Review

Watch Dogs Legion im Test: London liegt uns zu Füßen

Von Daniel Walter am 5. November 2020
Publisher: Ubisoft
Release: 29. Oktober 2020
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Ubisoft
Verfügbar für: PC | PS4 | Xbox One | Stadia
USK Altersfreigabe: 18

Mit Watch Dogs Legion hält Ubisoft nach längerer Pause den dritten Teil des Open-World-Hacking-Abenteuers für uns bereit. Wie sich der Ausflug ins futuristische London im Test geschlagen hat, verraten wir euch hier.

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Willkommen bei DedSec Lnd

Auch, wenn sich Watch Dogs Legion, wie wir bereits seit der ersten Präsentation wissen, nicht auf eine bestimmte Hauptfigur konzentriert, bildet die Hackergruppe DedSec wieder das zentrale Storyelement. Die Geschichte beginnt mit einer Bombendrohung im Parlament der britischen Hauptstadt. Wir begeben uns mit DedSec-Agent Dalton direkt an den Ort des Geschehens und untersuchen die Katakomben des Gebäudes nach Hinweisen. Schnell wird klar, dass irgendjemand der Hackergruppe den Anschlag in die Schuhe schieben möchte, denn überall finden sich manipulierte Indizien, die auf eine Beteiligung von DedSec schließen lassen. Um wen es sich bei den mysteriösen Männern in Schwarz, die tatsächlich für den Angriff verantwortlich sind, handelt, liegt zunächst noch im Verborgenen. Während wir versuchen, die Bombe zu entschärfen, können wir auch gleich die wichtigsten Kampfelemente des Spiels testen und uns unsere Gegner mit Schusswaffen, im Nahkampf oder mithilfe unserer Hackingskills vom Leib halten. Ist die Welle an Feinden besiegt, ergeben sich beim Entschärfen der Bombe weitere Komplikationen. Offenbar war das Parlament nicht das einzige Ziel der ominösen Fremden, denn in ganz London sind plötzlich weitere Orte erkennbar, die ins Visier der Angreifer geraten sind. Während DedSec im Hauptquartier einen Angriff abwehren muss, versucht Dalton, die restlichen Bomben zentral zu deaktivieren, wird aber direkt von den Drohnen der wahren Terroristen aufgehalten, die auf den Namen Zero-Day hören. Wie der Name erahnen lässt, handelt es sich dabei um eine Gruppierung, die die Welt mit einem gnadenlosen Neustart retten will. Gesagt, getan – denn schon Sekunden später steht die britische Metropole an allen Ecken und Enden in Flammen.

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Londons Schicksal liegt in unseren Händen

Wie zu erwarten war, stürzen die Anschläge die Stadt ins Chaos. Während die private Sicherheitsorganisation Albion mit allen Mitteln versucht, die verbliebenen Mitglieder von DedSec aufzuspüren und die Ordnung in der Stadt wiederherzustellen – selbstverständlich ohne große Rücksicht auf Verluste – versuchen die letzten Überbleibsel der Hackerorganisation, sich aus dem Untergrund heraus neu zu formieren. Hier kommen wir ins Spiel, denn unser erster Agent, dessen Erscheinungsbild wir aus mehreren vorgefertigten Avataren bestimmen können, ist DedSecs letzte Hoffnung. Bei unserem ersten Besuch im DedSec-Versteck, das sich übrigens in einem äußerst stimmungsvoll in Szene gesetzten U-Bahn-Schacht befindet, lernen wir nicht nur unseren ständigen KI-Begleiter Bagley kennen, sondern erfahren auch, dass es nun in unseren Händen liegt, eine Widerstandsgruppe aufzubauen, um London zu retten. Die Hauptstory hält dabei eine Vielzahl an Missionen für uns bereit, die breit gefächert sind und uns quer durch die Stadt führen. So ziehen wir Stück für Stück jedes Viertel der Stadt auf unsere Seite und zeigen den Einwohnern, dass nicht DedSec, sondern Albion die Bösen in dieser Geschichte sind. Dafür greifen wir auf unterschiedliche Mittel zurück und nutzen die zahlreichen Bereichsaktivitäten für unsere Zwecke: wir sammeln Beweise für die Überwachung der Bürger, hacken Propagandamedien und stellen das private Sicherheitsunternehmen an allen Fronten bloß, um seine wahren Absichten offen zu legen. Im Rahmen der Geschichte nehmen wir außerdem die Fährte von Zero-Day auf, um die wahren Terroristen zur Strecke zu bringen.

