

Von Shining Force zu Golden Sun: Die ungewöhnliche Geschichte von Camelot
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Golden-Sun-Fans kennen die Helden, die Dschinn und die Leuchttürme in- und auswendig. Das Studio dahinter kennt dagegen kaum jemand, und das ist schade, denn seine Geschichte ist fast spannender als das Spiel selbst. Camelot ist ein winziges Team, das im Lauf der Jahre zweimal die Seiten gewechselt und dabei eine seiner besten Ideen einfach mitgenommen hat.
Wer das Spiel lieber selbst nochmal anwerfen will, findet bei uns ein eigenes Re-Play von Golden Sun. In diesem Text soll es um die Leute und das Studio dahinter gehen.
Die Wurzeln des Studios reichen weiter zurück, als die meisten vermuten. Schon 1990 entstand das Team als Sega-Ableger, zunächst unter dem Namen Sonic! Software Planning. Gemeinsam mit dem Studio Climax baute man dort die Shining-Reihe auf. Wer die taktischen Rollenspiele Shining in the Darkness oder Shining Force gespielt hat, kennt also bereits den Stammbaum von Golden Sun, ohne es zu ahnen.
1994 gründete Shugo Takahashi dann offiziell Camelot, gemeinsam mit seinem Bruder, dem Produzenten Hiroyuki Takahashi. Die beiden sind bis heute das Herz des Studios. Man arbeitete weiter an Shining-Titeln für Sega, wagte nebenbei aber schon erste eigene Projekte wie das PlayStation-Rollenspiel Beyond the Beyond.
Zum Zerwürfnis kam es rund um Shining Force III. Während Camelot noch am Saturn-Projekt saß, lenkte Sega Ende der 90er seine Kräfte immer stärker auf den Nachfolger Dreamcast. Ausgerechnet als das Studio sein bis dahin ambitioniertestes Szenario fertigstellen wollte, verlor es so den Rückhalt des Publishers. Am Ende zerbrach die Zusammenarbeit.
Camelot zog die Konsequenz, ließ die Shining-Reihe hinter sich und wechselte zu Nintendo. Der Einstieg dort hatte mit Rollenspielen erst mal nichts zu tun, sondern mit Sport, nämlich Mario Golf für das Nintendo 64. Das Projekt, das das Studio endgültig berühmt machen sollte, kam erst in den frühen 2000ern: Golden Sun, 2001 für den Game Boy Advance.
Für viele Fans ist das eine echte Überraschung, aber vieles, was den GBA-Klassiker ausmacht, war keine Neuerfindung. Zentrale Ideen wie das icon- und steuerkreuzbasierte Befehlssystem oder die pseudo-dreidimensionale Kampfgrafik feierten ihre Premiere bereits in den frühen Shining-Spielen auf dem Mega Drive.
Golden Sun trägt also die handwerkliche DNA einer Sega-Serie in sich. Die Takahashi-Brüder nahmen alles, was sie in über einem Jahrzehnt bei Shining gelernt hatten, und formten daraus auf Nintendo-Hardware etwas Neues. Wer beide Reihen kennt, erkennt die Verwandtschaft sofort.
Camelot war und ist ein kleiner Laden. Über die Jahre bewegte sich die Belegschaft bei rund 37 bis 40 Leuten, ein Zwerg unter den Studios im Nintendo-Umfeld. Das erklärt vieles an der Arbeitsweise, von den langen Entwicklungszyklen über den Fokus auf wenige Genres bis zur fast familiären Konstanz im Team.
Zu dieser Konstanz zählt auch Komponist Motoi Sakuraba, der die Reihe über viele Projekte hinweg begleitet und nebenbei Musik für Star Ocean, Tales und Dark Souls geschrieben hat. Camelot ist eben kein großer Konzern, sondern ein kleines Team mit eigener Handschrift.
Genau hier steckt ein Konflikt, der das Studio bis heute begleitet. Mario Golf und Mario Tennis verkaufen sich zuverlässig und halten den Laden am Laufen. Die Rollenspiele wie Shining Force und Golden Sun bringen weniger ein, sind aber das, woran die Herzen hängen. Hiroyuki Takahashi hat schon früher durchblicken lassen, dass ihm die Rollenspiele wichtig sind. Einmal ging es dabei sogar um die Idee eines neuen Shining Force.
Und dieser Konflikt macht Camelot gerade 2026 wieder spannend. Nach eigenen Andeutungen steckt das Studio in der Spätphase eines neuen Titels, und prompt lodert unter Fans die alte Frage wieder auf: Wird es noch ein Mario-Sportspiel? Oder traut sich Camelot endlich zurück ins Rollenspiel?
Eine Antwort darauf haben wir nicht, und ehrlich gesagt hat sie niemand außerhalb von Shinjuku. Ein Muster zeigt die Studiogeschichte aber ganz gut: Am stärksten war Camelot immer dann, wenn es seinem RPG-Instinkt gefolgt ist, auch wenn der bequemere Weg ein anderer gewesen wäre.
Sollte tatsächlich ein neues Golden Sun kommen, wartet auf das Studio eine gewaltige Aufgabe, denn die Geschichte hängt seit 2010 an einem brutalen Cliffhanger. Was ein vierter Teil erzählerisch auflösen müsste, haben wir uns hier im Detail angeschaut.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.