Review

Gods Will Fall im Test: Kampf gegen die Götter und das eigene Glück

Von Marvin Kolb am 3. März 2021
Publisher: Deep Silver
Release: 29. Januar 2021
Genre: Action-Adventure
Entwickler: Clever Beans
Verfügbar für: PC | Switch | PS4 | Xbox One
USK Altersfreigabe: ausstehend

Gods Will Fall schickt den Spieler in den Kampf gegen die Götter, aber auch gegen das eigene Glück. Die Dungeons, die man dabei durchstreift sind zufallsgeneriert. Aber auch sonst liegt vieles im Spielverlauf nicht in der eigenen Hand. Das Spiel will mit einer liebevoll erzählten Geschichte und einigen eigenen Spielansätzen punkten. Aber gelingt dies vollends?

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Gegen die Götter

In Gods Will Fall steuert der Spieler eine Truppe aufgebrachter Kelten. Warum diese aufgebracht sind? Ganz einfach – seit Jahrtausenden waren sie den Launen der Götter, die ohne Erbarmen über die Welt herrschen, ausgeliefert. Damit soll nun Schluss sein. Bislang waren die Menschen einem qualvollen Tod geweiht, sollten sie sich nicht dem Willen der Gottheiten unterwerfen. Der Ruf zu den Waffen erfolgt aus jahrhundertealtem Frust und so kommt es, dass der Spieler acht bewaffnete Kelten steuert, die in einem Pulk gegen die Götter und ihre abgesandten Schergen, sprich verschiedene Monster, ziehen.

So gilt es nun von einer Höhle in die nächste zu wandern, um sich dort den übermächtigen Gegnern zu stellen und diese zu vertreiben. Dabei haben die mutigen Krieger und Kriegerinnen nur ein Ziel vor Augen: das Überleben des eigenen Stammes zu sichern und künftig in Frieden leben zu können.

Die Geschichte des Spiels wird durch sehr stimmige und atmosphärisch dichte Comic-Sequenzen erzählt. Eine fortschreitende Geschichte gibt es allerdings nicht. Viel mehr wirft das Spiel seine Spieler durch die Introsequenz in das Geschehen. Schade, denn hier lässt Gods Will Fall Potenzial für eine schön erzählte Geschichte liegen, denn die Introsequenz ist liebevoll gestaltet und macht Lust auf mehr. Zudem fällt das keltische Setting positiv auf, da es sehr unverbraucht daherkommt.

Dabei schaut der Spieler aus der Vogelperspektive auf das Geschehen. Warum nur einer der Krieger einen Dungeon betreten kann bleibt unklar, sorgt jedoch für eine kleine Herausforderung, da verschiedene Figuren auch verschiedene Statuswerte mit sich bringen. So unterscheiden sich Kämpfer/-innen zum Beispiel in Stärke, Gesundheit und Geschwindigkeit. Auch in den mitgebrachten Waffen gibt es Unterschiede. So kann der Spieler zwischen Kelten mit Speeren, Schwertern oder Beilen wählen, wobei jede Waffenart eine andere Spielweise begünstigt. Speere eignen sich für Angriffe, die etwas Abstand zum Gegner benötigen, ein Schwert hingegen lässt den Spieler in schneller Abfolge mehrfach zuschlagen. Ein simples Prinzip, das dank guter spielerischer Umsetzung nach einigen Spielstunden noch immer Reiz besitzt, denn auch wenn die Steuerung recht schnell erlernt ist, kann sie im späteren Spielverlauf genügend Tiefe bieten.

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Rogue-Like Elemente gepaart mit dem Zufallsprinzip 

Die verschiedenen Monster, die es zu besiegen gilt, bieten auch eine Vielzahl an Angriffsmustern und Bewegungsabläufen, die es immer wieder taktisch klug anzugehen gilt. So müssen die Fähigkeiten des gewählten Kämpfers immer auf den Feind abgestimmt sein, um einen Erfolg zu erringen. Und hier kommt ein sehr erfrischendes Spielprinzip zum Tragen: ist einer der Kelte nämlich erfolglos, so steckt er im Dungeon fest und der nächste Krieger muss sich auf den Weg machen, das Monster zur Strecke zu bringen. Ist der Bossgegner besiegt, so verlassen alle zuvor gefangenen Figuren heil die Höhle. Dies peppt das Spielgeschehen gegenüber anderen Rogue-Like-Vertretern ordentlich auf und weckt ein einzigartiges Spielgefühl.

