

Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE im Test: Abermals unter den Schatten des vergessenen Dorfes
Nach den Remaster des vierten und fünften Teils betritt mit Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE der zweite Part der Fatal Frame-Reihe ebenfalls wieder die Konsolen-Bühne. Dabei verspricht das Duo aus KOEI TECMO GAMES und Team NINJA nicht nur einen neuen Namen, nachdem die Marke, abweichend zu Japan und den USA, in Europa bislang unter Project Zero erschienen ist. Sondern, der Zusatz im Titel deutet es augenscheinlich an, soll es sich auch um eine vollständige Überarbeitung des 2003 auf der PlayStation 2 veröffentlichten Originals handeln. Doch es gab 2012 bereits schon einmal in einem Wii-Remake die Möglichkeit, sich im bekannten Schauplatz eines verfluchten Dorfes erneut nur mit einer antiken Kamera bewaffnet gegen ruhelose Geister zur Wehr zu setzen. Kann also ein weiteres Remake dieses Settings überhaupt erneut erfolgreich punkten? Selbstverständlich haben wir für euch unseren Fotoapparat bestückt und uns auf die schaurige Geisterjagd begeben. Was wir schließlich in der Dunkelkammer von unserer Filmrolle entwickelt haben, erfahrt ihr in unserem Test.

Die endlose Nacht von Minakami
Die Zwillingsschwestern Mio und Mayu besuchen an einem strahlenden Tag nochmals den Wald, in dem sie in ihrer Kindheit immer zusammen gespielt haben, da das Gebiet bald durch einen Staudamm geflutet werden soll. Während Mio in nostalgischen Erinnerungen schwelgt, wird Mayu auf einen purpurleuchtenden Schmetterling aufmerksam. Als Mio schließlich bemerkt, dass ihre Schwester vollkommen fasziniert dem Insekt sehr viel tiefer in den Wald hinein gefolgt ist, setzt sie ihr verdutzt nach. Nachdem sie einen alten Grenzstein passiert hat, wird es auf einmal schlagartig dunkel. Statt der Sonne, steht nun unversehens der Mond hoch am Himmel. Trotz des Schrecks bleibt Mio aber keine Zeit, sich darüber zu wundern, denn Mayu läuft wie hypnotisiert noch immer weiter.
Schließlich finden sich die Schwestern in einem abgeschiedenen Dorf wieder, das einem Mythos nach aufgrund eines Unglücks urplötzlich von der Landkarte verschwunden sein soll. Da der Rückweg ebenso rätselhaft entschwunden ist, bleibt Mio und Mayu nichts anderes übrig als nach einem anderen Ausweg zu suchen. Schnell müssen sie jedoch feststellen, dass das Dorf Minakami keineswegs verlassen ist, denn die geplagten Seelen der Dorfbewohner sind fortwährend in der Tragödie gefangen, die zum unerklärlichen Verschwinden der Siedlung geführt hat. Während eine antike Kamera, die Mio überraschend findet, mit ihren mysteriösen, bannenden Kräften den einzigen Schutz vor den Angriffen der Geister bietet, wandeln die Schwestern unbeabsichtigt auf den Pfaden der Geschehnisse in der letzten Nacht des Dorfes. Einer Nacht, in der Zwillinge bei einem verbotenen Ritual offenbar eine besondere Rolle inne hatten…

Flieg, Purpurschmetterling, flieg
Die Geschichte von Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE wurde im grundlegenden Ablauf weitestgehend vom Ursprungsspiel beibehalten. Sie ist sehr spannend, aber eben auch beklemmend, wenn wir nach und nach aufdecken, was sich für üble Schicksale im Dorf ereignet haben. Die Atmosphäre ist dabei wie eh und je schön dicht und gruselig, wozu der bedrückende Soundtrack sowie die gelungene Sprachausgabe erneut ihr bestes Zutun leisten.
