Review

Bau-Simulator 2022 im Test: Ein Sandkastentraum wird wahr

Von Felix Mager am 23. September 2022
Publisher: astragon
Release: 20. September 2022
Genre: Simulation
Entwickler: weltenbauer. SE
Verfügbar für: PC | PS4 | PS5 | Xbox One | Xbox Series S/X
USK Altersfreigabe: 0

Wohl die meisten Kinder haben früher gerne mit Spielsachen, Autos oder sonstigen Gerätschaften im Sand gespielt oder auf dem Spielplatz den Bagger bedient. So manch einer hat diese anfängliche Leidenschaft zum Beruf werden lassen und für alle anderen blieb es bislang ein Traum, auch einmal einen Kran zu steuern oder in einem großen LKW mitzufahren.

Bis jetzt, denn mit dem Bau-Simulator von astragon wird dieser Traum nun endlich Wirklichkeit. Mit einer beeindruckenden Auswahl an lizenzierten Fahrzeugen von bekannten Marken und faszinierender Technik kann nun jeder Spielfreudige sein Können auf der Baustelle unter Beweis stellen!

Erste Entscheidungen

Bevor es losgeht, müssen wir uns einen Charakter und eine Firma erstellen. Hier gibt es einige Presets und auch verschiedene Ethnien stehen zur Auswahl.

Nun können wir noch ein paar weitere optische Einstellungen vornehmen, wie verschiedene Helme oder Brillen auswählen und deren Farbe anpassen. Leider sind keine individuellen Farben möglich und man kann nicht sehr weit rauszoomen, um sich ein besseres Bild zu machen. Immerhin lässt sich der Charakter aber drehen. Und seien wir mal ehrlich, es geht uns sowieso mehr um die Maschinen als um die Spielfigur. Am Ende der Charaktererstellung muss noch ein Name vergeben werden.

Die Menüführung ist etwas seltsam, die Steuerung mit der Tastatur funktioniert nur teilweise. Beispielsweise geht man mit der Rücktaste zurück, aber es ist keine Navigation mit Pfeiltasten, WASD oder dergleichen im Menü möglich. Dies zu implementieren wäre nicht schwer gewesen.

Anschließend entscheidet man sich für Single- oder Multiplayer und das Bauen kann beginnen, also fast … denn zuerst müssen wir noch eine neue Firma erstellen. Hier kann zwischen Europa und der USA als Firmenstandort entschieden werden, welche sich optisch und auch spielerisch voneinander abheben sollen. Eine gute Idee. Noch ein Logo und einen Namen für unsere erste eigene Firma und los gehts ins Spiel.

Auf ins Spiel

Wir starten im einführenden Tutorial und lernen die Grundbewegungen kennen. Die Animationen sind okay, aber doch sehr hakelig. Besonders die Sprunganimation besteht nur aus wenigen Frames und wirkt daher, wie wenn ein Puppenspieler von oben ruckartig die Beine und Arme unserer Spielfigur hochziehen würde. Auch die Animationen beim Gehen und Laufen sind unnatürlich steif, jedoch ist das nicht unbedingt ein Minuspunkt, eher etwas, an dem man in zukünftigen Releases noch weiterarbeiten kann. Denn schließlich geht es hier, wie schon erwähnt, vorrangig um die Baumaschinen.

startpunkt

Die Spielwelt wird von einigen Passanten und Autos bevölkert. Davon abgesehen bekommt man nicht viel mit. Was wir hier am meisten vermissen, sind andere Arbeiter auf der Baustelle.

Die Grafik ist echt schick geworden, die Beleuchtung und Schatten bringen ein stimmiges Bild und runden das Erlebnis ab. Die Baumaschinen und Fahrzeuge sind sehr detailliert gestaltet und die Animationen sehr gelungen. Das ist wirklich schön anzusehen und macht auch fast den ganzen Reiz aus. Hier gibt es für eine Simulation nichts zu meckern. Etwas nervig ist der permanente Mauszeiger im Bild, welcher unnütz ist und nur das schöne Bild beeinträchtigt, da wir sowieso Interaktionen mit der Tastatur erledigen. Zum Glück kann man diesen im Menü ausblenden, was wir unbedingt empfehlen.

erstefahrt

Jetzt sitzen wir endlich am Steuer und fahren unserer ersten Mission entgegen. Wir müssen einen Erdrutsch beseitigen und haben dafür einen Radlader zur Verfügung. Natürlich haben wir erst einmal geschaut, ob man mit dieser Maschine auch ein paar Stunts hinlegen kann und ja, es geht!

stunt

Das Tutorial ist einfallsreich und abwechslungsreich, allerdings von der Storyline her eher zweckmäßig als dramaturgisch relevant. So würde uns im echten Leben wohl kaum jemand eine Firma schenken, weil er von unseren Fähigkeiten so beeindruckt war, die wir natürlich als Arbeitsloser in den letzten Jahren perfektionieren konnten.

testingbuddies

Fahrzeugsteuerung

An die Steuerung muss man sich gewöhnen. Im Grunde ist diese gut umgesetzt und man merkt das Gewicht der Fahrzeuge und ihre Fahreigenschaften, jedoch ist die Kameraführung dazu etwas ungewöhnlich. Man kann diese sich zwar auch automatisch anpassen lassen, was hilft, aber auch zu einigen schnellen Bildwechseln beim Rangieren führen kann, wenn man abwechselnd vor und zurück fährt. Lässt man die Automatik standardmäßig aus, muss man jedoch immer den Blickwinkel selbst anpassen, was auch schnell frustrieren kann, wenn man immer zur Maus greifen muss, um zu sehen, wie sich die Schaufel vorne bewegt und wie viel Platz noch bleibt.

