gut, und gerade in den ersten Stunden fühlt sich ihre Verteilung stellenweise ziemlich unfair an. Wer nach einem langen Abschnitt kurz vor dem nächsten Raum ins Gras beißt, darf ein gutes Stück noch einmal laufen. Das zehrt an den Nerven, vor allem in Kombination mit dem verzögerten Sprung.

Mit der Zeit entspannt sich das allerdings spürbar. Rose wird stärker, wir werden besser, und Abschnitte, die anfangs Schweiß gekostet haben, laufen plötzlich wie von selbst. Dazu schalten wir unterwegs etliche Abkürzungen frei, die den Weg zurück zum Ort des letzten Ablebens deutlich verkürzen. Das Backtracking verliert damit viel von seinem Schrecken.

Den roten Faden gibt an einer Stelle ein großes Tor vor, hinter dem die Katakomben warten. Es öffnet sich erst, wenn wir genug Schlüssel gesammelt haben, und die gibt es nur für besiegte Bosse im jeweiligen Gebiet. Bis dahin ist das Tor schlicht unser nächstes Ziel. Abseits davon setzt Castlevania: Belmont's Curse auf die typischen Metroidvania-Blockaden. Mal steht eine Tür im Weg, die sich nur von der anderen Seite öffnen lässt, mal fehlt uns schlicht die passende Fähigkeit, um einen Vorsprung oder Durchgang zu erreichen. Wer das Genre kennt, fühlt sich sofort heimisch und merkt sich die Stelle für später. Praktisch ist auch, dass viele dieser Hindernisse auf der Karte automatisch markiert werden.

Medusa mit Köpfchen, Johanna mit Wucht

Apropos Bosse: Die gehören zu den Highlights des Spiels. Sie sind groß, teilen ordentlich aus und stecken selbst einiges ein. Spannend ist vor allem, wie unterschiedlich die Kämpfe funktionieren. Medusa wirkt zunächst einschüchternd, entpuppt sich mit der richtigen Taktik aber als überraschend einfach. Hat man ihr Muster einmal durchschaut, fühlt man sich fast ein bisschen schlau. 

Johanna von Orléans spielt dagegen in einer anderen Liga. Hier hilft keine clevere Abkürzung, hier zählen Reaktion, Geduld und ein gut abgestimmter Build. Genau diese Mischung aus Kopf- und Reflexkämpfen hält die Begegnungen frisch.

Im weiteren Verlauf kommen noch Bosse dazu, die uns mit engen Zeitlimits in Bedrängnis bringen oder uns mit purer Angriffslust die Hölle heiß machen. Alles in allem sind die Bosskämpfe herrlich abwechslungsreich und machen richtig Spaß.

Schwierigkeit nach dem Baukastenprinzip

Wem das alles zu knackig ist oder wer sich im Gegenteil unterfordert fühlt, muss sich in Castlevania: Belmont’s Curse nicht mit einem starren Schwierigkeitsgrad abfinden. In den Einstellungen lässt sich das Spiel ziemlich genau an die eigenen Vorlieben anpassen. Wollen wir mehr Schaden austeilen, drehen wir einfach den passenden Multiplikator hoch. Auch der Schaden, den Gegner und Fallen uns zufügen, lässt sich verändern, je nachdem, ob wir uns das Leben leichter oder ganz bewusst schwerer machen wollen.

Wer mit den spärlichen Speicherpunkten hadert, kann außerdem das Respawnen direkt vor Bossräumen erlauben und spart sich so den langen Fußmarsch nach jedem Bildschirmtod. Soll es mit dem Leveln schneller gehen, schrauben wir die Erfahrungspunkte hoch. Und wer einfach nur die Welt erkunden will, schaltet das Sterben kurzerhand komplett ab. Puristen rümpfen da vielleicht die Nase, doch so findet wirklich jeder seinen eigenen Weg durch Draculas Schloss.

Gothic in kräftigen Farben

Optisch geht Castlevania: Belmont's Curse einen eigenen Weg. Die typische Gothic-Ästhetik bleibt erhalten, wird aber in einen farbenfrohen, handgezeichnet wirkenden Stil übersetzt, der 2D- und 3D-Elemente geschickt mischt. Brennende Gassen, modrige Katakomben und die Hallen des Schlosses sehen schlicht großartig aus und bringen jede Menge Abwechslung mit.

Akustisch spielt Castlevania: Belmont’s Curse in der Oberliga. Der Soundtrack ist verdammt gut gemacht und klingt richtig, richtig nice. In den Kämpfen treiben die Stücke ordentlich an, in ruhigeren Momenten sorgen sie für eine schaurig-schöne Stimmung, und dabei fügen sie sich so selbstverständlich ins Geschehen ein, dass wir sie nie missen möchten. Castlevania war schon immer für seine Musik bekannt, und dieser Tradition wird der neue Teil mehr als gerecht. Wer kann, sollte hier ruhig zu Kopfhörern greifen. Die englischen Sprecher liefern ebenfalls solide Arbeit ab und geben Rose die nötige Persönlichkeit.

Technisch gibt es auf der Xbox Series X nichts zu meckern. Das Spiel läuft stabil, Abstürze oder nennenswerte Bugs sind uns nicht begegnet.

Fazit

Castlevania: Belmont's Curse hat mich ziemlich schnell abgeholt. Endlich wieder ein echtes 2D-Castlevania, und dann fühlt es sich auch noch so frisch an. Die Peitsche als Waffe und Schwinghaken ist für mich das große Highlight, die Kämpfe haben Tempo und Wucht, und das Relikt-System lädt zum Experimentieren ein. Man merkt an jeder Ecke, dass hier Leute am Werk waren, die Symphony of the Night lieben und mit Dead Cells gelernt haben, wie sich gute Action anfühlen muss.

Ganz rund ist das Paket trotzdem nicht. Der verzögerte Sprung hat mich gerade am Anfang mehr als einmal geärgert, und die spärlich verteilten Speicherpunkte machen den Einstieg unnötig zäh. Dass Trevor kaum vorkommt, finde ich schade, auch wenn Rose die Hauptrolle locker allein stemmt. Unterm Strich ist Castlevania: Belmont's Curse für rund 30 Euro ein starkes Comeback, das Fans der Reihe und Metroidvania-Liebhaber auf keinen Fall verpassen sollten.

Pro:
  • Peitsche als Waffe und Schwinghaken fühlt sich großartig an
  • Flotte, wuchtige Kämpfe
  • Viele Relikte und Arcana für eigene Builds
  • Abwechslungsreiche, fordernde Bosskämpfe
  • Wunderschöner Grafikstil mit viel Atmosphäre
  • Starker Soundtrack und gute Sprecher
  • Technisch einwandfrei auf der Xbox Series X
  • Fairer Preis
Contra:
  • Spürbarer Input-Lag beim Springen
  • Wenige und anfangs unfair verteilte Speicherpunkte
  • Trevor kommt kaum vor
  • Story bleibt eher schlank
Story:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
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Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
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Unsere Wertung: 9 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: Xbox Series S/X

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Dominik Probst

Dominik Probst

Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.

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