In Fatal Frame (vormals Project Zero) gibt es stets zentrale Elemente, die sich um ein verborgenes Ritual ranken und sich somit durch die Geschichte ziehen. In Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE stellen eins dieser Elemente die leuchtenden Purpurschmetterlinge dar, die uns in den dunklen Gassen des Dorfes oftmals den Weg weisen. Auch passt die allgemein gängige Schmetterling-Symbolik des Wandels sowie in Japan zusätzlich als Träger der Seelen von Lebenden und Toten gut zur schauerlichen Geschichte.
Verändert hat sich ebenfalls die Präsentation des Spiels. Im Vergleich zum Original sehen die Charaktere noch realistischer aus und bewegen sich flüssiger und lebendiger. Der Schauplatz Minakami hat einen ordentlichen Sprung in Richtung wirklichkeitsnaher Darstellung mit stimmungsvoller Beleuchtung gemacht und sieht richtig gut aus. Sofern man es als letzteres bezeichnen kann, denn ein lauschiges Plätzchen ist das Dorf natürlich nicht, wirkt es nun doch um einiges düsterer und verfallener. Dennoch lädt es zur Erkundung ein, zumal wir neue Bereiche entdecken dürfen, die es im Original gar nicht gab, wie beispielsweise das Feld mit dem mannshohen Schilf neben Itsukis Lagerhaus.
Das Spielgeschehen können wir jederzeit in einem obligatorischen sowie überarbeiteten Fotomodus gekonnt noch weiter in Szene setzen. Allerdings fehlt die Option, die Charaktere in der Szenerie frei zu platzieren oder ihre Pose zu ändern, was uns in den Fotomodi der vorangegangenen Remaster von Project Zero 4: Die Maske der Mondfinsternis und Project Zero 5: Priesterin des schwarzen Wassers durchaus gut gefallenen hatte.

Das Band der Schwestern
Ein weiteres Element, das uns im Spielverlauf mehrmals begegnet, ist das besondere Band, das Zwillinge verbindet. So ist es ein großer Bestandteil der Geschichte (ohne an der Stelle Nicht-Kennern des Originals zu viel spoilern zu wollen). Aber auch außerhalb der direkten Storyline widmen wir uns dieser Thematik. So hat eine optionale Sammelaufgabe in das Remake Einzug erhalten, bei der wir, ähnlich wie mit den Hozuki-Puppen im vierten Teil, die Augen nach Zwillingspuppen offen halten und diese ablichten können.
Noch deutlicher wird es allerdings bei einer weiteren Neuerung in Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE. In den Abschnitten, in denen die beiden Protagonistinnen gemeinsam unterwegs sind, muss Mio als Halterin der Kamera wie im Ursprungsspiel Mayu in den Kämpfen gegen Geister beschützen. Nun kann Mio auf Knopfdruck zusätzlich die Hand ihrer Schwester greifen. So können wir gezielter vorangehen und sicher sein, dass Mayu uns folgt oder sie an anderer Stelle platzieren, sollte sie sich gerade eine ungünstige Stelle zum Warten ausgewählt haben. Als netten Nebeneffekt regeneriert Mio während des gemeinsamen Voranschreitens zeitgleich ihre Statusleisten. Weiterhin sorgt dieses schöne Feature sogleich für noch mehr Immersion innerhalb der Gruselatmosphäre, denn es ist angesichts der schaurigen Umgebung nicht so abwegig, ein wenig Halt beim anderen Lebenden zu suchen. Zudem bewegt sich Mio mit ihrer Schwester im Schlepptau um einiges langsamer fort und bietet somit unter Umständen ein leichteres Ziel, was gerade mit einem angreifenden Geist im Nacken für weitere Spannung sorgen kann.

Eine Frage des Willens
Neben einer Gesundheitsanzeige hat Mio in Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE eine zweite Statusleiste erhalten, die wir im Auge behalten sollten. Es handelt sich hierbei um ihre Willenskraft, teils auch Geisterkraft genannt, die eine Art Ausdauer darstellt und insbesondere in den Kämpfen wichtig ist.