Auch wäre eine Maussteuerung für die Lenkung schön gewesen. Insgesamt ist die Steuerung etwas schwergängig, aber gut. Bei jeder Bewegung mit den Fahrzeugen und Maschinen geht es am Anfang immer für ein paar Sekunden sehr langsam voran, dann aber ganz schnell. Hier sollten die Entwickler den Faktor vielleicht etwas verringern. Ich brauche drei Sekunden, um anzufahren und auf einmal sprintet mein LKW in weniger als einer Sekunde auf Tempo 40. Das macht das Lenken sehr schwierig, auch weil die Lenkung zu schnell ist. Dies wird besonders deutlich, wenn man die Innenansicht wählt und sich das Lenkrad bei vollem Einschlagen der Räder nicht mal einmal umdreht. Man schafft es kaum entspannt um eine Kurve zu fahren.

Die Steuerung mit der Tastatur ist wirklich ein Mini-Game für sich, da man hierdurch ständig kleinste Anpassungen machen muss, um sich annähernd normal und stilvoll fortzubewegen. Hier sollte man versuchen, sich an Branchengrößen wie dem Euro Truck Simulator zu orientieren, auch was die Einstellungsmöglichkeiten betrifft. Eine Gang Wahl sucht man leider auch vergebens, sodass man beim Bremsen regelmäßig rückwärtsfährt.

Was sehr positiv auffällt, ist die freie Wahl der Baufahrzeuge. So können wir beispielsweise eine Palette Dachziegel entweder mit dem Kran des LKW oder dem großen Baukran auf das Dach heben.

Ein weiteres nettes Gimmick ist die laute, basslastige Musik, die gelegentlich von manchen Autos her wummert. Eine nette Hommage an die Innenstädte Deutschlands. Die Soundkulisse der Fahrzeuge wirkt real und sorgt für ein immersives Erlebnis.

wahl

Verkehrsdrama

Nach dem Tutorial fängt das freie Spiel an und wir starten unseren ersten Auftrag. Jetzt sind auch mal mehr Autos auf den Straßen und wir erkennen schnell, an die Verkehrsregeln hält man sich hier nicht. Stoppschilder werden missachtet, uns wird die Vorfahrt genommen und wollen wir eine Hakenkurve fahren, werden wir beim Fahren der Kurve rechts überholt. Nun könnte man das als schlechte Implementierung der StVO bezeichnen, jedoch ebenso als gelungene Darstellung der Realität. Warum die anderen Verkehrsteilnehmer aber immer nur Tempo 30 fahren, bleibt ein Rätsel. Das langsame Tempo in Kombination mit unserer Meinung nach zu langen Ampelphasen für ein Spiel, haben dazu geführt, dass wir nach kurzer Zeit die Dichte des Verkehrs heruntergedreht haben, um nicht frustriert nach 20 Minuten Stau endlich bei der Baustelle anzukommen. Auch die Verkehrsvergehen haben wir ausgestellt, da man hier schon bei einem Zentimeter über der Linie bestraft wird. Spielt man etwas länger, wird man allerdings nach einiger Zeit ohnehin nur noch die Schnellreise Funktion nutzen, weshalb diese Kleinigkeiten nicht sehr stark ins Gewicht fallen.

mission

Die Ladungssicherung sieht sehr seltsam aus. Hier werden einfach ein paar Spanngurte (im Bild rot-schwarz) an die Außenkanten innerhalb des Containers angelegt. Dann hätte man diese auch gleich weglassen können oder eben, wie es sein sollte um die Ladung rumspannen. Leider sind die Animationen beispielsweise beim Einsatz eines Krans auch nicht so ganz, wie man sie erwarten würde. Die Stahlträger schaukelten bei uns so derart hin und her, dass man meinen könnte, es wären Federn im Wind. Wo also die Bewegung bei den Maschinen teils zu träge ist, ist sie hier zu schnell.

ladungssicherung

Fazit

Der Bau-Simulator 2022 aka Construction Simulator ist ein netter Zeitvertreib. An manchen Stellen fehlt dem Spiel noch die Liebe zum Detail und das Finetuning, an anderen wiederum ist es sehr gut umgesetzt und ausgereift. Es könnte aber insgesamt besser sein und lässt leider noch viel Potenzial offen. Trotz diesen Ungereimtheiten ist die schöne Simulation der Baumaschinen und die schiere Faszination des Spielers für die Technik, die dahinter steckt Grund genug, ab und an immer mal wieder ins Spiel zu schauen und einen Auftrag anzunehmen. Ich glaube genau das war auch das Ziel des Spiels.

park

Pro:
  • Große Auswahl an Fahrzeugen
  • Großartige Simulation der Technik
  • Gute Grafik und Soundkulisse
Contra:
  • Einige nicht-kritische Bugs
  • Fahrzeugsteuerung kann schnell frustrieren
  • Quality of Life kann noch verbessert werden
  • Unbelebte Baustellen
Story
2 von 5 Buddies
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
4 von 5 Buddies
Sound
4 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

7.0 / 10
Leidenschaftlicher Gamer mit Vorliebe für gute Soundtracks. World of Warcraft Veteran seit 2007 und großer Fan von Simulatoren, 4X- und Strategiespielen. Mit über 1200 Stunden Spielzeit ist Civilization der Vorreiter meiner Steambibliothek. Außerdem interessieren mich gute Rollenspiele und Shooter wie Assasin's Creed und Far Cry, bei denen ich kaum einen Teil der beiden Reihen ausgelassen habe.

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