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Review

Hi-Fi Rush im Test: Rock me, Mister Chai!

Von Simone Jung am 9. April 2024. Getestet auf PS5. Zum Spiel hier klicken.

Hi-Fi Rush? Kommt dem einen oder anderen der Titel vage bekannt vor? Ja, dies kommt in der Tat nicht von ungefähr, denn das Spiel ist bereits im Januar 2023 für die Xbox und den PC erschienen. Nun allerdings findet das bunte Rhythmus-Action-Adventure aus dem Hause Tango Gameworks, das sich schon für bekannte Spiele wie Ghostwire: Tokyo oder The Evil Within verantwortlich zeigte, auch den Weg auf die PlayStation. Zeit für uns, um unserem inneren Rockstar auf der neuen Plattform eine Bühne zu geben. Ob das Konzert rockt, erfahrt ihr in unserem Test.

Takt in der Mechanik

Frohgemut besucht Chai die Firma Vandelay, um seinen rechten Arm, den er in einer Schlinge trägt, gegen einen technischen Roboterarm austauschen zu lassen. Mit diesem Upgrade erhofft er sich, seinem Traum, ein weltberühmter Rockstar zu werden, einen Schritt näher zu kommen.

Doch der Eingriff verläuft nicht ganz nach Plan. Im Zuge einer Panne verschmilzt Chais Musikplayer mit der Batterie seines neuen Arms zu einer Art Antriebskern, der etwas an Iron Mans Arc-Reaktor erinnert. Dieser Zusatz versieht den Möchtegern-Rockstar prompt mit der Fähigkeit, rundherum einen Beat wahrzunehmen und sich mit ihm zu synchronisieren. Während Chai seinen unverhofften Bonus überrascht feiert, kommt die Endkontrolle von Vandelay zu dem Schluss, einen unerwünschten Ausschuss vor sich zu haben. Als Defekt deklariert, soll Chai daher in seiner Gesamtheit umgehend verschrottet werden.

Da dies verständlicherweise überhaupt nicht im Sinne des Protagonisten ist, nimmt er schnellstens Reißaus, sobald er die Gefahr wittert. Auf seiner Flucht vor dem riesigen Konzern, der ihm so plötzlich nach dem Leben trachtet, erhält er unerwartet Hilfe von einem Mädchen und ihrer Roboterkatze 808. Seine Lage ist nämlich direkt in den aufmerksamen Fokus der rebellischen Peppermint geraten, die sich gerade auf ihrem eigenen Feldzug gegen Vandelay befindet, weil sie ein finsteres Komplott hinter den öffentlich so hoch gelobten Augmentierungen vermutet. Um die dunklen Machenschaften aufzudecken, kommt ihr Chais Spezialfähigkeit gerade recht. Und so einigt sich das ungleiche Trio zügig auf eine Zusammenarbeit – mit dem gemeinsamen Ziel Vandelay aufzuhalten, bevor es zu spät ist.

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Der Rhythmus der Welt

Hi-Fi Rush wird in einer bunten Cel-Shading-Optik mit frei drehbarer Kamera präsentiert und wartet mit einer komplett deutschen Sprachausgabe auf. Die Geschichte erfindet das Rad zwar nicht neu, wird aber auf eine sehr humorvolle Art und Weise erzählt. Die passend zum gewählten Grafikstil überzogene Comic-Darstellung sowie Gags im Stile von Borderlands sorgen definitiv für Kurzweil. So unterstreicht beispielsweise die feindliche Rekka einmal nachdrücklich, dass der Inhalt eines Schriftstücks wichtig ist, weil sie alle Buchstaben darin großgeschrieben hat – was sie allerdings konsequent nun mal immer tut und zudem von sich auch noch dauerhaft in der dritten Person spricht.

