Review

Mario Strikers: Battle League Football im Test – kein Schiedsrichter vorhanden?!

Von Tjark Würstlein am 28. Juli 2022
Publisher: Nintendo
Release: 10.06.2022
Genre: Sport | Party
Entwickler: Next Level Games
Verfügbar für: Switch
USK Altersfreigabe: 6

Ein Platz, ein Ball, zwei Tore und zwei Mannschaften – klingt erstmal ziemlich nach Fußball und doch ist Mario Strikers etwas anders. Der nunmehr dritte Teil dieser Mario-Sportreihe ist jetzt auf der Nintendo Switch erschienen. Was es damit auf sich hat und was ihr erwarten könnt, erfahrt ihr im Test.

Ist das noch Fußball?

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Nach den Erscheinungen auf dem Gamecube (hier noch unter anderem Namen) und der Wii ist nun der dritte Teil der Fußball-Adaption Marios erschienen und der trägt den klangvollen Namen „Mario Strikers: Battle League Football“. Natürlich sind hier nicht nur die alten Kamellen dabei, sondern auch einige Neuerungen im Gepäck. Welche das sind, wollen wir euch gleich verraten. Doch zunächst eine kleine Einführung, warum es sich eben nicht einfach nur um Fußball handelt. Zunächst ist das Feld, verglichen mit einem realen Fußballfeld, winzig, aber dafür stehen pro Team auch nur fünf Spieler auf dem Feld (vier Feldspieler und ein Torwart), es handelt sich dabei um verschiedene Charaktere, die allesamt aus dem Mario Universum stammen. Die Regel, den Ball nur mit dem Fuß zu bewegen, scheint ebenfalls optional, zumindest nimmt Wario den Ball sofort in die Hand – und ob man bei einem Affen wie Donkey Kong jetzt von Füßen oder Händen spricht, ist eh Auslegungssache. Einen Schiedsrichter, den solche Aktionen stören könnten, suchen wir aber auch vergebens. Außerdem kann jeder Charakter seinen Schuss wie magisch aufladen und dadurch die faszinierendsten Bananenschüsse oder sogar Hyperschüsse „abfeuern“. Abgerundet wird das Ganze von den bekannten Itemboxen, die wie in Mario Kart allerhand unterschiedliche Gemeinheiten oder Hilfen beinhalten können. Mit normalem Fußball hat das also, bis auf den Grundaufbau, wenig zu tun.

Vollwertige Teams, vollwertige Action

Wie oben bereits erwähnt, gibt es Neuerungen im Vergleich zu den beiden bereits erschienen Teilen. So gibt es zum Beispiel keine „Nebencharaktere“ mehr, das heißt, das Team besteht aus vier vollwertigen Mario Charakteren, die aus der Liste der spielbaren frei (auch mit Dopplungen bei Toad und Yoshi) gewählt werden können. Früher gab es nur einen Teamkapitän, wie Mario, und als Unterstützung Boos, Koopas oder Ähnliches. Der Torwart ist allerdings fest und jedes Mal gleich. Dadurch kann aber auch jeder Feldspieler die berüchtigten Hyperschüsse abfeuern, die ein kleines Quicktime-Event auslösen und uns, sofern erfolgreich, ganze zwei Tore bescheren. Belohnt werden wir zusätzlich mit einer eindrucksvoll dargestellten Animation und einem Schuss, der, selbst wenn er nicht trifft, besondere Effekte, wie zum Beispiel ein Ausknocken der Gegner durch wildes Umherspringen auf dem Spielfeld, mit sich bringt. Damit diese Mechanik nicht zu häufig oder gar ausschließlich genutzt wird, müssen wir zuvor ein leuchtendes Power-Up einsammeln, das zufällig auf dem Spielfeld spawnt. Danach erhält unser Team für eine bestimmte Zeit eine Aura, die es ermöglicht, einen Schuss bis zum Hyperschuss aufzuladen. Auch durch andere Maßnahmen wurde die Mechanik etwas abgeschwächt, denn jetzt ist der Treffer nicht mehr garantiert, selbst wenn das Quicktime-Event einigermaßen gut absolviert wurde. Der Torwart hat nun noch die Chance, den Ball abzuwehren, das wird schwerer, je besser die Zielbereiche während des Schusses getroffen wurden. Ein Tackle, der den verheerenden Schuss gänzlich abwendet, kann nun auch noch viel länger angebracht werden.

Welche Werte dürfen es sein?

