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SAROSSAROS
Review

Saros im Test: Ein Gang durch die Bullet-Hölle

Von Marvin Kolb am 18. Mai 2026. Getestet auf PS5. 6 Min. Lesezeit. Zum Spiel hier klicken.

Roguelikes und Bullet-Hell-Spiele sind mittlerweile endgültig im Triple-A-Bereich angekommen. Vor allem Housemarque haben mit Returnal gezeigt, wie gut sich diese Art von Arcade-Action, moderne Inszenierung und cineastische Präsentation miteinander verbinden lassen. Genau deshalb waren die Erwartungen an Saros auch riesig. Das Studio versucht hier nicht einfach nur, den eigenen Erfolg zu wiederholen, sondern die bekannte Formel noch größer, spektakulärer und zugänglicher zu machen. Mehr Story, mehr Inszenierung, mehr Tempo und noch mehr dieses typische Housemarque-Gameplay, das einen irgendwann komplett hypnotisiert.

Die große Frage ist deshalb weniger, ob Saros ein gutes Spiel geworden ist. Die eigentliche Frage lautet: Kann es aus dem gigantischen Schatten von Returnal treten?

Story mit Starpower

Mittlerweile setzen immer mehr große Spiele auf bekannte Gesichter und Schauspieler. Spätestens seit Produktionen wie Death Stranding ist klar geworden, wie wichtig cineastische Inszenierung für moderne AAA-Spiele geworden ist. Auch Saros schlägt genau in diese Kerbe. Spieler übernehmen die Rolle von Arjun, gespielt vom britischen Schauspieler Rahul Kohli, den viele vermutlich aus den Serien von Mike Flanagan kennen dürften (darunter Midnight Mass oder The Haunting of Hill House). Dazu kommt mit Jane Perry sogar eine bekannte Stimme aus Returnal.

Und genau diese Besetzung sorgt von Anfang an dafür, dass Saros unglaublich hochwertig wirkt. Die Zwischensequenzen sind aufwendig inszeniert, die Kameraarbeit ist stark und die Atmosphäre des fremdartigen Planeten Carcosa zieht einen sofort hinein. Arjun wird auf die mysteriöse Welt geschickt, um Ressourcen zu bergen und herauszufinden, was mit den vorherigen Expeditionen passiert ist. Natürlich läuft dabei alles komplett schief. Sehr schnell gerät er in eine tödliche Schleife, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.

Das Grundprinzip funktioniert erstmal hervorragend. Mit jedem Durchlauf setzt sich das Puzzle der Geschichte etwas mehr zusammen. Neue Dialoge, neue Informationen und kleine Storyfetzen sorgen dafür, dass man immer weiter in diese seltsame Welt hineingezogen wird. Gleichzeitig lebt die Geschichte stark davon, dass man selbst verstehen will, was eigentlich auf Carcosa passiert ist.

Allerdings braucht Saros ziemlich lange, bis die Handlung wirklich Fahrt aufnimmt. Gerade die ersten Stunden wirken überraschend dünn erzählt und verlieren sich oft in kryptischen Andeutungen, ohne genug emotionale Bindung aufzubauen. Das Problem daran: Wenn man schon mit einer solchen Starbesetzung arbeitet, erwartet man eigentlich deutlich mehr emotionale Wucht.

Und genau da liegt leider eine der größten Schwächen des Spiels. Viele Dialoge wirken erstaunlich steif. Vor allem Mimik und Gestik fehlen oft komplett oder wirken unfertig. Gefühle werden selten glaubwürdig transportiert. Das ist deshalb schade, weil die Präsentation drumherum eigentlich unglaublich hochwertig ist. Gerade bei bekannten Schauspielern erwartet man, dass Emotionen nicht nur gesprochen, sondern auch sichtbar gespielt werden.

