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Super Woden: Rally EdgeSuper Woden: Rally Edge
Review

Super Woden: Rally Edge im Test: Offroad-Einsatz für das Retro-GT

Von Alex Jung am 16. Oktober 2026. Getestet auf PS5. 8 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Super Woden: Rally Edge folgt zwei Trends, die in letzter Zeit die Indie-Rennspielszene bestimmt haben. Zum einen sind dies Rallye-Games, die sich explizit auf die goldenen Jahre des Rallyesports beziehen, also vor allem Fahrzeuge von den 60ern bis zu den frühen 2000ern abbilden. Zum anderen vollziehen solche Spiele zunehmend einen Perspektivwechsel, wie jüngst der Circuit-Superstars-Nachfolger iRacing Arcade. Statt isometrischer Ansicht verfolgen wir unser Vehikel nun also wieder ganz klassisch aus der Verfolger- oder Vogelperspektive. Wie schon bei iRacing Arcade stellen wir uns der Frage, ob der Perspektivwechsel für frische Impulse sorgt. Und natürlich, ob Super Woden: Rally Edge im extrem starken Teilnehmerfeld der Indie-Rallyespiele mithalten kann.

Auf Messers Schneide

Super Woden: Rally Edge orientiert sich bei seiner Menüführung ganz klar an Super Woden GP II, was natürlich für eine gute Identität der Reihe sorgt. Und nicht von ungefähr wieder an gerade die alten Gran-Turismo-Teile erinnert, die eine Stadtansicht mit kleinen Icons kombinierten, welche uns zu Händlern, Werkstätten oder Rennen führten. Nicht umsonst versteht sich die Reihe ja als Hommage an das große Sony-Racing-Franchise, was in Super Woden: Rally Edge erneut deutlich wird. Der Aufbau gestaltet sich dabei sehr klassisch. Alle im Spiel enthaltenen Autos sind in fünf unterschiedliche Klassen unterteilt, wobei wir mit den langsamen Fahrzeugen der E-Kategorie beginnen und uns dann bis zur A-Klasse hocharbeiten. Die Boliden lassen sich dabei bis auf ein paar Ausnahmen käuflich erwerben, das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Zwar verzichtet Super Woden: Rally Edge auf offizielle Lizenzen, die Autos sind meist dennoch klar als bekannte Rallye-Fahrzeuge zu identifizieren. Insgesamt 88 Vehikel beinhaltet Super Woden: Rally Edge, was eine beeindruckende Auswahl darstellt. So finden wir etwa Subaru Impreza, Audi Sport Quattro, Mini Cooper oder den einen oder anderen BMW beim Händler. Im Gegensatz zu Super Woden GP II hat man nun jedoch eine Möglichkeit integriert, die Namen nachträglich zu ändern. Wer also lieber mit einem Honda Civic als einem Raven Dako fährt, der kann sich hier vollumfänglich austoben. Insgesamt deckt das Spiel Boliden aus fünf Jahrzehnten Rallyesport ab und bietet eine enorme Vielfalt, die keinen Wunsch offen lässt.

Dem Himmel entgegen

Natürlich wollen die Autos nicht nur beim Händler bewundert, sondern auch im Sinne des Erfinders bewegt werden. Hierzu fährt Super Woden: Rally Edge insgesamt sieben unterschiedliche Länder auf, die jeweils mehrere Stages beinhalten. Zur Auswahl stehen dabei etwa die Klassiker Monte Carlo, Griechenland, Schweden, Kenia oder Japan. Viele Etappen sind wiederum rückwärts befahrbar, was die Auswahl natürlich weiter erhöht. Neben klassischen Rally-Stages finden wir Kopf-an-Kopf-Abschnitte im Stile des Race of Champions und eine Pikes-Peak-Bergrennen-Interpretation in den USA, die wir wahlweise sogar bergab bestreiten dürfen.

Wie gut, dass Super Woden: Rally Edge bei der A-Klasse diverse Himmelsstürmer integriert hat. Hier haben wir die Wahl zwischen absoluten Ikonen wie dem Peugeot 405 T16 Pikes Peak oder dem Suzuki Escudo, eine weitere nette Referenz zu Gran Turismo. Schließlich war das Auto in GT stets eine Art Mastercheat. Dass die Entwickler ihr Handwerk verstehen, zeigt die Integration eines Opel Risse Kadett C Coupé 16V, der stark an das Bergrenn-Monster erinnert, dass Holger Hovemann unter anderem bei Events wie den deutschen Bergrennen in Homburg und Wolsfeld einsetzte. Ein Spiel für richtige Petrolheads also.

