Review

ENCODYA im Test: Klassisches Point & Click Adventure mit Cyberpunk Setting

Von Dominik Probst am 15. Februar 2021
Publisher: Assemble Entertainment
Release: 26. Januar 2021
Genre: Point & Click Adventure
Entwickler: Chaosmonger Studio
Verfügbar für: PC
USK Altersfreigabe: ausstehend

Das Cyberpunk-Setting ist momentan in aller Munde. Neben dem großen Cyberpunk 2077 gibt es aber auch kleinere Spiele aus anderen. Dazu zählt das über Kickstarter finanzierte ENCODYA, das als Point & Click Adventure mit der Kreativität von Studio Ghibli, der Kulisse von Blade Runner und dem Humor und Spielstil von Monkey Island angepriesen wird. Wir haben es für euch getestet.

Encodya Screenshot (1)

Nicht alles ist gut in der Zukunft

In ENCODYA schlüpfen wir in die Rolle von Tina, einem neunjährigen Waisenkind, das zusammen mit ihrem Roboterwächter SAM-53 im Neo Berlin des Jahres 2062 lebt. Ohne Mutter und Vater kämpfen die beiden tagtäglich um das Überleben, plündern Müllcontainer und schlafen dabei sogar in einem improvisierten Zelt auf einem der Hochhäuser. Neo Berlin ist eine düstere und gefährliche Megalopolis, in der die Konzerne die Straßen kontrollieren. Die Einwohner treten durch VR-Headsets in eine alternative Realität ein und kommen nicht mehr davon los. Alles in allem kein schöner Ort zum Leben, aber Tina und Sam machen das Beste draus.

Eines Tages soll sich das aber nun ändern. Sam und Tina finden heraus, dass Tina doch einen Vater hat und nicht künstlich erschaffen wurde. Das ist aber noch nicht alles, denn anscheinend hat ihr Vater ihr eine wichtige Aufgabe zugeteilt, die aber leider ziemlich schwer verschlüsselt ist. Es liegt also  an uns, neben dem alltäglichen Überlebenskampf  die Nachricht zu entschlüsseln und die Aufgabe zu erfüllen.

Point & Click wie man es kennt

In Sachen Gameplay traut sich ENCODYA leider nicht aus den typischen Point & Click Elementen heraus. Wir sammeln Gegenstände, kombinieren diese ab und an und benutzen sie mit unserer Umgebung, um voran zu kommen. Dazu noch Gespräche führen und Rätsel lösen – das sind die typischen Hauptbestandteile eines Point & Click Adventures. Dass das funktioniert, zeigen ja so gut wie alle anderen Genrekollegen.

Um für ein bisschen Abwechslung beim Spielen zu sorgen, dürfen wir uns jederzeit zwischen Tina und Sam als spielbare Charaktere entscheiden. Das ist insofern wichtig, da jeder andere Dialogoptionen mit den NPCs hat. Im eigentlich Spielverlauf muss man aber nur an wenigen Punkten wirklich wechseln, sodass unsere Entscheidung im Normalfall keinen großen Einfluss nimmt.

Die Rätsel sind gut durchdacht, stellenweise auch ordentlich knifflig. Wer seine Umgebung gut beobachtet und untersucht, wird auf jeden Fall alle benötigten Items finden und bei sich tragen. In meinem Fall habe ich einfach stundenlang nach einem Seil gesucht, das ich schlicht und einfach nicht gesehen hatte. Deswegen gilt es, jeden Schauplatz genau unter die Lupe zu nehmen! Gefühlt gab es aber relativ viel Backtracking im Vergleich zu den Genrekollegen. Das mag vielleicht an mir gelegen haben, aber es war mehr, als ich normal antreffe.

Wer mal nicht weiter kommt, der kann jederzeit auf Sam zugehen und ihn nach einem Hinweis fragen. Allerdings wird mitgezählt, wie oft wir das tun. Anhand der Menge gibt es dann am Ende bestimmte Erfolge, oder eben nicht.

 Unheimlich gute Umgebungen

Alles in allem spielt sich ENCODYA sehr angenehm, leider hatte ich aber auf dem Mac immer wieder das Problem, dass sich mein Inventar geschlossen hat, nachdem ich ein Item mit einem anderem kombinieren wollte. Auf meinem Windows Rechner gab es das Problem nicht.

Was mir persönlich nicht so gefallen hat, ist, dass sich die Tastenbelegung immer wieder geändert hat. Damit meine ich, wenn man einen NPC mit der linken Maustaste anklickt, um mit ihm zu interagieren, tauchen dann meistens mehrere kleine Icons auf, die für Untersuchen, Reden und Interagieren stehen. In 90 % der Fälle sind sie auch immer an der gleichen Stelle, hin und wieder ändern sie aber auch mal die Platzierung, so dass das erwartete Ergebnis leider nicht das ist, was gewünscht war. Ich gehe davon aus, dass dies einfach ein Flüchtigkeitsfehler bei der Entwicklung war und keine Absicht. Unschön fand ich es aber trotzdem, könnte aber mit meinem kommenden Patch beseitigt werden.

Nichtsdestotrotz ist ENCODY ein wirklich gutes Spiel! Die Umgebungen sind unheimlich gut gestaltet, die Charaktere überzeugen mit dem grafischen Hauch vom Studio Ghibli und die Immersion des Cyberpunk Neo Berlins ist wirklich gelungen. Das richtige Feeling ist auf jeden Fall garantiert. Neben dem flüssigen und spaßigen Gameplay machen auch die Sprecher einen ordentlichen Eindruck. Das Spiel ist zwar nicht mit deutscher Synchro, allerdings gibt es dafür Untertitel. Dank Schnellreise lassen sich auch alte Orte ohne Probleme besuchen. Das macht die Reise durch Neo Berlin auf jeden Fall angenehmer!

Encodya Screenshot (7)

Fazit

Das futuristische Point & Click Adventure ENCODYA, das im 2062er Cyberpunk Neo Berlin spielt, bringt eine düstere Atmosphäre und eine von Konzernen kontrollierte Spielwelt mit sich, in der viele Einwohner dem VR-Wahn verfallen sind. Dank unheimlich gut designter Umgebungen, einer spannenden Story und teils kniffligen Rätseln kommt jeder Adventure-Fan auf seine Kosten. Ein paar kleinere Schwächen weist ENCODYA trotzdem auf, die aber zu verkraften sind. Leider bleibt man auch den typischen Werten eines Point & Click Adventures treu und traut sich, bis auf das Setting, nicht aus den typischen Begrenzungen heraus.

Pro:
  • Unheimlich gute Spielwelt
  • Grafikstil überzeugt
  • Düsteres Setting
Contra:
  • Charakterwechsel ist nur selten wirklich notwendig
  • Gefühlt viel Backtracking
  • Hin und wieder sind die Icons bei einer Interaktion vertauscht
  • Inventarproblem auf dem Mac
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

7.0 / 10
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit meiner Kindheit, mit einem Faible für die komplette "The Legend of Zelda"- und "Halo"-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.

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