Erschreckt sich unsere Protagonistin oder wird von einem Geist berührt, verringert sich ihre Willenskraft und sie wird geschwächt sowie anfälliger für Angriffe. Schreckpotential bieten in der Umgebungserkundung Situationen wie das Öffnen von Türen und das bereits aus den Remaster bekannte Aufheben von Gegenständen. Hier kann es passieren, dass uns ein Geist per Jump Scare fixiert oder aus dem Nichts nach Mios Hand greift. Aber auch in den Kämpfen ist es möglich, dass uns der Geist plötzlich in sehr großer Nahaufnahme vor die Linse springt und Mio damit in Angst versetzt.
Weiterhin wurden Nebenquests integriert, die es im Original in der Form nicht gab. Über diese Aufgaben bringen wir mehr über die geplagten Seelen aus dem Dorf in Erfahrung, wenn wir das möchten. Ebenso erhalten wir nach einem ersten Durchspielen die Möglichkeit, uns einem weiteren, kniffligeren Schwierigkeitsgrad zu widmen, dem Nightmare Modus. Über diesen soll es zudem möglich sein, ein komplett neues Ende zu erhalten, was wir innerhalb unseres Testzeitraums allerdings noch nicht bestätigen können.

Alles muss versteckt sein
Ebenfalls neu ist in Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE, dass wir manchen Geistern aus dem Weg gehen können. Ja, teils sogar gezielt gehen müssen, da es das Spiel an manchen Stellen so vorgibt, weil wir in einem Kampf keine Chance gegen den Angreifer haben würden. Ein Klassiker hierfür sind die serientypischen Spukgestalten, bei denen das Bild schwarz-weiß wird. Diese sind nämlich erst zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel aktiv bekämpfbar.
Gilt es unbemerkt zu bleiben, sollten wir als erstes unsere Taschenlampe ausschalten, damit der Lichtstrahl den Geist nicht direkt zu uns führt. Weiterhin müssen wir uns leise verhalten. Mio kann im Vergleich zur Ursprungsversion nun endlich einmal richtig rennen, statt nur sehr langsam und gemächlich vor sich hin traben. Um verborgen zu bleiben, sollten wir aber direkt einen Gang runter schalten. Ergänzend verfügt unsere Protagonistin in der Hocke über einen Schleichmodus, der nochmals unauffälliger ist. Verstecke, in die Mio sich verkriechen kann, bis der Feind von dannen gezogen ist, runden das Portfolio ab. Sollten wir aus unserem Versteck heraus die Lage nicht eindeutig überblicken können, weil wir nicht nur sprichwörtlich ein Brett oder eine Stoffbahn vorm Kopf haben, kann ein Blick über die Anzeige unserer Kamera zeigen, ob sich der Geist noch in der Nähe befindet.
Obwohl sich die Verstecke optisch auffallend ähneln, sind sie immerhin direkt als solche erkennbar. Das gesamte Konstrukt stellt eine schöne, atmosphärische Spielergänzung dar und findet sich gut im Spielablauf ein. Gleichzeitig mutet es allerdings bei den vorhandenen Gegnertypen - Geistern, die theoretisch durch Wände gehen könnten - von der Spielmechanik etwas seltsam an, sich so zu verbergen und dabei ganz genau zu wissen, dass der Geist im Versteck nicht auftauchen wird, wenn wir keinen Fehler machen.

Die Suche nach dem wirkungsvollen Schnappschuss
Vor den meisten Geistern nehmen wir jedoch nicht Reißaus, sondern bringen sie vor die Linse unserer Kamera. Unterschieden wird hierbei in harmlos Umherstreifende, die wir für die Vervollständigung unserer Geisterliste fotografieren können, und angriffslustige Nachtmahre, denen wir uns im Kampf stellen müssen.
Da es sich bei unserer einzigen Waffe gegen die ruhelosen Seelen um eine antike, analoge Kamera handelt, dienen uns als Munition verschiedene Filmtypen mit unterschiedlich hoher Bannkraft. So steht uns beispielsweise der Typ-07-Film zwar unendlich zur Verfügung, verursacht dafür aber den geringsten Schaden. Von höherwertigerem Film wie dem Typ-61 finden wir unterwegs Filmrollen, müssen dafür aber mehr mit dem Vorrat haushalten.
