

Was ist eigentlich aus Army of Two geworden?
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Zwei Söldner, zwei furchteinflößende Masken und ein Faustgruß nach jedem erledigten Auftrag: Army of Two war Ende der 2000er die Koop-Reihe schlechthin für alle, die mit einem Kumpel auf dem Sofa oder im Headset für Chaos sorgen wollten. Drei Hauptteile erschienen zwischen 2008 und 2013, dann war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf Salem und Rios, erklären, warum die Reihe so abrupt endete und schauen, ob es überhaupt noch Hoffnung auf ein Comeback gibt.
Das erste Army of Two erschien im März 2008 für Xbox 360 und PlayStation 3. Entwickelt wurde es von EA Montreal, gebaut auf der Unreal Engine 3. Die Idee dahinter war für einen großen Publisher damals ungewöhnlich konsequent: Das Spiel war von Grund auf für zwei Spieler ausgelegt. Wer allein spielte, bekam einen KI-Partner zur Seite gestellt, doch fast jede Mission war so aufgebaut, dass sie nur im Team funktionierte.
Die Hauptfiguren Elliot Salem und Tyson Rios sind ehemalige US Army Rangers, die als Söldner für die private Militärfirma SSC arbeiten. Die Geschichte führt die beiden von einem Einsatz in Somalia 1993 über Afghanistan und den Irak bis zu einem gekaperten Flugzeugträger und nach Miami. Schnell wird klar, dass ihr eigener Arbeitgeber tief in einer Verschwörung steckt. Die Kritik an privaten Militärfirmen war dabei eher ein Aufhänger als eine ernsthafte Auseinandersetzung, passte aber zur damaligen Debatte rund um Söldnerfirmen im Irak.
Spielerisch drehte sich alles um das Aggro-System. Wer laut und offensiv vorging, zog die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich, während der Partner im Schatten unbemerkt flankieren konnte. Eine Anzeige am Bildschirmrand zeigte, wer gerade im Fokus stand. Dazu kamen Rücken-an-Rücken-Sequenzen in Zeitlupe, gemeinsames Scharfschießen, Räuberleitern und der Overkill-Modus, in dem beide Spieler kurzzeitig unverwundbar wurden und doppelten Schaden austeilten.
Fast genauso wichtig war der Stil. Waffen ließen sich mit verdientem Geld aufrüsten und vergolden, die ikonischen Masken individuell gestalten. Zwischen den Gefechten gab es Gesten wie Faustgrüße, Schulterklopfer oder einen Klaps auf den Hinterkopf. Das wirkte oft eher nach Bro-Komödie als nach Militärdrama, machte aber genau den Charme der Reihe aus.
Die Kritiken fielen gemischt aus. Auf Metacritic erreichte Army of Two 74 Punkte auf der PS3 und 72 auf der Xbox 360. Gelobt wurde das Koop-Erlebnis, bemängelt wurden die KI und die schwankende Schwierigkeit. Kommerziell lief es dagegen sehr gut: Allein in den USA wurden im Erscheinungsmonat über 830.000 Exemplare verkauft.
Im Januar 2010 folgte Army of Two: The 40th Day. Salem und Rios haben sich inzwischen mit ihrer eigenen Firma T.W.O. selbstständig gemacht und geraten in Shanghai mitten in einen verheerenden Terrorangriff, bei dem die Stadt systematisch zerstört wird. Neu waren vor allem moralische Entscheidungen: Immer wieder musst du dich entscheiden, ob du Zivilisten hilfst oder an dich selbst denkst. Die Folgen wurden in kleinen Comic-Panels gezeigt, oft mit bitterem Ausgang.
Spielerisch wurde das Grundkonzept verfeinert, etwa mit Scheinkapitulationen, mit denen du Gegner in die Falle locken konntest und mehr Optionen zur Waffenanpassung. Mit 74 Punkten auf der PS3 und 73 auf der Xbox 360 lag der zweite Teil auf ähnlichem Niveau wie der Vorgänger. Eine PSP-Version erschien ebenfalls, kam bei der Kritik aber deutlich schlechter weg.
Drei Jahre später, im März 2013, erschien mit Army of Two: The Devil's Cartel der dritte und bislang letzte Teil. Entwickelt wurde er von Visceral Montreal, technisch nun auf Basis der Frostbite-2-Engine von DICE. Salem und Rios rückten in den Hintergrund, stattdessen spielst du die beiden namenlosen T.W.O.-Rekruten Alpha und Bravo, die in Mexiko gegen ein brutales Drogenkartell kämpfen.
