Review

Little Nightmares 2 im Test: Bizarre Kreaturen und die eigenen Ängste

Von Marvin Kolb am 10. März 2021
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Release: 11. Februar 2021
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Tarsier Studios
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One | Stadia
USK Altersfreigabe: 16

Little Nightmares 2 schickt den Spieler in eine düstere Welt, in der hinter jeder Abzweigung der Tod lauert. Ob es das Spiel schafft, die Urängste der Spieler anzuzapfen und ob sich das Adventure mit dem kultigen Vorgänger messen kann, gilt es nun herauszufinden.

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Den Alpträumen ausgeliefert

In Little Nightmares 2 findet sich der Spieler in einer grauen, tristen und trübseligen Welt wieder, die so gefährlich, wie atmosphärisch dicht daherkommt. Ganz im Stile von Limbo gilt es sich von Schauplatz zu Schauplatz zu rätseln und dabei tödlichen Fallen und gruseligen Gegnern auszuweichen, oder diese auszutricksen.

Protagonist ist der kleine Mono, der durch den Bildschirm eines alten Röhrenfernsehers in die Spielwelt gezogen wurde, aus der es nun zu entkommen gilt. Schon früh im Spiel wird ihm ein junges Mädchen zur Seite gestellt, die sich mit ihm im Überlebenskampf verbündet. Ab jetzt ist Teamwork gefragt.

Wer den Vorgänger spielen durfte wird Six bereits kennen, denn sie war die Protagonistin des ersten Teiles. Hier lässt das Game leider etwas Potential liegen, denn die Beziehung zwischen den beiden Charakteren wird nicht weiter vertieft oder herausgearbeitet. Hier hätte die Story eine ganze Menge mehr Tiefe erreichen können.

Schon recht schnell fällt auf, dass die Levelabschnitte durchdachter und besser in Szene gesetzt sind. Konnte schon der erste Teil durch eine gelungene alptraumhafte Atmosphäre überzeugen, so legt Little Nightmares 2 noch mal eine gehörige Schippe obendrauf. In der sehr linearen und kurzweiligen Story wird der Spieler durch eine Vielzahl schaurig-schöner Szenerien geführt. Von einer nicht ganz so verlassenen Schule bis zur nebligen Sumpflandschaft wird hier einiges aufgeboten. Scheint die Spielzeit auf den ersten Blick recht kurz, so muss man doch sagen, dass es mehr als beachtlich ist, an welch unterschiedliche und kreative Schauplätze einen die kurze Reise führt.

Auch wenn das Spiel sehr geradlinig ist, lädt es an manchen Stellen zum Erkunden ein. Neben einigen wenigen Kopfbedeckungen kann man hier vor allem die sogenannten “fragmentierten Überreste” finden. Eine Art verzerrte Hologramme.

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Angst und Schockmomente

Dabei sind die einzelnen Abschnitte mit beeindruckend gescripteten Schockmomenten garniert und abwechslungsreich gestaltet.

Auch die Rätsel können sich sehen und spielen lassen. Die recht überschaubare Spielzeit kommt dem Adventure hier sicherlich zugute, denn Wiederholungen gibt es nur selten. Jedes Rätsel hat eine eigene Mechanik und bevor diese überstrapaziert und bis zur Langeweile wiederholt werden kann, gibt es bereits eine neue Knobelei zu lösen.

Da alles nach dem Leben des Spielers trachtet, sind die einzelnen Passagen dann oft mit schwitzigen Händen unter Zeitdruck zu lösen, was für den extra Kick sorgt.

Dabei greift der Protagonist auf ein überschaubares Arsenal an Aktionen zurück. Springen, Ducken, Festhalten und eine Aktionstaste. Was sich anfangs simpel anhört, reicht vollkommen aus für die im Spiel verteilten Rätsel. Neu gegenüber dem Vorgänger sind zwei Dinge: zum ersten bekommt der Spieler nun durch den neuen Sidekick eine echte Hilfe zur Seite gestellt und damit auch eine neue Spieltiefe. Denn nun gilt es zwei Personen in die Lösung verschiedener Rätsel mit einzubeziehen. Zum zweiten kann sich Mono nun zum ersten Mal aktiv wehren. Hat er einen geeigneten Gegenstand, beispielsweise einen schweren Hammer, zur Hand, so kann er sich mit einem gut abgepassten Schlag gegen herannahende Gegner zur Wehr setzen. Dies geschieht allerdings sehr selten und immer als Teil eines Rätsels. Zudem können manche Fallen so umgangen werden, dass Gegner ihren Weg in diese finden.

Vor Spielbeginn sollte man eines wissen: viele Rätsel lösen sich erst nach mehrmaligen Fehlversuchen und einigen gewaltsamen Toden. So muss man hier eine gewisse Grundgeduld einplanen, bevor man sich an den Titel wagt.

