

Majora's Mask: Warum das melancholischste Zelda bis heute einzigartig ist
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Es gibt Zelda-Spiele, die ich bewundere und es gibt The Legend of Zelda: Majora's Mask. Kein anderer Teil der Reihe hat mich so berührt, so verunsichert und so nachhaltig beschäftigt wie dieses seltsame, melancholische Abenteuer, das im Jahr 2000 für das Nintendo 64 erschien. Ein Mond mit Fratze, der in drei Tagen auf eine Stadt stürzt, Masken, die dich in andere Wesen verwandeln und Figuren, deren kleine Schicksale dich mehr mitnehmen als so manche große Rettung der Welt. Diese Kolumne ist eine Liebeserklärung an ein Spiel, das bis heute einzigartig ist und gleichzeitig ein Wunsch an Nintendo.
Die Entstehungsgeschichte von Majora's Mask ist fast so spannend wie das Spiel selbst. Nach dem Riesenerfolg von Ocarina of Time arbeitete Nintendo zunächst an einer überarbeiteten Version des Spiels für das 64DD, das Diskettenlaufwerk-Add-on des N64. Daraus wurde später die Master Quest. Eiji Aonuma, der heute als Kopf der Zelda-Reihe gilt, wollte aber lieber etwas völlig Neues machen. Shigeru Miyamoto stellte dem Team daraufhin eine Herausforderung: ein komplett neues Zelda-Spiel in rund einem Jahr, aufgebaut auf der Engine und den Grafiken von Ocarina of Time.
Unter der Leitung von Aonuma und Yoshiaki Koizumi, mit Miyamoto als Supervisor, entstand das Spiel schließlich in etwa 15 Monaten, begleitet von viel Crunch. Am 27. April 2000 erschien Majora's Mask in Japan, im Oktober in Nordamerika und am 17. November 2000 bei uns in Europa. Technisch setzte das Spiel das Expansion Pak voraus, ein Speichererweiterungsmodul für das N64, das viele Spieler extra dafür kaufen mussten.
Die kurze Entwicklungszeit merkt man dem Spiel stellenweise an. Viele Figuren aus Ocarina of Time tauchen wieder auf, allerdings in neuen Rollen und mit anderen Geschichten. Was eigentlich eine Notlösung war, wurde zu einer der größten Stärken des Spiels: Termina wirkt wie ein verzerrtes Spiegelbild von Hyrule, vertraut und gleichzeitig zutiefst fremd.
Die Geschichte beginnt kurz nach den Ereignissen von Ocarina of Time. Link ist mit seinem Pferd Epona auf der Suche nach einer verlorenen Freundin, als ihn das Horrorkind, der Skull Kid, überfällt. Der kleine Unruhestifter trägt die Maske von Majora, ein uraltes, böses Artefakt, das ihm gewaltige Kräfte verleiht. Er verwandelt Link in einen Deku-Jungen, stiehlt seine Okarina und lockt ihn in die Parallelwelt Termina.
Dort droht in drei Tagen der Mond auf Unruh-Stadt zu stürzen und alles Leben auszulöschen. Diese Bedrohung hängt die gesamte Zeit buchstäblich über dir. Der Mond mit seinem verzerrten Gesicht kommt Tag für Tag näher und die Bewohner gehen ganz unterschiedlich mit dem drohenden Ende um. Manche fliehen, manche leugnen die Gefahr, manche bereiten ein Fest vor, als wäre nichts. Genau diese Stimmung macht Majora's Mask so besonders. Im Kern erzählt es weniger vom Kampf zwischen Gut und Böse als von Verlust, Angst, Trauer und davon, wie Menschen mit dem Unausweichlichen umgehen.
Das Herzstück von Majora's Mask ist der Zeitzyklus. Ein Durchlauf dauert 72 Stunden Spielzeit, was etwa 54 Minuten in der Realität entspricht. Bevor der Mond einschlägt, musst du mit der Hymne der Zeit zurück an den Morgen des ersten Tages reisen. Dabei behältst du deine Masken, Lieder und wichtige Gegenstände, verlierst aber Rubine, Munition und alle Fortschritte bei den Bewohnern. Spielst du die Hymne der Zeit rückwärts, verlangsamst du den Ablauf und verschaffst dir etwas Luft.