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Solide Kämpfe mit gewohnt coolen Hacking-Optionen

Bei den unterschiedlichen Kampfvarianten präsentiert sich Watch Dogs Legion rundum solide und liefert an allen Fronten eine ordentliche, wenn auch nicht überragende Leistung ab. Das Nahkampfsystem bleibt schlicht und beschränkt sich auf zwei verschiedene Angriffstasten sowie die Möglichkeit, feindlichen Schlägen auszuweichen. Auch, wenn die Nahkämpfe nicht ganz so dynamisch sind wie beispielsweise die der Arkham-Reihe, erinnern die grundlegende Umsetzung sowie die kraftvollen Finishing Moves dennoch stark an die Fledermaus-Spiele von Rocksteady und machen insgesamt einen guten Eindruck. Stealth-Angriffe, bei denen wir uns an Gegner heranschleichen und sie gegebenenfalls auch mit einem gezielten Hacking-Manöver ablenken können, stehen uns ebenso zur Verfügung. Diese sind gerade in Sperrgebieten, in denen uns die Feinde bei Sichtkontakt attackieren, eine vielversprechende Vorgehensweise – vor allem dann, wenn wir das Gebiet im Vorfeld per Drohne ausgespäht haben. Durch die Vielzahl an Möglichkeiten ist der Stealth-Aspekt eigentlich fast immer der interessanteste, da wir hier sehr kreativ werden können.

Die Schießereien, bei denen wir auf klassische Deckungsshooter-Mechaniken zurückgreifen, geben ebenso ein solides Bild ab, weisen aber auch keine besonderen Alleinstellungsmerkmale auf. Das Waffenfeedback ist in Ordnung, fühlt sich hier und da aber nicht ganz natürlich an, was mitunter auch am recht gedämpften Sound der Waffen liegt. Die Umgebung hilft uns bei den Shooter-Passagen ebenfalls und hält beispielsweise diverse explosive Objekte für uns bereit, die wir bei unserer Taktik miteinbeziehen können. Highlight der Kämpfe sind aber definitiv die Hacking-Optionen, die zusätzliche, für Watch Dogs typische, Optionen wie das Hacken von Fallen oder das Stören von gegnerischen Waffen oder Funkverbindungen bieten. Sie helfen uns, auch größere Gegnergruppen unter Kontrolle zu halten und sind häufig eine gute Alternative zum simplen Ballern. Gesammelte Technikpunkte, die überall in der Spielwelt verteilt sind, können im Übrigen genutzt werden, um praktische Gadgets oder zusätzliche Hacking-Optionen freizuschalten. So lassen sich kleine Helfer wie getarnte Spider-Bots für verdeckte Operationen oder auch Kampf-Bots mit automatischen Geschützen einsetzen, die im Gefecht als Unterstützungseinheit fungieren. Außerdem bieten uns die Upgrades nach und nach die Chance, anfangs nicht zugängliche Hacks durchzuführen, wie das Deaktivieren von Kampfdrohnen oder stationären Geschützen.

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Keine Firewall ist vor uns sicher

Das Hacken ist zu jeder Zeit allgegenwärtig. So warten in Watch Dogs Legion zum Beispiel die bekannten Schaltkreis-Aufgaben auf uns, in denen wir einzelne Schnittstellen hacken und in die richtige Position bringen müssen, unter anderem, um Zugang zu bestimmten Türen oder Computern zu bekommen. Darüber hinaus nutzen wir wie üblich Kameras, um versperrte Bereiche auszuspähen, Zugriffspunkte zu entdecken oder Gegner zu verfolgen. Die Handys sämtlicher Passanten lassen sich ebenfalls hacken, beispielsweise um für Ablenkung zu sorgen, und auch öffentliche Fahrzeuge sind nicht vor uns sicher, sodass wir kurzzeitig die Kontrolle über deren Steuerung übernehmen können. Falls wir die britische Hauptstadt einmal von oben betrachten möchten oder uns die omnipräsenten Überwachungsdrohnen einfach auf den Zeiger gehen, haben wir zudem die Chance, die kleinen schwebenden Biester zu übernehmen, sobald sie nah genug an uns heran kommen. Sie lassen sich auch anlocken und auf diese Weise schnell und einfach vom Himmel holen. Lieferdrohnen können auf diese Weise auch im ihre Ladung erleichtert werden. Das Hacken von Bankautomaten ist zudem eine fabelhafte Möglichkeit, um das eigene Konto mit kleineren Beträgen aufzustocken. Durch die Vielzahl an Hacking-Optionen fühlt es sich wirklich zu jeder Zeit so an, als liege die Stadt komplett in unseren Händen. Bei direkten Konfrontationen verlieren die Hackingskills aber natürlich recht schnell an Bedeutung, da wir hier dann meistens doch eher auf unsere Kampffertigkeiten vertrauen müssen.

