Review

Deathloop im Test: Immer und immer wieder Party

Von Tjark am 5. Oktober 2021
Publisher: Bethesda Softworks
Release: 14. September 2021
Genre: Action | Egoshooter
Entwickler: Arkane Studios
Verfügbar für: PC | PS5
USK Altersfreigabe: 18

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ trifft auf Dishonored – so lautet das ungewöhnliche Konzept des neuen Titels der Arcane Studios. Wie es sich spielt und genau gestaltet, erfahrt ihr im Test.

Die unendliche Party

Jeden Tag feiern als gäbe es kein Morgen. Keine Konsequenzen und kein Kater. Das klingt ja eigentlich traumhaft. Das dachten sich auch die Erschaffer des ÄON-Projekts, die die komplette Insel Blackreef in eine Zeitschleife, genannt Loop, gehüllt haben. Dadurch resettet sich nach dem Ablauf eines Tages alles und der exakt gleiche Tag beginnt wieder von vorne. Das lockte die feierwütigen Eternalisten an, denn eine Party, die quasi unendlich lang ist (auch wenn sie eigentlich immer nur von vorne beginnt) und keinen Kater verursacht, hat durchaus ihren Reiz. Selbst eine Handlung wie Mord hat keine Konsequenzen.

All das wissen wir als Spieler zunächst nicht, als wir (wider Erwarten) mit einem Kater und ohne Erinnerung an einem Strand erwachen. Durch eine innere Stimme, die uns als in der Luft schwebende Schrift dargestellt wird, erfahren wir recht bald, dass wir „Colt“ heißen und es unser Ziel ist, den Loop zu brechen. So weit, so gut, nur wissen wir erstens nicht wie und zweitens haben wir ja nur einen Tag Zeit, bevor unser Fortschritt zu nichte gemacht wird. Wenn wir durch irgendetwas ausgeschaltet werden, startet ebenfalls ein „neuer“ Tag. Alsbald kontaktiert uns auch die höhnische Julianna, um uns aufzuziehen und teilt uns mit, dass sie uns aufhalten wird. Dass sie dabei für uns nützliche Informationen offenbart, stört sie anscheinend nicht. Recht schnell merken wir, dass es nur wenige Personen gibt, die sich an die vorherigen Loops erinnern können. Wir haben zunächst einiges an Detektivarbeit zu leisten, da Informationen unsere einzige Ressource sind, die wir nicht am Ende des Tages verlieren (oder theoretisch nie erhalten haben). Wir lernen also durch die ständige Wiederholung.

Acht Ziele sollen es sein

Die Insel beherbergt acht Visionäre, zu denen auch Julianna gehört. Diese Visionäre sind die Kommandeure der Insel und haben jeweils ein ihnen zugewiesenes Gebiet und eine ganz eigene Fähigkeit. Um die Zeitschleife zu brechen, müssen wir alle an einem einzigen Tag ausschalten. Also versuchen wir Loop für Loop die Gewohnheiten und Aufenthaltsorte unserer Ziele zu studieren und so einen Plan zu schmieden. Unser Inventar besteht aus verschiedenen Waffen unterschiedlicher Kategorien, aber auch aus sogenannten Siegeln. Bei Letzterem handelt es sich um Verbesserungen sowohl für uns als auch für unsere Waffen. Bei den Schießeisen kann so zum Beispiel der Rückstoß oder die Magazingröße erhöht werden. Andere erhöhen passive Werte wie Leben oder geben uns kleine Fähigkeiten wie einen Doppelsprung. Diesen Loot gibt es, wie inzwischen üblich, in verschiedenen Güteklassen, die zunehmend seltener werden, aber auch mehr Boni bringen. Zusätzlich gibt es noch die oben erwähnten Tafeln, welche uns einzigartige Fähigkeiten gewähren. Die Darstellung und Art erinnert dabei ein bisschen an die Fähigkeiten aus der Dishonored-Serie zum Beispiel einen Teleport über kürzere Strecken.