Generell werden die Charaktere durch den Comic-Look und die gute Arbeit der Synchronsprecher durchweg stilisiert dargestellt. So fügen sich zu den schrillen Kontrahenten unser etwas trotteliger Möchtegern-Rockstar Chai, die aufständisch-taffe Peppermint und die knuffige Roboterkatze 808 genauso passend in das humoristische Gesamtbild ein, wie im weiteren Verlauf hinzukommende Neuzugänge, beispielsweise der herzensgute Kraftprotz Macaron. In Hi-Fi Rush stellt, wie der Name schon vermuten lässt, die Musik das zentrale Element schlechthin dar. Eigens für das Spiel komponierte sowie von bekannten Bands wie Nine Inch Nails oder The Prodigy beigesteuerte Tracks sorgen für ein rockiges Flair. Der treibende Beat untermalt das komplette Spielgeschehen passend und entfaltet schnell eine gewisse Sog-Wirkung, ohne dabei zu hektisch oder aggressiv zu werden.

Schön ist hierbei, dass beim Port auf die PlayStation der Beat wirklich gut auf das haptische System der DualSense-Controller übertragen wurde. Nun ist dies nicht fortwährend der Fall, was wahrscheinlich auch zu viel des Guten gewesen wäre. An ausgewählten Stellen allerdings unterstreicht diese Funktion harmonisch das Spielgefühl, zum Beispiel, wenn eine Produktionsmaschine im Takt an uns vorbei fährt und wir ihren Verlauf zusätzlich an den Händen spüren.

Ich hab‘ den Groove

Chais zufällig entstandener Musikplayer-Energiekern sorgt dafür, dass unser Rocker die Musik nicht nur im Blut hat, sondern zusätzlich zu jeder Faser seines Körpers auch in der Umgebung fühlt. Fortan dreht sich für ihn also ständig alles um den perfekten Beat. Dies ist sogar deutlich sichtbar. So bewegt sich Chai genau im Takt der Musik fort und überall im Umfeld pulsieren Elemente passend mit. Auch Roboterkatze 808 als schwebender Begleiter blinkt unterstreichend hierzu synchron. Zusätzlich können wir über das Touchpad eine taktgebende Leiste am unteren Bildschirmrand einblenden, die uns helfen kann, in der Musik zu bleiben. Das macht uns das Leben in Hi-Fi-Rush definitiv einfacher. Bei der Erkundung der Vandelay-Betriebsstätte müssen wir nämlich unser Taktgefühl in verschiedenen Passagen unter Beweis stellen.

Um eine höhere Ebene zu erreichen, ist es zum Beispiel notwendig, Kombo-Sprünge vorzunehmen, bei denen 808 uns vorzählt wie oft wir hüpfen müssen. Treffen wir dabei aber den Takt nicht, landen wir wieder am Ausgangspunkt und müssen einen neuen Versuch starten. Weiterhin begegnen uns auch andere Quicktime-Events, die absolviert werden wollen. In manchen ist ein Fortkommen durchaus noch gewährleistet, selbst wenn wir mal nicht im Rhythmus sind. Hier lassen sich die Seilrutschen nennen, bei denen wir unterwegs Hindernissen ausweichen müssen. Kollidieren wir damit, nehmen wir zwar Schaden, rutschen aber munter weiter – eine gute Gesundheit natürlich vorausgesetzt. Bei anderen Quicktime-Events ist es für ein Fortkommen jedoch zwingend notwendig, den exakten Moment zu treffen. Schaffen wir das nicht, dürfen wir wieder von vorne beginnen und zwar so lange, bis der Abschnitt in seiner Gänze sitzt. Dies ist teilweise gar nicht so leicht, denn das Zeitfenster für die entsprechende Tasteneingabe ist doch recht knapp bemessen. So schön die Quicktime-Events für Abwechslung im Spiel sorgen, so hemmen sie leider den sonst so treibenden Spielfluss manchmal doch, wenn man sich zum gefühlt tausendsten Mal an derselben Abfolge versucht.

