Review

Remothered: Broken Porcelain – Das Survival-Horrorspiel im Test

Von Marvin Kolb am 13. November 2020
Publisher: Modus Games
Release: 13. Oktober 2020
Genre: Survival | Horror
Entwickler: Stormind Games
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: 16

Es ist Herbst und wieder einmal haben die Horror-Games Hochkonjunktur. Ob sich Remothered: Broken Porcelain in der alljährlichen Flut aus Titeln behaupten kann?

hotel und horror

In Remothered: Broken Porcelain schlüpft der Spieler in die Rolle der jungen Jennifer, die Anfang der 1970er einen Job als Zimmermädchen annimmt und sich zuallererst mit der Aufgabe konfrontiert sieht, ein zur Hälfte abgebranntes Hotel wieder salonfähig zu machen. Betraut wird sie mit dieser Aufgabe von ihrer Chefin Andrea.

Das Spiel beginnt mit dem Aufräumen eines Zimmers. Hat der Spieler diese Aufgabe abgeschlossen, macht er sich daran den ersten Korridor des noch verlassenen Hotels zu erkunden. Auffällig ist hierbei ein auf dem Boden stehendes Tablett mit Essensresten, nach dessen Untersuchung man auf einmal grundlos von Andrea, die sich in einen billigen Abklatsch von Margaret Baker aus Resident Evil 7 verwandelt hat, angegriffen wird. Wehren kann sich Jennifer nur temporär durch geworfene Gegenstände. Es bleibt also nur eine Option: die Flucht.

So gilt es die Angriffe mehrerer Verfolger zu überleben und hinter das Geheimnis des Hotels zu kommen. Hier wird auch der Bogen zum ersten Teil der Serie geschlagen.

In Survival-Horror Manier muss der Spieler kleine Rätsel lösen, um zum Beispiel in bestimmte Abschnitte des Hotels zu gelangen und einen Fluchtweg zu finden. Viele Verstecke bieten dabei Schutz vor den Verfolgern, die unter anderem auch durch gefundene und durch ein simples Crafting-System aufgewertete Gegenstände abgelenkt werden können. Doch leider ist dieses Crafting sehr unausgereift und wirkt sich kaum spürbar auf das Spielgeschehen aus. So verhält es sich auch mit dem Verbessern einzelner Fähigkeiten wie dem Schleichen oder der Ausdauer der Protagonistin.

Schon sehr früh wird eines deutlich: Die Geschichte ist so wirr, wie schlecht erzählt. Als Spieler schwankt man hier zwischen Fremdscham und wirklichem Entsetzen darüber, was für grobe Schnitzer sich hier story-technisch eingeschlichen haben.

der wahre horror ist das gameplay

Über die schlecht erzählte Geschichte könnte man hinwegsehen, wäre der Titel zumindest spielerisch gelungen. Aber auch hier wird man als Spieler schwer enttäuscht.

Das bewährte Prinzip aus Verstecken und Rätseln wird schnell von der unterirdischen KI der Gegner zerstört. Es sorgt jedes Mal wieder für einen großen Bruch in Immersion und Gruselgefühl, wenn man sich direkt vor seinem Verfolger im Schrank verstecken kann, obwohl dieser uns entdeckt hat.

Die Laufwege der Gegner und die wirklich grauenhaft schlechte Musik während den Verfolgungen machen das Aufeinandertreffen zwischen Spieler und Antagonisten zu einer ungewollten Lachnummer.

Die schlechte Kamera und das unambitionierte Voice-Acting tun da ihr Übriges um auch das letzte Bisschen Stimmung kaputt zu machen.

Auch die Rätsel sind selten fordernd. Oft sind sie sogar so absurd dämlich, dass man auch hier das ein oder andere Mal eher schmunzelt als sich zu gruseln.

Cutscenes besitzen weder einen Spannungsbogen, noch ein ansprechendes Pacing. Die Dialoge sind sehr hölzern und keiner der vorgestellten Charaktere weißt Tiefe auf. So kommen wohl nur die wenigsten Spieler in den Genuss sich in die abstrus erzählte Geschichte einfühlen zu können. Wer trotz allen Widrigkeiten ein Interesse am Geschehen entwickelt, der sieht sich bald mit einer weiteren Spaßbremse konfrontiert: den Bugs.

ein bug jagt den nächsten

Auch wenn Remothered: Broken Porcelain zu Beginn grafisch ganz solide wirkt, so fällt schnell auf, dass das Spiel sehr unfertig wirkt. Über spärliche Effekte und immer mal wieder aufpoppende Texturen könnte man hinwegsehen, bei mieser Kollisionsabfrage und größeren Grafikbugs, wie zum Beispiel dem Fehlen des gesamten Gesichts der Protagonistin während bestimmter Animationen kann man dann aber kein Auge mehr zu drücken. Ob das Spiel unfertig auf den Markt geworfen wurde, um noch etwas vom Halloween-Release-Geschäft mitzubekommen ist eine sehr nahe liegende Vermutung. Auch mit unzähligen Patches wird hier nichts mehr zu retten sein. An allen Ecken und Enden treten große Bugs auf und diese sind so zahlreich wie nervig, dass sie das Spiel kaputt machen, bevor es richtig begonnen hat.

Neben optischen Abstrichen sorgen manche Bugs für ein unzumutbares Spielerlebnis. Nicht selten bleibt man in eine Ecke gedrängt stecken und ist so dem Verfolger bis zum sicheren Tod ausgeliefert. Und hier ist der Punkt, an dem ein jeder Spieler an seine Toleranzgrenze stoßen wird: Wenn man aufgrund eines Bugs oder einer unausgereiften Spielmechanik mehrfach stirbt und Stellen wieder und wieder spielen muss, hört der Spaß auf. Einige Spieler berichteten bereits sich in Passagen manövriert zu haben, aus denen sie keinen Ausweg mehr fanden und das Spiel komplett beendeten.

FAZIT

Remothered: Broken Porcelain wirkt wie ein halb fertiges und nicht zu Ende gedachtes Spiel, das aufgrund schlecht erzählter und uninteressanter Story nie Hoffnung aufkeimen ließ, dass es über mehr als 30 Minuten Spaß machen könnte.

Der Grundgedanke der wehrlosen Protagonistin, die sich durch Köpfchen und ein intelligentes Versteckspiel der Übermacht ihrer Verfolger entziehen kann, birgt an sich großes Potenzial. Wenn dann aber diese Verfolger aufgrund der schlechten KI und der hölzernen Dialoge keine Angst auslösen, fehlt dem Spielprinzip ein wichtiges Element und das Ziel, dem Spieler das Gruseln zu lehren wird weit verfehlt. Kommen hier hinzu noch die nervigen bis wirklich frustrierenden Bugs, die teilweise unfair in das Spielgeschehen eingreifen, dann reißt auch dem hartgesottensten Horrorfan der Geduldsfaden.

So ist Remothered: Broken Porcelain ein ungenießbares Horrorgame, das keinen Cent seines Kaufpreises rechtfertigt.

Pro:
  • Das Spielprinzip aus Schleichen und Rätseln wirkt anfangs interessant
Contra:
  • Bugs, die teilweise negativ in das Spielgeschehen eingreifen
  • Sehr schlecht präsentierte Story und Charaktere
  • Das Spiel wirkt unfertig und unausgereift
Story
1 von 5 Buddies
Gameplay
2 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
2 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

3.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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