Das liebe Geld

In der Natur der Sache liegt, dass man sich meistens nicht alles sofort kaufen kann, was einem gefällt. Super Woden: Rally Edge stellt hier keine Ausnahme dar, denn die Autos im Spiel müssen wir zunächst einmal käuflich erwerben. Und hier kommen wir zum größten Knackpunkt des Spiels, welcher bereits in Super Woden GP II zur Sprache kam. Konkret geht es um die Preisgelder in Relation zu den Preisen. Platzieren wir uns am Ende eines Events unter den Top-3, so winken ein paar Credits als Belohnung. Diese fallen jedoch gerade zu Spielbeginn recht dürftig aus.

Zwar gewinnen wir ab und an ein neues Fahrzeug, wirklich voran bringt uns dieses aber nicht, sofern wir es nicht direkt wieder verkaufen. Wobei der Erlös daraus recht wenig einbringt. Denn meistens erhalten wir nur Autos der gleichen Klasse, die uns beim Stufenaufstieg nicht weiterbringen, da wir sie im nächsthöheren Segment ohnehin nicht einsetzen dürfen. Bei den Events in der Karriere kommt dem Tuning eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Hier dürfen wir unser Auto in mehreren Bereichen verbessern, etwa was Motorleistung, Grip oder Bremsen angeht. Das alles kostet wiederum Geld, das uns für den Erwerb oder Tuning anderer Fahrzeuge fehlt.

Heißt im Umkehrschluss: Wir stecken unser Geld in ein bestimmtes Auto, um in unserer jeweiligen Klasse eine Chance zu haben. Dadurch fehlen uns aber wiederum die Mittel, um ein neues Vehikel der nächsten Klasse zu erwerben. Grind ist in der Folge die Lösung, was im Bezug auf die recht lineare Karriere bedeutet, dass wir die gleichen Events mehrfach bestreiten müssen. Dies hätte man mit etwas höheren Preisgeldern abfedern können, da so der Spielfluss leider leidet. In dem Zuge muss auch das Balancing Thema sein, welches nicht optimal ausfällt. So fuhren wir bei manchen Events zwischenzeitlich über acht Sekunden Vorsprung heraus, nur um beim nächsten Checkpoint ohne eigenen Fehler oder Bummeltempo plötzlich knapp hinten zu liegen. Entweder kennen die KI-Gegner eine Abkürzung, oder hier laufen Algorithmen, die nicht hundertprozentig funktionieren. Dies macht den Grind dann tatsächlich leicht nervig.

Zurück in die Vergangenheit

Ein Bereich, in dem Super Woden: Rally Edge wiederum klar punkten kann, ist die grundsätzliche grafische Gestaltung sowie die Akustik. Kommen wir zunächst zur Grafik. Das Spiel bietet einen unverwechselbaren Comic-Look, der sehr ansprechend ist. Wahlweise dürfen wir sogar mehrere unterschiedliche Filter nutzen, um das Spielgefühl noch etwas mehr auf Retro zu trimmen. Hier wäre beispielsweise ein Röhrenbildschirm-Filter zu nennen. Oder die Möglichkeit, einen Pixel-Look auszuwählen, der stark an die glorreichen Zeiten der ersten PlayStation-Generation erinnert. So oder so dürfen wir das Renngeschehen in einem Fotomodus dynamisch festhalten und Replays bestaunen, die jedoch nur auf eine Helikopteransicht auf unser Fahrzeug beschränkt sind.

Die Fahrzeuggeräusche überzeugen ebenfalls. Alle Autos klingen kernig, während wir die Gänge durchschalten, sodass wir direkt Lust bekommen, jeden Gang maximal möglich auszudrehen. Unterlegt wird die Rennaction von einem gelungenen, elektronisch angehauchten Soundtrack, der so aus einem Spiel der 90er Jahre stammen könnte und damit sehr gut zum allgemeinen Flair passt. Im audiovisuellen Bereich gibt sich Super Woden: Rally Edge also keine Blöße, was aufgrund der sehr guten Grundlage ohnehin verwunderlich gewesen wäre.

Kurvendiskussion

Grundsätzlich gelungen sind die zahlreichen Stages im Spiel. Diese warten mit herausfordernden Streckenführungen auf, beinhalten immer mal wieder kleinere Auflockerungen in Form von Gebäuden oder Objekten am Wegesrand und verlangen durchweg eine saubere und zügige Fahrweise. Genau das richtige Maß aus Spaß und Herausforderung. Wie gut, dass auch das Fahrgefühl mithalten kann. Sicherlich mit die größte Stärke von Super Woden: Rally Edge ist die Steuerung, die sehr eingängig ausfällt, uns aber dennoch genügend Spielraum lässt, um unsere Fähigkeiten stetig zu verbessern. So merken wir selbst, wie wir von Durchgang zu Durchgang schneller werden, Kurven enger schneiden oder die Handbremse geschickter einsetzen.

