

CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS im Test– Wenn Fußball zum Anime-Fight wird
Fußballspiele gibt es viele. Wer an das Genre denkt, landet vermutlich schnell bei Serien wie EA Sports FC oder eFootball. Realistische Spielzüge, authentische Kader und möglichst glaubwürdige Ballphysik stehen dort im Mittelpunkt. CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS verfolgt dagegen einen vollkommen anderen Ansatz. Hier geht es weniger darum, Fußball zu simulieren, sondern darum, den völlig überdrehten Sport-Anime auf den Bildschirm zu bringen.
Mit über 110 spielbaren Charakteren, 22 Nationalmannschaften und mehr als 150 Spezialaktionen fällt der Umfang dabei durchaus beeindruckend aus. Doch kann das ungewöhnliche Konzept auch langfristig überzeugen?

Fußball als Anime-Drama
Die Geschichte setzt auf der bekannten Welt von Captain Tsubasa auf und begleitet Tsubasa Ozora und seine Junior-Mannschaft auf ihrem Weg durch das Jugendturnier bis hin zur Weltjugendmeisterschaft. Dabei treffen wir auf zahlreiche bekannte Gesichter aus Manga und Anime, aber auch auf neue Teams und Charaktere.

Wer mit Captain Tsubasa bislang nichts anfangen konnte, dürfte allerdings etwas Zeit benötigen, um sich in der überdrehten Welt zurechtzufinden. Für Fans ist das dagegen ein echtes Fest. Zahlreiche bekannte Rivalitäten, Charaktere und Situationen werden aufgegriffen und mit neuen Elementen ergänzt. Besonders gelungen ist, wie stark das Spiel versucht, eine Anime-Episode spielbar zu machen. Matches werden immer wieder durch inszenierte Momente und Geschichten unterbrochen. Das sorgt für jede Menge Fanservice, kann aber auch den Spielfluss ausbremsen. Im Story-Modus erstellt ihr zudem euren eigenen Charakter und werdet Teil von einer Mannschaft. Dadurch bekommt die Geschichte eine persönliche Note, ohne den bekannten Figuren die große Bühne zu nehmen.
Schere, Stein, Papier statt Fußballsimulation
Der größte Unterschied zu klassischen Fußballspielen wie EA Sports FC oder eFootball zeigt sich natürlich auf dem Platz. CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS will überhaupt keine realistische Fußballsimulation sein.

Wer hier versucht, möglichst realistisch aufzubauen, wird schnell feststellen, dass die Regeln dieses Spiels anderen Gesetzen folgen. Vieles fühlt sich eher wie Schere, Stein, Papier an als wie eine traditionelle Fußballpartie. Dribbeln, Tackling, Pässe und Schüsse werden mit speziellen Fähigkeiten kombiniert. Je nach Situation gilt es, den richtigen Konter zu wählen und die passende Technik einzusetzen. Dazu kommen die namensgebenden Superaktionen, die das Geschehen endgültig in Richtung Anime-Kampf verschieben. Auch Torhüter und Schützen liefern sich bei Abschlüssen direkte Duelle und wir müssen dem Torhüter erst genug Schaden (ja genau Schaden) verpassen, bevor wir ein Tor erzielen können. Hier Steckt sogar noch weniger klassischer Fußball drin als in Mario Strikers.
Das ist zunächst ungewohnt, macht aber gerade deshalb den Reiz aus. Während man bei FIFA oder EA Sports FC versucht, eine möglichst realistische Spielsituation zu erzeugen, geht es hier darum, den spektakulärsten Moment zu erzeugen. Und spektakulär wird es definitiv. Fast jede größere Aktion kann in eine aufwendige Animation übergehen. Spieler rennen aufeinander zu, Spezialschüsse werden entfesselt und Torhüter versuchen, Geschosse abzuwehren, die mit normalem Fußball ungefähr so viel zu tun haben wie ein Superheldenfilm mit einer Naturdokumentation.

