

Gears of War: E-Day im Test: Nieder mit den Locust!
Die Gears-of-War-Reihe war neben Halo und Forza lange Zeit eines der absoluten Aushängeschilder von Microsofts Xbox. Die brutale Action, gepaart mit meist sehr guter Grafik und eingängiger Steuerung machten die Deckungsshooter zu unterhaltsamen Spielen, die dank zahlreicher Multiplayer-Modi für Kurzweil sorgten. Seit dem letzten Ableger, Gears 5, sind jedoch mittlerweile schon wieder sieben Jahre vergangen. Höchste Zeit also, endlich einmal einen Nachfolger auf den Markt zu bringen. Wobei Nachfolger hier tatsächlich nicht ganz korrekt ist, handelt es sich doch bei Gears of War: E-Day um ein Sequel, dass die Anfänge der Locust-Invasion ins Gebiet der KOR abbildet und dementsprechend ganze vierzehn Jahre vor dem ersten Teil der Serie spielt. Grund genug für uns, die Kampagne zu starten, die Lancer durchzuladen, die Kettensägen anzuschmeißen und den Locust von Tag Eins an mal so richtig in den Hintern zu treten!

Der Feind meines Feindes
Ganze 79 Jahre herrschte Krieg unter den Menschen auf Sera. Zahlreiche Verluste auf allen Seiten waren zu beklagen, so auch in der Gears-Einheit von Marcus Fenix und Dominic Santiago, die unter anderem den Bruder von Dominic verloren haben. Nun ist der Krieg zu Ende, und die hochdekorierten Elite-Soldaten müssen sich neu orientieren. Während Dominic aus dem Militär ausscheiden möchte, um endlich Zeit mit seiner Familie zu verbringen, befällt Marcus der „Was mach ich denn jetzt bloß?“-Blues. Da ist nicht sonderlich hilfreich, dass Dominic seinem Freund und Kameraden nun das Ende ihrer gemeinsamen Dienstzeit verkünden will.
Doch just, als das Thema zur Sprache kommt, erschüttern Erdbeben die Innenstadt von Kalona, einer der Städte auf dem Planeten Sera. Schreie sind zu hören, dann Schüsse. Widerliche Monster brechen aus der Erde und fallen über alles her, was sich bewegt. Klare Sache also für Marcus und Dominic, dass sie nicht tatenlos zusehen können. Unterstützung erhalten sie dabei unverhofft von der ehemaligen Gears-Soldatin und Zynikerin Mags sowie dem etwas naiven Rookie Lucas. Zusammen kämpft sich das Viererteam durch die Straßen und stellt schnell fest, dass das absolute Chaos herrscht. Die Apokalypse hat Kalona fest im Griff. Doch die Monster haben die Rechnung ohne die Gears of War gemacht. Zusammen mit seinem Team macht sich Marcus auf, die Invasion aufzuhalten, den Ursprung der Feinde auszumachen und die Ordnung in Kalona wieder einigermaßen herzustellen. Alle überlebenden Einheiten der Menschen müssen nun zusammenarbeiten, ob sie es wollen oder nicht. Denn eines ist dabei schnell klar: Der Emergence-Day, kurz E-Day genannt, ist sicherlich nur der Anfang...