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Als Hacker mobil bleiben

London kann natürlich nicht nur zu Fuß erkundet werden. Auf den Straßen warten unzählige Fahrzeuge darauf, von uns durch die britische Metropole gejagt zu werden. Von Sportwagen, über elegante Limousinen bis hin zu Militärfahrzeugen, Bussen oder Lastwagen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch Zweiräder wie Roller oder Motorräder sowie Boote in verschiedenen Größen können von uns übernommen werden. Die arcadige Fahrzeugsteuerung macht dabei zu jeder Zeit Spaß, besonders hervorheben lassen sich hier Elemente wie der Autopilot oder auch das wirklich großartige Schadensmodell, das unseren fahrbaren Untersätzen bei Kollisionen ordentlich zusetzt. Das Stadtbild wirkt dank unzähliger Autos, die die Straßen bevölkern, zu jeder Zeit lebendig, autonome Fahrzeuge wie Werbekarawanen von Albion, die im Übrigen nicht von uns übernommen werden können, sorgen darüber hinaus für ein futuristisches Erscheinungsbild. Auch im Fahrzeug spielen unsere Hacking-Fähigkeiten eine Rolle, zum Beispiel, wenn wir Poller aktivieren, um Verfolger aufzuhalten und so für Chaos in der Stadt sorgen. Besonders gut gefallen haben uns im Test die Überwachungsdrohnen, die unsere Steuerung blockieren können, wenn wir uns daneben benehmen. Dadurch wird die Überwachung durch Albion noch mehr verdeutlicht. Ein Element, was gerade in den ersten Spielstunden eine unerwartete Herausforderung darstellt, ist der Linksverkehr. Wo man im Los Santos der Konkurrenz irgendwann nahezu blind die Straßen entlang fegt, hängt man in London zunächst andauernd im Gegenverkehr und fragt sich immer wieder, warum – bis einem die Verkehrsführung wieder bewusst wird. Der Linksverkehr ist zwar ungewohnt, aber eigentlich ein interessantes Element, das überraschenderweise bisher sehr jungfräulich in Videospielen thematisiert wurde. Ebenfalls sehr gut gefallen hat uns die Möglichkeit, mit der Londoner U-Bahn von einer Station zur nächsten schnell zu reisen.

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I want you

Wo Watch Dogs Legion beim Kampfsystem oder beim Fahrzeug-Handling keine großen Sprünge macht, aber eine grundsolide Leistung abliefert, geht das Hacking-Abenteuer beim Thema Open World ganz neue, erfrischende und äußerst interessante Wege. So können wir für unser Team wirklich jeden Einwohner der Stadt rekrutieren. Was zunächst so klingt, als würde dies aufgrund der Masse dazu führen, dass sich alles belanglos und austauschbar anfühlt, erweist sich als wahres Meisterstück. Jeder Charaktertyp bringt besondere Fähigkeiten mit, die uns im Spielverlauf helfen. So verfügen einige Figuren über einzigartige Waffen oder eigene Fahrzeuge, wohingegen andere in der Lage sind, bei Verfolgungen schneller zu entkommen, sich effizienter zu verstecken oder auch über kürzere Abklingzeiten beim Hacken verfügen. Hier fallen besonders die Bauarbeiter auf, die ihre Frachtdrone als Plattform nutzen und damit durch die Stadt fliegen können. Andere Fertigkeiten sind hingegen im Hacker-Alltag nicht wirklich nützlich, wie zum Beispiel umfassende Kenntnisse im Gitarrenspiel. Je nachdem, ob wir lieber laut oder leise vorgehen, ergibt sich so nach und nach das perfekte Team für jeden Bedarf. Zwischen den rekrutierten Agenten können wir dann zu jeder Zeit hin und her wechseln, um je nach Mission Zugriff auf ihre individuellen Fähigkeiten zu haben.

