

Resident Evil Requiem im Test: Ein beeindruckendes Comeback
Mit Resident Evil Requiem kommt nach dem Fantasy-lastigen Vorgänger wieder ein klassisch gehaltenes Resi auf den Markt. Wie sich das Abenteuer von Leon und Grace mit seinem Mix aus Horror und Action dabei schlägt, verraten wir euch im Test.

Eine Frage der Perspektive
Gleich zu Beginn können wir wählen, wie wir die Perspektiven der beiden gestalten möchten. Standardmäßig ist Leon, der den actionlastigeren Teil übernimmt, in der Third-Person-Ansicht gehalten, während Grace mit ihren intensiven Horror- und Schockmomenten für die Egoperspektive konzipiert ist. Es lässt sich aber auch jede andere erdenklich Kombination der beiden Optionen einstellen, um das Spiel nach eigenen Vorlieben erleben zu können. Ebenfalls anpassbar ist der Schwierigkeitsgrad. Hier stehen ein leichter Storymodus mit Fokus auf den Rätseln und der Geschichte sowie ein zwei unterschiedliche Standard-Modi zur Wahl. Während bei der modernen Variante ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspruch und Komfort besteht und hier zum Beispiel nach einem Ableben auch auf die leichte Variante gewechselt werden kann, präsentiert sich der klassische Standardmodus noch etwas anspruchsvoller. Er richtet sich an Fans der alten Resi-Teile und bietet daher begrenzte Autosaves und manuelle Speicherpunkte, die nur durch den Einsatz gesammelter Farbbänder gesetzt werden können.

Willkommen im Hotel
Das Spiel empfängt uns mit einer aufwendig inszenierten Eröffnungssequenz, die uns eine der beiden Protagonisten, Grace Ashcrowft , bei ihrer Arbeit als Analytikerin im FBI-Hauptquartier zeigt. Über Zeitungsmeldungen erfahren wir von seltsamen Erkrankungen mit Todesfolge, dass Raccoon City weiterhin im Lockdown gehalten wird und dass sich die USA aus einem Anti-Biowaffen-Abkommen zurückziehen, bevor Grace von ihrem Chef ins Büro zitiert wird. Er setzt sie auf einen neuen Fall an, bei dem es offenbar ebenfalls seltsame Infektionsanzeichen gibt, die sie als Spezialistin untersuchen soll. Bei dem Tatort handelt es sich allerdings um einen heiklen Ort für Grace, da in dem betroffenen Hotel Wrenwood ihre Mutter ermordet wurde. Dennoch entscheidet sie sich dazu, die Untersuchungen zu übernehmen und sich ihren Ängsten zu stellen. Im verfallenen Hotel geht Grace dann den vorhandenen Spuren nach und findet schnell Hinweise darauf, dass hier eine persönliche Verbindung zu ihr besteht. Interessant ist auch, dass wir den Schauplatz sowohl im Hier und Jetzt im zerstörten Zustand als auch in der Vergangenheit mittels spielbarem Flashback besuchen können.

Hochauflösender Horror
Schon in den ersten Sequenzen zeigt das Spiel deutlich, wo die Reise grafisch hingeht. Die Cutscenes sind in Sachen Realismus wirklich atemberaubend und liefern eine Detaildichte, die uns extrem beeindruckt hat. Egal, ob es um die unfassbar naturgetreu gestalteten Haare von Grace geht, bei denen sich jede einzelne Strähne authentisch bewegt, oder um Spiegelungen auf Brillengläsern sowie um Nahaufnahmen von Händen, bei denen wir gestochen scharf einzelne Hautfalten und Poren erkennen. Auch die Bewegungen der Charaktere in den Sequenzen sind so realitätsnah, dass sie sich kaum von der echten Welt unterscheiden lassen, ebenso wie die Wassermassen, die im verregneten Raccoon City auf die Straße fallen. Hinzu kommen großartig umgesetzte Gesichtszüge sowie textile Oberflächen, die so auch mit einer Kamera eingefangen werden könnten. Die grafische Pracht ändert sich auch bei der In-Game-Grafik nicht merklich, denn auch hier präsentiert sich das Spiel wie aus dem Ei gepellt. Spektakuläre Lichteinfälle und Nebelschwaden, authentisch eingefangene Wassertropfen, die von Oberflächen herunter fließen oder auch über weite Teile lesbare Schriften auf Plakaten und Zetteln, die wir in der Umgebung entdecken können, sind nur einige der optischen Highlights. In der Stadt angekommen, punktet der Horrortitel auch direkt mit einer hervorragend umgesetzten Atmosphäre. Noch nie hat sich eine Umgebung in Resident Evil so echt und belebt angefühlt, wie die Straßen, die wir zu Beginn des Abenteuers durchlaufen. Passanten, Arbeiter am Straßenrand sowie eine volle Straße mit Verkehr auf der anderen Seite kreieren die perfekte Kulisse für den Start des Abenteuers. Wie gut die Grafik ist, zeigt sich gerade auch in den ganz dunklen Ecken - und davon gibt es viele. Das, was wir von unserer Umgebung im Licht der Taschenlampe sehen, in Verbindung mit den großartigen Schatten, die die Objekte werfen, taucht alles in eine äußerst unangenehme Stimmung, die uns überall Gefahr erwarten lässt. Die Tatsache, dass alles um uns herum gestochen scharf dargestellt wird, kreiert gerade dann, wenn wir nur wenig sehen, starkes Unbehagen, da wir eben nur einzelne Ecken, Spiegelungen oder Schatten sehen, diese aber hochaufgelöst.