Willkommen in Raccoon Ci... äh, Kalona
Bereits der stimmungsvolle Anfang von Gears of War: E-Day zeigt, wohin die Reise geht. Und, dass die Reihe nichts von ihrer Brachialität und Brutalität verlernt hat. Doch der Reihe nach. Besonders der Beginn mit schreienden Zivilisten und Soldaten in Zivil, die sich nur mit Stahlrohren verteidigen, erinnert nicht von ungefähr an den Ausbruch der Zombie-Apokalypse in Resident Evil oder ein Stück weit auch an The Last of Us. Hier haben die Entwickler The Coalition ganze Arbeit geleistet, um den Schrecken der ersten Stunden der Invasion eindrücklich einzufangen. Wir können quasi gar nicht anders, als uns direkt den heranstürmenden Locust entgegenzuwerfen.
Haben wir die ersten Schusswaffen aufgenommen, so entfaltet Gears of War E-Day das typische Gears-Flair. Wir hetzen also von Deckung zu Deckung, während wir uns mit Waffengewalt die zahlreichen Angreifer vom Hals halten. Die Locust beschränken sich dabei bereits früh im Spiel nicht nur auf den Nahkampf, sondern setzen uns andere Truppen in Form von Infanterie, Scharfschützen oder besonders dicke Brocken mit Granatwerfern vor die Nase. Die Gefechte gestalten sich durch die Bank spaßig und erfordern eine gewisse taktische Herangehensweise. Blind vorstürmen wird nicht selten mit einem blutigen Bildschirmtod quittiert. Wir sollten also stets die Umgebung im Auge behalten und Deckungen nutzen, so gut es geht.
Grundsätzlich kommen wir meistens dadurch ins Rudern, dass die Feinde zahlenmäßig in der Überzahl sind. Unterschiedliche Konstellationen bringen uns ebenfalls ins Schwitzen. Und manche der ganz großen Kollegen sind wahrhafte Kugelschwämme, die eine Menge aushalten, bevor sie zu Boden gehen. Auf unsere Deckung können wir uns dabei ebenfalls nicht immer verlassen, da manche Barrieren unter Feindfeuer zerbrechen und uns in ziemlich exponierter Lage auf dem Schlachtfeld zurücklassen. Stumpfes Geballer in Rambo-Manier mitten im Feindgebiet führt in Gears of War: E-Day somit eigentlich nie zum Ziel. Die Locust setzen zudem einige brandneue Einheiten ein, die wir aus den anderen Spielen der Reihe noch nicht kennen.
Kalona Chainsaw Massacre
Um der feindlichen Übermacht Herr zu werden, stellt uns Gears of War: E-Day zahlreiche Argumentationsverstärker zur Verfügung. Neben Klassikern wie dem Lancer-Maschinengewehr oder dem Hammerburst, den wir uns kurzerhand von den Locust ausleihen, bietet das Spiel ein paar Neuzugänge, die an vorherige Modelle angelehnt sind. Die meisten Knarren dürfen wir zudem mit mehreren Slots aufwerten und so beispielsweise die Feuerkraft oder Schussrate erhöhen, was unserem Kampf nur Zugute kommt. Unterwegs haben wir stets zwei Hauptwaffen, eine Pistole sowie ein Bündel Granaten dabei, das uns ebenfalls sehr gute Dienste im Stellungskampf leistet.
Typisch Gears findet auch wieder das geradezu legendäre Nachlade-Minispiel seinen Weg in die Gefechte. Laden wir die Waffe nach, zeigt uns ein Balken den Fortschritt an. Bringen wir den Cursor in einem bestimmten Bereich zum stoppen, haben wir schneller wieder ein volles Magazin im Gewehr. Treffen wir einen ganz kleinen Slot, dann sind die ausgetauschten Kugeln beim nächsten Feuern stärker. Dieses Minispiel geht nach ein paar Versuchen schnell in Fleisch und Blut über und sorgt mitten im Gefecht für zusätzliches Adrenalin, da uns bei falschem Tastendruck eine Ladehemmung droht. Und die kann auf höheren Schwierigkeitsgraden durchaus über Leben und Tod entscheiden.
Grundsätzlich spart Gears of War: E-Day ganz im Sinne der Serientradition nicht mit Gewalt. Den USK-ab-18-Hinweis verdient sich das Spiel durch allerlei ziemlich deftige Tötungsanimationen. So dürfen wir auf dem Boden herumkrabbelnden Feinden etwa in einer eigenen, auf unsere jeweilige Waffe abgestimmten Sequenz den Rest geben. Waffen wie die mit einer Kettensäge ausgestatteten Prototyp-Lancer tun ihr Übriges, um ordentlich Kollateralschaden unter den Feinden auszuteilen, der weit über kleinere Narben hinausgeht. Der Grundton in Gears of War: E-Day fällt aufgrund der Invasions-Thematik generell eher ernst aus, dennoch sparen unsere Helden nicht mit lockeren Sprüchen und markigen Onelinern, wenn eine neue Waffe aufgenommen oder ein Gegner erledigt wird. Eben typisch Gears of War.