Durch die ständige Suche nach potenziellen Verbündeten nehmen wir die Spielwelt auch sehr viel detaillierter wahr. Was in anderen Spielen nur Kulisse oder NPC-Statisten waren, wird durch die Rekrutierungsoption zur möglichen Spielfigur, wodurch die Welt an sich auch sehr viel lebendiger wirkt. Ständig halten wir Ausschau nach Rekruten, die unser Team mit ihren besonderen Skills verstärken können und nehmen dadurch auch unzählige Passanten aktiv wahr, die wir in einer gewöhnlichen offenen Welt niemals beachtet hätten. Ja, bei der Individualität des Aussehens und auch beim Detailreichtum der Gesichtszüge, gerade auch in den Sequenzen, müssen Abstriche gemacht werden. Dies haben wir durch die völlig neue Perspektive, die uns diese Gameplay-Variation im ansonsten nicht gerade experimentierfreudigen Open-World-Genre bietet, aber gerne in Kauf genommen. Übrigens: wenn wir gerade anderweitig beschäftigt sind, unterwegs aber einen vielversprechenden Charakter entdecken, lässt sich dieser als Favorit markieren und so zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf erneut aufspüren. Bevor wir einen Rekrut in unseren Reihen willkommen heißen können, lernen wir ihn in einer kleinen Dialogsequenz kennen und müssen anschließend eine Rekrutierungsmission erledigen, um sein oder ihr Vertrauen zu erlangen. Hier geht es zum Beispiel darum, Waffenverstecke aufzuspüren und zu zerstören, Zugangsschlüssel zu beschaffen oder auch den potenziellen Rekruten vor Kopfgeldjägern zu schützen. Wir dürfen uns also auf eine Fülle an Nebenmissionen freuen, die beim Aufbau des eigenen Teams auf uns warten. Wem abseits der Hauptstory immer noch zu wenig zu tun ist, der kann sich außerdem an Nebenaufgaben wie den Lieferungen versuchen, die an speziellen Stationen angenommen werden können. Diese halten je nach Schwierigkeit verschiedene Herausforderungen für uns bereit. Mal gibt es ein Zeitlimit, das eingehalten werden muss, ein anderes Mal ist die Lieferung zerbrechlich und darf nicht zu stark beschädigt werden. Schmugglerware stellt eine zusätzliche Hürde dar, da sie von Albion aufgespürt wird, sodass wir während des Transports auf reichlich Widerstand stoßen.

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Ein stimmungsvolles London

In Sachen Atmosphäre macht Watch Dogs Legion eine Menge richtig. Die Spielwelt an sich spiegelt die außergewöhnliche Stimmung der englischen Hauptstadt in Perfektion wider. Die typischen alten Häuserfassaden treffen auf bunte Neonreklame und modern gestaltete Schaufenster. Auf schicke Viertel im Zentrum folgen heruntergekommene Bereiche mit verrammelten Geschäften, versifften Unterführungen und Graffitis an den Wänden. Auch den Sehenswürdigkeiten, die mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet wurden, dürfen wir einen Besuch abstatten, vom Palast von Westminster bis hin zum MI6-Gebäude. Shops, in denen neue Outfits und Accessoires gekauft werden können, sind ebenfalls Teil des Stadtbildes und locken mit futuristischer Leuchtwerbung, die den leichten Cyberpunk-Charme der Umgebung zusätzlich unterstreichen. Damit man auch wirklich sicher sein kann, in England zu sein, besteht außerdem die Chance, in speziellen Kneipen den Volkssport schlechthin auszuüben und sich am Dartboard zu beweisen. Die Dartpartien, die alleine oder gegen einen Gegner bestritten werden können, sind alles andere als leicht und ein grandioser Zeitvertreib für zwischendurch. Der atmosphärische Tag-und-Nacht-Wechsel lässt uns die Stadt zu unterschiedlichen Tageszeiten erleben und dank kleinerer Parcours-Elemente sind wir in London nicht nur auf einer Ebene unterwegs. Zwar klettern wir nicht – wie bei der hauseigenen Konkurrenz – nackte Wände und Fassaden hoch, das Überspringen von Zäunen und Mauern oder auch das Hochklettern an Abwasserrohren ist aber dennoch möglich und sorgt für mehr Dynamik bei der Bewegung.

Grafisch muss sich London City ebenfalls nicht verstecken, denn sowohl Licht- und Schatteneffekte als auch Spiegelungen sowie Feuer- und Rauchelemente sehen mehr als ordentlich aus. Beim Fahren durch die Stadt dürften die Texturen der Fassaden hier und da etwas zügiger laden, wirklich störend ist die leichte Unschärfe aus gewisser Distanz aber nicht. Bei der musikalischen Untermalung orientiert man sich dagegen am genretypischen Standard und bietet beim Fahren mit den Fahrzeugen eine Auswahl an Songs aus sämtlichen Genres an, die bei Bedarf auch durchgeschaltet werden können. Hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei, von Jamiroquai, über Bring me the Horizon und Lacrimosa, bis hin zu Johann Strauß. Instrumentale Stücke aus dem Elektro- und Housebereich komplettieren die Sammlung, die zugegebenermaßen nicht besonders riesig, aber absolut ausreichend ist. Was an dieser Stelle lobend erwähnt werden muss, ist, dass die Musik auch noch gedämpft zu hören ist, wenn man das Auto verlässt und das Radio angeschaltet lässt – ein gelungenes Detail, das die Spielwelt noch lebendiger wirken lässt.