Was zunächst nach Zeitdruck klingt, entpuppt sich als eine der genialsten Ideen der Spielegeschichte. Jede Figur in Unruh-Stadt folgt einem eigenen Tagesablauf. Sie gehen zur Arbeit, treffen sich mit Freunden, warten auf jemanden, der nie kommt. Mit dem Notizbuch der Bomber behältst du den Überblick über diese Schicksale und lernst nach und nach, wann und wo du eingreifen musst, um den Menschen zu helfen.
Das Spiel lebt davon, dass du die Welt immer wieder neu erlebst und jedes Mal etwas mehr verstehst. Die bekannteste und für mich schönste Nebengeschichte ist die von Anju und Kafei, einem verlobten Paar, das kurz vor der geplanten Hochzeit getrennt wurde. Um ihre Geschichte vollständig zu erleben, musst du über alle drei Tage hinweg an genau den richtigen Stellen sein. Das Ende dieser Quest, kurz bevor der Mond einschlägt, gehört zu den emotionalsten Momenten, die ich je in einem Videospiel erlebt habe.
Die zweite große Idee sind die Masken. Insgesamt gibt es 24 Stück und viele davon sind eng mit den Geschichten der Bewohner verknüpft. Die wichtigsten sind die Verwandlungsmasken. Als Deku hüpfst du über Wasser und schießt aus Blumen in die Luft, als Gorone rollst du mit Stacheln durch die Berge und als Zora schwimmst du blitzschnell durch die Große Bucht und spielst auf deiner Fischgräten-Gitarre.
Besonders stark finde ich, dass jede dieser Masken mit dem Tod einer Figur verbunden ist. Die Deku-Maske stammt von einem verstorbenen Deku-Kind, die Goronen-Maske vom Geist des Helden Darmani und die Zora-Maske vom sterbenden Gitarristen Mikau. Link übernimmt buchstäblich ihre Gestalt und führt ihr Werk zu Ende. Wer alle Masken sammelt, erhält am Ende die mächtige Maske der Grimmigen Gottheit, mit der Link zu einem furchteinflößenden Krieger wird.
Koji Kondo komponierte den Soundtrack gemeinsam mit Toru Minegishi. Viele Stücke greifen Melodien aus Ocarina of Time auf, interpretieren sie aber neu und oft deutlich düsterer. Mein absolutes Highlight ist das Thema von Unruh-Stadt, das sich mit jedem Tag verändert und immer hektischer wird, je näher der Mond kommt. Am dritten Tag ist die Musik so getrieben, dass man die Panik der Bewohner förmlich spürt.
Dazu kommen Stücke wie der melancholische Song of Healing, die bedrückende Musik im Ikana-Canyon oder der Titelsong des finalen Kampfes. Der Soundtrack trägt einen riesigen Teil zur Stimmung bei und gehört für mich zu den besten der gesamten Reihe.
Kaum ein Zelda-Spiel hat so viele Fan-Theorien hervorgebracht wie Majora's Mask. Die bekannteste besagt, dass die fünf Gebiete von Termina den fünf Phasen der Trauer entsprechen. Unruh-Stadt steht demnach für das Leugnen, der Sumpf der Dekus für die Wut, die Berge der Goronen für das Verhandeln, die Große Bucht der Zoras für die Depression und der Ikana-Canyon für die Akzeptanz. Tatsächlich passen viele Figuren und Geschichten in den jeweiligen Gebieten erstaunlich gut zu diesem Muster.
Noch düsterer ist die Theorie, dass Link in Wahrheit tot ist. Als er zu Beginn des Spiels in den Verlorenen Wäldern in einen tiefen Abgrund stürzt, soll er gestorben sein und Termina wäre eine Art Zwischenwelt oder Fegefeuer. Belege dafür gibt es natürlich keine, aber die düstere Stimmung des Spiels lädt zu solchen Gedanken förmlich ein. Andere Fans sehen Termina als Traumwelt oder als eine von Majora erschaffene Illusion.