Blutige Grafikpracht
Egal, ob wir mitten im Gemetzel sind oder von einem Kampfgebiet zum anderen laufen, eines steht fest: Gears of War: E-Day sieht fantastisch gut aus! Die Entwickler holen ziemlich viel aus der verwendeten Unreal Engine 5 heraus. Dies beginnt bei den extrem detaillierten Charaktermodellen, die nicht mehr ganz so comichaft-breitschultrig ausfallen wie in den Vorgängern. Besonders stark ist das Umgebungsdesign. Waren wir in anderen Gears-Ablegern hauptsächlich in Ruinen unterwegs, so präsentiert sich die Spielwelt nun noch einigermaßen intakt. Und dementsprechend erstrahlen die Bauwerke wie eine riesige Brücke, ein Stadion oder das Rathaus in weitestgehend voller Pracht. Vom Stil hat man sich hier ein wenig von den Monumenten eines Warhammer 40k-Universums inspirieren lassen. Die Straßenzüge selbst wirken mit ihren zahlreichen Autos wiederum eher wie Downtown Manhatten.
So oder so, Gears of War: E-Day läuft stets flüssig und bleibt immer perfekt spielbar. Grafische Einschnitte gibt es hier quasi nicht, also alles richtig gemacht seitens der Entwickler. Die Akustik verwöhnt uns mit epischen Musikstücken und diversen Kampfgeräuschen, die die Kämpfe gut untermalen und für zusätzliche Immersion sorgen. Dank der hochwertigen, deutschsprachigen Synchronisation ist auch in diesem Bereich kein Mangel erkennbar. Audiovisuell also ein rundum gelungenes Paket.

Mitten im Kriegsgebiet
Die Kampagne von Gears of War: E-Day bietet insgesamt fünf Akte, die in mehrere Kapitel unterteilt sind. In jedem dieser Abschnitte gibt es Sammelobjekte zu finden, die zwar keinen spielerischen Mehrwert haben, aber dennoch einen atmosphärischen Nutzen erfüllen. So erhalten wir etwa Zeitungsausschnitte, Ausrüstungsgegenstände oder mancherlei Kuriosum, was von unseren vier Charakteren wiederum mit einem Kommentar entsprechend eingeordnet wird. Während manche dieser Sammelobjekte einem fast schon ins Gesicht springen, sind andere wiederum gut versteckt und verlangen Sucharbeit.
Ab dem zweiten Akt öffnet sich die Spielwelt. Waren wir im ersten Akt noch ausschließlich in klassischen, schlauchförmigen Gebieten unterwegs, so kämpfen wir nun stellenweise in deutlich offeneren Bereichen, die zudem mehrere optionale Nebenaufgaben beinhalten. Konkret steht uns eine größere Map zur Verfügung, ähnlich der Open-World-Abschnitte eines Uncharted 4: A Thief's End oder eines The Last of Us Part 2. Da die Invasion ja voranschreitet und unsere Gears dementsprechend am besten überall zugleich kämpfen sollen, machen solche offenen Teilbereiche in der Stadt durchaus Sinn. Schließlich brennt es ja an allen Ecken und Enden.
Die offenen Gebiete sind, nicht zuletzt aufgrund der Zustände, recht verwinkelt. Zwar hilft uns eine praktische Übersichtskarte, eine Hilfeoption für die Wegfindung gibt es aber abseits des Markers nicht. Hier führen meist sogar mehrere Wege zum Ziel. Das kann allerdings dafür sorgen, dass wir uns manchmal verlaufen und nicht genau erkennen, wo wir jetzt eigentlich hin sollen, trotz der Hilfsmarker. Und wenn wir schon einmal am Kritisieren sind: Manche NPCs laufen etwas steif durch die Gegend, was angesichts der tollen Animationen unserer Kämpfer auffällig ist. Zudem hat das Ragdoll-System bei Gegnerleichen so seine liebe Mühe. Der eine oder andere Locust hat hier nach seinem Ableben doch nochmal einen ordentlichen Limbo auf dem Boden hingelegt.