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Fazit

Mein Verhältnis zur Watch Dogs Reihe ist nicht ganz einfach. Während mich der erste Teil mit seinem innovativen Ansatz und seiner großartigen Hauptfigur rundum begeistert hat, wurde ich mit der Fortsetzung, trotz ihrer großartigen Spielwelt in San Francisco, nie zu einhundert Prozent warm – was vielleicht auch am für mich recht austauschbaren Hauptcharakter lag. Gerade dieser Aspekt hat mir im Vorfeld ein wenig Bauchschmerzen bereitet, da in Watch Dogs Legion so viele verschiedene Charaktere gespielt werden können, wodurch die Gefahr einer fehlenden Identifikationsfigur noch um ein Vielfaches höher war. Ich muss sagen, dass mich Ubisoft hier eines Besseren belehrt hat. Ja, Watch Dogs Legion geht weder beim Kampfsystem, noch beim Fahrzeug-Handling oder beim Parcours neue Wege und bedient sich gängiger Genremechaniken, die allerdings wirklich sehr ordentlich umgesetzt werden. Auch die Hacking-Optionen sind, wenn auch im Vergleich zu den Vorgängern breiter aufgestellt, nichts neues mehr und können für die Reihe als gegeben vorausgesetzt werden. Bei der Gestaltung seiner offenen Welt, die sich sowohl optisch als auch von der Stimmung her, wirklich sehen lassen kann, liefert das Spiel ebenfalls solide ab und gibt wenig Raum für Beschwerden.

Bis hierhin könnte man Watch Dogs Legion als solides Open-World-Abenteuer ohne großartiges Alleinstellungsmerkmal bezeichnen, das irgendwo im gehobenen, mittleren Wertungsbereich angesiedelt ist. Wäre da nicht die großartige und wirklich mutige Idee, ganz London für uns spielbar zu machen. Dadurch wirkt die Stadt lebendiger, interessanter und außergewöhnlicher als andere offene Welten, da wir einen sehr viel persönlicheren Bezug zu ihr bekommen. Beim Streifzug durch die Spielwelt auf der Suche nach neuen, noch besseren oder noch sympathischeren Rekruten vergisst man schnell mal, der eigentlichen Hauptmission nachzugehen. Ja, optisch und auch von der Vertonung her sind bei der Individualität der einzelnen Figuren Grenzen gesetzt, dennoch wirkt London dank der Rekrutierungsoption auf mich menschlicher und echter als andere offene Spielwelten, da die NPCs mehr sind als nur stumme Statisten. Eine einzelne Identifikationsfigur fehlt zwar im neuen Hacking-Abenteuer, dafür können wir uns ein Team aus unseren Lieblingsfiguren zusammenstellen, die ihre individuellen Besonderheiten haben. Damit hat mich Watch Dogs Legion voll abgeholt und dringt damit auch verdientermaßen in den hohen Wertungsbereich vor.

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Pro:
  • Dank Rekrutierungsoption wird jeder NPC zur potentiellen Identifikationsfigur
  • Solide Kampf- und Stealth-Mechaniken
  • London als stimmungsvolle und lebendige Kulisse mit allen wichtigen Wahrzeichen
  • Zahlreiche Hacking-Optionen für vielschichtiges Gameplay
  • Äußerst gelungenes Schadensmodell der Fahrzeuge
Contra:
  • Keine wirkliche Hauptfigur
  • Im Prinzip nichts Neues beim Kämpfen, Fahren und Klettern
  • Hier und da spät ladende Texturen an Fassaden
  • Detailreichtum bei Gesichtern überschaubar
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
5 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: Xbox One

Unsere Wertung:

9.0 / 10
Ein leidenschaftlicher Konsolenspieler, der zur Not aber auch mal den PC anschaltet. Vor allem Shooter-Serien wie Battlefield oder Call of Duty werden gerne gezockt, aber auch Action-Adventures wie Assassin's Creed, Batman Arkham oder The Last of Us liegen regelmäßig im Laufwerk. Sporttitel wie Fifa oder Tour de France erweitern das Interessengebiet, ebenso wie MMOs oder sämtliche Titel aus dem Star Wars Universum.

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