Review

Final Fantasy VII Remake Intergrade im Test: So schön kann die Vergangenheit sein

Von Tjark am 18. Januar 2022
Publisher: Square Enix
Release: 16. Dezember 2021
Genre: Action | Rollenspiel
Entwickler: Square Enix | Division 1
Verfügbar für: PC | PS4 | PS5
USK Altersfreigabe: 16

Das bereits gelobte Remake des siebten Final Fantasy Teils hat jetzt auch auf dem PC das Licht der Welt erblickt. Das hinten angestellte Intergrade verrät uns, dass hier sogar noch mehr Content zu finden ist. Worum es sich handelt und wie es sich anfühlt, erfahrt ihr im Test.

Rettet den Planeten

Schnell mal in der Rolle eines Söldners einen Reaktor eines gigantischen Energiekonzerns hochsprengen: genau so überraschend und unverständlich fängt Final Fantasy VII an. Bald wird uns durch Dialoge, Rückblenden und innere Monologe aber ein genaueres Bild der Umstände gezeichnet und das wollen wir hier jetzt auch machen. Die Handlung spielt in Midgar, einer technologisierten Metropole, die von der Shinra Electric Company beherrscht wird. Shinra hat einen Weg gefunden, die Lebensenergie des Planeten, genannt Mako, abzusaugen und umzuwandeln, dadurch hat sie Fortschritt und Wohlstand auf Kosten des Zustands des Planeten geschaffen. Wir spielen Cloud Strife, einen ehemaligen SOLDAT des Shinra Konzerns, der sich zunächst nur als Söldner der Aktivistengruppe Avalanche anschließt. Diese Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, Shinra zu vernichten und den Planeten zu retten. Cloud hat eine bewegte Geschichte, die wir immer wieder in kurzen Rückblenden erfahren. Was das genetisch modifizierte Mitglied der Elite-Truppen des Shinra Konzerns allerdings dazu bewogen hat, zu desertieren und sich den Aktivisten in den Slums Midgars anzuschließen, bleibt zunächst einige Zeit verborgen. Aber durch die Ereignisse, die er dort erlebt, wird Cloud schon bald vom Söldner ohne persönliche Motivation zum festen Mitglied von Avalanche und bestreitet den Kampf gegen Shinra an vorderster Front.

final fantasy 7 remake (3)

Die Geschichte des Originals aus den 90ern blieb im Remake weitestgehend unangetastet, sie wurde jedoch erweitert und gibt vielen Charakteren mehr Tiefe. Auch die Verbindungen zwischen den Charakteren werden mit zusätzlichen Passagen, Dialogen und sogar ganzen Kapiteln deutlich hervorgehoben. Die Story findet sich allerdings nicht komplett in diesem Spiel, sondern wird in einem Episoden-Format geliefert. Es handelt sich hier erst um den ersten Teil, der komplett in Midgar spielt.

Einmal dynamischen Kampf bitte

Das Kampfsystem wurde deutlich verändert. Im Gegensatz zu dem quasi rundenbasierten Kampf des Originals ist es in dem Remake ein Echtzeit-Kampfsystem, bei dem wir uns frei bewegen können. Es ist damit sehr ähnlich zu den Kampfmechaniken aus dem Final Fantasy VII Spin-Off Crisis Core. Wir spielen immer einen Charakter aktiv, während die anderen automatisch agieren. Es ist uns allerdings möglich, jederzeit den Kämpfer zu wechseln, als auch über ein Schnellmenü konkrete Aktionen auszuführen, ohne wechseln zu müssen. Zusätzlich zu den normalen Angriffen können wir ATB-Leistenpunkte nutzen, um Fähigkeiten, Magie oder andere Spezialfertigkeiten einzusetzen. Die Leiste füllen wir zum Beispiel durch das Verteilen von Schaden mit normalen Angriffen. Durch den Echtzeitkampf haben wir nun auch die Chance, jederzeit zu blocken und sogar Ausweichrollen auszuführen. Beides war im klassischen rundenbasierten Gefecht nicht möglich. Mit einem gut getimten Block ist es auch möglich, unserer ATB-Leiste einen enormen Schub zu geben. Jeder Gegner hat zusätzlich zu seiner Lebensleiste eine Schock-Leiste, die wir versuchen sollten, möglichst schnell zu füllen, da dieser dann eine Zeit lang in einen Schock-Modus versetzt wird. In diesem Modus ist der Gegner betäubt und wir erhalten einen Schadensmultiplikator. Die Leiste füllen wir mit Angriffen und mit dem Nutzen von Schwächen. Durch die Schwächen, wie Magie oder Elementarschaden, beschleunigen wir das Füllen enorm, dadurch entsteht eine taktische Komponente in der ganzen Action. Vor allem bei Boss-Gegnern ist das sehr hilfreich und aufgrund des Schwierigkeitslevels auch häufig notwendig. Wir haben allerdings jederzeit auch die Möglichkeit, die Schwierigkeit anzupassen oder auf das klassische Kampfsystem umzustellen, in dem wir dann nur noch die ATB-Fähigkeiten auswählen müssen. Jeder Charakter fühlt sich im Gefecht anders an und hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Jede Waffe hat eine Fertigkeit, die uns zunächst nur zur Verfügung steht, wenn die Waffe angelegt ist, meistern wir diese aber, dann ist die Fähigkeit immer auswählbar.

