

Beast of Reincarnation im Test: Game Freak kann auch anders
Game Freak ist vor allem für eine Marke bekannt, die Generation für Generation Millionen Spieler begeistert: Pokémon. Mit Beast of Reincarnation wagt sich das japanische Studio jedoch deutlich aus seiner Komfortzone. Statt Taschenmonster und rundenbasierter Kämpfe erwartet uns ein düsteres Action-Rollenspiel, das eine zerstörte Welt und harte Kämpfe miteinander verbindet. Die große Frage lautet deshalb: Kann Game Freak auch abseits von Pokémon überzeugen?
Die kurze Antwort: Ja. Beast of Reincarnation zeigt eindrucksvoll, dass im Studio deutlich mehr steckt als die Entwicklung von Pokémon. Ganz ohne Schwächen kommt das Abenteuer allerdings nicht daher.

Eine Reise durch eine zerstörte Welt
Die Geschichte von Beast of Reincarnation entführt uns in eine postapokalyptische Welt, in der die Menschheit mit den Folgen einer mysteriösen Katastrophe kämpft. Im Mittelpunkt steht die junge Protagonistin Emma, die gemeinsam mit ihrem treuen Begleiter Koo durch eine von Verfall und von der Natur zurückeroberte Welt reist.
Ohne zu viel vorwegzunehmen, lebt die Handlung vor allem von ihrer Atmosphäre und der Beziehung zwischen Emma und Koo. Das Duo funktioniert dabei nicht nur erzählerisch, sondern bildet auch das Herzstück des Gameplays. Die Geschichte nimmt sich Zeit, ihre Welt und Figuren zu etablieren, ohne den Spieler permanent mit Erklärungen zu überschütten.

Gerade die ruhigeren Momente funktionieren überraschend gut. Zwischen Ruinen, überwucherten Landschaften und den Überresten menschlicher Zivilisation entsteht ein melancholisches Gefühl, das sich angenehm von den üblichen Fantasywelten des Genres abhebt. Zwar erreicht die Handlung nicht immer die erzählerische Tiefe der ganz großen Action-RPGs, doch sie schafft es, neugierig zu machen und die Reise von Emma und Koo emotional zu tragen. Manchmal sind Dialoge zwar etwas hölzern, aber vom Storytelling liegen Welten zwischen Beast of Reincarnation und bisherigen Werken.
Parieren statt wild draufhauen
Beim Gameplay schlägt Beast of Reincarnation einen klaren Weg ein. Wer einfach auf die Angriffstaste hämmert, wird nicht weit kommen. Der Kampf ist stark auf das Parieren ausgelegt. Gegnerische Attacken müssen beobachtet und im richtigen Moment gekontert werden. Das sorgt gerade bei stärkeren Gegnern für spannende Duelle, bei denen Timing wichtiger ist als das bloße Abarbeiten einer Angriffskombination.

Das Kampfsystem fühlt sich dadurch angenehm direkt an. Ein erfolgreicher Konter vermittelt genau das richtige Feedback und kann einen zunächst übermächtigen Gegner plötzlich verwundbar machen. Besonders schön ist, dass Koo dabei nicht nur als Begleiter neben Emma herläuft. Das Tier ist fest in die Mechaniken eingebunden und erweitert die Möglichkeiten im Kampf.
Ein echtes Highlight ist dabei das Verstrickungs-Leisten-System. Die Mechanik sorgt dafür, dass erfolgreiche Aktionen ineinandergreifen und der Kampf zunehmend an Dynamik gewinnt. Wer Angriffe, Paraden und die Fähigkeiten seines Begleiters geschickt kombiniert, kann Gegner regelrecht unter Druck setzen. Die Leiste entwickelt sich damit zu einem wichtigen taktischen Werkzeug und belohnt aggressives, aber kontrolliertes Spielen.
Das fühlt sich im besten Sinne befriedigend an. Gerade wenn eine längere Kombination aufgeht und der Gegner kaum noch zum Gegenangriff kommt, entwickelt das Kampfsystem einen geradezu berauschenden Spielfluss.

