

Indiana Jones und der Große Kreis für Switch 2 im Test: Kann Indy auch auf der Hybridkonsole glänzen?
Mit Indiana Jones und der Große Kreis bringt Bethesda ein ehemals Xbox-exklusives AAA-Spiel nun auch auf die Switch 2. Wie es sich auf der Hybridkonsole präsentiert, verraten wir euch im Test.

Neues Futter für Indy-Fans
Der neuste Indy-Titel von Machine Games, die sich vorher vor allem mit der Neuauflage der Wolfenstein-Reihe einen Namen gemacht haben, hebt den bekanntesten Schatzjäger der Welt in die Neuzeit und liefert eine filmreife Geschichte rund um den berühmten Hut-tragenden Archäologen. Dabei setzt das Spiel unerwarteterweise nicht auf eine Third-Person-Ansicht, sondern lässt uns mit der Egoperspektive besonders nah ans Geschehen heran. Hier stellen wir uns mit Indy wieder alt bewährten Gegnern entgegen, nämlich den Nazis, und nutzen dabei allerlei Hilfsmittel, um ihnen ordentlich einzuheizen. So attackieren wir sie mit Peitschenhieben, um sie aus der Balance zu bringen. Wir schlagen mit Fäusten auf sie ein, um sie auszuschalten oder nutzen alles, was uns in die Finger kommt, um uns zur Wehr zu setzen, von der Schaufel bis zur Glasflasche. Wenn möglich sollten wir dabei stets leise vorgehen, um nicht gleich ein ganzes Batallion von Faschisten an den Fersen zu haben. Dies lässt sich durch die Nutzung verschiedener Verkleidungen dann auch sehr gut bewerkstelligen. Die Verwendung von Schusswaffen ist zwar immer wieder möglich, aber meist nur bedingt empfehlenswert, da wir in den vom Feind besetzten Orten sonst sofort verfolgt werden. Insgesamt präsentiert sich das Kampfsystem als ungewohnt wuchtig und brachial für Indiana Jones, liefert aber ein richtig gutes Spielgefühl, das uns mitten in die Kämpfe versetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gameplays sind die Schwung- und Kletterpassagen. Auch hier kommt uns unsere Peitsche oft sehr gelegen und sorgt so für einen unverkennbaren Stil beim Erklimmen höherer Ebenen oder beim Überwinden tiefer Schluchten. Darüber hinaus warten natürlich auch jede Menge Rätsel auf uns, wie klassische Kombinations-, Symbol- oder Schieberätsel - mal mit Lichtstrahlen und Spiegeln, mal mit Zahnrädern oder Statuen, die in den meisten Fällen sehr gut lösbar und auch logisch herzuleiten sind. Bei der Lösung der Rätsel hilft uns außerdem Indys Kamera, mit der wir praktische Hinweise aufdecken können, falls wir einmal nicht weiter kommen. Das Abenteuer rund um den mysteriösen Großen Kreis lässt Indy eine Vielzahl an epischen Schauplätzen besuchen, so, wie man es auch aus den Filmen kennt. Neben dem Vatikan, wo unsere Reise beginnt nachdem im Museum die legendäre Katzenmumie gestohlen wurde, gehören unter anderem auch die Ausgrabungsstätten und Pyramiden von Gizeh, der Himalaya oder der Irak zu den Orten, die wir bereisen. Schön ist auch, dass wir später ein Boot nutzen dürfen, um verschiedene Schauplätze freier zu erkunden, was den insgesamt eher linearen Aufbau des Spiels dann auch ein Stück weit durchbricht.