Weiterhin erhalten wir im Spielverlauf statt der Objektive des Originals mehrere Filter mit besonderen Eigenschaften, die wir sowohl bei der Spielwelterkundung als auch im Kampf einsetzen. Beispielsweise vollziehen wir bei ersterem Mayus Weg mit dem Parafilter nach, statt teils dazwischen geschaltete Sequenzen zu nutzen, obwohl diese im Ursprung schon stimmungsvoll gestaltet waren. Oder wir können die Spukgestalten durch die Wände sehen, wenn wir das entsprechende Upgrade freigeschaltet haben. Obwohl die Filter Abwechslung ins Spielgeschehen hineinbringen, erscheinen uns im Kampf die ursprünglichen Objektive jedoch bislang etwas wirkungsvoller.
Auch unsere Kamera selbst lässt sich aufrüsten. Hierzu müssen wir zunächst Perlen sammeln, die wir schließlich in verschiedenen Kategorien wie mehr Schadenskraft, schnelleres Filmnachladen, mehr Reichweite oder einer höheren Filmkapazität stecken dürfen. Weiterhin bekommen wir Fotopunkte für unsere geschossenen Aufnahmen. Anders als im Original können wir diese zwar nicht in unsere Kamera investieren, davon aber Gegenstände wie Heilmedizin oder Schutztalismane erwerben.

Der Camera Obscura-Modus wurde optisch überarbeitet. Er füllt jetzt nicht mehr den ganzen Bildschirm aus, sondern lässt uns am Rand vorbeisehen, was etwas mehr suggeriert, dass wir uns gerade eine Kamera vor die Nase halten. Schön ist zudem, dass wir in der Standardeinstellung den Knopf für das Anheben der Kamera nun gedrückt halten müssen, was weiter die Immersion steigert. Gefällt uns allerdings eine klassischere Präsentation in Richtung des Originals besser, können wir jederzeit die Einstellung in den Optionen ändern.
Treffen wir auf einen nicht sehr wohlgesonnenen, geisterhaften Zeitgenossen, bietet sich manchmal die Möglichkeit, mit Hilfe von Mios neuen Stealth-Skills einen Präventivschlag aus dem Hinterhalt zu setzen und etwas mehr Schaden beim ersten Foto auszuteilen, wenn der Geist uns noch nicht bemerkt hat. Ist der Feind allerdings auf uns aufmerksam geworden, begegnen wir diesem im serientypischen Kampfablauf. Der Nachtmahr wird versuchen uns anzugreifen und dazu teilweise geistermäßig urplötzlich an anderer Stelle auftauchen, während wir uns mit unserer Camera Obscura gegen ihn zur Wehr setzen.
Neu in den Kämpfen von Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE ist die bereits erwähnte Willenskraft, die unter anderem durch das Schießen von Fotos aufgefüllt wird, während Berührungen von Geistern oder ein Ausweichmanöver sie verbrauchen. Hat Mio genug Willenskraft, ist sie flink und kann Spezialangriffe durchführen. Sinkt die Leiste hingegen auf Null, kann unsere Protagonistin jedoch nur schwach voran humpeln, was ein Ausweichen stark erschwert. Weiterhin ist es dann möglich, dass der Geist sie auf den Boden wirft und festnagelt. In solchen Fällen rettet uns nur noch ein beherztes Foto von dem Angriff.
Die Nachtmahre selbst sind gegenüber dem Original deutlich schneller und angriffslustiger unterwegs. Zudem können sie Zorn steigern und in eine Art Rage Mode schalten. In diesen Fällen heilen sie sich sogar selbst und sind bedeutend schwerer zu fassen. Wir müssen dann versuchen, sie zu beruhigen, in dem wir sie bis zum einem bestimmten Punkt auf dem Lebensbalken schwächen.
Am meisten Schaden verursachen wir allgemein, wenn wir möglichst viele Schadenszonen des Nachtmahrs ins Bild bekommen. Und natürlich, wenn wir den namensgebenden Fatal Frame schaffen. Blinkt unsere Signalleuchte oben an der Camera Obscura rot auf, in der Regel ganz kurz bevor uns der Geist erwischt, lässt sich ein mächtiger Serienschuss setzen, der keinen Film verbraucht.