Hin und wieder sorgt aber ein besonderer Gegner für Frust: der Zufall. Denn sowohl die Krieger und deren Fähigkeiten, als auch der Schwierigkeitsgrad der in manchen Arealen angetroffenen Widersacher sind zufallsgeneriert. Und so kommt es, dass man das ein oder andere Mal verzweifelt den Controller an die Wand werfen möchte, während andere “Runs” dann ganz einfach gehen. Ein Gefühl von stetiger Steigerung des eigenen Könnens ist dadurch sehr hart erkämpft, weil man auch immer wieder frustrierende Läufe in Kauf nehmen muss, bevor man wieder von vorne startet und der Zufall bessere Voraussetzungen für spielerischen Erfolg verteilt. So kann es passieren, dass der Spieler einige unspaßige Minuten damit zubringen muss, um sich eine geeignete schwere Höhle mit angemessen starken Gegnern zu suchen.

Trotz allem fesselt das Spielprinzip schnell und man lernt als Spieler den Frust wegzustecken, denn Gods Will Fall kann eine Menge Spaß machen, wenn man sich auf das Spiel einlässt. Hat man dann nämlich einige Höhlen gemeistert und sich erfolgreich gegen den Zorn der Götter gestellt, gibt es doch so etwas wie eine Erfolgskurve, die für einige Spielstunden motivieren kann. Aber auch hier gibt es einen kleinen Dämpfer und auch dieser kommt wieder durch den alten Feind Zufall. Hart erkämpfte Upgrades und Waffenverbesserungen werden leider nicht selbst nach Anpassung an den eigenen Spielstil verteilt, sondern geschehen auch zufällig. 

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Eine nette, kleine Indie-Perle 

Gods Will Fall ist ein Indiespiel und so kann man schnell darüber hinweg schauen, dass grafisch keine wahre Augenweide geboten wird. Vielmehr wirkt alles stimmig, wenn auch detailarm und hier und da matschig. Das Design der Gegner, wie auch der Spielwelt ist allerdings liebevoll und tröstet daher über den ein oder anderen grafischen Mangel, wie zum Beispiel fehlende Fußspuren im Sand, hinweg.

Das Spiel zeigt genügend Potenzial, um einige Stunden bei der Stange zu halten und so kommt man auch nach einigen Wochen Pause bestimmt ab und an mal gerne auf Gods Will Fall für einige spaßige Spielminuten zurück.

Gerade die stimmige Präsentation der grundlegenden Geschichte ist auf sehr hohem Niveau und das Anfangs-Video schaut man sich doch immer wieder gerne an.

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Fazit

Wer eine hohe Frustresistenz gegen die übermäßige Rolle des Zufalls im Spielgeschehen mitbringt, der wird an Gods Will Fall mit Sicherheit ein paar spaßige und fordernde Stunden finden, denn das Spielprinzip macht einige Zeit wirklich Laune und fordert von Beginn an auf positive Weise. Wenn der Frust aber aus den zufallsgenerierten, in das Spiel eingreifende Mechaniken, wie Schwierigkeitsgrad oder schlechte Kriegerauswahl, und nicht durch die eigenen Unzulänglichkeiten beim Spielen kommen, kann man schon mal schnell die Lust am Spiel verlieren.

Trotz einiger Mängel bietet Gods Will Fall ein wirklich angenehm frisches Rogue-Like Erlebnis, das lange an den Controller fesseln kann. Bedenkt man das Preis-Leistungs-Verhältnis, so kann man gerne zuschlagen und sich auch auf einige grafische Mängel einlassen, denn gerade die Gegner und das Intro-Video sind sehr liebevoll inszeniert.

Mit etwas mehr Feintuning und einigen Mitbestimmungsmöglichkeiten, was die Upgrades angeht, könnte hier nochmal der Spielspaß gehörig nach oben getrieben werden. Es bleibt also zu hoffen, dass hier mit Hilfe eines Patches nochmal nachjustiert wird. Ansonsten kann man Gods Will Fall jedem Rogue-Like-Fan ans Herz legen, denn ein unverbrauchtes Setting in Verbindung mit einem unverbrauchten Spielprinzip findet man selten.

Pro:
  • Sehr gut präsentierte Geschichte
  • Unverbrauchtes Spielprinzip
  • Schnell erlernt, aber im Spielverlauf fordernd
Contra:
  • Zu viele Faktoren hängen vom Zufall ab (Schwierigkeitsgrad der Dungeons und erhaltene Upgrades)
  • Leider grafisch etwas zu simpel und trist
Story
3 von 5 Buddies
Gameplay
3 von 5 Buddies
Grafik
3 von 5 Buddies
Sound
3 von 5 Buddies
Atmosphäre
3 von 5 Buddies

Spiel getestet auf: PS4

Unsere Wertung:

6.0 / 10
Leidenschaftlicher Zocker, der irgendwo zwischen Shootern, Plattformern, Action-Adventures und arcadigen Sportspielen zuhause ist. Zu den Lieblingsreihen gehören Resident Evil, The Last Of Us, Call Of Duty und GTA.

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