



Wer schon einmal einen alten Nintendo 64 Controller in der Hand hatte, kennt das Phänomen. Der Analogstick fühlt sich irgendwann nicht mehr straff an, sondern wackelig, ausgeleiert, fast schon schwammig. Nach intensiven „Mario Party“-Sessions oder hektischen Runden in Mario Kart 64 verlor der Stick spürbar an Präzision. Das lag nicht an schlechter Verarbeitung, sondern an der damals üblichen Mechanik.
Und genau hier beginnt die Geschichte der heutigen Hall-Effect-Revolution.
Die ersten Analogsticks, wie beim Nintendo 64, arbeiteten noch mit mechanischen Bauteilen und Zahnrädern. Kunststoff rieb auf Kunststoff. Das Resultat waren Abrieb, Staub und Spiel im Mechanismus. Präzision ging verloren, weil physische Teile schlicht verschleißen.
Später setzten fast alle Hersteller, darunter Sony, Microsoft und Nintendo, auf sogenannte Potentiometer-Sticks. Diese Technik ist bis heute weit verbreitet.
Hier misst ein Schleifkontakt die Bewegung des Sticks, indem er über eine leitfähige Widerstandsbahn gleitet. Je nach Position verändert sich der elektrische Widerstand, und diese Veränderung wird als Analogsignal interpretiert.
Das Problem dabei ist physikalisch unvermeidbar. Wo Reibung entsteht, entsteht Verschleiß. Mit der Zeit nutzt sich die Widerstandsbahn ab. Es entstehen minimale Ungenauigkeiten, die sich schließlich in einem bekannten Phänomen äußern, dem berüchtigten Stick Drift. Selbst moderne Controller wie der DualSense oder die Joy-Cons waren in den letzten Jahren immer wieder Teil entsprechender Diskussionen.
Statt mechanischer Reibung nutzt die Hall-Effect-Technik Magnetismus zur Positionsbestimmung.
Im Inneren eines solchen Sticks befindet sich ein kleiner Magnet. Direkt darunter sitzt ein Hall-Sensor auf der Platine. Bewegt man den Stick, verändert sich das Magnetfeld relativ zum Sensor. Diese Veränderung wird in eine elektrische Spannung umgewandelt, völlig kontaktlos.
Physikalisch basiert das Ganze auf dem sogenannten Hall-Effekt.
Diese Hall-Spannung entsteht, wenn ein Strom durch einen Leiter fließt und gleichzeitig ein Magnetfeld senkrecht dazu wirkt. Je stärker das Magnetfeld, desto größer die messbare Spannung. Genau dieses Prinzip nutzt der Controller, um extrem präzise Positionsdaten zu erfassen.
Der entscheidende Unterschied zur Potentiometer-Technik ist klar. Es gibt keinen mechanischen Schleifkontakt mehr. Nichts reibt. Nichts schleift. Nichts nutzt sich ab.
Der Markt hat sich verändert. Spieler investieren heute deutlich mehr Geld in Peripherie und erwarten Langlebigkeit und Präzision, besonders im kompetitiven Bereich.
Ein Stick, der nach zwei Jahren Drift entwickelt, wird nicht mehr als normaler Verschleiß akzeptiert. Genau hier punktet Hall-Effect-Technik. Da kein physischer Kontakt zur Positionsmessung notwendig ist, sinkt der Verschleiß drastisch. Theoretisch halten diese Module deutlich länger als klassische Potentiometer.
Hinzu kommt die Präzision. Magnetfeldmessungen können sehr fein aufgelöst werden. Das bedeutet eine gleichmäßigere Kurve bei der Stick-Bewegung, weniger tote Zonen und eine konsistentere Rückmeldung, besonders spürbar in Shootern oder Rennspielen.
Kein Wunder also, dass Hersteller wie GuliKit, 8BitDo oder Nacon bereits stark auf Hall-Effect setzen und ihre Controller explizit damit bewerben. Auch im Modding-Bereich wächst die Nachfrage nach entsprechenden Austauschmodulen.
Der Hauptgrund ist weniger technischer Natur, sondern wirtschaftlicher. Hall-Sensoren sind teurer in der Herstellung als einfache Potentiometer. Zudem sind bestehende Produktionslinien seit Jahren auf klassische Module ausgelegt. Ein kompletter Wechsel bedeutet neue Zertifizierungen, neue Zulieferketten und höhere Stückkosten.
Solange sich die Mehrheit der Kunden nicht aktiv beschwert oder bewusst nach Hall-Effect fragt, bleibt der Kostendruck ein starkes Argument gegen eine schnelle Umstellung.
Technisch betrachtet ist die kontaktlose Messung klar überlegen. Sie beseitigt das Kernproblem des mechanischen Verschleißes, etwas, das uns seit den ausgeleierten Sticks des Nintendo 64 begleitet.
Allerdings ist auch Hall-Effect nicht vollkommen immun gegen Probleme. Extreme äußere Magnetfelder könnten theoretisch Störungen verursachen, und auch andere mechanische Komponenten im Stick, etwa Federn oder Kunststoffführungen, unterliegen weiterhin physischer Belastung.
Dennoch markiert Hall-Effect den größten Fortschritt in der Gamepad-Stick-Technologie seit der Einführung des Analogsticks selbst.
Vom ausgeleierten Zahnrad-Stick des Nintendo 64 bis zum modernen Magnet-Sensor war es ein langer Weg. Während klassische Potentiometer-Controller seit Jahrzehnten zuverlässig funktionieren, bringen sie ein konstruktionsbedingtes Problem mit sich, nämlich Reibung.
Hall-Effect-Controller umgehen genau diesen Schwachpunkt. Sie messen Bewegung kontaktlos, präzise und deutlich langlebiger. Für Technik-Enthusiasten ist klar, dass es sich nicht um eine Modeerscheinung handelt, sondern um eine logische Weiterentwicklung.
Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob sich Hall-Effect durchsetzt, sondern wann es zum neuen Standard wird.
Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.