Spürbare Angst
Wenn wir wenig später mit Grace den Tatort betreten, verstehen wir auch sofort, warum uns das Spiel empfiehlt, ihren Abschnitt aus der Egoperspektive zu erleben. Sie vermittelt uns nämlich unfassbar deutlich Graces Angst vor diesem Ort. So schrecken wir beispielsweise selbst hoch, als sie zusammenzuckt und panisch zu atmen beginnt, als ein Vogel hinter einer Plane aufflattert. Die schwach beleuchteten Gänge des verlassenen Hotels sowie die unterschwelligen aber dennoch intensiven Vibrationen, die der DualSense-Controller bei jedem Schritt von sich gibt, intensivieren dieses Erlebnis noch zusätzlich und arbeiten deutlich den Horror-Aspekt des Spiels heraus - so wie er sich in den letzten beiden Ablegern der Reihe etabliert hat. Bei jeder Tür, die Grace öffnet, bei jeder Ecke, die sie ansteuert, halten wir, ebenso wie Grace selbst, den Atem an und dürfen uns so auf wirklich starke Horrormomente freuen, ohne dass wir am laufenden Band mit Jumpscares bombardiert werden. So sind es zum Beispiel kleine Elemente wie ein in der verfallenen Hotelbar platziertes Foto von Grace mit einer Zimmernummer und einem Schlüssel auf der Rückseite, die einem echte Gänsehaut bescheren. Auch das Hotel als erster großer Schauplatz ist extrem gut getroffen und ist mit seinen heruntergekommenen zerfallenen Fluren, schimmeligen Wänden und tropfenden Rohren das perfekte Horrorsetting. Dazu gesellen sich Türen, die wie von alleine ins Schloss fallen, lose Kabel, die einfach von der Decke fallen, wenn wir darunter hindurch laufen, oder auch geisterhafte Vorhänge, die wie gruselige Hände nach uns greifen - ein Horrormenü nach Lehrbuch also. Als Sahnehäubchen darf natürlich auch das passende Wetter nicht fehlen - Blitz und Donner, die die Umgebung noch einmal gruseliger wirken lassen.

Die Soundkulisse während der Grace-Abschnitte ist ebenfalls enorm stark umgesetzt, denn obwohl fast komplette Stille herrscht, sind es gerade die wenigen Geräusche, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen, weil sie im Vergleich so unfassbar laut sind - ganz gleich, ob es um das Knacken unter unseren Sohlen, um Graces hektischen Atem oder um quietschende Türen geht. Man zuckt auch hier gefühlt bei jedem kleinen Bisschen zusammen, da wir in ständiger Alarmbereitschaft sind. Richtig heftig is auch ein leerer Raum, der nur von einem stotternden blechern klingenden Radio akustisch ausgefüllt wird. An dieser Stelle möchten wir auch die herausragende Synchronisation herausstellen, die in Kombination mit der makellosen Lippensynchronität eine rundum professionelle Präsentation mit glaubhaften Emotionen ermöglicht. Die Auswahl an Schauplätzen ist ebenfalls richtig gut getroffen und lässt uns einige epische Momente erleben, wie wir sie aus den frühen Teilen kennen. Nicht nur die Straßen der Stadt oder das zerfallene Hotel gehören hier zum Repertoire, sondern beispielsweise auch ein altes Sanatorium - natürlich der perfekte Ort für ein Horrorspiel. Dieses ist zwar in deutlich besserem Zustand als das Hotel, mit seiner spärlichen Beleuchtung, seiner instabilen Elektrik, seinen engen weitläufigen Gängen und seiner verschachtelten altertümlichen Architektur aber wahrlich kein Wohlfühlort.