Die für Rätsel verwendeten Spielmechaniken werden dabei sehr natürlich und interessant in das Spiel eingebunden. Es gibt weder ein ausladendes Tutorial, noch nervige Textblöcke, die dem Spieler etwas verständlich machen wollen und dadurch den Spielfluss stören. Man findet die wichtigen Dinge ganz einfach durch ausprobieren heraus, sowie durch eine sorgsame Beobachtung der Umwelt. Scheucht man beispielsweise einen Vogel auf, so wird dadurch ein Gegner auf uns aufmerksam. Dies passiert einem dann kein zweites Mal.

Dabei spielt sich Little Nightmares 2 weitaus flüssiger und intuitiver als noch der Vorgänger. Alles geht einfacher von der Hand, ist weicher animiert und scheint generell ausgereifter als noch beim ersten Teil. Die neuen Spielmechaniken, die sich daraus ergeben, dass Mono nicht mehr alleine durch die alptraumhaften Welten streicht, peppen das Ganze dann nur noch weiter auf.

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Schaurig schön und voller Atmosphäre 

Little Nightmares 2 ist eine wirklich einzigartige Spielerfahrung. Hauptrolle spielen dabei die bereits erwähnten, gut ausgearbeiteten und grafisch simpel, aber eindrucksvoll in Szene gesetzten Bereiche. Einen großen Teil zum Spielerlebnis trägt da sicherlich der überdurchschnittlich gute und stimmige Soundtrack bei.

Auch die Präsentation der Story kann sich sehen lassen. Dabei haben Tarsier Studios aus der Not eine Tugend gemacht und sich auf wirklich einfachste Mittel beschränkt. So fällt während der gesamten Story kein einziges Wort. Die Bilder, in denen die Geschichte erzählt wird sind dafür umso beeindruckender. Damit bleibt das Spiel dem Stil, der im Vorgänger etabliert wurde, treu und verfeinert diesen an vielen Stellen merklich.

Behält man im Hinterkopf, dass Little Nightmares 2 ein Indiespiel ist, so muss vor der Präsentation wirklich der Hut gezogen werden. Klar könnte grafisch etwas mehr drin sein, aber das Spiel schafft es mit einfachsten Mitteln eine sehr große Wirkung zu erzielen. Viele der Schauplätze bleiben auch nach dem Durchspielen positiv in Erinnerung und einige der netten Hintergründe, die es zu entdecken gilt, zeugen von großer Sorgfalt und Liebe zum Detail. So wünscht man sich ein Indiespiel! 

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Der Name ist Programm 

Viele Horrorspiele scheitern am Vorsatz wirkliche Ängste im Spieler hervorzurufen. Oft wirken Szenarien und Gefahren einfach nicht bedrohlich. Ganz anders in Little Nightmares 2. Häufig spielen die Schauplätze mit den Urängsten des Spielers und wissen diese gekonnt einzusetzen. Zudem kommen die Tode des Protagonisten  sehr schnell und unerwartet, was den Spieler immer auf der Kante des Sitzes halten wird. Man traut sich keinen Schritt zu tun, ohne dabei Angst um das eigene Leben zu haben.

Hier liegt die allergrößte Stärke des Spiels. Es geht ums nackte Überleben und selten war dieser Kampf so gut umgesetzt wie hier. Dabei sind die Trial and Error Passagen immer mit sehr fairen Checkpoints versehen, sodass durch den kompletten Spielverlauf der Wille weiterzukommen immer über den Frust siegt.

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Fazit

Kann man mit der überschaubaren Spielzeit von circa sechs Stunden und dem teils Geduld kostenden Trial and Error – Spielprinzip leben, dann erwartet einen mit Little Nightmares 2 eine richtige Perle. Eine wirklich unbeschreibliche Atmosphäre trifft auf perfekt ausbalancierten Rätselspaß. Eine bewegende, wenn auch simple Geschichte wird dabei audiovisuell großartig, aber minimalistisch, erzählt. Dabei schafft das Spiel auch, was so wenigen Spielen gelingt: es hat aus den Fehlern des Vorgängers gelernt und spielt sich runder, fairer und insgesamt schöner.

Inhaltlich geht das Spiel an wirkliche Urängste und zerrt an Nerven und Belastbarkeit des Spielers. Wer sich diesem Alptraum stellen will, der bekommt ein sehr rundes Adventure, das zwar kurzweilig ist, aber sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Pro:
  • Fordernde, aber nie frustrierende Rätsel mit fairen Rücksetzpunkten
  • Präsentation und Atmosphäre sind rundum großartig
  • Positive Neuerungen zum Vorgänger
Contra:
  • Recht kurze Spielzeit von circa sechs Stunden
  • Bei der Story wird etwas Potential liegengelassen
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
4 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

8.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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