Allerdings ist nicht jede Begegnung gleichermaßen gelungen. Vor allem das Bossdesign wirkt auf Dauer zu repetitiv. Viele Auseinandersetzungen folgen einem ähnlichen Muster: Angriffsmuster erkennen, parieren, Konter setzen und die nächste Phase einleiten. Anfangs funktioniert das hervorragend, doch mit zunehmender Spieldauer fehlt es den Bossen etwas an Überraschungen und spielerischer Vielfalt. Und das viele Bosse komplett recycelt werden trägt hier auch nicht bei.
Eine Welt, die Geschichten erzählt
Optisch überrascht Beast of Reincarnation vor allem durch seine Weltgestaltung. Game Freak setzt nicht einfach auf eine möglichst spektakuläre Endzeitkulisse, sondern kombiniert Ruinen und überwucherte Landschaften miteinander. Die Natur hat sich die menschliche Zivilisation zurückgeholt und sorgt damit für einige wirklich schöne Szenerien. Besonders die Farbgebung unterstützt die Atmosphäre. Zwischen satten Grüntönen, verfallenen Gebäuden und düsteren Landschaften entsteht ein eigenständiger visueller Stil. Das Spiel muss dabei nicht permanent mit grafischer Hochleistung protzen, um Eindruck zu hinterlassen. Viel wichtiger ist, dass die Welt einen eigenen Charakter besitzt.
Man merkt allerdings auch, dass Game Freak hier Neuland betritt. An manchen Stellen fehlt es der Präsentation an der letzten technischen Politur. Animationen und einzelne Umgebungsdetails wirken nicht immer auf dem Niveau der Genre-Spitze. Trotzdem ist der Gesamteindruck positiv, weil die künstlerische Gestaltung vieles davon auffängt.

Atmosphärischer Soundtrack
Auch beim Audio zeigt sich, dass Game Freak den Schritt in ein neues Genre ernst nimmt. Der Soundtrack unterstützt die melancholische Grundstimmung hervorragend und versteht es, ruhigere Erkundungsabschnitte ebenso zu begleiten wie hektische Kämpfe.
Besonders in Verbindung mit den Umgebungsgeräuschen entsteht eine glaubwürdige Atmosphäre. Wind, Natur und die Geräusche der verlassenen Welt lassen die Spielwelt lebendig wirken, obwohl sie von der Zerstörung geprägt ist. In den Kämpfen nimmt der Sound dagegen deutlich an Intensität zu und unterstützt das Gefühl, dass jeder erfolgreiche Konter zählt.
Der Sound ist damit kein bloßes Beiwerk, sondern trägt einen wichtigen Teil zur Stimmung des Spiels bei.

Kleine Schrift, große Probleme
So gelungen viele Bereiche sind, einige Designentscheidungen sorgen unnötigerweise für Frust. Allen voran die viel zu kleine Schrift. Gerade bei längeren Texten oder Beschreibungen muss man teilweise schon sehr genau hinschauen. Auf einem Fernseher kann das besonders unangenehm werden. Hinzu kommen teilweise unübersichtliche Menüs. Informationen sind nicht immer dort zu finden, wo man sie intuitiv erwarten würde, und gerade bei der Vielzahl an Systemen und Ausrüstungsoptionen verliert man gelegentlich den Überblick. Das ist schade, denn die eigentlichen Spielmechaniken sind deutlich zugänglicher, als es die Benutzeroberfläche vermuten lässt. Hier hätte etwas mehr Feinschliff gutgetan.

Game Freak zeigt ungeahnte Stärken
Beast of Reincarnation ist ein interessantes Experiment für Game Freak und gleichzeitig ein Beweis dafür, dass das Studio weit mehr kann, als Pokémon zu entwickeln. Das Spiel besitzt eine eigene Identität, ein starkes Kampfsystem und mit der Beziehung zwischen Emma und Koo ein gelungenes erzählerisches Zentrum.
Vor allem der Parierfokus funktioniert hervorragend. Zusammen mit dem packenden Verstrickungs-Leisten-System entstehen Kämpfe, die Timing und Aufmerksamkeit belohnen und sich dadurch angenehm von vielen anderen Action-RPGs unterscheiden.
Die Schwächen verhindern allerdings den ganz großen Sprung an die Genre-Spitze. Die kleinen Texte, die teilweise unnötig komplizierten Menüs und insbesondere das repetitive Bossdesign bremsen das Erlebnis aus.
Trotzdem bleibt am Ende vor allem eine Erkenntnis hängen: Game Freak kann mehr als Pokémon. Beast of Reincarnation ist vielleicht noch nicht das perfekte Action-RPG, aber ein bemerkenswert selbstbewusster Schritt in eine neue Richtung. Und genau deshalb darf man gespannt sein, was dieses Studio als Nächstes ausprobiert.
- Schöne Welt
- Interessante Story
- SkillTREE ist ein wirklicher Baum
- Verschiedene Builds durch Skills und Ausrüstung möglich
- Recycelte Bosse
- Viele Popups im Echtzeit Kampf
- Suboptimale UI
- Gegnergruppen werden schnell unübersichtlich
- Bewegung außerhalb der Kämpfe sehr hakelig
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Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.