Schonungslose Brutalität
Ergänzend zum Spiel mit unserer Angst liefert Resident Evil Requiem auch eine ordentliche Portion Blut und Brutalität. Wenn vor unseren Augen ein Hotelmitarbeiter buchstäblich aus dem Nichts brutal ermordet wird und aus seiner am Boden liegenden Leiche dann das Blut nach oben spritzt, ist das schon etwas, bei dem man zweimal Schlucken muss - ebenso wenn ein freundlicher Officer direkt vor unserer Nase mutiert, nachdem er einen seltsamen Stich am Hals gespürt hat. Solche Momente liefert das Spiel immer wieder und lässt uns dadurch kaum emotional zur Ruhe kommen. Im Wechsel mit den gruseligen und unbehaglichen Abschnitten entsteht so eine dauerhafte innere Anspannung, die das Genre in Perfektion abbildet. Da sich das neue Resi im Vergleich zu Teil 7 und 8 auch insgesamt deutlich realer anfühlt, kratzen einen die heftigen Szenen auch entsprechend mehr als beispielsweise in dem etwas distanzierteren Fantasy-Setting des Vorgängers. Insgesamt kann man also ohne Zweifel sagen, dass das Evil im Spielenamen schon lange nicht mehr so gut gepasst hat.

Die Optik der Infizierten hat es dieses Mal auch wirklich in sich und zudem fanden wir es sehr interessant, dass das Virus bewusst als Waffe eingesetzt wird, indem es in Projektilform in unbeteiligte Bürger gejagt wird. An Gegnern warten einige unterschiedliche Typen auf uns, die sich individuell verhalten. Hierzu gehören neben klassischen langsamen Zombies auch Sängerinnen, die uns mit Schallwellen Schaden zufügen, Zombies, die auf Lichtquellen reagieren oder riesige Monster, die uns durch enge Gänge jagen, an Wänden hochgehen, sich aber nicht im Licht aufhalten können. Auch an gruseligen Charakteren mangelt es nicht, wie blinden Mädchen in Isolationshaft, die alles andere als ungefährlich anmuten, irren Köchen, die uns mit dem Hackebeil verfolgen oder blutrünstigen Ärzten, die mit der Kettensäge auf uns losgehen.

Typisches Resi-Gameplay
Spielerisch bietet uns Resident Evil Requiem genau das, was wir von einem Resident Evil erwarten. Hierzu gehört ein grundsolides Shooter-Grundgerüst, wie wir es aus den jüngsten Remakes der Reihe kennen. Das ganze natürlich in Kombination mit stets knapper Munition und stark begrenztem Inventar. Ab und an haben wir in den Kampfszenen auch kleinere Quicktime-Aufgaben zu lösen und auch die berüchtigten Fluchtszenen sind wieder einmal Teil der Reihe. Hinzu kommen, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, recht rar gesäte Speicherpunkte sowie verschlossene Areale, die wir erst betreten können, wenn wir in der Umgebung entsprechende Hilfsmittel gefunden haben - wie zum Beispiel einen Seitenschneider zum Durchtrennen eines Drahts oder schlicht und einfach den passenden Schlüssel für die Tür. Auch kleinere und größere Rätsel sind wieder mit von der Partie, von Symbolrätseln, deren Elemente in einer bestimmten Reihenfolge betätigt werden müssen, bis hin zu schlichten Zahlenschlössern. Von der Umgebung her bewegen wir uns wie gewohnt in ziemlich stark begrenzten schlauchigen Abschnitten, mit mal mehr mal weniger großen Möglichkeiten zur freien Erkundung. Weiterhin sammeln und untersuchen wir auch wieder allerlei Objekte und betrachten sie von allen Seiten, um die benötigten Interaktionspunkte zu finden. Außerdem ist es ratsam, die Areale immer gründlich nach Munition oder Heilitems wie grünem Kraut zu durchsuchen, da beides rar ist und im entscheidenden Moment unser Überleben sichern kann. Gesammelte Münzen können wir zudem im Spielsalon gegen zusätzliche Objekte wie eine Gürteltasche oder Boosts wie Steroide eintauschen. Selbstverständlich gibt es auch wieder den großen, mysteriösen und unantastbaren Gegenspieler, der von Beginn an übermächtig erscheint und diesmal zugegebenermaßen auch eine wirklich einschüchternde Erscheinung ist.