Wer ist hier aggressiv?!
All die Neuerungen in Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE sind durchaus sehr schöne Innovationen, die nicht nur Spielern, die erstmals mit dem Spiel in Berührung kommen, sondern auch Kennern des liebgewonnenen Originals einen Grund für einen moderneren Ausflug nach Minakami liefern. Dennoch müssen wir zum Schwachpunkt des Konstrukts kommen.
So gut die Ideen sowie die Präsentation in Summe sind, in der Praxis hapert es dann leider doch am Balancing. Gerade zu Spielbeginn taugt unsere Kamera serientypisch noch nicht sonderlich viel, aber im Remake dauert es ewig, bis wir genug Perlen gefunden haben, um sie überhaupt einmal brauchbar aufzuleveln. Gerade das Nachladen der Filme, bis die Kamera für das nächste Foto bereit ist, dauert anfänglich sehr lange und gibt dem Geist genug Zeit, um uns in die Bredouille zu bringen. Zudem verursachen oftmals selbst höherwertigere Filme nur geringen Schaden. Das schöne Feature, dass die Geister aggressiv werden können und daher nochmals aufdrehen ist ja ein netter Gedanke. Dass sie sich dabei aber oftmals fast vollständig regenerieren und das gerne mehrmals im Kampf, ist schnell einfach nur noch nervig. Auch dass Mio nicht so abgebrüht wie ein Fels in der Brandung steht, sondern aufgrund geringer Willenskraft schwächer unterwegs ist oder vor Angst gelähmt sogar hinfällt, macht sie zwar lebendiger und verleiht ihr mehr Tiefe. In Kombination mit dem Rage Mode der Nachtmahre und der schwachen Kamera sorgt es aber ebenfalls schnell für ein ordentliches Missvergnügen, wenn wir quasi nichts mehr bewirken, unser Film- und Heilmittelvorrat ohne Wirkung ins Nichts verpufft, sich die Kämpfe deswegen unnötig in die Länge ziehen oder wir im schlimmsten Fall sogar mehrfach daran scheitern – und das Ganze nicht einmal bei Bossgegnern oder auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad.
Durch das Frustpotential in den Auseinandersetzungen mit den Nachtmahren leidet der Gruselfaktor doch beachtlich, da die Kämpfe einen nicht unbedeutenden Anteil am Spielgeschehen ausmachen. Wir haben uns dabei ertappt, dass wir uns bei der Sichtung eines Geistes direkt absolut schaurig gegruselt haben – aber hauptsächlich wegen der Aussicht auf einen weiteren zähen Kampf statt der Atmosphäre.
Glücklicherweise haben die Entwickler bereits auf erste Bewertungen reagiert und gerade kürzlich einen Patch geliefert, der für ein nachgeschärftes Balancing gesorgt hat. Es wurde dadurch erheblich besser! So hatten wir zum Beispiel einen Kampf gegen zwei Geister, bei dem wir einfach keinen Schaden austeilen konnten, egal welchen Film oder welches Timing wir genutzt haben. Zusätzlich wurden die Gegner in Dauerschleife zornig, sodass wir schließlich die Zocksession notgedrungen aufgegeben haben (okay, es war zugegebenermaßen auch schon spät und der Wecker ist bekanntlich genauso gnadenlos). Nach dem Patch haben wir den Kampf erneut aufgenommen und siehe da, auf einmal haben wir tatsächlich Land gesehen. Wir konnten endlich wirkungsvolle Statements setzen und die beiden Nachtmahre sogar recht simpel besiegen. Gleich im nächsten Kampf schien der nachfolgende Geist allerdings immer noch aus Prinzip rot sehen zu wollen, wenngleich er nicht mehr seine komplette Lebensenergie regenerierte. Dennoch hat es weiterhin eine ganze Weile gedauert bis er schließlich Geschichte war. Weitere Kämpfe danach waren hingegen wieder in einem angenehmen Maße fordernd, ganz so, wie es von Anfang an sein sollte. Lediglich ein paar gelegentliche Ruckler sowie lange Ladezeiten beim Abrufen eines Speicherstands trüben unverändert das Gesamtbild. Hier sollte weiter nachgebessert werden.