Wenn wir es nicht schaffen, alle Ziele auszuschalten, verlieren wir alles bis auf die erhaltenen Informationen über die Gewohnheiten der Visionäre. Allerdings erhalten wir im Zuge unserer Entdeckungen Zugriff auf ein Gerät, das uns ermöglicht, sogenanntes „Residuum“ zu absorbieren. Mit dieser Währung ist es möglich Gegenstände zu persistieren und so in den nächsten Loop zu „retten“. So kann mit der Zeit ein dauerhaftes Arsenal aufgebaut werden. Residuum finden wir sowohl in der Welt verteilt als auch tauschbar gegen nicht benötigte oder doppelte Siegel oder von besonders schweren Gegnern. Mit dieser Fähigkeit ist es auch möglich, die Tafeln der Visionäre zu verbessern, indem man diese erneut erlangt, wenn sie bereits persistiert ist.

Eine Insel mit vielen Tunneln

Die Insel Blackreef ist in vier Bereiche unterteilt, die wir an vier verschiedenen Tageszeiten besuchen können. Verbunden durch einen Hub, der aber nur als Menü dargestellt ist und für sämtliche Verbesserungen verwendet wird. Die Gebiete sind ein jahrmarktartiges Partygebiet, ein riesiges Lager, eine Elektro Party Location und ein Forschungskomplex. So unterschiedlich wie die Gebiete klingen, sind sie auch dargestellt und bieten uns verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten und andere Eigenheiten. Wir können pro Tageszeit nur einen Bereich erkunden, da beim Verlassen zum nächsten Tagesabschnitt vorgespult wird. Im Gegenzug heißt das aber auch, dass wir innerhalb eines Gebietes beliebig lange bleiben und ganz entspannt erkunden können. Es gibt je nach Tageszeit immer Neues an den Orten zu entdecken, oft finden wir auch Hinweise oder beobachten Ereignisse, die uns verraten, wer wann wo was macht. Es lohnt sich also jede Kombination einmal zu durchsuchen. Alle Hinweise werden für uns in einer übersichtlichen Form festgehalten und sowohl nach Ort als auch nach Tageszeit sortiert. Für die Informationen über Visionäre steht uns eine andere Art der Informationsdarstellung zur Verfügung. Es handelt sich um eine Art Baum, der uns auch eventuelle Überschneidungen oder Zusammenhänge darstellt, was ein sinnvolles Vorgehen ungemein erleichtert.

Einmal bitte jedes Genre bitte

Spielmechanisch glänzt kein Spielelement, aber das Zusammenspiel funktioniert erstaunlich gut. Im Kern ist Deathloop ein Shooter (zumindest lassen das die zahlreichen lootbaren Schusswaffen vermuten), aber das Handling der Waffen und deren Klang erinnern eher an die Shooter-Elemente aus Dishonored, und die haben dort ja eher ein Nischendasein gefristet. Das Hauptelement der eben genannten Spielereihe stellt wiederum das Schleichen dar und auch das ist mit leichten Abwandlungen übernommen und mindestens genauso gut umgesetzt worden. Durch diese ungleich gute Umsetzung erweckt es öfter den Eindruck, als wolle einen das Spiel in Richtung einer lautlosen Herangehensweise „schubsen“. Ebenfalls aus dem geistigen Vorgänger sind die Fähigkeiten entlehnt, wobei diese ebenfalls passend umgesetzt sind und mindestens denselben Spaß bringen. Aber auch weniger vorteilhafte Aspekte wie die nicht immer konsistente, aber meist eh recht ignorante KI wurden übernommen, was den Stealth-Ansatz ebenfalls einfacher macht. Dazu kommt aber noch der ganze Zeitreiseaspekt, ein Multiplayer und das erweiterte Detektiv spielen. Die Mechaniken werden uns in kurzen Popups mit Text und/oder Video erklärt. Teilweise bekommen wir sogar ein interaktives Tutorial mit gestellten Ressourcen gesponsert. Wenn man das Genre von Deathloop genau definieren wollen würde, hätte man ein Problem, denn es will vieles sein und vereint viele Mechaniken in sich. Es wirkt, als sollte jedes Genre abgebildet sein und irgendwie schafft es das auch, denn am Ende ist zwar kein Aspekt überragend, aber ein dennoch einzigartiges Spielerlebnis dabei herausgekommen.