Viel diskutiert wird auch der Maskenhändler. Der lächelnde Mann mit dem riesigen Rucksack scheint deutlich mehr zu wissen, als er zugibt und manche Fans halten ihn für eine Art übernatürliches Wesen. Spannend ist zudem die Verbindung zu Twilight Princess: Laut der offiziellen Chronik Hyrule Historia ist der geheimnisvolle Krieger, der Link dort neue Kampftechniken beibringt, der Link aus Ocarina of Time und Majora's Mask. Ein Held, der nach seinen Abenteuern vergessen wurde und dessen Reue ihn auch nach dem Tod nicht ruhen lässt. Und dann gibt es noch die Creepypasta Ben Drowned von 2010, die rund um eine angeblich verfluchte Majora's-Mask-Kassette zu einem der bekanntesten Horror-Mythen des Internets wurde.
Majora's Mask wurde von der Kritik gefeiert und erreicht auf Metacritic bis heute 95 Punkte. Auf dem N64 verkaufte es sich rund 3,36 Millionen Mal, deutlich weniger als Ocarina of Time, was auch am Expansion Pak und am späten Zeitpunkt in der Lebenszeit der Konsole lag. In den folgenden Jahren erschien das Spiel 2003 in der Collector's Edition für den GameCube, später auf der Virtual Console von Wii und Wii U und seit 2022 auch im Erweiterungspaket von Nintendo Switch Online.
2015 folgte schließlich ein Remake für den Nintendo 3DS, entwickelt von Grezzo. Die Grafik wurde deutlich aufgewertet, das Speichersystem und das Notizbuch komfortabler gestaltet und einige Bosskämpfe überarbeitet. Nicht jede Änderung kam bei Fans gut an, insgesamt ist das Remake aber eine tolle Möglichkeit, das Spiel heute zu erleben.
Ich wünsche mir seit Jahren eine Fortsetzung. Majora's Mask hat bewiesen, dass Zelda mehr kann als Dungeons, Dreiecke und Prinzessinnen in Not. Bei Majora's Mask hat einfach alles gestimmt: coole Features, ein geniales neues Setting, ein Hammer-Soundtrack und eine Atmosphäre, die bis heute ihresgleichen sucht.
Ein neues Abenteuer in Termina, eine weitere Geschichte über den Skull Kid oder zumindest ein Spiel, das den Mut von Majora's Mask aufgreift, wäre mein absoluter Traum. Gerade in Zeiten, in denen Nintendo mit Breath of the Wild und Tears of the Kingdom die Reihe komplett neu erfunden hat, wäre ein kompakteres, düsteres Zelda mit einem cleveren Zeitmechanismus eine wunderbare Abwechslung. Und falls Nintendo kein neues Spiel machen will: Ein Remake in der Engine von Echoes of Wisdo, im Stil von Link's Awakening oder in der kommenden Neuauflage von Ocarina of Time würde ich ebenfalls sofort kaufen.
Majora's Mask ist für mich das mutigste Zelda, das Nintendo je gemacht hat. Ein Spiel über Vergänglichkeit, Trauer und kleine Menschen mit großen Sorgen, verpackt in einen genialen Zeitzyklus und begleitet von einem unvergesslichen Soundtrack. Es ist nicht das zugänglichste Zelda und sicher nicht für jeden gemacht, aber wer sich darauf einlässt, wird es nie wieder vergessen. Ich jedenfalls warte weiter darauf, dass der Mond über Termina noch einmal aufgeht.
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Dominik Probst
Webentwickler, Technik-Nerd und Gamer aus Leidenschaft seit der Kindheit, mit einem Faible für die komplette The Legend of Zelda- und Halo-Reihe. Dazu fast keine Konsolengeneration ausgelassen und auch sehr interessiert an Indie-Games.