Hin und wieder stoßen wir zudem auf Ecken, an denen Chai trotz seiner besonderen Fähigkeit alleine nicht weiterkommt. Glücklicherweise ist er ja aber keine Ein-Mann-Band. Hängt etwas weiter weg ein Schalter, der betätigt werden muss? Kein Problem, dann rufen wir eben über 808s Portal Peppermint herbei und kümmern uns mit ihrer Schusswaffe darum. Ist der Fels zu massiv, könnte aber mit der richtigen Kraft vielleicht doch aus dem Weg gesprengt werden? Ein klarer Fall für Macaron, wenn wir seinen Schlag richtig timen. In Hi-Fi Rush finden wir neben all den Musikinhalten aber auch typische Jump-’n’-run-Abschnitte vor, die ebenfalls kreativ und abwechslungsreich gestaltet sind. Es kann durchaus vorkommen, dass sich die Kamera mal für ein Stück auf eine klassische 2D-Darstellung ändert oder dass wir auf der Flucht vor einer akuten Bedrohung, die wir nicht bekämpfen können, möglichst fehlerfrei eine Sprungpassage bewältigen müssen.

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Beat-Beben

Natürlich bleibt Chais Vordringen auf dem Firmengelände von Vandelay nicht unbemerkt, zumal er überhaupt keinen Hehl daraus macht und die Firma mit großer Klappe offen konfrontiert. Die Führungsriege ist somit noch mehr darauf bedacht, den Defekt auszuschalten und hetzt ihm daher Horden von Robotern auf den Hals, die sich um ihn kümmern sollen. Ausgerüstet mit einer gitarrenförmigen Schlagwaffe aus Schrottteilen stellt sich unser Protagonist seinen Feinden unterwegs in kleinen Arenen zum Kampf. Auch hier kommt wieder Chais Spezialfähigkeit zum Zuge. Mit mittleren oder schweren Angriffen und Kombinationen davon hauen wir den Robotern in bester Rockstar-Manier unsere Gitarre um die Ohren. Beachten wir bei unserer Eingabe den Moment des Beats, erhöht sich mit jedem Takttreffer der ausgeteilte Schaden. Somit kann sich in dem erfrischenden Spielkonzept ein wirklich schöner Flow ergeben, der den Counter unserer Kampfbewertung nur so in die Höhe treibt und die Gegner Akkorde der anderen Art hören lässt.

Schön ist hierbei zudem, dass wir mit reinem Button-Mashing zwar nicht ganz so effektiv aber immerhin auch weiterkommen können, wenn wir mal aus dem Takt geraten oder generell nicht ganz so stark den Beat fühlen. Abgestufte Schwierigkeitsgrade machen es möglich — jedenfalls zum größten Teil, denn nicht alle Kämpfe laufen gleich ab. Um noch etwas mehr Würze ins Kampfgeschehen zubringen, warten die Roboter und Bossgegner nämlich mit unterschiedlichen Herausforderungen auf. Manchmal müssen wir daher erst abwarten oder eine bestimmte Aktion ausführen, bevor wir unsere niederschmetternden Hiebe verteilen können. Beispielweise nutzen manche Gegner einen Schutzschild, gegen den Chai selbst nichts ausrichten kann. Zum Glück ist aber hier wieder auf den Background Verlass, denn je nach Dicke des Schilds können wir Peppermint oder Macaron im Kampf herbeirufen, damit sie uns den Weg ebnen. Die Kämpfe laufen stets flüssig ab und erhalten mitunter durch den Beat eine treibende Dynamik. Im Eifer des Gefechts kann es aber auch mal passieren, dass man kurzzeitig den Überblick verliert, wenn unser Held in all den comicartigen Treffereinblendungen oder Angriffen etwas untergeht.

Hi-Fi-Anlage

Bei allem, was Vandelay so auffährt und stetig neu mobilisiert, um uns aufzuhalten, ist es gut, dass Chai und Konsorten sich ebenfalls aufrüsten können. So erlernen wir etwa neue Angriffe und Kombos mit unseren Mitstreitern, die wir bei Bedarf in einem Übungsraum zuerst verinnerlichen können, bevor es an den Ernstfall geht. Alternativ erweitern wir Chais Gesundheits- oder Hall-Leiste, um mehr Treffer einstecken oder durchschlagende Spezialangriffe zünden zu können. Auch lassen sich zusätzliche Steckplätze in Chais Arm integrieren und darüber verschiedene Zusätze einspielen. Zum Beispiel ist es so möglich, die Wartezeit zwischen zwei Einsätzen von Peppermint zu verkürzen.

