

Sniper Dan im Test: Der freundliche Schütze aus der Nachbarschaft
In Sniper Dan erwartet uns ein 3D-Wimmelbildspiel der besonderen Art. Ganz in der guten alten Tradition von Wimmelbildern müssen wir in einer vollgepackten Welt bestimmte Aufgaben entdecken und lösen, um voranzukommen. Ein wahres Fest also für Spieler, die ein Auge für Details haben. Doch die Art und Weise, wie wir diese Aufgaben lösen, hat einen ganz besonderen Twist. Denn um die Probleme anzugehen, haben wir ein ganz besonderes Werkzeug zur Hand: nämlich ein Scharfschützengewehr. Wir haben in Sniper Dans Firma angeheuert, das Gewehr angelegt und betrachten das Spiel einmal genauer durch unser Zielfernrohr. Feuer frei!

Alle Angaben mit Gewehr
Unser Held Dan ist Teil einer ganz besonderen Geschäftsidee. Die Firma Sniper Dan GmbH bietet Lösungen für alle möglichen Probleme an und sucht dafür noch einen Weitschussbeauftragten. Da unsere Referenzen scheinbar ausreichend sind (wir heißen schließlich Dan, das muss genügen), werden wir prompt in ein zugegebenermaßen etwas heruntergekommenes Großstadtbüro gesetzt, wo wir unserem Schießtagewerk fortan nachgehen. Wer jetzt aber den gewaltverherrlichenden Amokläufer-Simulator erwartet, der wird schnell eines Besseren belehrt. Die Knarre dient uns nur als verlängerter Arm. Und direkt auf Menschen oder Tiere geschossen wird schon einmal gleich gar nicht. Da präsentiert sich Sniper Dan ziemlich human, denn jeder direkte Treffer auf ein lebendes Wesen wird mit Punktabzug und Bußgeld bestraft.
In der Spielwelt von Sniper Dan gibt es insgesamt sechs unterschiedliche Gebiete, wobei der Park als Tutorial dient und dementsprechend etwas kleiner ausfällt. Andere Bereiche wie der Flughafen, die Innenstadt oder eine Farm sind deutlich größer dimensioniert und bieten Aufgaben für mehrere Ingame-Tage. Da ein Sniper meist aus dem Hinterhalt agiert oder dies zumindest gerne möchte, sind wir nicht unmittelbar in das Geschehen involviert. Stattdessen beobachten wir das Szenario von einem sicheren Hochsitz aus, von dem aus wir ein beachtliches Schussfeld haben und die gesamte Spielwelt überblicken können.
Die Grafik erinnert etwas an den South-Park-Stil und ist vollständig im Comic-Look gehalten. Dieser passt sehr gut zur Art des Spiels und ist nicht zu überladen. Hier trüben nur ganz kurze Ruckler das Gesamtbild, wenn wir uns ohne Zoom über die Karte bewegen. Ansonsten bleibt das Spielgeschehen stets flüssig und gut spielbar. Grundsätzlich überzeugen kann die musikalische Untermalung, die perfekt zum Spiel passt, nur leider sehr abwechslungsarm ausfällt. An der Stelle wären unterschiedliche Stücke für die Gebiete eine sinnvolle Verbesserung gewesen, da man sich doch recht schnell satt hört. Abzug gibt es außerdem für eklatante Schreibfehler, denn das „Wilkommen“ zu Beginn eines Levels kann man auch ohne Zielfernrohr schwerlich übersehen.