Allerdings hat das System gerade zu Beginn eine deutliche Schwäche: Das Spiel erklärt sich mit einer gewaltigen Menge an Tutorials. Gerade in den ersten Stunden ploppen ständig neue Hinweise und Erklärungen auf. Wer einfach losspielen möchte, wird dadurch schnell überfordert. Angesichts der vielen Mechaniken ist eine Einführung zwar sinnvoll, die schiere Menge an Informationen sorgt aber dafür, dass der Einstieg unnötig hektisch wirkt. Hat man die Systeme jedoch einmal verstanden, entwickelt sich daraus ein halbwegs taktisches Spiel. Man muss nicht nur überlegen, wohin der Ball soll, sondern auch, welche Spezialaktion man im richtigen Moment einsetzen sollte, um seine Aufladungen sinnvoll zu verbrauchen.
Der Anime wird lebendig
Optisch spielt WORLD FIGHTERS seine größte Stärke voll aus. Fans des Anime werden hier definitiv abgeholt. Die Charaktermodelle orientieren sich stark an der Vorlage und die zahlreichen Spezialaktionen werden mit aufwendigen Animationen in Szene gesetzt. Laut offizieller Angabe gibt es mehr als 150 animierte Spezialaktionen und über 150 Zwischensequenzen, die besondere Aktionen auf dem Platz hervorheben. Vor allem die großen Spezialschüsse sind genau das, was man sich von einem Captain-Tsubasa-Spiel wünscht. Die Kamera geht näher heran, die Inszenierung wird dramatischer und plötzlich fühlt sich ein Fußballspiel wie der Höhepunkt einer Anime-Folge an.

Natürlich geht das teilweise auf Kosten der Übersichtlichkeit. Wenn auf dem Spielfeld ständig Spezialaktionen, Effekte und Animationen stattfinden, ist von einer nüchternen Fußballübertragung nicht mehr viel übrig. Aber genau das ist der Punkt: WORLD FIGHTERS möchte nicht nüchtern sein. Wer eine möglichst realistische Darstellung des Sports erwartet, ist hier falsch. Wer dagegen den Anime zum Leben erweckt sehen möchte, bekommt genau das.
Voller Anime Sound
Auch beim Sound macht das Spiel wenig Kompromisse. Die Charaktere sind umfangreich vertont und die Inszenierung wird dadurch deutlich lebendiger. Gerade für Fans der Vorlage trägt die Sprachausgabe viel zur Atmosphäre bei. Dazu kommt ein umfangreicher Soundtrack. Komponist Tadayoshi Makino, der bereits am Vorgänger gearbeitet hat, kehrt zurück und liefert erneut eine große Auswahl an energiegeladenen Stücken. Die offizielle Seite spricht von über 100 Tracks. Die Musik passt hervorragend zu den dramatischen Spielsituationen. Wenn zwei Spieler mit ihren Spezialtechniken aufeinanderprallen, braucht es schließlich mehr als das Geräusch eines gewöhnlichen Fußballplatzes.

Fazit
CAPTAIN TSUBASA 2: WORLD FIGHTERS ist kein Fußballspiel für Fans von Fußballsimulationen. Es ist ein Captain-Tsubasa-Spiel für Fans von Captain Tsubasa.
Wer bei EA Sports FC möglichst realistisch von hinten aufbauen, Räume zustellen und taktisch sauber spielen möchte, wird mit WORLD FIGHTERS vermutlich wenig anfangen können. Hier funktioniert Fußball nach seinen eigenen Regeln. Das Gameplay erinnert teilweise eher an ein taktisches Schere-Stein-Papier-System, das mit spektakulären Spezialaktionen und Anime-Inszenierung angereichert wurde.
Dafür werden Fans der Vorlage regelrecht verwöhnt. Die zahlreichen Charaktere, die aufwendigen Animationen, die umfangreiche Vertonung und die vielen bekannten Elemente aus dem Captain-Tsubasa-Universum sorgen dafür, dass sich das Spiel tatsächlich wie eine interaktive Anime-Episode anfühlt. Lediglich der Einstieg hätte etwas weniger hektisch ausfallen dürfen. Die ständig aufploppenden Tutorials überfordern gerade zu Beginn und bremsen den Spielfluss. Wer diese erste Hürde übersteht, bekommt jedoch ein ungewöhnliches Fußballspiel, das seine ganz eigene Nische gefunden hat. Für Anime- und Captain-Tsubasa-Fans ist WORLD FIGHTERS damit ein Volltreffer. Für Freunde klassischer Fußballsimulationen hingegen eher ein spektakulärer Schuss, der deutlich über das Tor hinausfliegt.
- Momente des Animes werden lebendig
- Eigener Charakter wird in die Geschehnisse eingeflochten
- Eigene Art Fußballspiel
- Fette Animationen
- Spielfluss wird durch viele Animationen unterbrochen
- Viele Tutorials und trotzdem muss man einiges selber herausfinden
- Eigene Art Fußballspiel
- Wechselhafter Schwierigkeitsgrad
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Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.