Fazit
Die Fatal Frame (ehemals Project Zero)-Reihe gehört zu meinen Lieblingsreihen. Daher hat es mich natürlich sehr gefreut, dass neben den Remastern des vierten und fünften Teils nun sogar ein Remake des zweiten Teils veröffentlicht wurde, der ja zwischenzeitlich auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.
Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE behält die gelungene Geschichte des Originals schön bei und erweitert sie um einige neue Spielelemente. Das neue Gewand präsentiert sich sehr gut. So sieht das Spiel deutlich realistischer aus und die Charaktere bewegen sich flüssiger. Das Dorf Minakami wurde um zusätzliche Bereiche erweitert und es können über Nebenquests weitere Informationen zu den Charakteren erspielt werden. Zudem gibt es Neuerungen, die die Immersion steigern, wie das an-die-Hand-nehmen von Mayu, Versteckmöglichkeiten oder die Integration der Willenskraft, die Mio stärker oder schwächer werden lässt.
Allerdings begegnen uns gelegentliche Ruckler und vor allem ist das Balancing der Neuheiten in den Kämpfen, einem Spielschwerpunkt, zum Release leider nicht ausgewogen ausgefallen. Gerade mit der schwachen Kamera zu Beginn des Spiels sorgen sie eher für Frust statt Grusel. So ist der ausgeteilte Schaden überschaubar, während eigene Treffer deutlich mehr Einschlag haben. Mit dem Rage Mode sind die Geister weiterhin nahezu übermächtig, werden sie damit doch noch aggressiver und heilen sich selbst fast vollständig, unter Umständen mehrfach im Kampf. Wenn Mio dann gleichzeitig durch den Entzug der Willenskraft geschwächt ist... Glücklicherweise hat ein nachgereichter Patch bereits ordentlich Abhilfe geschaffen und die Waage wieder soweit ins Gleichgewicht gebracht, dass die Kämpfe nun eher angenehm fordernd verlaufen.
Wenn ich zum Abschluss einen Wunsch äußern darf, so nenne ich neben einem komplett neuen Titel für ein mögliches, weiteres Remake sogleich meinen persönlichen Favoriten, nämlich den ersten Teil. Gegen einen ähnlich modernen Ausflug in die Villa Himuro mit einem ausgeglichenen Balancing, hätte ich absolut nichts einzuwenden, gerne mit einem Abspannlied der Haus- und Hofsängerin Tsuki Amano, deren Musik einfach perfekt zur Fatal Frame-Reihe passt. Bis dahin mache ich aber erst mal noch das Dorf Minakami des Remakes weiter ein wenig unsicher. Denn auch wenn das Original mit seinen ebenfalls teils anspruchsvollen Kämpfen (Stichwort: Akane) eben das Original ist und der Start der Neuauflage etwas holprig verlaufen war: Alles in allem gefällt mir Fatal Frame II: Crimson Butterfly REMAKE nach dem Patch richtig gut.
- Packende Geschichte des Originals wird beibehalten und erweitert
- Realistischere Grafik
- Flüssige Bewegung der Charaktere
- Stimmungsvoller Gruselsoundtrack
- Neue Gebiete
- Überarbeitete Camera Obscura
- Zusätzliche Immersion durch das an-die-Hand-nehmen und Verstecken vor Geistern
- Spannende Kampfelemente in Form von Willenskraft und Rage Mode der Nachtmahre
- Gelegentliche Ruckler
- Zäher Einstieg in das Aufleveln der Camera Obscura
- Verstecke sehen sich optisch sehr ähnlich
- Lange Ladezeiten beim Abrufen eines Speicherstandes
- Balancing der Kampfneuheiten zum Release nicht ausgewogen und daher großes Frustpotential (durch Patch zwischenzeitlich verbessert)
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Konsolenzockerin seit der Kindheit, bevorzugt auf der PlayStation. Zu den Lieblingsspielreihen gehören Grandia, Project Zero, Tomb Raider, Uncharted und Tekken, aber es finden auch gerne mal Indie-Titel den Weg auf den Bildschirm.



