

Fire Emblem: Fortune’s Weave im Test: Vier Schicksale, ein gewaltiges Abenteuer
Mit Fire Emblem: Fortune’s Weave wagt sich Intelligent Systems an einen der umfangreichsten Teile der traditionsreichen Taktik-RPG-Reihe. Schon „Fire Emblem: Three Houses“ war mit seinen unterschiedlichen Häusern, sozialen Aktivitäten und zahlreichen Handlungssträngen ein gewaltiges Spiel. Fortune’s Weave geht jedoch noch einen Schritt weiter. Statt sich für einen einzigen Weg zu entscheiden, verfolgen wir die Geschichten von vier Helden, die zunächst unabhängig voneinander an den Heroenspielen teilnehmen. Das Ergebnis ist ein Abenteuer, dessen tatsächliches Ausmaß selbst nach zahlreichen Spielstunden schwer zu überblicken ist.

Vier Helden, vier Schicksale
Die Geschichte beginnt im Jahr 1454. Das Kaiserreich Dagda steht kurz vor dem Untergang, nachdem der Dämonengott Balor wiedererweckt wurde. Unsere Aufgabe besteht darin, die Vergangenheit zu verändern und dadurch eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dafür reisen wir fünf Jahre in die Vergangenheit und begleiten vier unterschiedliche Helden bei den Heroenspielen. Cai möchte seinen inhaftierten Vater retten, Dietrich sucht nach immer stärkeren Gegnern, Königin Theodora kämpft für ihr Volk und Leda begibt sich auf einen persönlichen Rachefeldzug.

Schon diese Ausgangslage sorgt dafür, dass Fortune’s Weave deutlich komplexer erzählt wird als viele vorherige Teile. Die vier Handlungsstränge können über weite Strecken parallel verfolgt werden. Statt eine Geschichte vollständig abzuschließen und anschließend zur nächsten zu wechseln, springen wir zwischen den verschiedenen Helden hin und her. Dadurch entstehen immer wieder Zusammenhänge zwischen den einzelnen Geschichten, die erst durch die unterschiedlichen Perspektiven und die Zeitsprünge verständlich werden.
Gerade die Zeitreise-Thematik macht die Handlung allerdings auch anspruchsvoller. Ereignisse in der Vergangenheit haben Auswirkungen auf die Zukunft und Informationen aus einem Handlungsstrang können plötzlich für einen anderen relevant werden. Wer hier nicht aufmerksam bleibt, kann durchaus einmal den Überblick verlieren. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Geschichte, die wesentlich größer wirkt als das, was man von einem klassischen Fire Emblem gewohnt ist.

Und groß ist dabei noch vorsichtig formuliert. Der Umfang von Fortune’s Weave ist derart gewaltig, dass es uns im Rahmen unseres Tests schlicht nicht möglich war, sämtliche Inhalte vollständig zu sehen. Selbst nach zahlreichen Stunden hatten wir noch längst nicht alles erlebt, was das Spiel zu bieten hat. Für Fans, die möglichst viel aus einem Spiel herausholen möchten, dürfte hier also ein echtes Mammutprojekt warten.
Klassische Taktik trifft auf mehr Freiheit
Am grundlegenden Spielprinzip hat sich wenig geändert. Auch Fortune’s Weave setzt auf rundenbasierte Kämpfe auf einem Raster. Positionierung, Gelände, Klassen, Waffen und die unterschiedlichen Angriffsmöglichkeiten entscheiden darüber, ob eine Schlacht erfolgreich endet. Neu hinzu kommen unter anderem besondere Kampftechniken und die sogenannten Brandtechniken, mit denen die vier Hauptfiguren mächtige Fähigkeiten einsetzen können. Diese kosten allerdings Lebenspunkte und wollen deshalb mit Bedacht verwendet werden.

Das eigentliche Kampfsystem wird dabei von zahlreichen Aktivitäten außerhalb der Schlachten ergänzt. In der Hauptstadt Dagsion können wir trainieren, neue Ausrüstung kaufen, Verbündete rekrutieren, Beziehungen verbessern oder Missionen übernehmen. Auch die Welt außerhalb der Hauptstadt lässt sich erkunden. Dort warten Quests, Ressourcen und Gegner auf uns.
Eine interessante Neuerung sind die Dungeons. Diese funktionieren etwas anders als die normalen taktischen Schlachten und bieten unter anderem Materialien sowie Schätze. Die Kämpfe innerhalb der Verliese setzen dabei stärker auf direkte Konfrontationen und gemeinsame Angriffe der Gruppe. Damit bekommt Fortune’s Weave einen zusätzlichen Erkundungsaspekt, den man aus den klassischen Serienteilen nicht in dieser Form kennt.

Bereits der Prolog sorgt außerdem für einen ungewöhnlichen Einstieg. Statt uns langsam mit schwachen Einheiten an das Spiel heranzuführen, dürfen wir zunächst mit extrem starken Charakteren loslegen. Level 40 ist dabei keine Seltenheit. Das wirkt zunächst etwas ungewöhnlich, vermittelt aber gleichzeitig einen Eindruck davon, welche Größenordnung die späteren Auseinandersetzungen erreichen können.
Noch ambitionierter als bisher
Wer Three Houses gespielt hat, dürfte sich bei Fortune’s Weave schnell heimisch fühlen. Wieder spielen soziale Beziehungen, Training und Aktivitäten zwischen den Kämpfen eine wichtige Rolle. Trotzdem verfolgt der neue Teil einen deutlich ambitionierteren Ansatz.