Zudem hält die Story natürlich wieder einen großen bösen Nazi-Widersacher für uns bereit, der uns durch die ganze Geschichte begleitet und am Ende als dem Größenwahn verfallener Bossgegner auf uns wartet. Auch hier muss sich Indiana Jones und der Große Kreis nicht vor den Filmen verstecken und liefert hochwertig inszenierte Abenteurer-Kost, die alle Klischees des Archäologen bestens bedient und dabei beispielsweise auch einen großartigen Soundtrack mit den originalen Melodien von John Williams liefert. Wem die Hauptstory nicht reicht, der kann sich außerdem im Story-DLC Indiana Jones und der Orden der Riesen austoben. Hier verschlägt es Indy in die italienische Hauptstadt, wo er in den Ruinen des Kolosseums oder auch in der uralten Kanalisation der Stadt, der Cloaca Maxima, Hinweisen um einen mystischen Kult nachgeht. Der DLC ist auch für die Switch 2 separat zum Hauptspiel erhältlich und lohnt sich gerade mit Hinblick auf die großartige ziemlich düstere Atmosphäre. Besonders viel zusätzliche Spielzeit dürfen wir hier allerdings nicht erwarten, denn nach rund vier bis fünf Stunden ist die Erweiterung auch schon wieder vorbei.

So spielt sich Indy auf der Switch 2
Wenn ein halbwegs aktueller AAA-Grafikkracher wie Indiana Jones und der Große Kreis auf der Switch 2 landet, fragt man natürlich zwangsläufig, ob die Hardware dazu in der Lage ist. Wenn man in das Abenteuer eintaucht, merkt man schon sehr früh, dass die Konsole hier am Limit läuft. Die Entwickler haben sich alle Mühe gegeben, um durch Einsparungen bei den Details ein flüssiges Gameplay zu ermöglichen und im Großen und Ganzen haut das auch wirklich hin. Allerdings hat die Switch 2 merklich zu kämpfen und die Anpassungen und Schwierigkeiten sind definitiv auch sichtbar. So erwartet uns zum Beispiel immer wieder eine deutliche Unschärfe in den Sequenzen und auch ingame wirkt vieles um uns herum in der Bewegung oftmals leicht verschwommen. Wenn wir stehen bleiben, zieht sich das Bild dann schnell wieder glatt und die Spielwelt kann ihre Schönheit entfalten, gerade mit Bewegung hat die Switch 2 aber Probleme. So ploppen überall um uns herum Objekte nachträglich auf und es flimmert auch an vielen Stellen. Auch merken wir, dass wir, wenn wir die Kamera schwenken, keine komplett flüssigen Bildübergänge bekommen. Es ruckelt jetzt nicht extrem, aber es ist spürbar. Auch bei den Details der Texturen der Umgebungen wurde deutlich heruntergefahren, wodurch Oberflächen merklich weniger realistisch aussehen als auf den großen Konsolen. Dennoch muss man den Entwicklern definitiv zugute halten, dass sie nicht alles weggekürzt haben und auch einige stimmungsbringende Elemente erhalten haben, auch wenn diese die Hardware vielleicht stärker fordern. Hierzu gehören zum Beispiel Kleinstpartikel wie Insekten oder herum fliegende Blätter, die der Umgebung Leben einhauchen. Auch die Lichteinfälle sehen sehr ordentlich aus und verleihen der Spielwelt eine dichte Atmosphäre.

Insgesamt hat man bei der Präsentation versucht, einen Mittelweg zu finden zwischen Performance und Optik, was nicht immer ganz aufgeht. Es ist aber keinesfalls so, dass die Einschränkungen so sind, dass man mit dem wirklich sehenswerten Indy-Abenteuer keinen Spaß hat, denn den hat man auch auf der Switch 2. Seine volle Pracht kann das Spiel hier aber nicht entfalten und auch andere AAA-Ports wie Cyberpunk 2077 oder Star Wars Outlaws, die das Ganze merklich besser gelöst haben, bleiben unerreicht. Löblich ist, dass Indiana Jones und der Große Kreis die Besonderheiten der Switch 2 aufgreift und dem Port damit Alleinstellungsmerkmale verpasst, die es auf anderen Konsolen nicht gibt. So wurde zum Beispiel eine Bewegungssteuerung integriert, die uns durch Bewegen der Switch oder des Controllers, wenn wir im Docked Modus spielen, zielen oder die Bewegungsrichtung ändern lässt. Dies ist eine nette Ergänzung, man hätte hier aber auch noch weiter denken und beispielsweise eine Gestensteuerung der Peitsche ermöglichen können - hier wären wir dann aber vermutlich schon zu stark im VR-Bereich. Sehr schön ist außerdem, dass Indiana Jones und der Große Kreis per Maussteuerung spielbar ist. Diese wird - für uns komplett unverständlich - von vielen Spielen auf der Switch 2 gar nicht in Betracht gezogen, obwohl sich mit dem Joycon als Maus ein ganz spezielles PC-artiges Gameplay generieren lässt, das es so auf keiner anderen Konsole gibt. Bei Indiana Jones hat man sich glücklicherweise dafür entschieden, die Maussteuerung zu integrieren, was sich gerade aufgrund des grundlegenden Spielprinzips eines Egoshooters auch definitiv anbietet. Die Tastenbelegung ist dabei nicht optimal, mit kurzer Eingewöhnung ist die Steuerung mit Maus aber gut realisierbar und eine echte Alternative.