Welche Spezialisierung darf es sein?

Materia bilden eine zentrale Rolle in der Gesellschaft von Midgar und auch in unserer Charaktermodifikation. Denn diese magischen Kugeln ermöglichen uns den Einsatz von Magie, neuen Fähigkeiten oder geben uns passive Boni. Unsere Ausrüstung bietet uns unterschiedlich viele Slots, um dort die Kugeln einzusetzen. Dadurch können wir zum Beispiel alle Elementar-Zauber abdecken oder uns anders spezialisieren. Es gibt unabhängig von den Materia noch Waffenpunkte, die wir pro Waffe frei vergeben können, die uns passive Boni geben. Zum Beispiel auf Schaden oder Lebensenergie aber auch neue Materia-Slots sind möglich. Hier gibt es genau das richtige Level an Micromanagement, aber auch eine Option, das automatisch in eine bestimmte Richtung zu optimieren. Die Materia und Waffenpunkte zusammen ermöglichen es uns, jeden Charakter mit einem eigenen Build auszustatten und beliebig zu spezialisieren. Man kann auch den eigentlich auf Nahkampf ausgelegten Schwertkämpfer Cloud zu einem Fernkampf-Elementar-Magier umbauen, wenn man Lust darauf hat.

Nur nicht ablenken lassen

Außerhalb der Kämpfe haben wir einen frei begehbaren Abschnitt, ein Wechsel ist nur durch das Vorantreiben der Geschichte möglich. Midgar ist also nicht nach Belieben frei erkundbar, sondern fühlt sich zeitweise sehr schlauchig an. Neben dem eigentlichen Kampf gegen Shinra steht es uns natürlich auch frei, den anderen Bewohnern Midgars zu helfen, denn wie es sich für ein gutes RPG gehört, gibt es einige Nebenquests. Meist handelt es sich hier um kurze Quests, bei denen wir irgendein Monster erledigen oder ein Item holen müssen, manche erfordern aber auch unsere Kombinationsfähigkeit, um Fälle zu untersuchen. Eine besonders angenehme Funktion ist hier, dass wir die Option bekommen, automatisch zum Auftraggeber zurückzukehren, sobald wir die Aufgabe abgeschlossen haben. Diese Quests erhalten wir von verschiedenen NPCs, die wir in den Gebieten treffen können. Teilweise fällt uns oder den anderen Charakteren auch während einer Mission ein interessanter Punkt auf, der dann als optionales Ziel markiert wird.