Während wir uns in Three Houses für eines der Häuser entschieden und dadurch einen bestimmten Handlungsweg eingeschlagen haben, laufen die vier Geschichten in Fortune’s Weave zunächst parallel. Das sorgt für deutlich mehr Freiheit, verlangt aber auch etwas mehr Aufmerksamkeit. Wer sich zu lange auf einen Charakter konzentriert, kann leicht vergessen, was bei den anderen Helden gerade passiert. Gleichzeitig ist genau diese Struktur einer der interessantesten Aspekte des Spiels, da sich die Geschichten immer wieder gegenseitig ergänzen.
Auch außerhalb der Kämpfe gibt es deutlich mehr zu tun. Neben den bekannten sozialen Aktivitäten kommen Erkundungen, Dungeons, Nebenmissionen, Rekrutierung und weitere Möglichkeiten zur Charakterentwicklung hinzu. Dadurch fühlt sich Fortune’s Weave weniger wie eine Aneinanderreihung von Schlachten und stärker wie ein großes Rollenspiel an.

Und dann wären da noch die Waffen. Obwohl wir uns in einem klassischen mittelalterlichen Fantasy-Setting bewegen, tauchen tatsächlich moderne Schusswaffen auf. Dieser Kontrast wirkt zunächst kurios, fügt sich aber in die ungewöhnlich breite Welt des Spiels ein. Fortune’s Weave nimmt sich offensichtlich die Freiheit, sein Fantasy-Universum nicht ausschließlich auf Schwerter, Bögen und Magie zu beschränken.
Anime trifft auf High Fantasy
Optisch bleibt „Fortune’s Weave“ dem bekannten Anime-Stil der Reihe treu, präsentiert sich dabei aber deutlich detailreicher als ältere Vertreter. Vor allem die Charaktermodelle und die verschiedenen Städte können sich sehen lassen. Besonders Dagsion wirkt mit seinen kräftigen Farben und zahlreichen Details lebendig. Auch die Kampfanimationen gehören zu den stärkeren visuellen Momenten des Spiels.

Dabei darf natürlich auch der typische Fanservice nicht fehlen. Fortune’s Weave setzt stellenweise ziemlich deutlich auf die bekannten Anime-Klischees, inklusive entsprechend üppig ausgestatteter weiblicher Charaktere. Das dürfte für Fans des japanischen Stils kaum überraschend kommen, fällt im Vergleich zu manchen älteren Teilen aber durchaus auf.
Technisch bleibt hingegen etwas Luft nach oben. Einige Texturen wirken nicht ganz auf dem Niveau, das man von einem exklusiven Switch-2-Titel erwarten könnte. Gleichzeitig überzeugen die Charaktere, Zwischensequenzen und Kampfanimationen mit einem gelungenen Stil. Insgesamt ergibt sich damit ein sehr stimmiges Gesamtbild, auch wenn es nicht in jeder Situation technisch beeindruckt.

Ein Soundtrack mit Ohrwurmgarantie
Musikalisch spielt „Fortune’s Weave“ dagegen in einer anderen Liga. Der Soundtrack gehört zu den großen Stärken des Spiels und schafft es sowohl während der Kämpfe als auch in ruhigeren Momenten, die passende Atmosphäre zu erzeugen. Mehrere Stücke bleiben schon nach wenigen Stunden im Kopf und unterstreichen die großen emotionalen Momente der Geschichte. Auch andere Tests heben den Soundtrack ausdrücklich als eines der Highlights hervor.
Passend zum enormen Umfang gibt es eine große Bandbreite an musikalischen Themen. Von heroischen Schlachtstücken über ruhigere Melodien bis hin zu dramatischen Momenten wird nahezu jede Situation entsprechend untermalt.
Ein gewaltiges Fire Emblem
Fire Emblem: Fortune’s Weave ist kein Spiel, das man einfach nebenbei durchspielt. Der Titel ist riesig. Vier miteinander verbundene Geschichten, Zeitreisen, taktische Schlachten, soziale Aktivitäten, Charakterentwicklung, Erkundung und Dungeons ergeben ein Gesamtpaket, dessen tatsächliche Größe selbst nach vielen Spielstunden schwer einzuschätzen ist.
Gerade im Vergleich zu Three Houses zeigt sich, wie ambitioniert Intelligent Systems an das Konzept herangegangen ist. Statt die unterschiedlichen Handlungswege nacheinander abzuarbeiten, werden vier Schicksale miteinander verwoben. Das macht die Geschichte komplexer und sorgt gleichzeitig dafür, dass wir ständig neue Zusammenhänge entdecken können.
Nicht jede Neuerung dürfte dabei jeden Spieler gleichermaßen begeistern. Die enorme Menge an Systemen und Aktivitäten kann anfangs überwältigend wirken und auch die Handlung verlangt einiges an Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, bekommt allerdings ein taktisches Rollenspiel geboten, das in Sachen Umfang deutlich über das hinausgeht, was die Reihe bisher geboten hat. Fortune’s Weave fühlt sich damit weniger wie eine kleine Weiterentwicklung und mehr wie der Versuch an, das gesamte „Fire Emblem“-Konzept noch einmal größer zu denken.
- Vier parallel verlaufende Handlungsstränge
- Umfangreiche und komplexe Geschichte
- Dungeons bieten zusätzliche Abwechslung
- Taktisch anspruchsvolle Kämpfe
- Schicke Anime-Optik und gelungene Kampfanimationen
- Technisch nicht immer auf dem Niveau eines Switch-2-Titels
- Moderne Schusswaffen wirken im Fantasy-Setting zunächst befremdlich
- Teilweise sehr deutlicher Anime-Fanservice

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Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.