Bereits in der C-Klasse sind die Autos vom Schlage eines Lancia Delta HF Integrale oder Ford Focus WRC verdammt schnell. Haben wir noch über diverse Leistungsverbesserungen die Motorleistung angepasst, ist man richtig am Schwitzen, um die Vehikel auf der Strecke zu halten. Kommt eines unserer Räder neben die Piste, so verzeichnen wir direkt einen nicht unerheblichen Geschwindigkeitsverlust. Selbiges gilt für komplette Abflüge, hier werden wir schnell wieder zurückgesetzt. Aufgrund der recht kurzen Fahrzeit von je rund zwei Minuten ist allerdings jeder Fehler einer zu viel. Ein Top-Ergebnis ist nach einem Abflug meistens hinfällig.

Gut geölt ist halb gewonnen

Ganz Gran Turismo müssen wir den Zustand unseres Autos im Blick behalten. Besonders gilt dies für unser Motoröl, denn ohne regelmäßigen Wechsel haben wir einen sehr starken Leistungsverlust, welcher uns umgehend in den Stages auffällt. Gerade bei Events, bei denen wir in vorherigen Durchgängen ohnehin schon am kämpfen waren, ist ein präventiver Ölwechsel fast schon Pflicht. Denn die Gegner kennen in Punkto Zeitnahme selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad keine Gnade und fahren uns andernfalls komplett um die Ohren.

Haben wir keine Lust, alleine unsere Runden zu drehen, so können wir den lokalen Multiplayer-Modus angehen. Dort fahren wir im Splitscreen gleichzeitig gegen bis zu drei andere Mitspieler. Online wiederum dürfen wir unsere Zeiten mit anderen Gamern weltweit vergleichen, was immer wieder für positive oder auch negative Aha-Momente gut ist. Der lokale Mehrspielermodus kommt ohne HUD-Einblendungen aus und konzentriert sich komplett auf den Kampf Wagen gegen Wagen, wahlweise sogar mit Kollisionsabfrage. Auf den recht engen Stages sorgt dies für spannende Duelle, zumal wir die Klassen mixen dürfen und ein Handicap aktivieren können, um das Teilnehmerfeld anzugleichen.

Fazit

In der Einleitung habe ich es ja schon ein wenig vorweggenommen. Super Woden: Rally Edge folgt zwei Trends der Indie-Rennspielszene, die da wären: Fokus auf die „goldenen Jahre“ des Motorsports und Perspektivwechsel im Vergleich zum Vorgänger. Ich würde hier noch einen dritten Punkt ergänzen, nämlich eine gewisse Grindlastigkeit. Grundsätzlich ist Super Woden: Rally Edge ein verdammt gutes und spaßiges Rallyespiel, welches sich unterhaltsam und motivierend gestaltet. Mit 88 im Spiel enthaltenen Fahrzeugen kommt natürlich sofort ein gewisser Sammeldrang auf.

Dieser wird dann leider etwas dadurch getrübt, dass wir doch zum Grinden gezwungen werden. Und hier kann die Anzahl an Events in der Karriere nicht ganz mithalten, denn letztlich müssen wir oftmals die gleichen Stages wiederholen, um wirklich voranzukommen. Hinzu kommt ein unausgereiftes Balancing, welches uns in manchen Etappen locker vorneweg fahren lässt, während wir an anderer Stelle ohne erkennbaren Geschwindigkeitsverlust ziemlich hinterherfahren. Trotz der Negativpunkte hatte ich aber durchaus einiges an Spaß in Super Woden: Rally Edge. Es reiht sich gut in die bestehende Riege an Indie-Rallyespielen ein und bietet einige Vorteile wie etwa den großen Umfang an Fahrzeugen oder das tolle Fahr- und Geschwindigkeitsgefühl sowie die ansprechende grafische Gestaltung. An sich also ein tolles Spiel mit ein paar Abstrichen.

Pro:
  • Großer Umfang an Fahrzeugen
  • Sieben unterschiedliche Länder mit jeweils mehreren Stages
  • Großartiges, arcadiges Fahrgefühl
  • Tuning-Möglichkeiten und Felgentausch
  • Guter Retro-Look mit mehreren Filtern
  • Fotomodus
  • Lokaler Multiplayer für bis zu vier Spieler
Contra:
  • Recht grindlastig aufgrund niedriger Preisgelder
  • Balancing nicht immer ausgereift
  • Karrierefortschritt teils etwas zäh
Gameplay:
4 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
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Umfang:
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Unsere Wertung: 8 / 10
Spiel getestet auf: PS5

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Alex Jung

Alex Jung

Seit dem ersten Gameboy begeisterter Konsolenzocker. Neben Rennspielen, Action-Adventures und JRPGs sind auch Indie-Perlen gerne im Laufwerk gesehen. Zu den zahlreichen Lieblingsspielen gehören GTA Vice City, Metal Gear Solid, Overboard!, Ys VIII, die Uncharted- und Forza-Horizon-Reihe sowie Gran Turismo 7.

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