Die Arkane Atmosphäre

Optisch und von der Soundkulisse her ist Deathloop zweifelsfrei als ein Titel der Arkane Studios erkennbar. Die Stimmung ist trotz der dauerhaften Party auf Blackreef, eher düster und bedrückend, aber vollgestopft mit kleinen Details, die etwas über das normale Leben der Bewohner verraten. Die Architektur der Level ist abwechslungsreich, interessant und lädt dazu ein, nach den vielen versteckten Wegen zu suchen. Grafisch ist Deathloop zwar nicht der beste Titel, aber durchaus stimmig und gut einstellbar (zumindest auf PC), sodass auch schwächere Maschinen die Zeitreise starten können. Und auch beim Sound können wir uns auf die hohe Qualität der Arkane Spiele verlassen.

Nicht nur auf Krawall aus sein, sondern ihn auch verhindern

Erwähnt werden sollte hier noch der Multiplayer, denn wir haben nicht nur die Möglichkeit in die Haut von Colt zu schlüpfen, sondern können uns auch entscheiden Julianna zu steuern. Dementsprechend ist es dann auch unser erklärtes Ziel den Loop zu beschützen und Colt zu eliminieren. Dabei dringen wir in die Spielwelt eines menschlichen Colt-Spielers ein und versuchen diesen im Zweikampf zu besiegen. Als Julianna haben wir die einzigartige Fähigkeit, das Aussehen anderer Figuren annehmen zu können. Aber auch eine Ausrüstung  analog zu Colt lässt sich zusammenstellen. Für jeden Versuch erhalten wir in diesem Modus auch Belohnungen, selbst wenn es uns nicht gelingt unsere Aufgabe zu erfüllen. Es muss hier aber auch erwähnt werden, dass man gegen einen fortgeschrittenen, beziehungsweise gut ausgerüsteten, Colt meist den Kürzeren ziehen wird. Wer eine entspannte Erfahrung sucht, der hat im Hauptmenü als Colt die Möglichkeit auf eine Art Offline-Modus zu schalten oder nur den eigenen Freunden die Erlaubnis zum Betreten der eigenen Welt zu geben.

Fazit

Am Anfang von Deathloop haben wir keine Ahnung was passiert, wenn man allerdings Ruhe bewahrt und den anfänglichen Hinweisen folgt, so kommt man schnell in den Spielfluss. Das Spiel schafft es auch gut, uns nicht mit Informationen zu überfrachten, sondern bringt Tutorials genau dann, wenn man sie benötigt und diese auch in einer angemessenen Länge. Durch den Multiplayer-Aspekt haben wir eine Langzeitmotivation, wenn uns das pure Looten und Geheimnisse finden nicht ausreicht.

Arcane Studios haben einen neuen Genre-Mix geschaffen und sich dabei stark an seinen bisherigen Titel orientiert. Das hat den Vorteil, dass die ausgereiften Mechaniken übernommen werden konnten, bringt aber auch die Schwächen dieser Titel wie das rudimentäre Waffenhandling mit sich. Dadurch fühlt sich Deathloop manchmal etwas zu sehr nach einem Dishonored mit neuem Setting an. Dabei verpasst es wirklich alle Stärken, die durch das neue Konzept möglich wären, zu nutzen oder auszubauen. Nichtsdestotrotz ist Deathloop wirklich ein innovativer Titel, der ein frisches Spielprinzip mitbringt und lohnt auf jeden Fall einen Blick.

Pro:
  • Innovatives Konzept mit Zeitreisen
  • Welt die gut ineinander greift
  • Gut platzierte Tutorials
  • Viel Detailreichtum
Contra:
  • Nicht alle Mechaniken wirken ausgereift
  • Schwache KI
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

9.0 / 10
Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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