Review

Persona 5 Royal – Die Rebellion geht weiter

Von Stephanie Walter am 16. April 2020
Publisher: Atlus
Release: 31. März 2020
Genre: JRPG
Entwickler: Atlus
Verfügbar für: PS4
USK Altersfreigabe: 16

Mit Persona 5 Royal ist ab sofort eine erweiterte Version des RPG-Hits aus dem Hause Atlus zu haben. Wir haben den Rebellen in uns entdeckt und sind erneut den Phantomdieben beigetreten, um für euch herauszufinden, was der Titel an Neuerungen auf Lager hat und ob es sich lohnt, die Gesellschaft ein weiteres Mal zu reformieren.

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Zurück in Tokio

Zwar soll es in unserem Test vor allem um die Neuerungen gehen, die euch erwarten. Für alle, die sich aber zum ersten Mal ins Abenteuer stürzen, gibt es hier eine Zusammenfassung zum Gameplay für euch:

Wir schlüpfen in die Rolle eines Schülers, der gerade erst an die Shujin-Academy gewechselt ist. Unser Held wurde bei der Polizei angezeigt, weil er sich einem Mann entgegenstellte, der eine Frau belästigt hat. Frisch auf Bewährung ziehen wir also bei einem Vormund ein und beginnen ein neues Leben in Tokio. Dieses Leben ist zweigeteilt. Zum einen gehen wir zur Schule und müssen als ganz normaler Schüler auf unsere Noten achten. Dabei bauen wir Fähigkeiten wie Wissen, Güte oder Mut aus, schließen Freundschaften und beantworten Prüfungsfragen im Klassenzimmer. Daneben kommen wir unserer wahren Bestimmung nach und kämpfen unter dem Codenamen „Joker“ mit unseren Verbündeten dafür, eine Änderung der Gesellschaft herbeizuführen. Wir nehmen uns dabei den schlimmen Fingern an, die nur an Geld, Ruhm und Macht denken und deren Begierden sich so übersteigert haben, dass sich in ihrem Unterbewusstsein ein „Palast“ gebildet hat. Dieser Palast ist ein Ort im sogenannten Metaversum, das wir betreten können. Dieses zeigt, wie die betroffene Person andere Menschen und Gebäude wirklich sieht. Wir infiltrieren also verzerrte Orte wie Schlösser, Casinos und Mausoleen und stehlen die Herzen, also die Schätze, der Palastherren. Gelingt dies, werden sie in der realen Welt geläutert und gestehen ihre Sünden.

Um die Schätze stehlen zu können, müssen wir nicht nur gegen die Herren der Paläste antreten, sondern uns auch noch durch Horden an Monstern, die Schatten, kämpfen. Das gelingt mithilfe der Personas. Eine Persona ist die Manifestation der eigenen Identität, die erwacht, wenn jemand sich selbst akzeptiert und die Maske abnimmt, die er in der Gesellschaft trägt. Alle Verbündeten von „Joker“, die ihm im Laufe seines Abenteuers beistehen, besitzen jeweils eine Persona mit verschiedenen elementaren Stärken und Schwächen. „Joker“ selbst kann ein Band mit unterschiedlichen Personas knüpfen und so ihre Kraft nutzen. Im rundenbasierten Kampfsystem gibt es also neben Nahkampf- und Fernkampfattacken auch magische Angriffe sowie Buffs und Debuffs, die es gilt, möglichst geschickt einzusetzen, um die Schwächen der Gegner auszunutzen. Außerdem ist es wichtig, die Fähigkeiten im Team gut abzustimmen. Im Laufe seines Abenteuers trifft  „Joker“ auf immer neue Verbündete. Manche von ihnen sind ein aktiver Teil des Teams, andere wiederum unterstützen uns anderweitig und gewähren im Laufe der Zeit neue Fähigkeiten und Vorteile. Jede dieser Figuren hat eine eigene Geschichte, die im Verlauf des Spiels entdeckt werden kann.