Die Zerstörungseffekte der Frostbite-Engine sahen zwar gut aus, doch der Rest konnte kaum überzeugen. Viele Kritiker bemängelten, dass die Neuen deutlich blasser blieben als das Originalduo und dass das Spiel generisch und eintönig wirke. Auf Metacritic landete The Devil's Cartel bei 58 Punkten auf der PS3 und 54 auf der Xbox 360. Ein ausführender Produzent sprach später rückblickend sogar von niedriger Moral im Team während der Entwicklung.
Auch der Release-Zeitpunkt war unglücklich. Im selben Monat erschienen Tomb Raider und BioShock Infinite und The Devil's Cartel ging zwischen den Schwergewichten unter. Weltweit wurden laut Berichten nur rund 260.000 Exemplare verkauft. Für eine Reihe, deren Debüt in den USA allein mehr als das Dreifache im ersten Monat geschafft hatte, war das ein Desaster.
Schon vor dem Release von The Devil's Cartel war die Zukunft der Reihe faktisch besiegelt. Visceral Montreal wurde Anfang 2013 im Zuge von Umstrukturierungen bei EA geschlossen. Das Mutterstudio Visceral Games in Kalifornien, bekannt durch Dead Space, folgte 2017. Ein Team, das Army of Two hätte fortführen können, gab es damit nicht mehr.
Hinzu kam, dass sich der Markt stark verändert hatte. Couch-Koop verschwand ab der PS4- und Xbox-One-Generation zunehmend aus großen Produktionen und EA konzentrierte sich auf wenige Großmarken wie Battlefield, FIFA beziehungsweise EA Sports FC und Apex Legends. Ein mittelgroßer Koop-Shooter mit schwacher letzter Episode passte nicht mehr in diese Strategie.
Auch abseits der Spiele blieb es bei Plänen. Universal Pictures sicherte sich 2008 die Filmrechte und Drehbuchautor Scott Z. Burns sollte das Skript schreiben. Der Film wurde nie realisiert. Lediglich zwei Comic-Ableger erschienen: die Graphic Novel Dirty Money und die sechsteilige Reihe Across the Border, die zwischen dem ersten und zweiten Spiel spielt.
Offiziell hat EA seit 2013 kein neues Army of Two angekündigt und es gibt auch keine glaubwürdigen Gerüchte über ein Remaster oder einen Reboot. Die Rechte liegen weiterhin bei Electronic Arts, das sich 2026 grundlegend verändert hat: Im Sommer wurde die Übernahme durch ein Konsortium aus dem saudischen Staatsfonds PIF, Silver Lake und Affinity Partners für rund 55 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, EA ist seitdem nicht mehr an der Börse. Welche Strategie der neue Eigentümer für ältere Marken verfolgt, ist offen.
In der Community ist die Reihe jedenfalls nicht vergessen. In EAs eigenen Foren tauchen regelmäßig Threads auf, die ein Comeback fordern, gerade weil Koop-Shooter mit Fokus auf zwei Spieler heute fast vollständig ausgestorben sind. Erfolge wie It Takes Two und Split Fiction haben gezeigt, dass reine Koop-Erlebnisse ein großes Publikum finden können, wenn sie gut gemacht sind. Wer die alten Teile noch einmal spielen möchte, braucht allerdings die originalen Konsolen oder Discs, denn eine Neuauflage für aktuelle Plattformen gibt es nicht.
Was ist also aus Army of Two geworden? Eine Reihe, die zu ihrer Zeit genau das Richtige zur richtigen Zeit lieferte: kompromisslosen Koop, coole Masken und eine gehörige Portion Machismo mit Augenzwinkern. Der schwache dritte Teil, die Schließung von Visceral Montreal und EAs Fokus auf Großmarken haben ihr dann ein schnelles Ende bereitet.
Ich finde, dass gerade heute Platz für ein neues Army of Two wäre. Ein moderner Koop-Shooter mit Aggro-System, Splitscreen und einem charmanten Söldnerduo wäre eine echte Nische, die kaum jemand besetzt. Ob EA das ähnlich sieht, darf allerdings bezweifelt werden. Bis dahin bleiben uns die Erinnerungen an durchzockte Abende, an denen der Faustgruß nach jedem Gefecht Pflicht war.
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Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.