

Hell Let Loose: Vietnam im Test: Der Dschungel kennt keine Gnade
Das Genre der MilSim-Shooter gewinnt in den letzten Jahren an Bedeutung. Wo Milsim-Fans sich früher hauptsächlich mit Arma und Operation Flashpoint beglückten, hat sich mit Titeln wie Squad, WarDogs und Hell Let Loose eine neue Sparte für Shooter-Enthusiasten aufgetan, die nicht nur ballern, sondern auch taktieren möchten. Jetzt legt Team17 mit Hell Let Loose: Vietnam nach und springt vom 2. Weltkrieg in die Ära der 60er und 70er und wechselt zeitgleich auf die Unreal Engine 5. Wie dieser Wechsel geglückt ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Bekannte Formel, Anpassungen im Detail
Das Grundgerüst von Hell Let Loose bleibt trotz Vietnam-Setting größtenteils unberührt. Wir haben es mit einem Combined-Arms-Milsim-Shooter zu tun, in dem sich 2 Teams mit jeweils 50 Spielern gegenseitig von der Karte verdrängen wollen. Spielkarten werden in Abschnitte, sogenannte Softcaps, eingeteilt, in denen es jeweils einen Hardcap gibt. Wenn ein Team die Überzahl in einem umstrittenen Abschnitt hat, hält es diesen oder verdrängt das feindliche Team zu seinem nächsten Abschnitt.
Wo sich Teams in Hell Let Loose mit vergleichbaren Mitteln gegenüberstanden, ist Hell Let Loose: Vietnam asymmetrischer in seinem Ansatz. US-Marines haben Zugriff auf Helikopter, Boote und Panzer. Mit diesen können sie sich schnell und aggressiv über Maps bewegen. Auf der anderen Seite steht die vietnamesische Volksarmee, die der motorisierten Übermacht mit Raketenwerfern, Minen und MG‑Nestern entgegensteht. Ihr Vorteil entsteht durch das Errichten von Tunnel-Netzwerken. Diese verknüpfen Spawn-Punkte miteinander und erlauben ihrem Team, sich schnell und ungesehen über die Spielkarte zu bewegen.

Strukturen innerhalb des Teams
Das alleine wäre noch etwas dröge, deshalb kommt Hell Let Loose: Vietnam mit einem Klassensystem und einer Kommunikationshierarchie daher. Auf der untersten Ebene dieser Hierarchie können Spieler, die in unmittelbarer Nähe voneinander stehen, direkt miteinander sprechen. Auf der Ebene darüber finden sich Spieler in Squads aus bis zu 6 Spielern zusammen. In diesen Squads gibt es immer einen Squadleader und einen Squad-Sprachkanal. Zu guter Letzt stehen auf der obersten Kommunikationsebene alle Squadleader und ihr Team-Commander im sogenannten Command-Chat.
Damit alle Spieler im Chaos des Gefechts den Überblick behalten und gemeinsam koordinierte Angriffe und Verteidigungen bewältigen, behält der Commander einen Blick auf das Gesamtgeschehen des Gefechts. Gemeinsam mit seinen Squadleadern tauscht er Informationen aus, stellt eine Strategie auf und weist Aufgaben zu. Diese werden dann Squadleadern und ihren Squads zugeteilt. Damit alles glatt läuft und Runden gewonnen werden, muss also nicht nur gut geschossen werden. Informationen müssen von ganz unten in der Kommunikationskette nach ganz oben weitergegeben werden und dann gegebenenfalls wieder zurück.

Aufbau eines Infanterie-Squads
Squads kommen in unterschiedlichen Ausführungen daher. Fahrzeug-Squads können Panzer und Patrouillen-Boote bedienen. Besonders Panzer-Squads sollten mindestens von zwei Spielern besetzt sein, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Helikopter-Squads stehen nur den US-Marines zur Verfügung. Sie benutzen Helikopter, um Truppen und Vorräte schnell hinter feindliche Linien zu transportieren, und halten mit ihrer hohen Mobilität das Spielgeschehen dynamisch. Boote fungieren als Team-Spawn, geben Feuerunterstützung, sind dafür aber in ihrem Bewegungsspielraum eingeschränkt. Aufklärungs-Squads sind streng limitiert. Hier finden sich die einzigen Sniper. Statt ein ganzes Match lang nur Abschüsse zu farmen, sollen Aufklärungs-Squads ungesehen hinter feindlichen Linien agieren, um dort feindliche FOBs, Resupply-Points und Mörser-Squads zu stören. Sie bremsen das feindliche Team aus und informieren ihr eigenes über Truppenbewegungen und mögliche Gefahren. Zu guter Letzt: Mörser-Squads. Diese wollen fern der Frontlinien dem eigenen Team mit indirekter Feuerunterstützung helfen. Damit diese nicht ihr eigenes Team treffen, ist es wichtig, sie immer über aktuelle Feindpositionen zu informieren.