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In Persona 5 geht es also darum, beide Welten in Einklang zu bringen. Auf der einen Seite wartet die reale Welt mit neuen Freunden, Geschäften, Kinos und Restaurants auf uns. Tageszeit und Wetter beeinflussen, wie sich sich unsere Fähigkeiten aufbauen, welche Teilzeitjobs angenommen werden können, oder welche Verbündeten Zeit mit uns verbringen wollen. Auf der anderen Seite können wir uns in den Dungeons in den Kampf stürzen. Dabei punktet der Titel vor allem durch atmosphärische Schauplätze, sehr liebevolle Charaktere, einen hervorragenden Soundtrack und eine unglaublich lange Spielzeit. Hier warten so viele Details auf uns, dass ein Spieldurchgang gut und gerne über hundert Stunden dauern kann. Mit den Neuerungen wird diese Spielzeit, die bei meinem ersten Durchgang rund 120 Stunden gedauert hat, nochmals getoppt werden.

Sprachbarriere? Kein Problem!

Eine der größten Neuerungen, die sich viele Spieler gewünscht haben, ist die deutsche Übersetzung der Dialoge und Menüs. Diese kann zusätzlich zu der englischen oder japanischen Sprachausgabe gewählt werden und erleichtert euch das Leben, wenn Englisch nicht euer Steckenpferd ist. Wer gute Englischkenntnisse hat, dem empfehle ich auf jeden Fall die ursprüngliche Version, da die deutsche Übersetzung hier nicht mithalten kann. Trotzdem dürfte diese Neuerung viele Spieler glücklich machen, denn Persona 5 lebt von seinen Dialogen und der Story. Da ist es schade, wenn man etwas verpasst.

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Neue Freunde, neue Möglichkeiten

Persona 5 Royal erweitert den Kreis unserer Verbündeten. So treffen wir bereits in der Introsequenz auf Kasumi Yoshizawa. Die Einserschülerin ist ebenfalls neu an der Schule. Ihr Ruf ist jedoch als Turnerin und Medaillenanwärterin gleich um einiges besser als unser eigener. Kasumi taucht zwar schon von Beginn an immer wieder einmal auf, bevor sie der Gruppe jedoch beitritt, müsst ihr euch etwas gedulden. Ein weiteres Bündnis können wir mit Takuto Maruki schließen. Der verpeilte Therapeut ist schon nach dem Abschluss des ersten Palastes in der Schule anzutreffen. Maruki bittet uns darum, ihm bei seinen Forschungen zu helfen und bietet uns im Gegenzug ein mentales Training an, das uns im Kampf zugute kommen wird. Außerdem verteilt er gerne Snacks – wie praktisch. Da auch unsere Freunde den sympathischen Forscher besuchen, erhalten wir in kleinen Sequenzen außerdem noch mehr Einblick in deren Erlebnisse und Gefühle.

Für alle, die jetzt schon ins Schwitzen geraten, wie es möglich sein soll, in der begrenzten Spielzeit die Freundschaft zu den neuen Bekannten zu maximieren, gibt es eine gute Neuigkeit: Persona 5 Royal beschert uns nicht nur ein zusätzliches Semester, sondern erleichtert es uns auch, Freundschaften auszubauen. So rufen uns unsere Partner nach einer Verabredung an und ermöglichen es uns, in dem Gespräch zusätzliche Freundschaftspunkte zu sammeln. Auch in Sachen Unterricht hat sich übrigens etwas getan. Zwar gibt es einige Überschneidungen. Ihr dürft euch aber in der Schule auch an zahlreichen neuen Fragen die Zähne ausbeißen.

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Hoch hinaus

Aber nicht nur in unserem Leben als ordentlicher Schüler hat sich Einiges getan. Auch die verschiedenen Dungeons wurden aufgemotzt. So ermöglicht es uns der neue Greifhaken, weitere Orte in den Palästen zu erkunden und uns auf die Suche nach den Willenssamen zu begeben. In jedem Palast gibt es drei von ihnen und manche werden stark bewacht. Die Willenssamen geben einen Teil der SP zurück und sorgen somit dafür, dass Paläste länger erkundet und somit auch zügiger abgeschlossen werden können. Dadurch hat man wiederum mehr Zeit, sich in der realen Welt um andere Dinge zu kümmern. Außerdem ist es auch von Vorteil, alle drei Samen in einem Palast zu finden…