Auge in Auge mit dem Schnitzel
Starten wir eine Runde in einem der Gebiete, so gibt es stets eine Handvoll Aufgaben zu erledigen. Da möchte etwa ein Schaf geschoren, Nägel irgendwo eingehauen, ein verstopfter Kamin gereinigt oder Laub entfernt werden. Dies geschieht dann alles per gezieltem Schuss aus unserem Gewehr, wobei die meisten Anfragen sogar mehrere Ziele beinhalten. Fast die gesamte Spielzeit blicken wir durch das Zielfernrohr unseres Schießeisens und suchen die Spielwelten nach Hinweisen ab, wie wir die Aufgaben lösen sollen. Und das ist schon verdammt unterhaltsam, denn ernst nimmt sich das Spiel definitiv nicht.
Nahezu sämtliche Ziele in Sniper Dan haben einen absurden und unterhaltsamen Twist. Wenn also beispielsweise ein dickes Ding geangelt werden soll, dann ist damit nicht zwangsläufig ein Fisch gemeint. Eine falsche, nicht-vegetarische Essensbestellung wird schnell mal vom Tisch geballert. Die Entsorgung von Hundehaufen geht nicht ohne enormen Kollateralschaden vonstatten. Oder wir stutzen einem Piraten sein Holzbein auf die richtige Größe zusammen. Und dann ist jede Spielwelt auch abseits der Missionen noch vollgespickt mit witzigen und völlig bekloppten Szenen, die eigentlich gar nichts mit unserer Tätigkeit zu tun haben. An der Stelle haben sich die Entwickler wirklich ausgetobt und halten so manche Lacher für die Spieler parat.
Einige Aufgaben erfordern es sogar, um die Ecke zu denken. Die eine oder andere Mission kann allerdings zur reinsten Sisyphusarbeit werden, wenn sich das Ziel einfach nicht finden lässt oder wir nicht genau verstehen, was von uns gefordert wird. Das ist aber natürlich irgendwo typisch für Wimmelbilder. Zu einfach soll es ja schließlich nicht sein. Wie gut, dass es kaufbare Hinweise gibt, durch die wir immerhin ein Foto erhalten, wo sich ungefähr die Lösung verstecken könnte. Dies macht die Sucherei erheblich einfacher. Zusätzlich zu den individuellen Aufgaben finden wir in jeder Spielwelt noch Standard-Missionen wie Feuerwerksraketen, Bananenschalen oder zwei besonders gut versteckte Gäste.

Die AWP im Anschlag
Vom grundsätzlichen Gameplay her ist Sniper Dan ein sehr eingängiges Arcade-Spiel. Wenn wir einen Schuss abfeuern, so trifft dieser immer genau in die Mitte des Fadenkreuzes. Physikalische Gegebenheiten wie Windgeschwindigkeit, Corioliskraft, durchschlagende Geschosse oder das Vorhalten bei beweglichen Zielen müssen wir nicht einplanen, was das Spiel im normalen Modus sehr einfach gestaltet. Insofern können wir zumindest die Standard-Aufgaben ruhig angehen, ohne uns über irgendetwas Gedanken machen zu müssen.
Ganz ohne Herausforderung kommt Sniper Dan jedoch nicht aus. Am Ende eines Levels gibt es eine Art Schießstand, welcher vom Schwierigkeitsgrad her deutlich heftiger ausfällt als die eigentlich gemütlichen Standard-Ziele. Und auch die Bossgegner, welche uns bei Abschluss jedes Gebiets erwarten, erfordern durchaus gute Schießkünste. Zudem klingelt ab und an während des Einsatzes unser Diensthandy. Hierüber erhalten wir zeitkritische Bonusaufgaben, bei denen es wirklich auf jede Sekunde ankommt. Da entführen etwa mal wieder Kühe UFOs (ja, ihr habt richtig gelesen) oder wir sollen die Landebahn für eine Notlandung freiräumen.
Nach jedem Level erhalten wir eine Zusammenfassung, was Zeit, Fehlschüsse und erledigte Aufgaben angeht. Während zum Abschluss eines Bereichs das Angehen aller Missionen Pflicht ist, können wir die Zusatzziele wie die Feuerwerksraketen auch über verschiedene Tage erledigen. Je nach benötigter Zeit gibt es dann einen Rang und einen Batzen Geld. Denn Sniper Dan ist natürlich kein mildtätiger Verein, sondern ein knallhart geführtes Unternehmen. Von irgendetwas wollen die Rechnungen ja schließlich bezahlt werden.

My home is my castle
Ohne ein Büro kommt kaum eine Firma aus. Da bildet Sniper Dan keine Ausnahme. Von unserem Schreibtisch aus haben wir dabei alles im Blick. Mit einem Schuss auf die Arbeit gegenüber öffnen wir unsere Übersichtskarte und wählen unsere nächste Mission aus. Unser hart verdientes Geld lassen wir wiederum auf dem benachbarten Marktplatz. Diesem kommt in Sniper Dan eine besondere Bedeutung zu. Denn dort finden wir neben Verschönerungen für unser Büro wie etwa neue Wände, einen anderen Schreibtisch oder Poster zusätzliche, sinnvolle Verbesserungen für unser Scharfschützengewehr.
Dabei haben wir tatsächlich nur ein Standard-Repetiergewehr zur Verfügung. Wir können dieses aber zumindest in Bezug auf Munitionsgröße, Nachladegeschwindigkeit oder Zoom aufrüsten. Zudem lassen sich neue Skins für den Gewehrschaft, das Fadenkreuz oder sogar unterschiedliche Geräusche für die Schüsse erwerben. Ebenso gibt es Kostüme für Dan sowie einen Gacha-Automaten. Viele Möglichkeiten also, um sein hart verdientes Geld sinnvoll auszugeben, zumal wir vieles davon in unserem Büro ausstellen können, um unsere Erfolge gebührend zu zelebrieren.
Immerhin haben gerade die Verschönerungen für unser Büro einen netten Nebeneffekt. Denn diese aktivieren einen Boost, welcher uns noch einmal mehr Geld pro Mission einbringt. Die Ausstattung unserer Bleibe ist daher nicht nur nettes Beiwerk, sondern durchaus eine sinnvolle Ergänzung des Gameplays. Und da es wirklich einiges zu entdecken gibt, ist Langzeitmotivation gegeben. Neben dem normalen Geld erhalten wir außerdem noch Sterne, die wir in das Freischalten neuer Gebiete oder weitere Goodies stecken können.