Trotzdem schafft es die Story irgendwann, einen zu packen. Nicht unbedingt, weil sie durchgehend brillant geschrieben wäre, sondern weil diese Welt, ihre Geheimnisse und die Verbindung zu Arjun einfach faszinierend genug sind, dass man Antworten haben möchte. Man merkt aber immer wieder, dass die Geschichte manchmal eher wie ein Beiwerk für das Gameplay wirkt, denn das Gameplay ist hier ganz klar der eigentliche Star.

Durch die Kugelhölle

Wie schon in Returnal etabliert, kämpft man sich auch in Saros durch eine sich permanent verändernde Welt voller Ressourcen, Upgrades, neuer Fähigkeiten und aggressiver Alienhorden. Der eigentliche Reiz entsteht aber nicht nur durch bessere Waffen oder stärkere Builds, sondern vor allem dadurch, wie sehr man selbst als Spieler besser wird.

Denn Saros verlangt Konzentration. Viel Konzentration. Man muss Gegner-Patterns lernen, Angriffe lesen, Bewegungsabläufe perfektionieren und irgendwann anfangen, sich völlig intuitiv durch diese Kugelhölle zu bewegen. Genau daraus entsteht dieses typische Gefühl, das Housemarque mittlerweile nahezu perfektioniert hat: Dieser Flow-Zustand, bei dem man irgendwann nicht mehr bewusst nachdenkt, sondern einfach nur noch reagiert.

Und Saros ist dabei noch aggressiver und durchdachter als Returnal. Das Spiel verwandelt sich nach einigen Stunden in einen wilden, fast hypnotischen Adrenalinrausch aus Bewegung, Explosionen und purem Chaos.

Besonders stark ist dabei, wie viele Systeme ineinandergreifen. Mit dem Schild lassen sich gegnerische Geschosse absorbieren, deren Energie anschließend in mächtige Spezialangriffe umgewandelt wird. Riskante Spielweisen werden belohnt, aggressive Kämpfe laden Fähigkeiten schneller auf und selbst Schaden kann taktisch sinnvoll sein, weil dadurch neue Ressourcen generiert werden.

Anfangs wirkt Saros deshalb sogar fast überraschend langsam. Doch sobald man versteht, wie die Systeme zusammenspielen, entwickelt das Spiel einen komplett absurden Spielfluss. Schießen, Nahkampf und Ausweichen verschmelzen irgendwann zu einem einzigen rhythmischen Kugelballett voller Partikeleffekte und taktischem Wahnsinn.

Und genau hier liegt die größte Stärke des Spiels. Saros macht süchtig. Jeder Run fühlt sich sinnvoll an, jede Verbesserung motiviert und jeder Tod wirkt wie eine Lektion statt wie eine Bestrafung. Das Spiel ist fordernd, manchmal sogar brutal schwer, aber fast nie unfair. Gerade dadurch entsteht dieser unglaubliche Motivationsfaktor, der einen immer wieder zurück an die Konsole zieht.

Housemarque perfektioniert hier also die bereits aus Returnal bekannte Formel und hebt sie spielerisch nochmal auf ein neues Level.

Und wie sieht es mit der Technik aus?

Technisch ist Saros ein absolutes Brett. Vor allem die Zwischensequenzen sehen teilweise unfassbar gut aus. Beleuchtung, Partikeleffekte, Animationen und die allgemeine Bildgewalt gehören problemlos zu dem Besten, was man aktuell auf der PS5 sehen kann. Besonders in den Bosskämpfen entsteht teilweise ein visuelles Spektakel, das fast schon überwältigend wirkt.

Und trotzdem bleibt das Spiel beeindruckend flüssig. Gerade bei einem derart schnellen Bullet-Hell-Spiel ist das enorm wichtig. Oft explodiert gefühlt der komplette Bildschirm gleichzeitig und trotzdem läuft Saros stabil und sauber weiter. Man fragt sich teilweise wirklich, wie die Konsole das überhaupt noch alles gleichzeitig berechnet.