Zu all dem kommt noch die breite Masse des Teams, nämlich die Infanterie-Squads, dazu. In jedem Infanterie-Squad gibt es einen Squadleader. Er ist der einzige Spieler des Squads, der über den Commander-Kanal mit anderen Squadleadern und dem Commander kommunizieren kann. Außerdem kann er Außenposten als Respawn-Punkte für sein Squad sowie Forward Operating Bases, kurz FOBs, für das gesamte Team errichten. Der Spezialist stellt die dafür notwendigen Ressourcen bereit. Seine Aufgabe ist, die nötigen Baumaterialien zur Verfügung zu stellen, wenn er nach diesen gefragt wird. Der Job des Sanitäters ist, seine Verbündeten so lange wie möglich im Spiel zu halten und dadurch Verteidigungen und Angriffe am Laufen zu halten. Alle Infanteristen spawnen mit 2 Medi-Kits, der Sanitäter hat unendlich viele Verbände bei sich und obendrein die Möglichkeit, einen ausgeschalteten Verbündeten wiederzubeleben. Der Maschinengewehrschütze hat als einziger Infanterist Zugriff auf leichte und schwere Maschinengewehre. Er kann seinem Squad Feuerschutz geben und im Fall der VVA ein schweres Anti-Air-MG nutzen, das US-Helikopter zerstören kann. Grenadiere haben entweder Zugriff auf Granatwerfer oder Raketenwerfer und eignen sich dadurch gut dafür, feindliche Fahrzeuge auszuschalten. In der Regel mangelt es ihnen an Munition, weshalb sie gerne in Begleitung von Spezialisten auf Fahrzeug-Jagd gehen. Pioniere errichten Verteidigungsanlagen und legen Minen, von denen sie wiederum Vorräte vom Commander oder Unterstützern brauchen. Gewehrschützen kommen ohne irgendwelche besonderen Spezialisierungen daher, können dafür aber immer gewählt werden.

Es rauscht und ruckelt im Urwald
Für unseren Leistungstest haben wir Hell Let Loose: Vietnam auf unterschiedlicher Hardware wie Laptops und Tower-PCs, mit Einsatz von Nvidia- und AMD-Grafikkarten und unterschiedlichen Prozessoren getestet. Das Endergebnis ist durchmischt. Das Gute voran: Solange ein Mittelklasse-Prozessor aus den letzten 6 Jahren und eine Grafikkarte mit mindestens 8 GB Grafikspeicher aus den letzten 7 Jahren zum Einsatz kommen, lässt sich das Spiel mit einigen Einbußen flüssig spielen. Die schlechte Nachricht: Diese Einbußen können deutlich sichtbar sein, da die resultierende Bildqualität einiges zu wünschen übrig lässt.
Egal, ob wir Nvidias DLSS oder AMDs FSR als Upscaler nutzen, das resultierende Bild neigt dazu, pixelige Artefakte zu bilden, besonders wenn dichte Urwald-Flora auf Raucheffekte trifft. Ebenfalls fällt störend auf, wie häufig Nebel- und Schatteneffekte flackern oder Schlieren bilden. Hier zeigen sich die Stärken und Schwächen der Unreal Engine 5. Für kleine bis mittelgroße Entwicklerteams kann die Engine eine solide technische Basis bilden, um eigene Konzepte und Ideen zu realisieren. Dafür ist die Engine für ihre hohen Hardwareanforderungen und teilweise unsaubere Optik bekannt. Wir würden jedem Spieler dazu raten, sich vor dem Kauf über die Performance seiner Hardware in diesem Titel zu informieren.

Fazit
Hell Let Loose: Vietnam erfüllt unsere Erwartungen in einigen Bereichen, bleibt in anderen jedoch hinter ihnen zurück. Einerseits gelingt es dem Spiel, die bewährten Gameplay-Mechaniken von Hell Let Loose in die Ära des Vietnamkriegs zu portieren und so anzupassen, sodass eine eigenständige Spielerfahrung entsteht. Das strategische Zusammenspiel von großen Teams bleibt weiterhin reizvoll und bietet einiges an Tiefe, während die Progression und das neue Pick-Six-System zum Experimentieren mit Loadouts einladen. Trotzdem bleibt Hell Let Loose: Vietnam ein komplexer, zeitweilig frustrierender Shooter, der von seinen Spielern ein höheres Zeit-Commitment fordert, um seinen vollen Reiz zu entfalten. Ob dieser Reiz für wiederkehrende Spieler des Vorgängers groß genug ausfällt, bleibt abzuwarten.
- Strategisches Teamplay
- Kommunikation als Kernmechanik
- Umfangreiche Sandbox
- Einfacher Einstieg im Vergleich zum Vorgänger
- Einfacher Einstieg im Vergleich zum Vorgänger
- Instabile Perfomance
- Wenig Inhalt
Teile diesen Beitrag

Nic wurde in seiner frühen Jugend auf den Dopaminkick gefixt, den eine neue mediale Erfahrung mit sich bringt. Um diese Sucht zu befriedigen, sucht er im Bereich der Videospiele das Ungewöhnliche, Exzentrische und Abgehobene. Zu seinen Lieblingen zählen die Metal Gear Solid - Serie, Max Payne 3, Mirrors Edge, Hunt: Showdown und Hotline Miami.