Review

Imp of the Sun im Test: Ein Funke in der Sonnenfinsternis

Von Simone Jung am 19. April 2022
Publisher: Fireshine Games
Release: 24. März 2022
Genre: Jump 'n' Run
Entwickler: Sunwolf Entertainment
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 6

Passend zum einen Teil des eigenen Namens hat das Entwicklerstudio Sunwolf Entertainment nun seinen 2D-Action-Plattformer Imp of the Sun auf den Markt gebracht. Wir wiederum haben uns in das feurige Metroidvania-Abenteuer gestürzt. Ob wir das Sonnenbad genießen konnten oder uns dabei vielleicht doch die Finger verbrannt haben, erfahrt ihr selbstverständlich in unserem Test.

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Die dunkle Bedrohung

Die Ausgangsbasis von Imp of the Sun ist gewiss keine sonderlich heitere. Die Welt droht nämlich endgültig im Schatten der ewigen Sonnenfinsternis zu versinken. In einem verzweifelten Ringen bündelt der nahezu vollständig seiner Macht beraubte Sonnengott seine verbliebene Kraft in einem letzten Hoffnungsträger: Dem kleinen Feuerkobold Imp.

Unverhofft findet sich das so entsandte Feuerwesen im Zentrum des bedrohten Reiches des Sonnengottes wieder. Die gebeutelten Bewohner, deren Schicksal nun in Imps Händen liegt, nehmen seine Ankunft allerdings mit gemischten Gefühlen auf. Zwar gibt ihnen das Lebenszeichen des Sonnengotts selbstredend Hoffnung und doch erscheint sein Funke eben so winzig klein im Vergleich zu den mächtigen Hüterwesen, die in allen vier Himmelsrichtungen des Reiches verstreut sind – und die es zu besiegen gilt, um die ewige Sonnenfinsternis zu vertreiben.

Doch das kämpferische Feuer lodert nicht nur sinnbildlich im Innersten von Imp und so macht er sich trotz seiner geringen Größe vollauf entschlossen auf, um sich den Hüterwesen zu stellen. Denn er hat nun mal die vom Sonnengott aufgetragene Mission zu erfüllen: Das strahlende Sonnenlicht muss endlich in die Welt zurückgebracht werden!

Hier kommt die Sonne

Erneut schlüpfen wir also in die Rolle eines im wahrsten Sinne des Wortes strahlenden Helden, der den nahenden Weltuntergang verhindern muss. Hierbei lässt Imp of the Sun zunächst aber natürlich noch offen, wie es zu dieser Bedrohung überhaupt gekommen ist. Im Verlauf des Spielgeschehens können wir dieser Frage weiter auf den Grund gehen, indem wir insbesondere Schriftrollen, so genannte Quipus, sammeln. Haben wir einen solchen Quipus gefunden, können wir uns diesen schließlich von einer unserer ersten Bekanntschaften, nämlich der alten Dame in unserem Ankunftsdorf, inklusive teils witziger Wortscharmützel übersetzen lassen.

Da wir Imps Abenteuer nicht linear erleben, sondern das Reich des Sonnengottes nach Lust und Laune frei unter die Lupe nehmen, ist natürlich auch die Erzählung der Geschichte nicht in einer fixen Reihenfolge vorgegeben. Zumal wir die Schriftrollen ja auch erst einmal finden müssen, denn nicht jede liegt einfach so mitten auf unserem Weg herum, sodass wir schon zwangsläufig darüber stolpern. Im entsprechenden Menü erhalten wir aber erfreulicherweise zu jedem Quipus einen Hinweis, wo dieser ungefähr zu suchen ist.

Die Geschichte von Imp of the Sun liefert einen guten Rahmen, um verschiedene Gebiete zu integrieren, da ja unser kleiner Kobold vom Dorf aus in alle Himmelsrichtungen zu den jeweils dort lebenden Hüterwesen reisen muss. Sowohl das Dorf als auch jedes der zu bereisenden Gebiete ist wie bei Degrees of Separation in einer 2D-Perspektive in wirklich charmanter Comic-Optik gehalten. Trotz der düsteren Ausgangsbasis einer allgegenwärtigen Sonnenfinsternis herrscht hierbei grundsätzlich eine sehr farbenfrohe Gestaltung vor, die wunderbar zu einem strahlenden Reich eines Sonnengottes passt. Das Setting ist an das Inka-Reich angelehnt und findet sich durchgängig in allen Gebieten wieder. Die Bereiche selbst sind ebenfalls ein sehr schöner Blickfang und unterscheiden sich je nach ihrer geologischen Lage stark voneinander, was definitiv für gute Abwechslung sorgt.

Genauso unterschiedlich wie die einzelnen Gebiete in ihrer Optik sind, variieren sie ebenfalls in ihrer Rätsel- und Gegnercharakteristik. So ist das Hauptmerkmal der Wüste natürlich Sand und wir plagen uns unter anderem mit riesigen Sandwürmern herum, die unter unseren Füßen aus dem Boden schießen, während wir im Dschungel stets Wasser um uns herum haben und uns gegen Wasserwesen verteidigen müssen, die uns auch mal mit Geschossen nach dem Leben trachten.

Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her

Die Rätselbasis ist in allen Gebieten erst mal dieselbe simple, da wir entweder Schlüssel finden oder Schalter umlegen müssen, um den Weg zu öffnen, und ganz im Stile eines Plattformers vor allem zahlreiche Kletterpassagen bewältigen – gerne auch auf Zeit. Gerade bei den Kletterpassagen machen sich dann die regionalen Unterschiede bemerkbar. Im Gebirge führen uns zum Beispiel präzise Sprünge auf wackeligem Boden verstärkt immer weiter nach oben, wohingegen wir im Höhlensystem der Unterwelt selbst Licht ins Dunkel bringen, indem wir Fackeln anzünden, mit denen wir uns unter anderem unsere Brotspur legen, um uns nicht zu verirren.

In jedem neuen Bereich erlernt Imp recht schnell nach dem Betreten in einem separaten Abschnitt eine neue Fähigkeit, die uns das weitere Fortkommen generell ermöglicht oder es uns zumindest deutlich erleichtert. Hier lässt sich beispielsweise die Rauchform nennen, mit der wir durch manche Begrenzungen schlüpfen können, was ohne sie nicht möglich wäre, oder das langsame Runterrutschen an der Wand, anstatt sofort abzustürzen.

Durch das Sammeln von goldenen Lichtkugeln lassen sich auch Imps Kampfskills am Boden und in der Luft verbessern, sodass wir die Gegner mit ordentlichen Hieben bearbeiten können. Die Angriffe selbst sind dabei zwar auch wieder bei allen Angreifern gleich, aber je nach Gegnertyp sind dennoch Besonderheiten zu beachten. So bringt es natürlich zum Beispiel nichts, wenn wir stur auf den Schild des Feindes eindreschen. Stattdessen müssen wir uns zunächst einen Weg dahinter bahnen und dann von dort aus unseren Angriff starten, um effektiv zu sein.

Nun klingt das alles im ersten Moment nicht so sonderlich komplex, aber nichtsdestotrotz hat es der Schwierigkeitsgrad klar in sich. Sowohl verschiedene Kletterpassagen, insbesondere solche auf Zeit, als auch manche der Kämpfe, hierbei hauptsächlich die Bosskämpfe, sind oftmals knifflig bis schwer. Auch ist leider manchmal die Steuerung doch etwas unpräzise, obwohl sie grundsätzlich aber schon recht griffig ist. Geübte Jump-’n’-Run-Veteranen dürften mit den genannten Punkten zum Thema Schwierigkeit natürlich weniger Probleme haben. Für neue oder gelegentliche Spieler dieses Genres hingegen kann der teils gehobene Schwierigkeitsgrad aber schon deutlich den Spielfluss hemmen. Gerade zu Beginn des Spiels hält Imp nämlich noch nicht so viel aus und es kann daher schneller als einem lieb ist frustrieren, wenn man sich schon wieder unverrichteter Dinge an der Ausgangsbasis oder am Checkpoint wiederfindet. Je nach vorhandener Übung sollte man also bei Imp of the Sun durchaus ein bisschen Frust-Resistenz mitbringen. Im Spielverlauf machen sich aber auch für ungeübtere Spieler Fortschritte erkennbar. Neben dem reinen Lerneffekt verdienen wir durch das Besiegen von Gegnern nämlich Punkte, mit denen wir Imp noch weiter aufleveln können. Ein stärkerer Angriff, eine höhere Lebensenergie und ein länger reichendes inneres Feuer, mit dem wir sowohl Spezialfähigkeiten nutzen als auch uns selbst heilen können, machen uns das Leben letztendlich doch um einiges leichter. Und jeder besiegte Bossgegner bringt uns zudem noch einmal eine weitere neue Fähigkeit ein.

Hängen wir aber doch einmal zu sehr, zum Beispiel an einem der fiesen Bossgegner, müssen wir uns dort nicht auf Biegen und Brechen festbeißen. Da wir die Welt, wie bereits erwähnt, komplett frei bereisen dürfen, können wir der schwierigen Stelle nämlich für den Moment auch erst mal den Rücken kehren und später noch einmal stärker und gewachsener wieder kommen, um die ausstehende Sache eben dann zu Ende zu bringen. Zumal man durch das Respawnen von Gegnern an der einen oder anderen praktischen Ecke auch recht leicht etwas grinden kann und man stets im Hinterkopf behalten sollte, dass wir für jedes Ableben ein paar der in den Kämpfen verdienten Punkte wieder verlieren. Letztere machen sich schließlich in Imps Entwicklung definitiv besser als sie einfach ungenutzt ins Nirvana verpuffen zu lassen.