So schön kann eine Techno Metropole sein

Grafisch ist das Spiel natürlich nicht mit seinem wirklich gut in die Jahre gekommenen Original zu vergleichen. Des Weiteren ist der Titel „Remake“ und nicht etwa „Remaster“ bewusst gewählt. Wir bekommen ein wirklich atemberaubend schönes Spiel, das alle technischen Neuerungen seit 1997 gut nutzt. Wir bekommen eine komplett neue 3D-Welt mit vielen Details, die zwar genauso aufgebaut ist aber durch ihren Detailreichtum die Atmosphäre um einiges besser wiedergeben kann. Die Details gehen so weit, dass uns jeder angelegte Ausrüstungsgegenstand angezeigt wird, sogar mit jedem einzelnen Materia-Slot, und der darin eingesetzten farblich passenden Kugel. Eine weitere neue Stärke ist definitiv die Charakterdarstellung, da es jetzt möglich ist Mimik darzustellen. Außerdem ist auch jeder Dialog (in mehreren Sprachen) vertont. Dadurch gewinnt fast automatisch jede Person an Tiefe und Glaubwürdigkeit. Zudem ist die Vertonung sehr gut umgesetzt, das schließt die Soundeffekte, zum Beispiel in Kämpfen, mit ein. Lediglich in kleinen Punkten wirken Animation und Sound etwas hölzern, zum Beispiel wenn unser genetisch modifizierter Elitesoldat Treppen steigen muss, dann klingt er wie ein Greis und schwebt mehr als das er läuft. Diese Situationen sind allerdings so selten, dass man sie getrost ignorieren kann.

Die neue Intergrade-Version

In der extra für die PlayStation 5 und jetzt auch für den PC erschienenen Intergrade-Version stehen uns noch mehr Inhalte zur Verfügung sowie wurden grafische- und Quality-of-Life-Verbesserungen eingefügt. Grafisch sind jetzt auch höhere Auflösungen und Frameraten wählbar und die meisten Texturen wurden überarbeitet. Durch die einstellbaren Grafikoptionen können nicht nur die leistungsstärksten sondern auch etwas schwächeren PCs das Spiel flüssig wiedergeben. Ein Fotomodus, der jederzeit anwählbar ist, wurde ebenfalls implementiert. Die größte Neuheit ist aber der komplett enthaltene neue (und noch) exklusive DLC, der die Hintergrund-Story eines der spielbaren Charaktere um einiges erweitert beziehungsweise überhaupt erst erzählt.

Fazit

Die Geschichte von Final Fantasy VII steigt recht rasant ein und kann einen am Anfang schon etwas überfordern, aber durch die vielen Dialoge klärt sich bald einiges auf und offenbart uns die spannende Geschichte rund um Shinra und die Widerstandsbewegung Avalanche. Wer das Original oder einen der Ports damals also verpasst hat, der hat hier die Chance, die Geschichte mit einer modernisierten Version doch noch zu erleben. Allerdings gibt es nicht die komplette Geschichte von Final Fantasy VII, sondern nur einen Teil. Der Rest soll in Episoden nachgereicht werden, hier liegen aber noch keine genaueren Informationen vor. Grafisch ist das Spiel eine Wucht und zeichnet ein sehr detailliertes Bild von Midgar. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass bei einem Spiel, das sich so stark beschränkt, trotzdem keine komplett freie Erkundung möglich ist. Jeder Charakter hat nun eine viel tiefere Persönlichkeit und auch die früher eher matten Nebencharaktere sind uns schnell ans Herz gewachsen. Ich persönlich bin sehr glücklich über dieses Remake, da ich in die doch inzwischen veralteten Mechaniken und flachen Dialoge nie so wirklich reingefunden habe und nun doch noch die viel gelobte Geschichte erleben kann. Noch dazu in so einer augenschmeichelnden Grafik.

Pro:
  • Grafik ist atemberaubend
  • Charaktere haben gut ausgearbeitete Persönlichkeiten
  • Spezialisieren von Charakteren macht Laune
  • Neues dynamisches Kampfsystem
  • Optionen, das Ganze auch „klassisch“ erleben zu können
Contra:
  • Midgar nicht frei erkundbar
  • Nur ein Bruchteil der ganzen Geschichte
  • Kampfschwierigkeit zwischen normalen Gegnern und Bossen sehr sprunghaft
  • Recht simple Nebenquests
Story
4 von 5 Buddies
Gameplay
5 von 5 Buddies
Grafik
5 von 5 Buddies
Sound
5 von 5 Buddies
Atmosphäre
4 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PC

Unsere Wertung:

9.5 / 10
Hat seit dem Gameboy jede Handheld-Generation ausgiebig genutzt. Es stehen vorallem Coop- und Multiplayer-Spiele hoch im Kurs.

Schreibe einen Kommentar:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentar absenden