Der letzte Schuss
Über die Sterne-Währung lassen sich weitere Spielmodi freischalten, die den Wiederspielwert in Sniper Dan noch einmal erhöhen. Darin finden wir die Optionen für Munitionsjagd sowie einen Time-Attack-Modus. Während wir im Standard-Spiel ohne Rücksicht auf unsere Kugelvorräte um uns ballern dürfen, haben wir bei der Munitionsjagd tatsächlich nur wenige Schuss zur Verfügung. Weitere Munition befindet sich zwar in der Spielwelt, dennoch will jede Betätigung des Abzugs dreimal überlegt werden. Deutlich hektischer geht es bei der Zeitenjagd zu, denn hier läuft ein Timer gnadenlos herunter. Man sollte also bereits alle Missionsziele und deren Standort auf der Karte soweit verinnerlicht haben, damit man keine Zeit mit Suchen verschwendet.
Während bei diesen Modi die grundsätzlichen Aufgaben in den Spielwelten unverändert bleiben, bietet Sniper Dan zusätzlich noch Minispiele wie Bowling oder Air-Hockey. Natürlich wird dabei ebenfalls alles durch Schusswaffeneinsatz gesteuert, inklusive eines beherzten Treffers auf die Bowlingkugel, um diese in Bewegung zu setzen. Die Minispiele sind nettes Beiwerk, die für eine schnelle Runde zwischendurch taugen. Und zu guter Letzt gibt es noch Spezialaufträge, welche wir über das Telefon in unserem Büro annehmen. Hierbei suchen wir die Gebiete noch einmal nach speziellen Gegenständen ab, wie etwa Amazon-artige Pakete, die sich stellenweise verdammt gut verstecken. Was leider fehlt, ist ein Mehrspielermodus. Dieser wäre sicherlich noch ein unterhaltsames Beiwerk gewesen, um zumindest zu zweit spaßige Sessions zu bestreiten.

Fazit
Sniper Dan ist ein ziemlich witziges Wimmelbild-Spiel, welches mit vielen absurden Szenen für Lacher sorgt. Das Gameplay präsentiert sich dabei sehr eingängig und rund. Neben dem Shop sorgen Zusatzmissionen sowie zusätzliche Spielmodi wie Munitions- und Zeitenjagd für Langzeitmotivation, sofern man eine Herausforderung sucht. Abstriche gibt es an der Stelle dafür, dass manche Ziele etwas unklar ausfallen können, was jedoch zugegebenermaßen nur im ersten Durchgang gilt. Ansonsten trüben ganz kurze Ruckler und die etwas eintönige Musik die Zielvorrichtung. Gerade im akustischen Bereich hätten ein paar mehr Musikstücke dem Spiel ganz gut getan, auch wenn die grundsätzliche Untermalung ordentlich zum Spiel passt. Insgesamt ist Sniper Dan aber ein sehr unterhaltsames Spiel, dass auf seine Art wenig falsch macht. Tatsächlich also ein Treffer ins Schwarze.
- Insgesamt sechs Spielwelten voller absurder, witziger Details
- Zahlreiche freischaltbare Verbesserungen und Skins sorgen für Langzeitmotivation
- Eingängige Steuerung
- Minispiele wie Bowling oder Air-Hockey
- Munitionsjagd und Time-Attack sorgen für Herausforderung
- Ziele manchmal unklar
- Schreibfehler
- Musik etwas eintönig
- Kein Mehrspielermodus
- Seltene Mini-Ruckler, wenn man nicht gezoomt hat
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Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.