In Peru in Peru in den Anden

Neue Gebiete müssen wir zunächst komplett neu erschließen. Haben wir aber dort die versteckte Karte gefunden, steht uns fortan die Schnellreise hierfür zur Verfügung, die das freie Bereisen der Welt somit gut unterstützt. Als Reisepunkte dient uns hier der Geist des selbsternannten, größten Entdeckers des Landes Qari, der pro Gebiet an vier Stellen die Stellung hält. Des Weiteren übernimmt er auch die Rolle des Checkpoints und der automatischen Speicherung. Zusätzlich können wir bei Qari die gesammelten Punkte in das Fähigkeitsupgrade von Imp investieren und wir sollten auch immer wieder mit ihm reden, da er an jeder Station andere nützliche Tipps für uns bereit hält. Weitere Hinweise erhalten wir außerdem von einem kleinen Mädchen aus unserem Ankunftsdorf, da sie mit uns quasi per Funk in Verbindung steht. Auch sie hat noch eine weitere Funktion inne, denn bei ihr können wir gefundene Sammelgegenstände aus den Gebieten verkaufen. Die so gewonnenen Punkte lassen sich dann wiederum ebenfalls in Imps Fähigkeiten stecken.

Während unser Feuerkobold selbst die ganze Zeit über stumm bleibt, wurden unsere Gesprächspartner vertont. Allerdings sprechen sie in ihrer eigenen, nicht real existierenden Sprache, die an das Gemurmel aus Okami erinnert und trotz unverständlicher Laute für Atmosphäre sorgt. Die Sprache der Menütexte ist in diversen Sprachen verfügbar.

In der Soundkulisse des Spiels findet sich das bereits in der Optik aufgegriffene Inka-Setting ebenfalls wieder und untermalt dieses sowie die jeweilige Umgebung sehr stimmungsvoll. Ein nettes Detail hierzu findet sich auf der Homepage der Entwickler, denn dort kann man in den kompletten Soundtrack hinein hören.

Das Spiel läuft durchgängig flüssig, doch bei großen Gegnerhorden machen sich oftmals kleine Ruckler bemerkbar, die der Vollständigkeit halber zwar erwähnt werden müssen, uns im Spielgeschehen aber nicht sonderlich stark gestört haben. Ebenso wie ein Bug an einer Stelle, bei dem der Sandwurm einer Gegnerwelle zunächst voll im Angriff ist, urplötzlich verschwindet und dann wieder aus heiterem Himmel, weiterhin im Attackieren, nachgeladen wird.

Die Spielzeit beläuft sich, je nach vorhandener Übung des Spielers, auf circa sechs bis zehn Spielstunden. Imp of the Sun bietet aber auch genügend Langzeitmotivation. Wie bei einem Metroidvania üblich, erlernt unser Held, wie bereits ausgeführt, erst nach und nach Fähigkeiten, die ihm den Zugang zu allen Bereichen der Gebiete ermöglichen. Demnach sind Backtracking und die Jagd nach den Quipus und Sammelgegenständen bei einem neuerlichen Erkunden der zuvor noch verschlossenen Ecken ausdrücklich erwünscht. Zusätzlich können wir uns auf die Jagd nach Trophäen begeben, indem wir verschiedene Herausforderungen meistern und/oder, wenn uns danach ist, das Spiel auch noch einmal in einem schwereren Modus abschließen.

Fazit

Die strahlende Comic-Optik von Imp of the Sun inklusive des knuffigen Helden gefällt mir wirklich sehr gut. Auch der Soundtrack ist richtig gut gelungen. Da ich Jump-’n’-Run-Titel aber eher gelegentlich spiele, hat mich der Schwierigkeitsgrad doch manchmal etwas herausgefordert. Gerade zwei Passagen waren ziemlich nervig, weil ich ewig nicht vorangekommen bin. Auch die Bossgegner hätte ich natürlich gerne in einem Schwung mit dem Beenden eines Levels besiegt, was mir aber leider nicht bei allen sofort gelungen ist. Aber bevor der Frustlevel aufgrund der Zähigkeit letztendlich zu hoch war, hat sich jedes Mal doch wieder ein Erfolgserlebnis eingestellt, sodass ich nie endgültig die Motivation verloren habe. Trotz des teils anspruchsvollen Schwierigkeitsgrads hatte ich alles in allem wirklich viel Spaß mit Imp of the Sun.

Pro:
  • Charmante Comic-Optik
  • Farbenfrohe Gestaltung
  • Abwechslungsreiche Gebiete
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Langzeitmotivation durch Sammelgegenstände und Trophäenjagd
  • Gute Herausforderung für geübte Spieler
Contra:
  • Gelegentliche Ruckler bei Gegnerhorden
  • Manchmal etwas unpräzise Steuerung
  • Frustpotenzial durch anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad für neue und gelegentliche Spieler
Story
3 von 5 Buddies
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox Series X

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Konsolenzockerin seit der Kindheit, bevorzugt auf der PlayStation. Zu den Lieblingsspielreihen gehören Grandia, Project Zero, Tomb Raider, Uncharted und Tekken, aber es finden auch gerne mal Indie-Titel den Weg auf den Bildschirm.

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