Neben dieser Neuerung warten zusätzlich neue Gegner, Personas und auch ein neuer Palast auf uns. Nicht nur die Bosskämpfe sind überarbeitet worden, sondern es besteht nun auch die Möglichkeit, dass bei einem Kampf ein Desasterschatten auftaucht. Diese Gegner haben starke Konterattacken, reißen aber ihre Kollegen mit in den Abgrund, wenn sie besiegt werden, und lassen zusätzliche Items fallen. Hier tun sich in den Kämpfen also neue Möglichkeiten auf. Auch die neuen Personawerte machen Kämpfe interessanter, da jede Persona über individuelle Vorteile verfügt, die im Gefecht zum Tragen kommen.

Darüber hinaus hat auch Mementos, das riesige Dungeon im Herzen Tokios, ein Facelift erhalten. Dort wartet nämlich die neue Figur Jose auf uns. Der weißhaarige Junge bittet uns darum, Blumen in Mementos für ihn zu sammeln und unsere Stempelkarte im Dungeon zu füllen. So können wir nicht nur Items erwerben, sondern uns auch andere Vorteile sichern. Außerdem kann es vorkommen, dass es in Mementos zu Abweichungen beim Betreten einer Ebene kommt, was sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil für uns bedeuten kann. Zum Beispiel kommt es vor, dass der Abschnitt in völliger Dunkelheit liegt und auch befahrene Wege nicht angezeigt werden. Dafür tauchen an jeder Ecke seltene Schatzdämonen auf, die beim Besiegen extra viel Erfahrung und Geld springen lassen.

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Noch mehr zu tun

Damit uns in unserer Freizeit auch ja nicht langweilig wird, gibt es mit Kichijoji einen neuen großen Stadtteil mit neuen Treffpunkten und Freizeitmöglichkeiten zu entdecken. Dazu gehören Darts oder auch das Aquarium. Da ein echter Phantomdieb auch eine richtige Basis braucht, gibt es ab sofort außerdem den Diebesunterschlupf. Dieser kann selbst gestaltet werden und bietet uns die Möglichkeit, Karten zu spielen, Konzeptzeichnungen und Videos anzusehen, oder Musikstücke zu erwerben. Erreichbar ist der Unterschlupf über das Menü und die Zeit vergeht dort nicht.

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Fazit:

Persona 5 gehört ohnehin schon zu den absoluten RPG-Höhepunkten der vergangenen Jahren und sucht in Puncto Story, Präsentation und Charakterentwicklung Seinesgleichen. Das Ganze wurde jetzt noch einmal getoppt. Ein neuer großer Stadtteil, neue Story-Elemente und Verbündete sowie zahlreiche kleine Neuerungen und Details machen ein ohnehin großartiges Spiel nochmal besser. Auch optisch hat sich etwas getan, wie ihr feststellen werdet. Zwar habe ich in der Testzeit mit Sicherheit noch nicht alles entdeckt, was Persona 5 Royal an Neuerungen zu bieten hat, trotzdem kann ich absolut eine Empfehlung aussprechen. Für alle Fans von Persona 5 lohnt es sich sicher, nach Tokio zurückzukehren. Mit einem vorhandenen Spielstand gibt es auch einen kleinen Bonus, der euch den Wiedereinstieg erleichtert. Für neue Phantomdiebe fällt die Wahl ohnehin nicht schwer, zumal Persona 5 Royal mit einigen Neuerungen, wie den Hilfsbefehlen, den Einstieg noch einfacher macht. Ich habe jedenfalls schon jetzt Lust, den Titel nochmal komplett zu zocken und alle neuen Storyteile freizuschalten. Also: Setzt die Maske auf und rettet die Welt!

Pro:
  • Deutsche Untertitel und Menüs
  • Neue Story-Elemente
  • Interessante neue Charaktere
  • Toller Sound
  • Viele neue Details und Möglichkeiten
Contra:
  • Wesentliche Änderungen kommen erst nach einigen Spielstunden zum Tragen
Story
5 von 5 Buddies
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

10.0 / 10

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