Fazit
Wir waren uns im Vorfeld nicht sicher, ob Indiana Jones und der Große Kreis nicht vielleicht eine Nummer zu groß für die Switch 2 ist und so ganz konnte der Port diese Zweifel auch nicht beiseite schieben. Insgesamt läuft Indys jüngstes Abenteuer gut auf der Hybridkonsole, man muss aber definitiv einige Abstriche machen. So erwarten uns sichtbar weniger Details, aufploppende Objekte, unruhige Drehungen sowie immer wieder Unschärfe und ein leichtes Flackern, was zwar insgesamt das Gameplay nicht beeinträchtigt, aber schon eine deutliche Schwäche gegenüber den großen Konsolen ist. Schön ist dagegen, dass die Besonderheiten der Switch 2, wie die Maussteuerung oder die Bewegungssteuerung integriert wurden, auch wenn im Falle letzterer sogar noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre. Im Bezug auf das Gameplay selbst sowie auf die Story, die Inszenierung und die Atmosphäre ist Indiana Jones und der Große Kreis aber auf jeder Plattform sehenswert und liefert ein typisches filmreifes Indy-Abenteuer mit allen Klischees rund um den beliebten Archäologen sowie mit tollen Schauplätzen und sehr gut umgesetzten Spielmechaniken an allen Fronten. Wer einige Einschränkungen in Bezug auf die Performance verzeihen kann, kann ohne größere Bedenken zur Switch 2 Version greifen und das Hauptspiel sowie den separat erhältlichen DLC Der Orden der Riesen unterwegs genießen. Wer sowieso zu Hause spielt und die Wahl hat, dürfte mit den großen Versionen dagegen besser bedient sein.
- Tolles neues Abenteuer für Fans des berühmten Archäologen
- Filmreife Inszenierung mit allen typischen Indy-Klischees
- Gelungener Gameplay-Mix aus Schleichen, Erkunden, Sammeln, Rätsel Lösen, Klettern und Kämpfen
- Großartiger Soundtrack
- Sehenswerte Orte vom Vatikan bis hin zu den Pyramiden von Gizeh
- Separat erhältlicher DLC überzeugt mit intensiver Stimmung und zusätzlichen epischen Schauplätzen
- Switch 2 Version bietet Bewegungssteuerung und Mausoption
- Auch Switch 2 Präsentation überzeugt mit Atmosphäre, zum Beispiel durch Lichteinfälle und Schattenwürfe
- Switch 2 kämpft mit der Performance
- Aufploppende Texturen, verringerte Details, Unschärfe und Ruckler trüben das Spielerlebnis
- Unruhige Drehungen
- Bewegungssteuerung nicht zu Ende gedacht
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Leidenschaftlicher Konsolenspieler, Steamdeck-Fan und VR-Enthusiast. Neben Klassikern wie Resident Evil, Knights of the Old Republic, Jedi Knight oder LA Noire gehören vor allem aufwendig inszenierte Singleplayer-Erlebnisse zum breit gefächerten Interessengebiet, wie The Last of Us, Uncharted, Days Gone oder Cyberpunk 2077. Aber auch große Open-World-Reihen wie Far Cry oder Assassin's Creed, Point and Click Adventures wie Black Mirror oder Larry sowie Sportspiele mit Fokus auf Tennis, Fußball oder Radsport flimmern regelmäßig über den Bildschirm.