Anders als im Gamecube-Teil, aber genauso wie in der Wii-Version, hat jeder Charakter Statuswerte. Aber jetzt können diese Werte mit Ausrüstung angepasst werden. So können bis zu vier Ausrüstungsteile angelegt werden, die jeweils einen Wert erhöhen, dafür aber einen anderen verringern. Dadurch lassen sich zum Beispiel Schwächen ausgleichen oder hoch spezialisierte Charaktere erschaffen. Die Ausrüstung wird mit der Ingame-Währung, die wir zum Beispiel durch Siege bekommen, gekauft. Wenn wir einen Charakter in unser Team einfügen, dann können wir auswählen, ob wir ihn mit der gewählten Ausrüstung verwenden wollen, oder ohne, so kann noch dynamischer ein Team gebildet werden. Ein einheitliches Spielfeld gibt es nicht mehr, denn jedes Team wählt seine Hälfte selbst. Das wirkt sich sowohl auf den Untergrund, Kulisse, Fans und Tor-Textur aus. Allgemein sind die Grafik und Animationen, wahrscheinlich auch aufgrund des technischen Fortschritts, viel besser und mehr Details erkennbar. Das sorgt auch für ein flüssigeres Spielerlebnis und bessere Möglichkeiten, gezielt zu agieren.

Auf in die Battle League

An Spielmodi bietet uns Mario Strikers: Battle League eine recht klassische Auswahl. Es gibt einen „Schnelles Spiel“-Modus, in dem man einfach Schwierigkeit und beide Teams auswählt und losspielt, einen Turnier-Modus, bei dem man in mehreren Spielen gegen generierte und auf bestimmte Attribute spezialisierte Teams trifft. Eine Besonderheit und Neuerung stellt der „Strikers Club“, eine Art Online-Liga, dar. Hier können wir entweder einem Club beitreten oder selbst einen erstellen und Leute einladen. Der Kapitän eines Clubs kann hier bestimmen, wie der Name lautet, welches Jersey getragen wird und wie die Arena aussieht. Letzteres lässt sich über spezielle Münzen, die von allen Clubmitgliedern durch Spiele verdient werden, personalisieren. Die Mitglieder können hier für gewünschte Änderungen stimmen, das letzte Wort hat aber der Kapitän. Zusätzlich gibt es einen Ligabetrieb, in dem wir uns in kurzen Saisons mit bis zu vier anderen Clubs direkt vergleichen können. Abschließend gibt es hier erreichbare Achievements, um uns weitere Münzen für den Club einzuheimsen.

Nicht alles rosig im Stadion

Und hier kommen wir auch schon zum größten Kritikpunkt von Mario Strikers: Battle League: dem Umfang. Das Spiel hat eine gute technische Weiterentwicklung seit dem letzten Teil gemacht. Auch das freie Zusammenstellen aus „vollwertigen“ Charakteren ist sehr begrüßenswert, aber die geringe Anzahl der Spielfiguren fällt dadurch nur umso schneller auf. Das Wählen der eigenen Arenahälfte ist zwar auch visuell ganz nett, aber spielerisch macht es absolut keinen Unterschied. Und die KI (vor allem der Torwarte) hat definitiv keine große Weiterentwicklung gemacht, hier sind weiterhin Sprünge in der Schwierigkeit zu bemerken. Die Spielmodi sind ebenfalls sehr überschaubar und halten wenig Überraschung oder Abwechslung bereit.

Fazit

Der neuste Mario Strikers Teil spielt sich wunderbar flüssig, sieht gut aus und hat einige sinnvolle Neuerungen. Hat also vom reinen Grundprinzip alles richtig gemacht und macht an sich auch richtig Spaß. Aber der maue Umfang und das Weitertragen alter Schwächen, wie der KI, trüben etwas den Spielspaß. Auch das ständige „Bevorzugen“ durch Freivergabe von Items an Teams, die gerade ein Tor kassiert haben, nimmt etwas die Freude über ein Tor und trägt nur bedingt zum Balancen bei.

Mit dem Online-Modus wurde ein neues großes Spielelement eingefügt, das auch einen guten kooperativen Teil bietet. Dass für die größte Neuerung allerdings ein weiteres kostenpflichtiges Abo benötigt wird, ist bei einem Vollpreistitel auch wieder eher mit einem bitteren Nachgeschmack versehen. Mir hat es, wie auch die meisten Mario Partyspiele, lokal mit (bis zu acht) Freunden auf der Couch am meisten Spaß gemacht. Dass das sogar mit bis zu acht Spielern auf einem System geht, lässt das Ganze sehr gut skalieren. Auch wenn dadurch wie üblich bei Mario-Titeln Freundschaften auf die Probe gestellt werden. Wer also eine kurzzeitige Unterhaltung für die heimische Couch sucht, der ist hier bestens bedient. Für die Langzeitmotivation fehlt aber der Umfang

Pro:
  • Flüssiges Spielgefühl
  • Schöne Animationen
  • Charaktere anpassbar
Contra:
  • Umfang
  • Sprunghafte KI
  • Ligamodus mit Onlinezwang
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Switch

Unsere Wertung:

7.0 / 10
Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

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