Auch die Nutzung des DualSense-Controllers ist fantastisch gelungen. Adaptive Trigger, haptisches Feedback und die allgemeine Wucht der Kämpfe sorgen dafür, dass sich jede Waffe angenehm unterschiedlich anfühlt. Housemarque versteht einfach, wie man die Hardware sinnvoll nutzt, ohne dass es wie ein billiger Gimmick wirkt.

Kleinere technische Probleme gibt es allerdings trotzdem. Einige Dialoge hatten kleinere Bugs, Animationen wirkten manchmal unfertig und gerade die bereits angesprochene fehlende Mimik fällt in Storymomenten unangenehm auf. Hinzu kommt, dass die Leveloptik auf Dauer etwas eintönig werden kann. Carcosa sieht zwar großartig aus, bleibt stilistisch aber oft sehr ähnlich. Dadurch fehlt manchmal die visuelle Abwechslung, die linearere Spiele deutlich leichter erzeugen können.

Dafür entschädigen allerdings die fantastischen Gegnerdesigns, die großartigen Waffen und die völlig überdrehten Effekte. Gerade in Bewegung entfaltet Saros eine audiovisuelle Wucht, die man so nur selten erlebt.

Auch der Sound liefert durchgehend ab. Die Musik drängt sich nie zu stark in den Vordergrund, unterstützt aber perfekt das Geschehen und hebt besonders die großen Storymomente nochmal deutlich an. In den Kämpfen entsteht dadurch genau die richtige Mischung aus Stress, Druck und Euphorie.

Technisch leistet sich Saros also nur kleinere Schwächen und präsentiert sich insgesamt als echtes Spektakel.

Fazit

Saros ist spielerisch ein absolutes Meisterwerk. Housemarque schafft es erneut, dieses einzigartige Gefühl aus Flow, Risiko, Geschwindigkeit und permanenter Verbesserung einzufangen und beinahe zu perfektionieren. Das Gameplay entwickelt einen enormen Suchtfaktor und motiviert über viele Stunden hinweg immer weiter.

Vor allem Fans von anspruchsvollen Spielen kommen hier komplett auf ihre Kosten. Die Kämpfe sind fordernd, das Fortschrittssystem motivierend und die Präsentation audiovisuelle Ausnahmeklasse. Gleichzeitig verbessert Saros viele kleine Elemente aus Returnal und wirkt dadurch insgesamt runder und zugänglicher.

Die Story bleibt allerdings ein kleiner Schwachpunkt. Zwar wird die Welt mit der Zeit durchaus spannend, wirklich emotional packen konnte mich das Ganze aber nur phasenweise. Gerade die teilweise fehlende Mimik und die hölzernen Dialoge verhindern leider, dass die Geschichte das gleiche Niveau wie das Gameplay erreicht.

Trotzdem bleibt unter dem Strich ein herausragender Rogue-like-Shooter, der eindrucksvoll zeigt, warum Housemarque aktuell zu den spannendsten Studios im Actiongenre gehört.

Pro:
  • Fantastisches Gameplay mit enormem Suchtfaktor
  • Extrem motivierende Progression
  • Unglaublich starke audiovisuelle Präsentation
  • Immer flüssig trotz massiver Action auf dem Bildschirm
  • Geniale Bosskämpfe und hervorragender Spielfluss
Contra:
  • Die Geschichte braucht lange, um wirklich zu zünden
  • Mimik und Gestik wirken oft überraschend schwach
  • Kleinere Bugs und technische Ungereimtheiten in Dialogen
  • Visuell auf Dauer etwas eintönige Umgebungendd
Story:
3 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Gameplay:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Grafik:
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Sound:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Atmosphäre:
5 von 5 BuddiesBuddyBuddyBuddyBuddyBuddy
Unsere Wertung: 9.0 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: PS5

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Marvin Kolb

Marvin Kolb

Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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