Leon is back
Neben Grace schlüpfen wir im Rahmen der Story auch immer wieder in die Haut von Resi-Veteran Leon, der inzwischen auch etwas in die Jahre gekommen ist, aber nichts von seiner Coolness eingebüßt hat. Leons erster Auftritt, der direkt am Tatort an der Straße zum Hotel stattfindet, ist natürlich spektakulär inszeniert. Wenn er im langen Ledermantel im strömenden Regen durch die von Neonlichtern beleuchteten Straßen der Stadt läuft, dabei ein wortkarges Telefonat führt und sich dann in seinen schicken Sportwagen (inklusive Product Placement) schwingt, schlägt bei jedem 90er-Jahre-Gamer sicherlich das Herz bis zum Hals. Während wir uns mit Grace eigentlich durchgehend verwundbar und den Gefahren mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert fühlen (trotz ihrer Pistole), haben wir mit Leon sofort das Gefühl, alles im Griff zu haben. Allein seine Körperhaltung beim Schießen oder auch seine Nahkampfangriffe mit Füßen und Fäusten, die wir mit den Fernangriffen kombinieren können, vermitteln Stärke und Kontrolle. Anders als mit Grace sind wir hier eigentlich immer in der Offensive und werden vom Gejagten zum Jäger.

Beide Figuren reden übrigens ohne Unterlass mit sich selbst, auch hier wirkt Leon stets selbstbewusst und zielorientiert, wohingegen Grace unsicher und oftmals überfordert erscheint. Dadurch haben wir in jeglicher Hinsicht einen schönen Kontrast zwischen beiden Protagonisten, wodurch sich die jeweiligen Passagen auch wirklich individuell anfühlen. Leon verfügt zudem über ein ordentliches Waffenarsenal, das neben einer Standardpistole auch eine "Requiem" genannte Magnum bereithält, die ordentlich Wumms mitbringt und später auch Grace den Hintern rettet. Hinzu kommt eine scharfe Axt für martialische Nahkampfmoves, die ein ziemliches Blutbad anrichtet. Die Animationen sind dabei schön wuchtig und werden durch entsprechendes Feedback des DualSense-Controllers unterstrichen, sowohl durch Vibrationen als auch durch die adaptiven Trigger beim Schießen.

Fazit
Nachdem Resident Evil VII und Village sicherlich Geschmackssache waren und gerade die Fans der ersten Stunde nur bedingt abgeholt haben, liefert Resident Evil Requiem wieder an allen Fronten ab. Nicht nur, dass der Titel grafisch und von der Atmosphäre her eine absolute Wucht ist, auch die großartigen Schauplätze sowie die typische Resi-Formel der alten Teile funktionieren im neuen Ableger hervorragend. Hinzu kommt ein überragendes Wechselspiel zwischen zwei Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, das uns auf der Seite von Grace eine ordentliche Portion Horror liefert, wie wir sie von Resident Evil lange nicht mehr gesehen haben. Leon ist dagegen wieder voll in seiner Rolle und stellt sich mit Coolness und Selbstbewusstsein allen Gefahren entgegen - komme was wolle. Gerade die Passagen von Grace haben mich mitunter schon etwas an die emotionalen Grenzen getrieben, da sie äußerst intensiv sind - je nach Spielertyp vielleicht sogar eine Spur zu heftig. Durch die freie Wahl der Ansicht kann man den Schrecken aber ein Stück weit abmildern. Alles in allem ist Resident Evil Requiem wahrlich ein Highlight der gesamten Reihe und reiht sich unter den besten Ablegern ein. Ob es den Thron besteigt, hängt dann letztlich auch vom persönlichen Geschmack ab. Für mich ist Requiem definitiv eines der stärksten Resis überhaupt und ohne Frage der beste Serienteil seit Jahren.
- Atemberaubende Grafik
- Intensive Stimmung
- Echter Horror bei Graces Passagen
- Wuchtige Action mit Leon
- Epische Schauplätze mit Wiedererkennungswert
- Bekannte Resi-Formel in Perfektion umgesetzt
- Großartiges Sounddesign und makellose Synchro
- Brutalität und Horror-Elemente schon ziemlich heftig
- Keine große Innovation


Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.