Brothers in Arms
Ein Markenzeichen der Gears-Reihe war von jeher auch der sehr unkomplizierte Koop-Modus, der uns in allen Spielmodi gegen die Locust sehr viel Spaß bereiten konnte. Gears of War: E-Day verbirgt die umfangreichen Modi Horde sowie Versus hinter dem Game Pass. Ein gemütlicher Durchgang zu zweit abseits der Story ist also nicht ohne weiteres möglich, was eigentlich immer eine der Stärken der Reihe war. Immerhin können Einzelspieler nur die Kampagne installieren und die anderen Modi links liegen lassen, was Platz auf der Festplatte spart.
Glücklicherweise gestaltet sich die Mehrspieler-Kampagne lokal deutlich einfacher. Anders als beispielsweise in Halo Campaign Evolved, wo ein Microsoft-Account Pflicht war, darf ein weiterer Spieler jederzeit als Gast mit einsteigen. Eine unkomplizierte und löbliche Handhabung, die perfekt funktioniert. Natürlich muss man dann mit einem geteilten Bildschirm auskommen, was in den Gefechten das Sichtfeld etwas einschränkt, aber dennoch gut spielbar ist. Zu zweit machen die zahlreichen Kämpfe gegen die Locust noch einmal mehr Spaß.

Fazit
Was für ein Comeback! Bereits nach wenigen Spielminuten zeigt Gears of War: E-Day, dass die Reihe nichts von ihrer Qualität verloren hat. Die Deckungsshooter-Gefechte gestalten sich dank zahlreicher Waffen und durchaus clever agierender Gegner sehr spaßig und kurzweilig. Grafisch fackelt das Spiel ein wahres Feuerwerk ab, welches Gears of War: E-Day zum ganz klar hübschesten Vertreter der Serie macht. Hilfreich ist dabei das sehr gute Umgebungsdesign, welches immer wieder für epische Panoramen auf die Stadt und das Schlachtfeld gut ist.
Als ziemlich einzige Kritikpunkte hätte ich leicht steife Animationen bei den NPCs zu nennen, sowie ein paar Probleme des Ragdoll-Systems. So mancher tote Feind hat hier nach seinem Ableben unschöne Zuckungen, die das grafisch sonst herausragende Gesamtbild dann doch etwas stören. Zudem kann die Wegfindung in den offenen Gebieten im Verlauf der Kampagne manchmal etwas schwierig sein. In Summe aber ist Gears of War: E-Day eine gelungene Rückkehr von Marcus Fenix und Co. und dementsprechend hoffentlich nur der Auftakt zu weiteren, neuen Spielen im Gears-Universum.
- Starke Präsentation
- Grafisch und soundtechnisch gelungen
- Spaßiges Deckungsshooter-Gameplay
- Offene Gebiete in der Kampagne
- Hervorragende Charaktermodelle der Hauptfiguren
- Spannende Geschichte um den Auftakt der Locust-Invasion
- Kampagne lokal im Koop spielbar
- NPCs fallen grafisch und animationstechnisch leicht ab
- Probleme mit der Ragdoll-Physik
- Wegfindung in den offenen Gebieten manchmal schwierig

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Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.






