

Under The Island im Test: Folgenschwerer Umzug
Mit Under The Island liefert das kleine Indie-Team Slime King Games ein Abenteuer ab, das auf den ersten Blick vertraut wirkt, aber schnell seine ganz eigene Identität entwickelt. Das Action-Adventure verbindet klassische Top-down-Erkundung mit einer melancholischen Coming of Age Geschichte und einer angenehm entschleunigten Atmosphäre. Klingt nach Retro-Nostalgie? Ist es auch. Aber eben nicht nur.

Und plötzlich sinkt die Insel
Im Zentrum steht eine junge Protagonistin, die aufgrund eines Forschungsprojekts ihrer Eltern auf die abgeschiedene Insel Seashell Island umziehen muss. Die dort lebende Bevölkerung hat einen ganz eigenen Aberglauben und betet eine lokale Gottheit um Schutz an. Durch ein Missgeschick Nias, löst sie einen alten Mechanismus aus und hat plötzlich die Mission, die ganze Insel vor dem Versinken zu retten. Dabei trifft sie auf allerhand, teilweise auch absonderliche, Inselbewohner. Von der singenden Zwiebel über den schrulligen Maler bis zum Tipp gebenden Maulwurf können wir uns auf allerhand gefasst machen. Da die magischen Zahnräder, die den Schutzmechanismus der Insel am Laufen halten, das komische Anziehen, bringt uns unsere Suche nach eben jenen immer wieder zu verworrenen Orten. Nicht alle Lebewesen der Insel sind uns wohlgesonnen, und so kommt auch der Kampf nicht zu kurz. Bewaffnet mit der magischen Waffe der Insel wäre das einfach, allerdings wurde diese ausgeborgt und durch einen Hockeyschläger ersetzt… Die Story ist eher ruhig und entfaltet sich in kleinen Häppchen. Wir bekommen kein komplett ausgefeiltes Epos, sondern eher eine Geschichte für zwischendurch. Dadurch stehen die Erkundung und das Kennenlernen der Inselbewohner im Vordergrund. Für einen Gag sind die Charaktere aber immer zu haben.

Under The Island: A Link Nia to the Past Island
Spielerisch orientiert sich Under The Islandklar an Genre-Klassikern der 16-Bit-Ära. Erkundung, einfache Kämpfe, neue Fähigkeiten, die zuvor unerreichbare Gebiete zugänglich machen. Das Grundgerüst funktioniert gut und motiviert zum Zurückkehren in alte Areale. Das Kampfsystem bleibt dabei bewusst simpel. Schwertangriffe (beziehungsweise Hockeyschlägerangriffe), Ausweichmanöver und einige Spezialfähigkeiten reichen aus, um die überschaubaren Gegnertypen in Schach zu halten. Anspruchsvoll wird es vor allem in späteren Bosskämpfen, die Timing und Mustererkennung verlangen, ohne unfair zu wirken. Spiele der SNES-Ära wie The Legend of Zelda: A Link to the Past sind hier gut repräsentiert.

Das beste sind Rätsel
Besonders gelungen sind die Rätsel. Sie setzen weniger auf abstrakte Logikaufgaben, sondern spielen clever mit der Spielwelt selbst. Neue Fähigkeiten verändern nicht nur den Kampf, sondern eröffnen neue Denkansätze bei der Erkundung. Schnellreisepunkte werden durch Schiebe-Rätsel freigeschaltet, während neue Wege durch neue Items geebnet werden. Abkürzungen, um schnell von Gebiet zu Gebiet zu kommen, werden durch einmalige Schalter freigeschaltet. Oft fühlt man sich angenehm gefordert, ohne in Frust abzurutschen. Das Leveldesign unterstützt diesen Ansatz, da Abkürzungen und versteckte Pfade organisch in die Welt eingebettet sind, wir aber selten den Weg zum nächsten Hauptziel verpassen. Wir werden immer wieder darauf hingewiesen, wenn ein Gebiet noch zu schwer für uns ist, aber nie aktiv daran gehindert, es zu betreten. Meist reichen aber ein paar Treffer oder ein fehlendes Schlüsselitem, um uns von selbst zum Umkehren zu bewegen. Erkundung in bereits abgeschlossenen Gebieten wird mit kleinen Upgrades oder Geld belohnt.

Klassicher Look
Optisch ist Under The Island deutlich ambitionierter, als es die zunächst schlicht wirkende Pixelgrafik vermuten lässt. Der Retro-Look orientiert sich klar an 16-Bit-Klassikern, wirkt dabei aber nicht wie eine bloße Kopie vergangener Zeiten. Stattdessen nutzt das Spiel moderne Effekte sehr gezielt, um Tiefe und Atmosphäre zu erzeugen. Dynamische Lichtquellen tauchen Höhlen in warmes Fackellicht, während kühlere Farbtöne unterirdische Anlagen geheimnisvoll und fast schon bedrückend erscheinen lassen. Die Umgebungen sind abwechslungsreich gestaltet und überzeugen durch viele kleine Details. Unscheinbare Bereiche enthalten kleine visuelle Hinweise auf Geheimnisse oder versteckte Pfade. Das sorgt nicht nur für eine lebendige Welt, sondern unterstützt auch das Gameplay, weil aufmerksame Spieler belohnt werden. Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen der idyllischen Oberfläche der Insel und den zunehmend fremdartigen Strukturen in der Tiefe, die mit klareren Linien, kälteren Farben und technischer Anmutung spielen. Charaktermodelle bleiben minimalistisch, transportieren aber durch klare Silhouetten und ausdrucksstarke Animationen genug Persönlichkeit. Gegner sind gut lesbar gestaltet, was im Kampf wichtig ist, da Angriffsanimationen und Bewegungsmuster klar erkennbar bleiben. Auch Bossdesigns setzen auf markante Formen und starke Farbkontraste, sodass sie sich deutlich vom Rest der Welt abheben.

Technisch läuft das Spiel stabil. Es setzt auf saubere Pixelarbeit und durchdachte Farbkompositionen. Das Ergebnis ist eine visuelle Präsentation, die weniger mit Spektakel punktet, sondern mit Stilbewusstsein und Atmosphäre. Under The Islandsieht nicht nur nostalgisch aus, sondern fühlt sich auch wie eine bewusst kuratierte Hommage an klassische Abenteuer an, ohne dabei altbacken zu wirken.
Fazit
Unterm Strich ist Under The Islandkein lauter Blockbuster, sondern ein leises, stimmungsvolles Abenteuer mit Herz. Die Nostalgie spielt einen großen Teil des Charmes. Die Geschichte ist nett und immer wieder amüsant. Wir werden immer in eine Richtung geschubst, aber nicht fest an der Hand genommen, sodass immer die Option des eigenständigen Erkundens offen ist. Als kurzweiliges Abenteuer mit erstaunlich umfangreicher Spielwelt lohnt sich Under The Islandfür jeden Top-Down-Adventure-Fan. Auch Nostalgiker werden sich sofort abgeholt fühlen. Es kommt aber nicht ganz an den Einfallsreichtum seiner Vorlagen heran.
- Flüssiges Spielgefühl
- Gute Führung innerhalb der Hauptstory
- Passend gesetzte Gags
- Keine Marker auf Minikarte
- Rätsel häufig trivial
- Schwaches Trefferfeedback

Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.