Um all diese Upgrades freizuschalten, benötigen wir allerdings Schrottteile. Diese finden sich in verschiedenen Formen überall in der Spielwelt verstreut und warten nur darauf, von uns eingesammelt zu werden. Des Weiteren gibt es hier häufig Kisten und Tonnen zu entdecken, die ebenfalls Altmetallteile beinhalten. Besondere Einnahmequellen finden sich zudem in Getränkeautomaten oder goldenen Statuen. Hier hilft uns Chais Spezialfähigkeit in einer äußerst runden Sache erneut, denn je besser wir im Takt darauf eindreschen, desto mehr metallischer Zuwachs klingelt unter tosendem Applaus auf unserem Schrottkonto. Obwohl wir im Spielverlauf reichlich Material zum Aufleveln finden, müssen wir dennoch Prioritäten setzen. Wir haben definitiv gut zu tun, wenn wir alles freischalten wollen. Somit ist durchaus einiges an Langzeitmotivation gegeben.

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Fazit

Das bunte und ungewöhnliche Spielkonzept von Hi-Fi Rush hat mich interessiert in eine Welt eintauchen lassen, in der sich alles um den perfekten Beat dreht. Auf jedem Schritt begleitet uns rockige Musik, die uns stetig voran treibt, aber nicht hetzt. Sie findet sich auch visuell in der Spielwelt wieder, in der überall Elemente stimmungsvoll mitpulsieren und somit zu einem gewissen Sog beitragen. Ebenfalls untermalt die Vibrationsfunktion der DualSense-Controller harmonisch, ohne überladen zu sein. Zudem wird unser Taktgefühl in einer erfrischenden Spielidee sowohl in der Erkundung, bei zahlreichen Quicktime-Events als auch bei Kämpfen gefordert. Je besser wir in der Musik sind und den Takt treffen, umso mehr steigert sich unser Flow. Gehemmt wird dieser allerdings in manchen Quicktime-Events, in denen ein perfekter Durchlauf verlangt wird, jedoch das Zeitfenster für die Eingaben recht knapp bemessen ist. Zudem leidet manchmal die Übersichtlichkeit in den Kämpfen durch diverse Einblendungen. Die Spielwelt selbst weiß hingegen mit ihrer Cel-Shading-Optik definitiv zu überzeugen. Die Charaktere sind herrlich comicartig überzeichnet und der sich selbst nicht zu ernst nehmende Humor im Stile eines Borderlands sorgt für sehr gute Unterhaltung.

Als ich Hi-Fi Rush entdeckt habe, hat es mich erst einmal verwundert, dass es bereits vor über einem Jahr auf dem Markt erschienen ist. Damals ging es komplett an mir vorbei. Umso mehr freut es mich, dass die Portierung auf die PlayStation es schließlich doch noch in mein Blickfeld gerückt hat und ich das Spiel nun nachholen konnte. Denn es hat sich für mich definitiv gelohnt.

Pro:
  • Guter, vorantreibender Soundtrack, ohne zu hektisch oder aggressiv zu werden
  • Schöner Spielfluss mit Sog-Wirkung
  • Bunter, charmanter Comic-Stil
  • Unterhaltsamer Humor
  • Gute Einbindung des DualSense-Controllers
  • Erfrischendes Spielkonzept
Contra:
  • Manche Quicktime-Events hemmen den Spielfluss
  • Teilweise im Kampfgetümmel etwas unübersichtlich
Story:
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Gameplay:
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Grafik:
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Sound:
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Atmosphäre:
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Unsere Wertung: 9.0 / 10
TestingBuddies Award Silber
Spiel getestet auf: PS5
Simone Jung

Simone Jung

Konsolenzockerin seit der Kindheit, bevorzugt auf der PlayStation. Zu den Lieblingsspielreihen gehören Grandia, Project Zero, Tomb Raider, Uncharted und Tekken, aber es finden auch gerne mal Indie-Titel den Weg auf den Bildschirm.

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